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Der Genter Altar gilt als Hauptwerk des Malers Jan van Eyck. Zwischen zwei Restaurierungsphasen wartet das Museum der Schönen Künste in Gent mit einer beachtlichen Ausstellung des Altars und der Hälfte von Van Eycks Œuvres auf

Gottes Aura modern erforscht



Jan van Eyck, Die Anbetung des mystischen Lammes, 1432

Jan van Eyck, Die Anbetung des mystischen Lammes, 1432

Im Mittelpunkt steht das Lamm. Das antike Opfertier beherrscht als Symbol Christi und Sinnbild der Eucharistie die größte Tafel des Genter Altars. Auf einem Opfertisch in einer paradiesischen Landschaft stehend, strömt Blut aus seiner Seitenwunde in den Kelch. Anbetende Engel, selige Bekenner und heilige Frauen umgeben die Szene, abgerundet vom darüber schwebenden Heiligen Geist und vom Brunnen des Lebens. Jan van Eyck vollendete 1432 mit dem Genter Altar eine der klassischen und nachhaltigsten Darstellungen vom Mysterium des Lammes. Frisch restauriert, zeigt sie erstmals wieder ihren ursprünglichen Zustand.


Zehn weitere Tafeln sind nun im Museum der schönen Künste in Gent zu bewundern, wo sie den Ausgangspunkt der bisher größten Jan van Eyck-Ausstellung bilden. Dazu gehören auch die Gemälde mit Adam und Eva, deren Restaurierung bis 2024 erfolgen soll. Doch schon die abgeschlossenen Erneuerungen haben Beispielloses ans Tageslicht gebracht. Alle Verantwortlichen waren von den Befunden überrascht: Partiell bis 70 Prozent übermalt und voll gefirnisst, wurden spätere Zutaten entfernt und Jan van Eycks Originalversion nach Jahrhunderten wieder sichtbar gemacht. Auffrischungen nach einem Brand im Jahr 1822 ließen das Lamm mit vier Ohren auftauchen. Nun ist wieder Van Eycks Fassung mit dem tiefgründigen Blick des Schafes zu sehen. Die Silhouette aus Türmen im Hintergrund tritt nun vollkommen aus dem Schatten, und der Himmel um den Heiligen Geist leuchtet wieder in hellem Blau. Die Tafeln scheinen förmlich eine innere Glut auszustrahlen. Jan van Eyck erzielte den Effekt über mehrere Lagen Ölfarbe auf Eichenholztafeln, die er mit Kreide präparierte.

Zusammen mit der gezielten Ergründung von Van Eycks stilistisch-technischen Innovationen eröffnet die Schau im Genter Museum mit einen Paukenschlag das neue Ausstellungsjahr. Von 21 dem Künstler zweifelsfrei zugeordneten Werken sind rund ein Dutzend versammelt. Arbeiten aus seiner Werkstatt, Alltagsgegenstände aus seinen Bildern, Dokumente sowie Gemälde der Zeitgenossen Rogier van der Weyden, Masaccio, Antonio Pisanello oder Paolo Uccello stehen ihnen dialogisch zur Seite. Drei Aspekte sind bei Jan van Eycks Meisterschaft bedeutsam. Während man seinerzeit üblicherweise noch in Eitempera malte und Ölfarbe ein eher unpraktisches Medium war, gelang es ihm, mittels Beimischung von Entwässerungsstoffen die Trocknungszeit zu verkürzen. Dies brachte ihm zeitweise den unzutreffenden Ruf des „Erfinders der Ölmalerei“ ein. Bewunderer fand zudem seine akribische Beobachtungsgabe, die sich in einer ungewohnten mikroskopischen Begeisterung von Details niederschlug. So exakte und haptische Wiedergaben von Schmuck, Kleidung oder Interieurs hatte es bis dato nicht gegeben. Dies gilt speziell für die in Ferne ausufernden Landschaften, die mindestens genauso an Relevanz gewinnen, wie die in ihnen illustrierten Heiligen. Dabei ging es Jan van Eyck um die Hervorhebung von Gottes Schöpfung und dessen Pracht.

Die dritte Neuerung ist seine brillante Lichtregie. Die Prinzipien von Reflexionen und Verzerrungen, Lichteinfall, Schattenwürfen und Lichtwechsel und deren optische Konsequenzen erforschte Van Eyck derart konzentriert, dass Menschen, Objekte und Örtlichkeiten eine ungewohnte Plastizität gewinnen. Dieses Phänomen offenbart sich besonders anschaulich bei den beiden Standfigurentafeln von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Völlig verblüffend scheinen sie aus dem planen Bild herauszutreten und sind derart täuschend echt illustriert, wie kein Bildhauer sie in idealer Form zu erschaffen in der Lage wäre.

