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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Starke Männer aus Dresden hatten bei der Kunst des 19. Jahrhunderts im Berliner Auktionshaus Grisebach das Sagen

Blondes blühendes Fleisch



Osmar Schindler, Germanischer Krieger mit Helm, 1902

Osmar Schindler, Germanischer Krieger mit Helm, 1902

So mancher Künstler hat ein Tagebuch geführt, jedoch ist nicht jedes überliefert. Ein Glück, dass Osmar Schindler seine Gedanken in Schriftform festhielt. 1902 schuf er seinen „Germanischen Krieger mit Helm“ und notierte hierzu am 2. Dezember: „In den letzten Wochen malte ich einen Halbakt: junger Germane mit römischem Helm, das blonde blühende Fleisch auf schwarzem Grunde, größte dekorative Kraft in den Gegensätzen. Es war eine Lust zu malen.“ Schindlers Lustgefühl übertrug sich auch auf die Käufer im Hause Grisebach in Berlin. Der fesche blonde Germane errang bei der Herbstauktion zur Kunst des 19. Jahrhunderts schwindelerregende Preishöhen und schoss über das Zehnfache seiner Schätzung von 6.000 bis 8.000 Euro hinaus, als ein privater europäischer Sammler ihn für beeindruckende 82.000 Euro kaufte. Für den Dresdner Maler ist das neuer Auktionsrekord, der nun das Portrait „Getrud mit Nelke und Katze“ verdrängt hat, mit dem Grisebach den bisherigen Spitzenpreis von 51.000 Euro seit November 2015 hielt.


Einen weiteren starken Auftritt lieferte „Tommy Todtmann“. Der junge schwarze Mann mit muskulösem Oberkörper arbeitete als Modell an der Dresdner Kunstakademie. Der 20jährige Max Pietschmann malte ihn 1885 wohl als eine Unterrichtsaufgabe, doch geht das finale Werk über eine reine Fingerübung hinaus. Pietschmann nahm sein Gegenüber ernst und portraitierte Tommy Todtmann als feinfühligen Menschen. Sind etwa der helle Grund und das rot-golden durchwirkte Lendentuch mit lockeren Zügen und diversen Farbnuancen festgehalten, so ist der dunkle Leib des Mannes fein ausgearbeitet. Das anziehende Bildnis entfachte einen wilden Gebotswechsel, der den Preis mit 60.000 Euro auf das Zehnfache der unteren Erwartung und auf den neuen Rekordwert für Pietschmann katapultierte, die ein US-amerikanischer Händler zahlte.

Sorgten der Krieger und der Schwarze am 27. November für die größeren Aufregungen im Saal, so überragte sie finanziell nur Emil Jakob Schindlers „Parklandschaft in Plankenberg“ von 1887. Sommerliche Ruhe und warmes Licht durchströmen das dichte Grün mit den beiden Töchtern des Malers, Grete und Alma, die später als Alma Mahler und Femme fatale für Furore sorgte und sich hier noch friedlich mit ihrer Schwester unter die Bäume mischt. Besonders gekonnt ist Schindlers lockere Pinselführung in den reichen Blättern des Waldes mit Farbtupfern in Gelb, Grün, Blau und Rosttönen. Traurig ist der Hintergrund des Werkes, das bis 2018 im Wiener Belvedere beheimatet war. Als NS-Raubgut wurde es den Erben des ursprünglichen Besitzers Rudolf Mosse restituiert und mit deren Einvernehmen nun bei Grisebach versteigert. Mit 100.000 Euro nahm es den Spitzenplatz der Auktion ein (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Max Liebermann war nicht nur den Malern der Schule von Barbizon zugetan, sondern er besuchte den Ort auch selbst. 1874 sah er einen ärmlichen „Bauernhof in Barbizon“, den er mit dominanten Brauntönen und graubraunem Himmel noch in seiner realistischen Frühphase umsetzte. Der karge Hof mit ein paar Gänsen und einem laublosen Baum atmet eine gewisse Schwermut. Inmitten der einfachen Umgebung steht ein kleines Mädchen mit leuchtend weißem Kopftuch und blauem Kleid wie die Verkörperung eines Hoffnungsschimmers. Das eindrückliche Bild konnte seine unteren Wunschvorstellungen von 80.000 Euro verteidigen. Neben diesen guten Einzelwerten und der hohen losbezogenen Zuschlagsquote von knapp 82 Prozent musste Grisebach auch einige Rückschläge einstecken, etwa bei Johann Hermann Kretzschmers dramatischer Urgewalt „Der Samum in der Wüste“ aus der Zeit nach 1844 (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Zuviel hatte man sich auch von Lovis Corinths dunklem „Portrait des Malers Albertus Wirth“, ein Frühwerk aus Studentenzeiten von 1884 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), sowie von seinem ausgelassenen sinnenfreudigen „Bacchant“ von 1913 versprochen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Ungleiche Häupter

