Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 24.10.2020 Auktion 283 'Europäisches Glas & Studioglas' & bedeutende Barock-Glas Sammlung Dr. Röhl

© Auktionshaus Dr. Fischer - Heilbronn

Anzeige

Am Badestrand / Otto Pippel

Am Badestrand / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Im März 1770 verstarb in Madrid der venezianische Barockmaler Giovanni Battista Tiepolo. Zum 250. Todestag feiert ihn nun die Stuttgarter Staatsgalerie mit einer Werkschau

Pompös verpackte humorvolle Kritik



Giovanni Battista Tiepolo, Apelles und Campaspe, um 1725/30

Giovanni Battista Tiepolo, Apelles und Campaspe, um 1725/30

Geradewegs steht der Eintretende vor einem Bildnis in eigener Sache: Fußend auf einer Erzählung von Plinius dem Älteren, arbeitet der Maler Apelles an einem Porträt der Hetäre Campaspe, der Geliebten Alexanders des Großen. Nicht wenige erkennen in dem Künstler Giovanni Battista Tiepolo, der gerade an einem delikaten Teil, der Brustwarze Campaspes, pinselt. Mit verrenktem Hals dreht er sich zu seinem Modell um. Aus der rechten dunklen Bildhälfte blickt er mit weit geöffneten Augen über Campaspe hinweg, so als suche er nach Einfällen. Denn im linken, deutlich lichteren Teil thronen auf einem Podest neben dem Modell Alexander der Große mit dem Lorbeerkranz und ein Soldat, der sich schützend über das Paar beugt und eine abwehrende Geste in Richtung des Porträtisten vornimmt. Genau diese beiden getrennten Sphären markieren überdeutlich die Abhängigkeit des Hofkünstlers vom Auftraggeber. Auf der einen Seite die finstere Werkstatt mit großformatigen Bildern und einem an der Staffelei gelehnten Pagen, auf der anderen Seite für den Porträtisten unerreichbarer Glanz und Erotik. Aus dem Kreis der Mächtigen bleibt der Maler eines in der Gattungshierarchie weit unten angesiedelten Genres ausgeschlossen. Mit Ironie und Kritik kommentierte Giovanni Battista Tiepolo um 1725/30 in diesem Gemälde das Verhältnis eines Künstlers zum Besteller.


Tiepolos Historie „Apelles malt das Bildnis der Campaspe“ ist nun von Montreal in die Staatsgalerie Stuttgart gereist. Dort erinnert man mit rund 120 Arbeiten, darunter 25 Gemälden, über 50 Zeichnungen und mehreren Radierfolgen, an den 250. Todestag des großen venezianischen Meisters am 27. März 1770. Kernanliegen der Auswahl ist es, nachdrücklich Tiepolos Spiel mit dem Sinnesreiz des Publikums offenzulegen. Ausgehend vom beachtlichen eigenen Tiepolo-Fundus reihen sich in lockerer chronologischer Anordnung aparte Gemälde mit Motiven aus Mythologie und Historie, dramatische religiöse Sujets oder Karikaturen und Drucke aneinander. Einen deutlichen Hinweis auf einen Schaffensschwerpunkt gibt eine vorbereitende Ölskizze aus den Jahren um 1724/25. Die „Macht der Beredsamkeit“, eine in antike Mythen eingebettete Lobpreisung der Redekunst, beschreibt den Künstler in seinem ersten Auftrag zu einem Deckenfresko für den neuen Palazzo des venezianischen Anwalts Tommaso Sandi. Das Werk gilt als Anfang vieler wandfester Raumausstattungen, die untrennbar mit dem jeweiligen Ort verbunden und daher nicht ausleihbar sind. Sie machen etwa ein Drittel seines Œuvres aus. Eine universale Retrospektive zu Giovanni Battista Tiepolo ist damit unmöglich.

