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Pierre Soulages, der Meister der Farbe Schwarz, durchschreitet ein Jahrhundert

Licht im Dunkel



Pierre Soulages im Musée Soulages in Rodez

Pierre Soulages im Musée Soulages in Rodez

Heute feiert Pierre Soulages seinen hundertsten Geburtstag. Mit diesem stolzen Alter kann er auf ein erfülltes schöpferisches Leben von 80 Jahren zurückblicken: Ist er doch einer der bedeutendsten abstrakten Maler und der letzte lebende Künstler, der bei der ersten Documenta 1955 in Kassel mit von der Partie war. Neben Hans Hartung, Georges Mathieu, Henri Michaux, Zao Wou-Ki und Nicolas de Staël zählt er zu den Hauptvertretern der gegenstandslosen tachistischen Kunst der 1950er und 1960er Jahre in Frankreich. International bekannt wurde Soulages durch seine reduzierte, seit 1979 gänzlich auf Schwarz begrenzte Farbpalette. Der am 24. Dezember 1919 im südfranzösischen Rodez geborene Künstler hat Außergewöhnliches erreicht: Als erster zeitgenössischer Künstler stellte er 2001 in der Eremitage im russischen St. Petersburg aus. Der Louvre widmet ihm anlässlich seines Jubiläums eine Retrospektive. Zu Lebzeiten wurde diese Ehre bisher nur Marc Chagall und Pablo Picasso zuteil. Und noch immer steht er im Atelier, um seine lichtvollen Erkundungen der Farbe Schwarz durchzuführen.


Pierre Soulages verlor bereits im Alter von fünf Jahren seinen Vater und wurde daraufhin von seiner Mutter und älteren Schwester erzogen. Frühzeitig förderten sie sein künstlerisches Talent und sein Interesse an romanischer und prähistorischer Kunst. Allerdings verschmähte er laut einer Familienanekdote schon mit fünf oder sechs Jahren farbiges Kolorit und bevorzugte schwarze Tinte – auch für das Malen von Schnee. Sein auf den ersten Blick eher ungewöhnliches Vorgehen begründete er damit, dass erst durch den Auftrag der schwarzen Farbe das Papier richtig weiß und dessen Strahlkraft aktiviert würde. Nach eigenen Aussagen wurde der Wunsch, sein Leben der Kunst zu widmen, mit 13 Jahren geweckt, als er die Architektur und Ausstattung der romanischen Klosterkirche Sainte-Foy in Conques betrachtete. Auf Drängen eines Lehrers absolvierte er 1938 die Aufnahmeprüfung für die École nationale supérieure des beaux-arts in Paris, wurde angenommen, entschied sich aber gegen ein Studium, da er die Lehre des Instituts als zu akademisch und beschränkt empfand. Er kehrte 1939 nach Rodez zurück und wurde 1940 in die Armee eingezogen. Durch gefälschte Papiere entkam er der Zwangsarbeit unter deutscher Besatzung in Montpellier. Dort bewarb er sich 1941 als Zeichenlehrer an der École des Beaux-Arts und traf seine spätere Frau Colette Llaurens, die er 1942 in schwarzer Kleidung um Mitternacht in der Kirche Saint-Louis in Sète heiratete.

Der künstlerische Durchbruch

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Pierre Soulages 1946 nach Paris, verdiente sein Geld zunächst als Bühnenbildner für das Théâtre de l’Athénée und widmete sich im Kreis der „Nouvelle École de Paris“ der Malerei. 1947 stellte er seine schwarzen, an kalligrafische Zeichen erinnernden Arbeiten erstmals im Salon des Indépendants aus, wo Hans Hartung und Francis Picabia auf den deutlich jüngeren Maler aufmerksam wurden. Zwei Jahre später wurde Soulages eingeladen, in Deutschland an der Gruppenausstellung „Französische abstrakte Malerei“ teilzunehmen. Die von dem Kunstmäzen Ottomar Domnick konzipierte Schau machte Station in sieben deutschen Städten und erfreute sich hoher Resonanz. Ein mit Walnussbeize gemaltes, schwarzbraunes Bild des aufstrebenden Franzosen zierte das Ausstellungsplakat und verschaffte Soulages internationale Aufmerksamkeit. Im Zuge dieser Schau formulierte er auch sein Credo: „Ein Gemälde ist ein organisiertes Ganzes, ein Ensemble von Formen, Linien und farbigen Flächen, auf denen unsere Interpretationen entstehen und auseinander fallen.“

Bald galt der junge Franzose als Pendant zu den amerikanischen Abstrakten Expressionisten wie Franz Kline und Jackson Pollock. Im Gegensatz zu diesen legte er seine Arbeiten aber nicht als zufällig aufgetragene Farbkleckse oder -striche an, sondern baute durchdachte Kompositionen auf, die als autonome Werke für sich stehen, ohne etwas abzubilden oder einen Gemütszustand ausdrücken zu wollen. Weiterhin unterschieden sich seine Abstraktionen von denen seiner Zeitgenossen durch den Verzicht auf farbenfrohe Formen und die Wahl dunkler Töne. Er experimentierte mit neuen Materialien und Techniken wie Nussbeize oder Teer, die er statt mit Pinseln mithilfe von Besen, Bürsten und Spachteln auf den Untergrund auftrug.

1952 nahm Pierre Soulages an der 26. Biennale in Venedig teil, zwei Jahre später präsentierte die New Yorker Galerie von Sam Kootz seine erste Einzelausstellung in Übersee. In den Folgejahren hielt er sich regelmäßig in den USA auf, seine Arbeiten verkauften sich gut und gelangten über teils prominente Privatsammler später auch in zahlreiche amerikanische Museen. In den USA lernte er Franz Kline, Mark Tobey, Willem de Kooning, Mark Rothko und Robert Motherwell persönlich kennen. Soulages beteiligte sich an der ersten Documenta in Kassel im Jahr 1955 und wurde auch zu den Folgeveranstaltungen 1959 und 1964 eingeladen.

Outrenoir – Überschwarz

Nach seiner Phase expressiven und informellen Schaffens fand er durch einen Zufall seinen Stil, den er bis heute beibehalten hat. 1979 malte Soulages an einem Bild, das ihm nicht gelingen wollte. Er trug die Farbe immer dicker auf, bis schließlich die komplette Leinwand mit Schwarz bedeckt war, und glaubte resignierend, „in einem schwarzen Morast herumzustochern“. So schilderte er es in einer Dokumentation des Fernsehsenders Arte. Mit etwas zeitlichem Abstand betrachtete er das Bild nochmals und erkannte, dass das Schwarz der Leinwand das Licht auf mannigfache Weise reflektierte und belebte. Darauf beschloss er, nicht mehr zu seinen alten Techniken zurückzukehren. Eine pastose aufgetragene Farbmischung aus schwarzem Pigment, Öl und Harz, der Soulages mit selbst hergestellten Werkzeugen, mit Spateln, Rechen oder Bürsten Struktur verleiht, sind seither das Markenzeichen des Franzosen. Er nennt dies „Outrenoir“ – eine Malerei „jenseits von Schwarz“. Soulages nutzt die Nicht-Farbe als Quelle für das darauf projizierte Licht und erzielt immer wieder neue unterschiedliche Eindrücke und je nach Lichteinfall auch verschiedene Valeurs. In dem Interview sagte er: „Erst in dem Moment habe ich begriffen, was passiert war: Ich hatte nicht mit Schwarz gemalt, sondern durch die Reflexionen der Farbe das Licht gemalt.“

