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Journal

Als Brückenkopf zwischen Freiburg und Colmar stand Breisach stets im Zentrum von Kulturen und Konflikten. Dies prägte auch die Künste und das wohl bekannteste Produkt der Stadt, den Sekt von Geldermann

Von heißen Vulkanhügeln in kühle Keller



Der Breisacher Burgberg mit dem Münster St. Stephan

Der Breisacher Burgberg mit dem Münster St. Stephan

Genau dort, wo das Massiv des Kaiserstuhls das Rheintal einengt, erhebt sich inmitten der Mulde der Münsterberg. Wie eine Stadtkrone thront hier im Zentrum hoch über der adretten Stadt Breisach das Münster St. Stephan. Schon vorher standen hier ein keltischer Fürstensitz und ein römisches Kastell. Nichts verdeutlicht mehr die exzellente strategische Lage wie der grandiose Ausblick von oben über den Grenzfluss und die Rheinebene hinweg bis weit hinein in das Elsass. Niemand scheint jedoch zu ahnen, was sich tief im Berg verbirgt. Über rund fünf Kilometer Länge sollen sich die hohen breiten Gänge erstrecken, die in 45 Meter Tiefe im 15. Jahrhundert durch das Tephritgestein geschlagen wurden. Abgeleitet vom griechischen Wort „téphra“, also Asche, verweist diese Basaltform auf den vulkanischen Ursprung. Nach diversen Nutzungen zu Zwecken der Verteidigung, als Eiskeller oder Brauerei kommt den Stollen heute die Funktion als Reifekeller zu. Hier lagern sechs Millionen Flaschen Schaumwein. Seit 1925 bietet das konstant 13 Grad kühle Labyrinth ein ideales Quartier für die traditionelle Flaschengärung der Geldermann Privatsektkellerei. Doch bis es dazu kam, muss man noch einmal ein Jahrhundert zurückgehen.


1830 reisten die beiden Aachener Wilhelm Deutz und Peter Geldermann als Einkäufer nach Frankreich und arbeiteten dann einige Jahre für das Champagnerhaus Joseph Jacob Bollinger in Ay im Departement Marne. Hier gründeten sie dann 1838 unter dem Namen Geldermann & Deutz ein eigenes Champagnerhaus. Der blühende Export nach Deutschland beförderte den raschen Aufstieg zum führenden Branchenunternehmen. Doch im Jahr 1904 musste zoll- und exportbedingt der Betrieb nach Hagenau ins damals deutsche Elsass verlegt werden. Nach dem Ersten Weltkrieg zwangen abermals veränderte Bedingungen den Wechsel über den Rhein nach Breisach, wo sich am 17. April 1925 Deutz & Geldermann neu gründete. Sieben Jahrzehnte später spaltete sich das Unternehmen in zwei eigenständige Firmen auf: in die Kellerei Deutz in Ay und den deutschen Sektproduzenten Geldermann in Breisach. Im Januar 2003 wurden die Mehrheitsanteile von den deutschen Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien übernommen. Nach einigem Auf und Ab hat sich die Jahresproduktion heute auf fast drei Millionen Flaschen stabilisiert.

Der Weg in die Tiefe der Keller führt durch das neubarocke und in der jetzigen Form erst seit 1991 bestehende zweigeschossige Hauptgebäude am Hang des Münsterberges. Den Empfang bereitet die jüngst eröffnete Boutique, ein großzügiges Verkaufs- und Verkostungszentrum. Helle französische Eleganz strahlen die filigranen Einbauten aus Holz, Messing und Schiefer aus. Auf das Produkt abgestimmt, verschmolzen die Gestalter des in Stuttgart ansässigen Designstudios Ippolito Fleitz Group französische und deutsche Elemente. Gleichfalls ab 2017 findet eine neu kreierte schiefergrüne Flaschenform mit einem charakteristischen langen fließenden Hals Verwendung.

Bezüge zwischen Produkt und den Künsten pflegt Geldermann auf vielfältige Weise. So wie Komponisten sich von Kunstwerken bei der Schaffung von Musikstücken anregen ließen, können sich nun Tonkünstler von den Geschmacksnuancen inspirieren lassen und diese hier zum Klingen bringen. Der Jazz-Trompeter Nils Wülker übersetzte nun als erster Künstler einer Reihe der edlen Cuvées in die Sprache der Musik. Die edlen Tropfen kann man nun nicht nur schmecken, sondern auch mit den Ohren genießen. Das korrespondierende musikalische Werk hängt am Flaschenhals in der Form eines USB-Sticks. Die nuancenstarke Cuvée von Pfirsich und Anklängen von Anis kommt in der ersten „Edition Musique N 1“ ausdrucksstark zur Geltung. Anspruchsvoll gestaltet wurden ebenso die Etiketten, wie bei der limitierten Festspiel-Cuvée für Bayreuth.