Die Ausstellung wartet dann mit der um 1720 einsetzenden Gemäldeserie mythologischer Motive auf, deren traditionelle Arrangements mit Witz und Ironie emotional bewegen sollen. Neben „Diana und Aktäon“, „Apoll und Daphne“ zählt dazu auch der „Raub der Europa“. Hier treibt Giovanni Battista Tiepolo die Komik auf die Spitze, indem über der unbeholfen auf einem Stier sitzenden Europa ein Putto auf einer Wolke schwebt und sich über der Szenerie erleichtert. Während in dem um 1720/22 entstandenen Gemälde noch düsteres Licht und diffuse Atmosphäre vorherrschen, hellte Tiepolo seine Palette mit den Jahren immer stärker auf. Dies zeigt sich schon deutlich beim Porträt des Gelehrten Antonio Riccobono aus den Jahren um 1744. Der gezielte Einsatz von Licht und Schatten sowie „sprechende Hände“ geben Kunde von einer charakterstarken Persönlichkeit. Das Beispiel für Tiepolos Betätigung als Porträtmaler verweist auf seine Reputation und den Aufstieg zum gefragten Maler für Altarbilder und Raumausstattungen weit über Oberitalien hinaus.

Die religiösen Werke des Malers werden weniger öffentlich wahrgenommen, obgleich sie zu seinen eindrücklichsten Schöpfungen zählen. Dies bewog die Kuratorin Annette Hojer dazu, diesem Aspekt ein eigenes Kapitel zu widmen. Unübersehbar allein schon aufgrund der Größe von über drei Metern Höhe ist der heilige Jakobus d.Ä. Das für die Kapelle der spanischen Botschaft in London bestimmte, im Jahr 1750 vollendete Altarbild war originell, wie umstritten. Der auf einem Schimmel reitende, weiß gewandete Heilige bekämpft und bekehrt zugleich mit dem ausgestreckten Schwert den knienden dunkelhäutigen afrikanischen Fürsten quasi in einer spanisch-katholischen Überlegenheitsgeste.

Im Folgenden bringt die Ausstellung Würzburg ins Spiel. Konzeptionelle Ideenskizzen sowie Musterzeichnungen mit Rötel und weißer Kreide auf blauem Papier mit immer wieder verwendbarem, in kräftigen Umrisslinien und Straffuren akzentuiertem Figurenrepertoire – darunter oft Männer mit exotischen Gewändern – oder auf Leinwand ausgeführte Ölstudien dokumentieren die Bildfindungen für die 1751 bis 1753 geschaffenen wandfesten Fresken im Kaisersaal und im Treppenhaus der Würzburger Residenz. Als Referenz an die wohl berühmteste Freskenausstattung Tiepolos vermittelt in Stuttgart ein unter die Decke gehängtes Großbanner das Gewölbebild des Treppenhauses als Kopie. Rückenakte der darunter platzierten Skizzen tauchen in den Fresken wieder auf.

Im November 1753 kehrte Tiepolo von Würzburg nach Venedig zurück. Weitere Großaufträge warteten. Im Sommer 1762 reiste er nach Madrid, wo er für König Karl III. den Palacio Real mit Freskendekorationen ausstatten sollte, die Spanien und seine Bedeutung als Weltreich feiern. Eine planende Ölskizze präsentiert in der Ausstellung das im Vorraum des Thronsaales verwirklichte Sujet einer „Apotheose der spanischen Monarchie“ mit der krönenden, von vier Erdteilen umgebenden „Hispania“.

Adäquat arrangiert, fügen sich zwischen den Ölbildern jenseits öffentlicher Aufträge geschaffene Zeichnungen ein, die die eigenwillige und moderne Kunstauffassung Giovanni Battista Tiepolos offenbaren. Hinzu kommen seine Radierfolgen mit rätselhaften Gegenständen und von unheimlichen Charakter. Grandiose Kreativität und Erfindungsgabe, fantasievolle Mehrdeutigkeiten ohne Vorstellung einer griffigen Bilderzählung, wie es die traditionelle Kunsttheorie vorsah, wurden bei Tiepolo zum Programm. Da erweisen sich die als Dialog dazu wenig glücklich eingestreuten vier Arbeiten des 1964 geborenen Künstlers Christoph Brech als deutliches Absinken von der Geisteshöhe Tiepolos. Brechs bildhafte Meditationen über Natur und Mensch, Raum und Zeit, Schönheit und Vergänglichkeit sind da eher dünnblütige Zwischenspiele.