Einen heftigen Schlagabtausch unter den Bietern entfachte die Kopfstudie eines braunhaarigen Mannes mit Bart aus Deutschland oder Frankreich. Das um 1840 partiell ausgearbeitete Stück kletterte von 2.500 Euro auf finale 20.000 Euro. Sein identisch großer Gegenpart, der sich mit längeren Haaren als Darstellung Jesu Christi ausweist, kam dagegen nur auf 3.200 Euro (Taxe je 2.500 bis 3.500 EUR). Erfolgreich präsentierte sich dann wieder Gerhard von Kügelgen in seinem „Selbstbildnis im grünen Frack“. In dem nach 1807 entstandenen Pastell blickt der Dresdner Maler mit großen dunkelbraunen Augen kritisch aus dem Bild. Die feine romantische Arbeit erzielte gute 46.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Hoch hinaus ging es auch für Otto Ubbelohdes Ölstudie zu seinem Gemälde „Frau in Weiß“, mit dem er 1903 seine Nicht Else Ubbelohde-Doering in impressionistischer Manier an einem Sommertag in weißem Kleid aufnahm. 16.000 Euro waren sein Lohn (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Der Präraffaelit Anthony Frederick Augustus Sandys tat sich mit seinem kürzlich in süddeutschem Privatbesitz entdeckten Kopf eines bärtigen Orientalen im Profil samt Turban bei 10.000 Euro hervor (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Karl Stauffer-Berns Radierung mit einem liegenden weiblichen Akt, der seit 1886 gemütlich zum Betrachter schaut, sprang von 1.000 Euro auf 3.100 Euro.

Mit symbolistischer Verve gestaltete Karl Wilhelm Diefenbach in dem Gemälde „Ephebe“ einen blonden Jüngling, der im Ausfallschritt auf einem Meeresfelsen steht. Die Arme in die Luft gehoben, peitscht ihm die tosende Gischt auf den nackten Leib, der in einem übernatürlichen Licht inmitten der Dunkelheit aufleuchtet. Hart umkämpft, bereicherte die erregte Stimmung das Konto einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung um stolze 42.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Noch mehr Glück hatte sie mit Diefenbachs „Nächtlichem Bad bei den Faraglioni“ von 1907. Auch hier ist das Meer bei Capri mit Felsenblöcken, in das sich eine Frau hineinwagt, das Motiv. Das Querformat im mit Kieselsteinen besetzten goldenen Künstlerrahmen wurde wohl ebenfalls direkt bei Diefenbach in Capri erworben und erwirtschaftete nun 54.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). In die Kategorie „Symbolismus“ hatte Grisebach zudem Walter Leistikows „Abendklänge“ mit vier Reihern über den weißen Schaumkronen eines weiten Meers eingeordnet, die mit 25.000 Euro deutlich vor dem unteren Schätzpreis von 30.000 Euro von dannen flogen.

