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Oswald Oberhuber gestorben

Oswald Oberhuber ist tot

Der Künstler Oswald Oberhuber ist in der vergangenen Nacht im Alter von 88 Jahren verstorben. Österreichs Öffentlichkeit zeigt sich bestürzt über die am frühen Freitagmorgen von der Familie bekanntgegebene Nachricht. Bundespräsident Alexander Van der Bellen äußerte seine Anteilnahme: „Oswald Oberhuber, ein großer Künstler, ein kritischer Geist, ein bewunderter Lehrer hat uns für immer verlassen. Wie nur Wenige hat er das Kunstleben unseres Landes nach 1945 geprägt und bei internationalen Ausstellungen vertreten. Sein hohes Ansehen und sein großes künstlerisches Können haben Oswald Oberhuber zu einer zentralen Persönlichkeit im intellektuellen Leben Österreichs werden lassen. Österreich verliert mit Oswald Oberhuber einen außergewöhnlichen und wertvollen Künstler und Menschen.“

Eva Blimlinger von den Grünen, Vorsitzende des Kulturausschusses im Nationalrat und ehemalige Mitarbeiterin von Oswald Oberhuber an der damaligen Hochschule für angewandte Kunst, würdigte ihren einstigen Chef: „Oberhuber zählt zu jenen Persönlichkeiten, die das Kunst- und Kulturgeschehen in Österreich in vielfältigster Weise nachhaltig geprägt haben. Sein verschmitztes Lachen, seine Großzügigkeit, sein Kunstverständnis werden schmerzlich fehlen. Er hat es wie kein Zweiter verstanden, Neues aufzugreifen, sei es als Leiter der Galerie Nächst St. Stephan oder als Professor und langjähriger Rektor der Hochschule für angewandte Kunst. Es gelang ihm, die Angewandte international zu positionieren und vor allem die Studierenden, wo es ging, zu unterstützen. Er war es, der Persönlichkeiten wie Joseph Beuys oder Bazon Brock nach Wien geholt und den internationalen Diskurs gefördert hat.“

Oswald Oberhuber wurde am 1. Februar 1931 in Meran geboren. 1940 siedelte die Familie nach Tirol um. Im dortigen Innsbruck besuchte der junge Mann von 1945 bis 1949 die Abteilung Bildhauerei der Gewerbeschule. Seine weitere künstlerische Ausbildung erhielt er im Anschluss an der Meisterschule für Bildhauerei bei Fritz Wotruba in Wien und an der Staatlichen Akademie in Stuttgart bei Willi Baumeister. Stilistisch lässt sich das Œuvre dieses Künstlers kaum greifen, ebenso wenig im Hinblick auf klassische Gattungen. Er arbeitete als Maler, Zeichner, Bildhauer, Entwerfer und schuf Materialbilder, Collagen, Möbel, Stoffe, Objekte und Assemblagen aus Alltagsmaterialien. 1956 vertrat er in seinem Manifest „Permanente Veränderung in der Kunst“ eine vehemente Ablehnung jeglicher Stilbildung und stellte den Autorenbegriff des Künstlers infrage.

Gemeinsam mit Hans Hollein bespielte Oswald Oberhuber 1972 den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Weiterhin war er mit seinen Werken auf den Documenta-Schauen 1977 und 1982 präsent. Als Galerist und künstlerischer Berater bemühte er sich in den 1960er und 1970er Jahren in der von Otto Mauer begründeten Galerie nächst St. Stephan um Künstler wie Lajos Kassák, Jim Dine, Gerhard Richter, A.R. Penck, Friedrich Kiesler, Franz West und Vito Acconci. Seit 1973 war Oswald Oberhuber außerdem als Professor an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien tätig. Gleich zwei Mal wurde er zu deren Rektor ernannt, von 1979 bis 1987 und von 1991 bis 1995, wobei er sich mit umfassenden Reformen, der Einrichtung der Dependance Heiligenkreuzerhof sowie bemerkenswerten Ausstellungen verdient machte.

Bereits zu Lebzeiten erfuhr das Multitalent zahlreiche Würdigungen. Schon 1978 erhielt er den Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst. 1990 sprach Tirol ihm den Landespreis für Kunst zu. Der Staat Österreich zeichnete ihn 2004 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse aus, 2016 wurde diese Ehre mit der Verleihung des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst unterstrichen. Seit dem Jahr 2004 war Oberhuber Ehrensenator der Stuttgarter Akademie. Seit seinem 75. Geburtstag wird sein künstlerisches Werk vermehrt in Retrospektiven als wichtiger Bestandteil der österreichischen Kunstgeschichte verankert, so beispielsweise 2006 in der Wiener Secession oder zuletzt 2016 mit einer 300 Exponate umfassenden Werkschau im 21er Haus in Wien.

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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