Zuletzt macht die Schau die Landschaft zum Thema. Das zum Bestand der Staatsgalerie gehörende, 1770 vollendete Bild „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ löst mit seinen bizarren, in die Wolken übergehenden Felsformen und der diagonalen Spitze des Nadelbaumes hinter der verschwindend kleinen Heiligen Familie gemischte Empfindungen beim Betrachter aus. Dabei weist es in der subtilen Andeutung zunehmender Autonomie künstlerischer Gebote weit voraus.

Die Ausstellung „Tiepolo. Der beste Maler Venedigs“ ist noch bis zum 2. Februar zu sehen. Die Staatsgalerie Stuttgart hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Der Ausstellungskatalog ist im Sandstein Verlag erschienen und kostet im Museum 29,90 Euro. Parallel läuft im Graphik-Kabinett die Schau „La Serenissima. Zeichenkunst in Venedig vom 16. bis 18. Jahrhundert“.

Kontakt:

Staatsgalerie Stuttgart

Konrad-Adenauer-Straße 30-32

DE-70137 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 470 402 68

Telefon:+49 (0711) 470 400

Telefon:+49 (0711) 470 40 249

E-Mail: info@staatsgalerie.de



10.01.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 22

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (2)Adressen (1)Kunstsparten (2)Stilrichtungen (2)Berichte (2)Variabilder (12)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


11.10.2019, La Serenissima - Zeichenkunst in Venedig vom 16. bis 18. Jahrhundert

Veranstaltung vom:


11.10.2019, Tiepolo - Der beste Maler Venedigs

Bei:


Staatsgalerie Stuttgart

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Zeichnung

Stilrichtung:


Barock

Stilrichtung:


Rokoko

Bericht:


Einer der besten Maler Europas

Bericht:


Luftballons in eisernen Händen







Giovanni Domenico Tiepolo, Das Wappen des Carl Philipp von Greiffenclau mit der Festung Marienberg in Würzburg, 1753

Giovanni Domenico Tiepolo, Das Wappen des Carl Philipp von Greiffenclau mit der Festung Marienberg in Würzburg, 1753

Giovanni Battista Tiepolo, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um 1762/70

Giovanni Battista Tiepolo, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um 1762/70

Giovanni Battista Tiepolo, Rückenakt eines sitzenden Mannes mit Schilfkranz im Haar, 1751

Giovanni Battista Tiepolo, Rückenakt eines sitzenden Mannes mit Schilfkranz im Haar, 1751

Giovanni Battista Tiepolo, Rinaldo und Armida im Zaubergarten, um 1752

Giovanni Battista Tiepolo, Rinaldo und Armida im Zaubergarten, um 1752

Giovanni Battista Tiepolo, Rinaldo verlässt Armida, um 1752

Giovanni Battista Tiepolo, Rinaldo verlässt Armida, um 1752

Giovanni Battista Tiepolo, Raub der Europa, um 1720/23

Giovanni Battista Tiepolo, Raub der Europa, um 1720/23

Giovanni Battista Tiepolo, Kniender Mann mit Sonnenschirm, 1752

Giovanni Battista Tiepolo, Kniender Mann mit Sonnenschirm, 1752

Giovanni Battista Tiepolo, Karikatur eines sitzenden verwachsenen Mannes, um 1750/60

Giovanni Battista Tiepolo, Karikatur eines sitzenden verwachsenen Mannes, um 1750/60

Giovanni Battista Tiepolo, Apoll und Daphne, um 1743/45

Giovanni Battista Tiepolo, Apoll und Daphne, um 1743/45

Giovanni Battista Tiepolo, Apoll führt dem Genius Imperii die Kaiserliche Braut zu, 1751

Giovanni Battista Tiepolo, Apoll führt dem Genius Imperii die Kaiserliche Braut zu, 1751

Giovanni Battista Tiepolo, Der heilige Jakobus der Ältere, 1749/50

Giovanni Battista Tiepolo, Der heilige Jakobus der Ältere, 1749/50




Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce