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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Das Niveau der TEFAF in Maastricht bleibt unübertroffen. Sie zeigte das Beste, was der Kunsthandel zu bieten hat, und vermeldet trotz vorzeitiger Schließung gute Umsätze. Die Hinwendung zur modernen Kunst ist unübersehbar

Corona und das Sammlervirus



Vincent van Gogh, Paysanne devant une chaumiere, 1885

Vincent van Gogh, Paysanne devant une chaumiere, 1885

Das Sammlervirus ist anscheinend stärker als die Angst vor Covid-19, das gerade die Weltwirtschaft aus den Angeln hebt. Die diesjährige The European Fine Art Fair, kurz TEFAF, die wegen der Corona-Pandemie vier Tage früher als geplant schloss, hat auf der Eröffnung am Freitag voriger Woche und während der Laufzeit rund 30 Prozent weniger Besucher registriert. Verkauft wurde aber sowohl im Altmeisterbereich, bei den Antiken und Antiquitäten, als auch in der modernen Kunst besser als erwartet. Als eines der Top-Exponate galt Vincent van Goghs Gemälde „Landarbeiterin vor Bauernhaus“ von 1885 am Stand der Londoner Galerie Dickinson. Das Bild von spröder Schönheit aus der frühen Schaffensphase eines der wichtigsten Künstler des Postimpressionismus hat eine erstaunliche preisliche Karriere hinter sich: 1968 hat es ein Sammler für 45 Pfund in einem englischen Antiquitätengeschäft entdeckt, später wurde es für 1,7 Millionen Dollar versteigert und nun auf der bedeutendsten Kunst- und Antiquitätenmesse für 15 Millionen Dollar angeboten. Lange musste es nicht auf einen neuen Besitzer warten. Die Galleri K aus Oslo setzte dagegen auf Fotografie der Becher-Schule. Andreas Gurskys dreiteilige Fotoarbeit „James Bond Island“ von 2007, eines von noch zwei existierenden, nicht zerstückelten Sets dieses Werks, ging für über 1 Million Euro in neue Hände.


Wie die gesamte internationale Messelandschaft ist auch die TEFAF in Bewegung – nicht nur, dass 25 der 275 Händler Erstaussteller sind. Der Trend, dass der Kunstmarkt schon seit Jahren von der Moderne und der zeitgenössischen Kunst angeführt wird, hat auch der Messe in Maastricht seinen Stempel aufgedrückt. Die Kunst des 20. Jahrhunderts ist sich von ihrer anfänglichen Außenseiterposition zwischen Tafeln von Adriaen Isenbrant und Meistergrafik von Rembrandt, zwischen Kunstkammerobjekten und bibliophilen Inkunabeln befreit und bespielt zumindest flächenmäßig inzwischen den größten Teil der TEFAF. Nanne Dekking, der Vorsitzende des TEFAF-Kuratoriums, sprach davon, dass die Messe es geschafft habe, diese Sektion auf das gleiche Niveau zu heben wie die Alte Kunst.

Die Hammer Galleries, diesmal mit Henri de Toulouse-Lautrecs vibrierendem Porträt „Madame Aline Gibert“ von 1887, mit Edgar Degas’ brüchig-flirrendem Gemälde „Drei Tänzerinnen in gelben Röcken“, dessen Preis über dem aktuellen Auktionsrekord von 37 Millionen Euro liegt, sowie mit Claude Monets Wiesenstück „Coup de Vent“ vertreten, oder Landau Fine Art mit Pablo Picassos „Femme dans un fauteuil“ von 1948/49 und einer beeindruckenden kleinen Suite mit frühen Bildern des Konstruktiven Alberto Magnelli haben diesen Gleichklang mit den Alten Meistern schon vor Jahren realisiert. Jetzt sind es Galerien wie Lisson aus London, die die nur sparsam mit einem einzigen Zeichen bemalte Leinwand „Dialogue“ des Koreaners Lee Ufan für 500.000 US-Dollar verkaufte, oder der Pariser Kamel Mennour mit seiner exzellenten Show dreier schrundig-verkohlt aussehender, entblätterter Baumskulpturen von Ugo Rondinone die Bedeutsames und vor allem Begehrenswertes für Käufer zeitgenössischer Kunst versammeln. Die Galerie Karsten Greve aus Köln ergänzte diesen Part mit schwarzen Bildern Pierre Soulages’ und einer weißen Strukturleinwand Piero Manzonis von 1962, die Mayor Gallery aus London mit der wunderlich-wundersamen textilen Skulptur „Old Lady II“ der eigenwilligen Jann Haworth aus dem Jahr 1967.