1987 erhielt Pierre Soulages den Auftrag, 126 Fenster für die Kirche Sainte-Foy in Conques zu gestalten. Die Entwürfe und Vorarbeiten zu den in sandfarben und lichtblau bleiverglasten Fenster schenkte er seiner Heimatstadt Rodez. Seit 2014 werden diese und 500 weitere Werke aus einer Schenkung des Schwarzmalers im damals neu eröffneten Museìe Soulages präsentiert. Bereits im ersten Jahr fanden 250.000 Besucher ihren Weg in die Sammlung, die durch Wechselausstellungen zeitgenössischer Künstler ergänzt wird. Außerhalb Frankreichs befindet sich die größte Dauerinstallation seiner Arbeiten im Museum Art.Plus in Donaueschingen. Die Räumlichkeiten sind durch die Verwendung von Sichtbeton und durch die großen Oberlichter auf die neun großformatigen „Outrenoirs“ abgestimmt. Durch den im Tagesverlauf wechselnden Lichteinfall und die Möglichkeit, die Gemälde zu umschreiten, wird für den Betrachter deutlich, warum für Soulages Schwarz eine Farbe des Lichtes ist, dass in der Dunkelheit die Helligkeit aufstrahlt.

Weltweite Ehrungen

Bisher hat Pierre Soulages über 1.600 Gemälde, dazu noch unzählige Druckgrafiken, Arbeiten auf Papier, Skulpturen oder seine Glasfenster geschaffen und arbeitet weiterhin an seinem Œuvre in seinem Atelier in Sète an der französischen Mittelmeerküste. Seiner ersten Ausstellung in Paris 1947 folgten zahlreiche Gruppen- und Einzelschauen unter anderem in Japan, Italien, Spanien, Norwegen, Brasilien, Südkorea, Mexiko, Portugal und Deutschland, zuletzt 2018 im Ludwig Museum in Koblenz. Frankreich ehrt den Jubilar mit mehreren Präsentationen, aktuell in Paris etwa mit „Soulages at the Louvre“ und einem Überblick über sein Werk im Centre Pompidou. Das Musée Fabre in Montpellier beteiligt sich mit einer Schau, die neue Werkreihen, aber auch Archivdokumente und literarische Zeugnisse umfasst, und das Musée Soulages in Rodez feiert den 100. Geburtstag des Malers schon das ganze Jahr über.

Seine Arbeiten befinden sich weltweit in über 300 Museen, darunter im Museum of Modern Art und im Guggenheim Museum in New York, in der Tate Gallery in London, im Montreal Museum of Fine Arts, im Museum of Modern Art in Rio de Janeiro oder im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, das sich mit der großformatigen „Peinture, 324,4 x 181 cm, 12 Avril 2016“ eben erst ein Weihnachtsgeschenk gemacht hat. Bereits 1975 erhielt Soulages den Großen Preis für Malerei der Stadt Paris, im Folgejahr den deutschen Rembrandt-Preis. 1979 ernannte die American Academy of Arts and Letters ihn zum Ehrenmitglied. Der französische Staat verlieh ihm 1986 den Grand prix national de peinture, 2015 das Großkreuz der Ehrenlegion und 2019 den Grand prix du rayonnement français. Darüber hinaus würdigte Japan Soulages mit dem Praemium Imperiale, einer Art Nobelpreis für Kunst, und Österreich mit dem Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Ans Aufhören denkt Soulages mit 100 noch nicht: Er will die Farbe Schwarz noch weiter leuchten lassen.



24.12.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nadine Waldmann

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Die Förderer freuen sich über die Neuerwerbung: Pierre Soulages’
 „Peinture, 324,4 x 181 cm, 12 Avril 2016“
Die Förderer freuen sich über die Neuerwerbung: Pierre Soulages’ „Peinture, 324,4 x 181 cm, 12 Avril 2016“

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Das neue Musée Soulages in Rodez
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Pierre Soulages im Musée Soulages in Rodez
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Pierre Soulages







Die Förderer freuen sich über die Neuerwerbung: Pierre Soulages’ „Peinture, 324,4 x 181 cm, 12 Avril 2016“

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Das neue Musée Soulages in Rodez

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