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Am Badestrand / Otto Pippel

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Van Ham hat seine „Alte Kunst“ neu strukturiert und will damit Lust auf Entdeckungen wecken. Das Kunstgewerbe geht in Köln seinen gewohnten Gang und fokussiert auf das moderne Frauenbild

Goldscheiders Golden Girls



Sebastiano Mainardi zugeschrieben, Anbetung des Kindes

Sebastiano Mainardi zugeschrieben, Anbetung des Kindes

Van Ham hat seinen Katalog „Alte Kunst“ neu aufgemacht. Statt wie bisher nach Alten und Neueren Meistern in chronologischer Reihenfolge und nach Gattungen getrennt, geht es nun quer durch die Epochen und Stile, aber nach Themen und Motiven geordnet. Diesmal sind es vierzehn Abschnitte, die jeweils mit einem Highlight und einem essayistischen Text über den Künstler und das Werk beginnen. So will der Katalog einen spannenden Dialog innerhalb eines Themenkreises eröffnen, visuelle Inspirationsquelle sein und mit diesem marketinggerechten Auftritt neue Sammlerschichten ansprechen, die sparten- und zeitenübergreifend einkaufen. Los geht es unter der Überschrift „Family“ mit einer Anbetung des neugeborenen Christus durch die fromme Maria und den sinnenden Josef auf einem Renaissance-Tondo, der dem Florentiner Meister Sebastiano Mainardi zugeschrieben wird. Die feine Arbeit des Ghirlandaio-Schülers, der zahlreiche Gemälde und Fresken in Florenz und in seinem Geburtsort San Gimignano ausführte, vergleichen die Experten mit ähnlichen Anbetungsdarstellungen im Rundformat und bewerten sie mit marktgerechten 30.000 bis 40.000 Euro, ausgehend von den 35.000 Dollar, die Christie’s im Mai in New York für eine gleich große Version des Sujets erzielte.


Im religiösen Bereich bleibt es bei den Familienbildern mit Hendrik de Clercks „Heiliger Familie mit dem Johannesknaben“ im Oval (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR) und einer Maria lactans mit Trauben, Messer und Lilien, die der in Antwerpen tätige Meister mit dem Papagei um 1520/40 gemalt hat (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Paolo Troubetzkoy hat das Thema in seiner Bronzegruppe „Mutter mit Kind“ in den profanen Bereich überführt und dafür 1903 seine Frau Elin und seinen Sohn Pierre in Jugendstil-Manier portraitiert (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Den zweiten Abschnitt „History“ eröffnet Giovanni Francesco Barbieris kraftvolle Interpretation „David mit dem Haupt des Goliaths“. Galt das 2011 wiederentdeckte Gemälde bisher als Wiederholung mit Werkstattanteil zu dem im Museum of Western Art in Tokio aufbewahrten Werk, spricht sich der Guercino-Spezialist Nicolas Turner nun für die Eigenhändigkeit des barocken Meisters aus und macht dafür die kostbare Qualität der verwendeten Materialien verantwortlich (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Die Schönheiten dieser Welt

Bestimmen zunächst die biblischen Historien, wie die Schriftgelehrten-Konfrontation „Jesus und die Ehebrecherin“ in prächtiger Renaissance-Architektur des Venezianers Nicola Grassi (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR), das Geschehen, geht es mit Johann Eleazar Zeissigs noch friedlichem Soldatenlager von 1769 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) und Carl Friedrich Moritz Müllers dann schon unerschrockenem Freiheitskampf einer Tiroler Familie in typisch nächtlichem Feuerschein von 1848 in den weltlichen Bereich (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Auch bei Hugo Ungewitters „Russischen Kosaken im Gefecht“ von 1919 ist die Luft von Blei durchsät (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Dann beruhigt sich die Auktion und schmeichelt mit „Beauty“. Hier treffen etwa der charmante junge Mann mit Pelzkappe in braunem Kolorit des begabten Rembrandt-Schülers Arent de Gelder (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), Albert von Kellers wohlproportionierter weiblicher Akt vor Naturgrün (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und Hippolyte François Moreaus neobarocke Bronzefigur der „Flora“ aufeinander (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR).

Einträchtig ist die Stimmung auch im Kapitel „Company“, etwa bei dem kleinen Gemälde „Gitarre spielende, junge Dame mit Kindern beim Seifenblasen“ des Flamen David Teniers d.J., das als marktfrische Wiederentdeckung aus Hamburger Privatbesitz auf 60.000 bis 80.000 Euro hofft, bei Luigi Monteverdes neugierigen Frauen bei der Wäsche am Dorfbrunnen von 1914 (Taxe 15.000 bis 17.000 EUR) oder bei Léon Carrés eleganter Gesellschaft auf der Pferderennbahn von 1907 (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Bei „Crazy“ ragen Adriaen van Ostades ungezügelt zur Fidelmusik tanzende Bauern in einer Scheune für 20.000 bis 30.000 Euro oder Eduard von Grützners Abschied des betrunkenen Falstaffs aus dem Weinkeller mit dem Titel „Nach schwerer Sitzung“ von 1893 für 40.000 bis 60.000 Euro heraus. Ins Reich der Fabelwesen nimmt der Franzose Albert Maignan den Betrachter mit und führt ihn mit seiner „Sirène“ zu Fischen und Wasserpflanzen auf den Meeresgrund (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR).

Wieder in ruhigen Bahnen verläuft der Abschnitt „Meditation“ mit Anthonis van Dycks braunlastiger Studie eines Christuskopfes für 80.000 bis 120.000 Euro an der Spitze. Gar in Schlaf versunken ist Emilio Rizzis halbnacktes Modell im Atelier von 1914 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), in Konzentration eine jungen Frau beim Kämmen vor der offenen Ofentür auf einer Kreidezeichnung Alexander Desclabissacs von 1903 (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR) und der Belgier Maurice Langaskens beim Beobachten von Schmetterlingen auf einem Selbstportrait, das er 1917 in einem Gefangenenlager in Göttingen malte (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). „Water“ und „Nature“ sind die umfangreichsten Kapitel und feiern Landschaft, Flora und Fauna. Bewegte Seestücke steuern Pieter Mulier d.Ä. mit seiner graubraunen Marine (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), wohl Petrus Johannes Schotel mit einer Seerettung in stürmischer Bucht (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR) und Andreas Achenbach mit seiner Hafeneinfahrt bei unruhigem Wellengang von 1879 bei (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Soviel soll auch Louis Douzettes stille Nachtszene „Vollmond über der Trave vor der Silhouette von Lübeck“ mit etwas unklaren Größenverhältnissen kosten.

Malerische Gedichtadaption

Ansprechende Stillleben gibt es mit Emilie Preyers Arrangement aus Trauben, Pflaumen und Pfirsichen auf einer Steinplatte (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR), Konrad von Kardorffs spätimpressionistischem Blumenstrauß in grüner Vase neben einer Malerpalette von 1933 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) und William Malherbes luzidem Tulpenstrauß in einer Glaskaraffe von 1913 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Auf seiner Gouache „Der Handschuh“ zeigt Paul Friedrich Meyerheim mehrere Raubkatzen in einem südländischen inspirierten Gehege erstaunt um das Objekt ihrer Begierde und hat sich dabei 1874 auf eine Ballade von Friedrich Schiller gestützt (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Als Tiermaler afrikanischer Welten war Wilhelm Kuhnert zu Beginn des 20. Jahrhunderts berühmt, dessen Werke heute schon bis in den mittleren sechsstelligen Bereich vordringen. Von ihm stammen ein majestätischer Löwenkopf, ein Tscherkessenreiter in der Steppe aus dem Jahr 1900 (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR), eine einsame Impala in der heißen Savanne Ostafrikas von 1905 (Taxe 9.000 bis 10.000 EUR) und eine fliehende Zebraherde in impressionistisch flirrendem Duktus (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

An einer italianisanten Flusslandschaft mit Reisenden bei einer Brücke haben Adriaen Hendricksz Verboom und Johannes Lingelbach in der Mitte des 17. Jahrhunderts gemeinsam gearbeitet. Biedermeierlich wird es bei Anton Radls menschenleerem Gebirgstal mit sanftem Wasserfall (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR), spätromantisch mit Johann Gottfried Steffans tosendem Bach in den Schweizer Alpen bei Glarus von 1875, in dem unter dramatisch bewölktem Himmel ein kleiner Junge angelt (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), und impressionistisch mit Grigorij Fedorovich Jarcevs Frühlingsstimmung auf einem Weg entlang weiß blühender Bäume (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Deutlich mehr Farbe bringt der polnisch-französische Maler Jean Peské mit seiner provenzalischen Hügellandschaft an einem klaren Tag ins Spiel und weist sich damit als Anhänger der Fauvisten aus (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Als einer der wichtigsten russischen Landschaftsmaler gilt Iwan Schischkin; daher ist seine unspektakuläre Waldlichtung auch mit 45.000 bis 60.000 bewertet.

Eine eigene Sektion konnte Van Ham den Winterlandschaften widmen, die Friedrich Kallmorgen mit seinem erzählerischen Dorfweg samt Menschen bei der Vorbereitung des Weihnachtsfestes in verheißungsvollem Abendrot anführt (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Carl Hilgers wandelt bei seinem Wintertag mit der alten Kapelle in Rhens am Rhein von 1841 noch in romantischen Bahnen (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Bei Fritz von Wille und seinem „Tauenden Schnee in der Eifel“ ist der Höhepunkt der kalten Jahreszeit schon überschritten (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Mit einem anderen Preisniveau muss man bei der russischen Kunst kalkulieren, etwa bei Konstantin Fjodorowitsch Juons tief verschneitem Sonntagtag mit zwei Pferdeschlitten vor einem Dorf (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR) und Bogdan Pavlovich Villevaldes Pferdetroika mit napoleonischen Soldaten bei der Rückkehr aus Russland. Der Planwagen steckt im tiefen Schnee am Rand eines vereisten Weihers fest, in den das Militär und die Pferde nun einzubrechen drohen (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR).

Kinder gehen immer

Auch die teuerste Position der Versteigerung ist russischen Ursprungs. Konstantin Egorovich Makovskij hat 1875 mit seinen „Zwei Kindern im Garten“ ein rührendes, etwas süßliches Beispiel russischen Volkslebens in impressionistischer Malweise geschaffen und hofft auf 280.000 bis 350.000 Euro. Die kleine Sektion „Children“ hält zudem noch Carl Wilhelm Friedrich Oesterleys anmutiges Portrait seiner Tochter mit Blumenstrauß von 1845 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), Felix Schlesingers pausbackigen kleinen Jungen mit Apfelkorb (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) oder Friedrich Kallmorgens drei Kinder mit Hund unter einem Herbstbaum am Ufer eines Flusses bereit (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR).