Die Verschiebung der Gewichte zwischen alter und moderner Kunst ist offensichtlich. Aber was hier an Gemälden Alter Meister aufgefahren wird, ist trotz des dünner werdenden Angebots nirgendwo sonst auf der Welt in dieser Fülle und Qualität zu haben. Nicht nur die alteingesessenen Galerien wie De Jonckheere aus Genf, die mit dem fast hyperrealistischen Blumenstillleben, hinter dem sich eine blau-dunstige, atmosphärische Landschaft ausbreitet, ein Meisterwerk von Ambrosius Bosschaert d.Ä. an ihren Stand hängte, oder die Londoner Weiss Gallery, die mit der wohl am Hof Kaiser Rudolfs II. in Prag um 1600 entstandenen Allegorie „Venus und Cupido“ eine Wiederentdeckung Bartholomäus Sprangers präsentierte, ziehen die Aufmerksamkeit der Enthusiasten und der Fachwelt auf sich. Als erfolgreiches Newcomer-Duo auf diesem Gebiet stellten sich Caretto & Occhinegro aus Turin vor. Wer auf ihre Website schaut, ist erstaunt über den anspruchsvollen Warenbestand der jungen Händler und fragt sich, welcher Investor dahintersteckt. Zu ihren TEFAF-Verkäufen gehört jedenfalls das frühbarocke Gemälde „Die Predigt Jesus am See Genezareth“ von Frans Francken II.

Dass die Altmeister längst nicht mehr in einer geschlossenen Kapsel agieren, markieren die Veränderungen bei der wohl ältesten Kunsthandlung Europas, bei Colnaghi. Hier agiert neben Jorge Coll jetzt die Russin Victoria Golembiovskaya als Strategin. Ihre Zukunftsvision ist ein Crossover von Antike über die Alte Kunst bis zum Design. Nicolás Cortés, der erst vor ein paar Jahren gemeinsam mit Jorge Coll die Traditionsgalerie von Konrad O. Bernheimer übernahm, tritt nun allein unter seinem Namen auf. Seine zwei Altarflügel des Antwerpener Meisters Anthonis Mor aus dem 16. Jahrhundert gehörten zu den Highlights der TEFAF. Die beiden Tafeln mit Darstellungen des heiligen Hieronymus und der heiligen Klara waren mit 3 Millionen Euro ausgepreist. Sie gingen an eine niederländische Privatstiftung.

Maastricht ist und bleibt die Plattform für das Beste, was der Markt im Augenblick zu bieten hat: Kunst und Mathematik treffen in den augentäuschenden Intarsien eines Nürnberger Renaissancekästchen von 1565 am Stand von Kunstkammerspezialist Georg Laue aufeinander. Die raffinierte Arbeit des Meisters der Perspektive mit seinen Polyeder-Darstellungen und gravierten Beintafeln ist ein spektakuläres Kabinettstück höfischer Handwerkskunst. Der Preis von 850.000 Euro ist hoch, aber es gibt, so Georg Laue im Gespräch mit Kunstmarkt.com, bereits Interesse von Museumsseite. Mit dieser Summe liegt Laue nicht weit entfernt von den 950.000 Euro für ein im 16. Jahrhundert gegossenes Bronze-Porträt des jungen Lucius Verus. Der Stellvertreter des Kaisers Mark Aurel war bei der vor allem für ihre Renaissance-Bronzen geschätzten Kunsthandlung Tomasso Brothers Fine Art zu haben. Beim Porzellanexperten Langeloh, der zum ersten Mal auf der TEFAF zugelassen wurde, überzeugte der große Satz von vier Erdteilen, der ursprünglich von der russischen Zarin Elisabeth in Meißen in Auftrag gegeben und von Johann Joachim Kändler um 1730/40 entworfen wurde. Der Preis lag im unteren sechsstelligen Euro-Bereich.

Die vorzeitige Schließung der TEFAF trifft die Aussteller hart. Vier fehlende Messetage bedeutenden weniger Verkaufsgespräche, weniger Kommunikation mit Sammlern, Spezialisten und Museumskuratoren. Einige Händler haben inzwischen das Internet mobilisiert. Der Antikenspezialist Jean-David Cahn, aber auch Arnoldi-Livie und der Porzellanhändler Röbbig haben sich schon letzte Woche per Video und YouTube an alle Kunden gewandt, die aufgrund der Umstände nicht nach Maastricht reisen wollten. Die ausfallenden Tage der TEFAF 2020 finden nun wohl im virtuellen Raum statt.

Kontakt:

The European Fine Art Foundation

Broekwal 64

NL-5268 HD Helvoirt

Telefon:+31 (0411) 64 50 90

Telefax:+31 (0411) 64 50 91



13.03.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Rembrandt, Adam und Eva, 1638

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