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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Journal

Der kleine Golfstaat Katar ist derzeit eine riesige Baustelle. Grund sind acht neue Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022. Technische und künstlerische Aspekte bestimmen ihre Gestaltung

Große Gesten



Al Bayt Stadium von Salini Impregilo

Al Bayt Stadium von Salini Impregilo

Schon von weitem zeichnen sich am blauen Himmel die weißen Stahlbügel ab. Netzartig herabhängende Verstrebungen lassen an konstruktive Installationen denken. An ihnen hängt das Dach des Khalifa International Stadium. Während der Austragung der Leichtathletik-WM in Doha vor einigen Monaten war das Motiv in den Nachrichten ständig präsent. 1976 als Nationalstadion eröffnet und inzwischen auf 40.000 Plätze erweitert, ist es die älteste von acht Wettkampfstätten für FIFA-WM Ende 2022 im Golfstaat Katar. Die kühle, technoide Künstlichkeit entfaltet erst in der Nacht ihren vollen Zauber, wenn von den beiden geschwungen Bögen Pyrotechniker Feuerwerkskörper aufsteigen lassen, die der Sportarena eine flammende Krone aufsetzen. Rundum hat sich seit den Asienspielen im Jahr 2006 ein ausgedehntes Sport- und Unterhaltungsquartier entwickelt. Dazu gehört auch der 300 Meter emporragende Aspire Tower neben dem Stadion. Das höchste Gebäude des Landes besteht aus dem zylindrischen, von einem Stahlnetz umhüllten Betonkern und ähnelt in der Form einer Flamme, die tagsüber recht steif, doch nachts in bunter Beleuchtung feinsinnig auf die Gas- und Ölproduktion des Landes hindeutet. Hier kann man sich große Gesten leisten. Für die übrigen neuen Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft hat man sich gestalterische Konzepte überlegt, die modernste Technik mit landestypischen Motiven der einstigen Fischer, Perlentaucher, Händler und Beduinen verbinden. Sterile Gleichförmigkeit soll es hier nicht geben. Nach einer stringent verfolgten Zielsetzung gehen zurzeit alle Sportstätten der Fertigstellung entgehen.


Seit Mai 2019 ist das Al Janoub Stadium in Betrieb. Zaha Hadid, Vertreterin dekonstruktivistischer Baukunst, ließ sich bei den Planungen von landestypischen Dau-Booten inspirieren, verbunden mit Anklängen an Meeresfluten oder Windböen. Im Gegensatz zum Khalifa International Stadium ist die Turnierstätte von einer dynamisch gewellten Außenhaut samt Schiebedach kompakt abgeschlossen. Denn am Standort rund 23 Kilometer vor den Toren der Stadt Doha auf freier Wüstenfläche toben oft heiße Winde, die abgewehrt werden sollen. Als besondere Herausforderung erweis sich auch hier die Maßgabe, dass sich in allen Stadien die Temperatur zwischen 18 bis 24 Grad bewegen muss. Nach den speziellen konstruktiven wie gestalterischen Anforderungen haben die Techniker je eigene Kühlsysteme unter Einbeziehung von Solarenergie entwickelt. Zaha Hadids Entwurf erlaubt das Absorbieren heißer Luftströme, die dann gekühlt ins Innere geblasen werden. Auch dieses Stadion wird in großen Teilen temporär sein, denn nach der Weltmeisterschaft soll die Sitzplatzzahl durch Rückbau des oberen Ranges um die Hälfte auf 20.000 reduziert werden. Einige Wettkampfstätten werden sogar vollständig verschwinden.

Die originellste Lösung dazu bietet das Ras Abu Aboud Stadium, zentral gelegen zwischen dem Flughafen und der Innenstadt direkt am Meeresufer. Ende 2020 soll es eröffnet werden. Das spanische Architektenteam Fenwick Iribarren konzipierte das erste voll demontierbare Stadion in der Geschichte des FIFA-Worldcups aus wiederverwendbaren Schiffscontainern, die in einem üblichen Hochregallagern ähnelnden Stahlkorsett eingefügt werden. Dies erlaubt die komplette Zerlegung nach Ende des Turniers. Doch zuvor wird es ein farbenfroh gepixeltes Bild vermitteln. Anschließend soll hier ein Park samt Geschäftsmeile entstehen. Dieser innovative modulare Ansatz reduziert die Abfallerzeugung, minimiert die Bauzeit und verringert deutlich die Baukosten. Für alle acht Stadienbauten steht übrigens ein Gesamtbudget von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro zur Verfügung.