Effektvolle Motive

Ein toter Hase in goldbraunem Fell liegt mit ausgestreckten Gliedern im Schnee. Zwei Krähen machen sich über ihn her: die eine sitzt bereits auf seinem Bauch, die andere befindet sich im Landeanflug. 1929 schuf Richard Müller dieses Stillleben „Toter Hase mit Krähen“, das für 38.000 Euro die Hände wechselte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Trocken und sandig präsentiert sich der eigenwillige Reiz „Der Granitbrüche der alten Ägypter in der Nubischen Wüste“ von Bernhard Fiedler aus der Zeit vor 1860. Inmitten des Sandmeeres in Braun und Ocker erhebt sich einsam ein kleines weißes Gebäude mit Kuppeldach. Für diese stimmungsvolle Weite konnte der Orientalist gute 11.000 Euro einspielen (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). In heimatliche Gefilde zog es Carl Spitzweg bei seiner Landschaftsstudie mit einer Felspartie. Rasch in Öl gemalt, beleben eine Blume und zwei Bäume das saftige Grün, das für 5.500 Euro in ein neues Heim zog (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Sein Münchner Kollege Lorenzo Quaglio konnte sich über 7.000 Euro für sein biedermeierliches Aquarell einer Sennerin mit Jäger auf der Alm von 1832 freuen (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

An die dänische Ostsee ging es mit Anton Eduard Kieldrups sonnenbeschienenen weißen Kreidefelsen von Møn, zu denen ein schmaler Pfad mit Wiesen und Sträuchern führt. Am unteren linken Bildrand arbeitet ein Maler bereits an dem auffälligen Motiv, das so reizvoll mit dem dahinterliegenden blauen Meer in Kontrast tritt. Das effektvolle Bild von 1848 verdoppelte seinen Wert auf 10.000 Euro. Jean Antoine Théodore Gudins graue Küstenlandschaft bei Mondschein von 1867 war 6.000 Euro teurer. Der Franzose entwarf ein seltsames Lichtspektakel im Himmel mit dicken Wolken, dem sich auch ein Fischer am Strand nicht entziehen kann (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Um 1883 schaute Christian Rohlfs aus seinem Fenster auf die verschneiten Dächer seines Wohnortes Weimar und warb mit dem winterlichen Ausschnitt nun 23.000 Euro ein (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Zeichnender Dichter

Aus dem Nachlass von Ernst und Bernhard Fries lagen gut 20 Zeichnungen und Ölstudien vor, die alle veräußert wurden, darunter zu Auktionsbeginn die charmante Rückenansicht einer sitzenden Frau auf dem Balkon in Bleistift auf Bütten von Ernst Fries für 3.500 Euro (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR). Es folgten sein mit Tuschpinsel, Bleistift und Deckweiß auf blauem Papier entwickelter rauschender Gebirgsbach von 1821 bei 5.200 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR) oder die kleine Waldstudie in Öl auf Leinwand für 5.000 Euro, bei der die Scheidung der Brüderhände nicht möglich ist (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Aus der Studienzeit von Bernhard Fries lagen drei Kreideübungen mit geometrischen Körpern aus dem Jahr 1835 vor, die alle gut bis zu 6.000 Euro einfuhren (Taxen zwischen 1.000 und 1.500 EUR).

Günstig zu erwerben waren zwei braune Tuschezeichnungen italienischer Landschaften mit einem See von Franz Kobell, die ihre Käufer bei je 800 Euro mitnahmen (Taxe 800 bis 1.000 EUR). Auch Johann Wolfgang von Goethe war als Zeichner tätig. Auf rund 2.600 Blätter, von denen über 2.000 in der Klassik Stiftung Weimar beheimatet sind, hat es der große deutsche Dichter gebracht. Um 1810 ersann er in der Rückschau auf seine Italienreise mit Feder, Pinsel und Bleistift einen Gebirgssee in südlicher Landschaft, der von ineinandergreifenden Steinmassiven und üppiger Vegetation umgeben ist. Das Publikum hielt sich an die untere Schätzgrenze von 40.000 Euro. Als Archäologe war Carl Haller von Hallerstein um 1800 in Griechenland tätig. Hier ließ er sich zu einem unspektakulären landschaftlichen Panorama hinreißen, das bei 5.000 Euro überzeugte (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



04.02.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Gerhard von Kügelgen, Selbstbildnis im grünen Frack, nach 1807

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

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Karl Stauffer-Bern, Liegender weiblicher Akt, 1886

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Richard Müller, Toter Hase mit Krähen, 1929

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Ernst Fries, Gebirgsbach, 1821

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Johann Hermann Kretzschmer, Der Samum in der Wüste, nach 1844

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