Jan van Eyck, um 1390 wohl in Maaseik im Fürstbistum Lüttich geboren und 1441 in Brügge verstorben, war Spross einer Künstlerfamilie. Auch seine Schwester und sein Bruder Hubert, dem Anteile am Genter Altar zugeschrieben werden, waren Künstler. Zu den wenig bekannten Details aus dem Leben Jan van Eycks gehört sein Rang als Hofmaler von Johann III. von Bayern in Den Haag sowie nach dessen Tod ab 1425 als Hofmaler Philipps des Guten von Burgund. In 13 Sälen arbeitet die Werkauswahl der Kuratoren Till-Holger Borchert und Maximiliaan Martens Van Eycks exponierte Vorreiter- und Vorbildfunktion bei der Entwicklung zu einem neuartigen Ausdruck weg von mittelalterlichen Typisierungen hin zu realitätsbezogenen individuellen Gegebenheiten heraus. Die Altartafeln, die den Nukleus der Schau bilden, sind dabei erstmals außerhalb der Genter Kathedrale auf Augenhöhe und in direktem Sichtkontakt zu erleben.

Besonders die Landschaften des Hintergrunds laden zu langen optischen Spaziergängen ein, etwa die weiten, skurril ausgeformten Hügelgegenden oder die Stadtpanoramen. Besonders bei Kreuzigungs- und Kreuztragungsmotiven tauchen immer wieder hoch in den Himmel ragende Bauten auf, deren eigenwillige, ungewohnt moderne Ausformungen teils der künstlerischen Fantasie entspringen, teils ein willkürliches Zusammenwürfeln von Erlebnissen des Malers sind. Deutlich wird hierbei der eigene Weg Jan van Eycks, der sich einer atmosphärischen Perspektive verschrieb, anstatt sich der von italienischen Zeitgenossen bevorzugten mathematischen Perspektive anzunehmen. Wie sehr seine Erfindungsgabe dabei in Überschwang geriet, zeigt eine Hieronymus-Darstellung. Den die Bibel studierenden Heiligen umgibt Jan van Eyck mit technischen Gerätschaften, die erst weit nach dessen Lebenszeit erfunden wurden. Auch bei der „Taufe Christi“ und der „Geburt Johannes des Täufers“ im Turin-Mailänder Stundenbuch, zwei Van Eyck zugeschriebene Miniaturen, hat er die Naturphänomene und das Interieur realistisch und akribisch ausgearbeitet.

Die Chance, derart nah an die noch unrestaurierten Altartafeln von Adam und Eva herantreten zu können, wird sich wohl nie mehr bieten. Der Ausstellungsbesucher kann nachvollziehen, wie rasch Van Eyck Details wie etwa die Brusthaare skizzierte und beim Malvorgang Geist, Auge und Handwerk kongenial zusammenwirkten. Adam und Eva gelten als die ersten realistischen Aktfiguren der Neuzeit und mussten wegen vermeintlicher Anstößigkeit zeitweise durch Zweitfassungen ersetzt werden, die das Paar in ein Bärenfell hüllten.

Die Stifterbildnisse des Genter Altars stehen am Ende der Schau. Sie sind wohl die ersten realistischen Porträts der Neuzeit. Der Stifter und Auftraggeber des Retabels, Joos Vijd, wurde vom Künstler recht unschmeichelhaft mit Unreinheiten und Warzen im Gesicht porträtiert, seine Ehefrau Elisabeth Borluut mit einem Gewand im Altrosa. Korrespondierend zur Seite gestellte Porträts, etwa das „Bildnis des Jan de Leeuw“ von 1436, unterstreichen Jan van Eycks Abkehr von starren frontalen Haltungen hin zu Dreiviertelbildnissen, bei denen die Personen aus dem Gemälde auf den Betrachter blicken.

Nach Abschluss der Restaurierung wird der Genter Altar übrigens nicht an seinen originalen Standort mit der genau ausgeklügelten Lichtregie Jan van Eycks in der Vijd-Kapelle zurückkehren, wo er von 1432 bis 1982 verblieb. Als neuer und würdiger Standort wird derzeit die Chorscheitelkapelle hergerichtet. Ab Oktober 2020 wird sie über ein neues Besucherzentrum zugänglich sein. Hinter Schutzverglasungen sicher und klimatechnisch abgeschottet wird man dem Meisterwerk Jan van Eycks dann nie mehr so nahe treten können, wie jetzt.

Die Ausstellung „Van Eyck. Eine Optische Revolution“ ist bis zum 30. April zu sehen. Das Museum der Schönen Künste hat dienstags bis sonntags von 9:30 Uhr bis 19 Uhr, montags zusätzlich bis 23 Uhr sowie freitags und samstags alternierend ebenfalls bis 23 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise beginnen bei 25 Euro. Der umfangreiche Ausstellungskatalog kostet im Museum 64,50 Euro.

Kontakt:

Museum voor Schone Kunsten Gent

Fernand Scribedreef 1

BE-9000 Gent

Telefon:+32 (09) 240 07 00

Telefax:+32 (09) 240 07 90

E-Mail: museum.msk@gent.be



06.02.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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