Nachhaltigkeit, Nachnutzungen und das bewusste Erinnern an alte Traditionen standen im Fokus eines Masterplanes, den unmittelbar nach Erteilung des Zuschlages zur WM-Austragung im Dezember 2010 das Frankfurter Büro AS+P – Albert Speer und Partner GmbH erhielt. Von den zwölf avisierten neuen Stadien werden nun acht rund um Doha bereitstehen, entsprechend den Vorstellungen einer konzentrierten WM der kurzen Wege. Alle Stätten sind an Metros oder öffentliche Verkehrslinien angebunden. Neben wenigen weltweit renommierten Stararchitekten wurden für die Errichtung der Arenen global agierende Projektentwickler, Ingenieur- und Designfirmen mit der Realisierung betraut. Das herkömmliche Architekturbüro scheint bei derartigen Mega-Projekten ausgedient zu haben.

Als gelungenes Beispiel für Nachhaltigkeit gilt insbesondere das vom Kopenhagener Konsortium Ramboll und Pattern entwickelte Al Rayyan Stadium. Auf dem alten Ahmed bin Ali Stadium errichtet, ist der völlige Rückbau bereits von Anbeginn einbezogen unter der Maßgabe, dass 90 Prozent aller Materialien einer Wiederverwendung zugeführt werden können. Die aus Schablonen bestehende äußere Musterung wird sich an traditionellem Zierrat anlehnen.

Die neuen Stadien imponieren vor allem mit ihren Großformen. Als einprägsames Signal für arabische Gastfreundschaft will das Al Bayt Stadium verstanden werden. Für den Standort mitten in der Wüste rund 60 Kilometer von Doha entfernt entwarf das Mailänder Bau- und Designunternehmen Salini Impregilo ein überdimensioniertes traditionelles arabisches Zelt. Die 37 Meter hohe, dunkel-hell gestreifte Außenhaut aus dem extrem resistenten Kunststoff Polytetrafluorethylen greift die Musterung traditioneller Beduinenzelte auf. Vorgesehen für die Halbfinalbegegnungen, wird die markante Spielstätte mit 60.000 Plätzen und ausfahrbarem Dach mit 770 Millionen Euro veranschlagt.

Das größte Stadion weist über 80.000 Plätze auf. Der Londoner Stararchitekt Norman Foster konzipierte das Lusail Stadium inmitten eines neuen Stadtteils, rund ein Dutzend Kilometer vom Zentrum entfernt. Hier werden das Eröffnungsspiel und das Finale ausgetragen. Die goldene Schüsselform leitete sich von großen Schalen ab, wie sie hier gebräuchlich waren, und spielt auf ein arabisches Handwerk an. Die Muster der filigranen, ein Spiel aus Licht und Schatten inszenierenden Außenhaut ähneln dem traditioneller Fanar-Lampen. Das 662 Millionen US-Dollar teure Objekt soll nach der Reduzierung um 50 Prozent ein Sport-, Bildungs- und Geschäftszentrum aufnehmen.

Auch das Al Thumama Stadium figuriert in seinem Äußeren ein klassisches Objekt, nämlich eine „Gahfiya“, die typische gewebte männliche Kopfbedeckung in der arabischen Welt. Dieses Stadion ist das einzige, das von einem einheimischen Architekten erstellt wurde: Ibrahim M. Jaidah. Eine andere Großform begegnet man auf dem Bildungscampus der Education-City. Das spanische Büro Fenwick Iribarren hat das ultramoderne Education City Stadium ebenfalls geplant und präsentiert es in Form eines geschliffenen Diamanten. Das „Juwel der Wüste“ glitzert tagsüber in der Sonne und zeigt sich nachts hell erleuchtet. So geht Katar bei der Austragung der nächsten Fußball-WM innovative Wege zwischen Tradition und Moderne und nimmt dabei die Zukunft nach dem Großereignis in den Blick.



14.04.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Al Thumama Stadium von Ibrahim M. Jaidah
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Khalifa International Stadium mit Aspire Tower
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Khalifa International Stadium
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Lusail Stadium von Norman Foster
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Ras Abu Aboud Stadium von Fenwick Iribarren Architects
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Al Thumama Stadium von Ibrahim M. Jaidah

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Khalifa International Stadium

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Al Bayt Stadium von Salini Impregilo

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Khalifa International Stadium mit Aspire Tower

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Al Bayt Stadium von Salini Impregilo

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Al Janoub Stadium von Zaha Hadid

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Lusail Stadium von Norman Foster

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Ras Abu Aboud Stadium von Fenwick Iribarren Architects

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