Vorbei an einem modern gestalteten Museum, in dem neben der Unternehmensgeschichte die wesentlichen Schritte der Sektproduktion mit Mitmach- oder Geruchsstationen ansprechend auf den Punkt gebracht werden, sowie Räumen für Tagungen und Seminaren geht es in die Keller. Die langen Gänge sind über und über zugestellt mit Rüttelpulten voll gefüllter Flaschen. Durch Drehungen und Rütteln verändert sich ihre Lage so lange, bis sie senkrecht stehen. Diese aufwendige wie langwierige Methode verdeutlicht die Herausforderung, eine perfekte Cuvée, also eine Mischung der Weine, zu einem edlen Sekt zu verarbeiten. An einem Abzweig zeugen historische Geräte von ehemaligen Produktionsmethoden. Die Pumpen, Drahtbügelverschließ- und Degorgiermaschinen oder Pressen waren teils noch bis zur Mitte der 1970er Jahre in Gebrauch.

Wieder am Tageslicht sollte der Besucher keinesfalls einen Rundgang durch die Ober- und Unterstadt Breisachs versäumen. Vieles zeugt noch heute davon, wie sehr diese Stadt oft im Strudel unwägbarer Ereignisse stand. Ihr Name soll den keltischen Begriff „brisin-ac“ für „Wasserbecher“ zurückgehen. Der römische Kaiser Valentinian I. erwähnte in seinem Edikt „mons brisiacus“ 369 erstmals das Städtchen; heuer konnte es daher seinen 1650 Geburtstag feiern. Dann lösten sich Herrscher der Zähringer und Staufer ab. Seit 1273 zum Habsburger Reich gehörend und ab 1648 französisch, kam Breisach im Jahr 1806 zum Großherzogtum Baden. Immer wieder heiß begeht, umkämpft und vernichtet, wurde die Stadt erneut kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu fast 90 Prozent zerstört. Für die Zukunft nichts als mehr den Frieden im Sinn, beherrschte Breisach 1950 die Schlagzeilen durch eine denkwürdige Abstimmung für ein geeintes und freies Europa; so darf sie sich seit 1961 Europastadt nennen. Restaurierte Bauten zeugen noch heute von der bewegten Geschichte der alten Festungs- und Handelsstadt. Den Aufenthalt hier begünstigt ein mildes, nahezu regenfreies Mikroklima inmitten fruchtbarer Vulkanböden.

Beim Schlendern durch die im mittelalterlichen Stil wieder aufgebauten Gassen und Häuser, vorbei an zahlreichen erhaltenen Stadttoren und Festungsmauern, sollte man einen Blick auf eines der schönsten barocken Stadttore nicht versäumen. In den späten 1670er Jahren nach Plänen des französischen Festungsbaumeisters Jacques Tarade zum Schutz der Rheinbrücke erbaut, besticht das Rheintor durch seinen reichen Figurenschmuck. Eine Reihe exquisiter Kunstschätze warten im romanischen, gotisch überformten Münster St. Stephan. Dazu zählen die monumentalen, zwischen 1488 bis 1491 entstandenen Wandmalereien von Martin Schongauer. Der Hauptmeister deutscher Spätgotik verewigte an der Westwand eindrucksvoll seine Version des Jüngsten Gerichtes, flankiert von einem Höllengemälde an der Nord- und einem Paradies an der Südwand. Als Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst gilt der leicht wirkende, äußerst filigran gestaltete Lettner. Zu den bedeutendsten Denkmälern deutscher Bildschnitzerei zählen Experten den 1525 vollendeten Schnitzaltar des Meisters HL, hinter dem wohl der Freiburger Bildhauer Hans Loy steht.

Die Geldermann-Erlebniswelt hat montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 14 Uhr, sonntags von 13 Uhr bis 17 Uhr.

www.geldermann.de



31.12.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Altes Tiragefass aus Hagenau mit 90 hl Fassungsvermögen, das
 bis 1978 verwendet wurde
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Meister HL, wohl Hans Loy, Hochaltar im Münster St. Stephan

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Saal der Sektkellerei Geldermann

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Geldermann präsentiert historische Geräte und Maschinen im Kellerlabyrinth

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Mittelschiff mit dem Lettner im Breisacher Münster

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Kellergänge von Geldermann mit den Rüttelpulten

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Martin Schongauer, Die Hölle

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Altes Tiragefass aus Hagenau mit 90 hl Fassungsvermögen, das bis 1978 verwendet wurde

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Meister HL, wohl Hans Loy, Hochaltar im Münster St. Stephan

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Geldermann präsentiert historische Geräte und Maschinen im Kellerlabyrinth

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