Mit „Journey“ geht es dann in die Ferne: Franz Richard Unterberger führt auf einer staubige Landstraße mit stürmender Pferdekutsche vor Neapel zur „Route à Pompeij“ (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Hermann David Salomon Corrodi zu antiken Aquädukten an einem heraufziehenden Abend in die römische Campagna (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Theodor Groll zeigt uns dann ausschnitthaft die Porta della Carta zwischen San Marco und dem Dogenpalast in Venedig ebenfalls zu abendlichen Stunde (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Nach Griechenland schweifte Johann Friedrich Tielker im frühen 19. Jahrhundert ab und ließ auf einer aquarellierten Federzeichnung das Panorama von Athen mit der Akropolis über den Häusern der Stadt entstehen (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Dass auch die Heimat schön sein kann, machen Johann Caspar Schneider mit seinem Blick über Bingen in den Rheingau (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und Johann Theodor Goldstein mit seiner ebenso pittoresken Ansicht des Neckartals samt dem Heidelberger Schloss deutlich (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Bei „Cusine“ gibt es zunächst ein schmackhaftes Stillleben mit drei saftigen Birnen vor dunklem Hintergrund von Otto Scholderer (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR), aber auch zwei belebte farbintensive Cafészenen vom Beginn des 20. Jahrhunderts aus den Straßen von Paris von Richard Bloos und Robert Emil Stübner für jeweils 6.000 bis 8.000 Euro. Da ist die „Town“ nicht mehr weit, die die Auktion abschließt und etwa Eduard Gaertners Gouache mit einem Ausstellungspavillon in St. Petersburg von 1840 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) oder Erich Kips’ Woolworth Building in New York vorstellt (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Max Arthur Stremels stilles Dorf am Dünenrand unter der Novembersonne hat nicht viel mit dem Thema „Stadt“ zu tun, gleichwohl ist das Ölgemälde von 1891 ein attraktives Beispiel für die frühe Adaption postimpressionistischer Malweise in Deutschland (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Vor diesem letzten Abschnitt machen noch die „Couples“ ihre Aufwartung, darunter Nicolaas Verkoljes barocke aquarellierte Federzeichnung „Christus und die Samariterin am Brunnen“, Carl Wilhelm Hübners Mutter mit Sohn „Nach der Feuersbrunst“, die ihr Haus zerstört hat (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR), Hans Thomas symbolistischer nächtlicher Wald mit „Apoll und Marsyas“ in noch trautem Wettstreit oder die beiden Jungen von Nikolai Bogdanov-Belsky, die an einem lichten Frühlingstag auf ihrem Schimmel durch einen See reiten (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR).

Kunstgewerbe traditionell

Beim Kunstgewerbe hat Van Ham die herkömmliche Aufteilung nach Sparten beibehalten. Los geht’s mit dem Porzellan, bei dem sich zunächst eine Meißner Kaffeekanne aus dem Frühstücksservice für Maria Josepha von Sachsen-Polen nach einem Modell von Johann Joachim Kändler hervortut, der um 1738 die bauchige Wandung zart mit Blumen- und Blätterfestons belegen, den Henkel aus Zweigen gestalten und alles zart vergolden ließ (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Aus dieser frühen Zeit stammt auch noch seine lustige Figur des Kammerhusaren Schindler mit Hund und dem Balg eines Geißbocks als Sackpfeife (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR). Mit einem Kaffee- und Teeservice samt Jagdszenen sind um 1780 dann schon klassizistische Gefilde erreicht, die ein Pendant aus der Züricher Porzellanmanufaktur mit Landschaftsdekor wohl von Heinrich Thomann um 1775 ergänzt (Taxe je 3.500 bis 4.500 EUR).

Dass Ausformungen Johann Joachim Kändler noch im 20. Jahrhundert auf Anklang stießen, beweisen vier Vogelfiguren aus der „Menagiere August des Starken“. Kändlers Talent lag darin, einen charakteristischen Moment des Tieres einzufangen und diesen naturalistisch wiederzugeben. So ist sein Pelikan gerade dabei, mit zurückgeworfenem Kopf und geöffnetem Schnabel einen Fisch zu verschlingen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Zudem marschieren in rein weißer Ausführung der große stehende Königsgeier, der große Ara beim Abstieg und der große Paduaner Hahn aus einer Hessischen Privatsammlung für jeweils 8.000 bis 10.000 Euro auf. Sie stellt noch weitere Porzellanstücke zur Verfügung, etwa die bunte Allegorienfolge „Die vier Erdteile“, die im 19. Jahrhundert nach Modellen Johann Friedrich Eberleins unter Mitwirkung Kändlers und Peter Reinickes nochmals aufgelegt wurde (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), oder acht Figuren aus dem berühmten Hochzeitszug von Adolph Amberg in verschiedenen farbig staffierten Exemplaren (Taxe 15.000 bis 17.000 EUR) und die dazugehörige Jardiniere sowie das Paar Girandolen in Weiß (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Goldscheider und das neue Frauenbild

Besonders begeistern konnten sich die hessischen Sammler für Keramikfiguren des Wiener Traditionsunternehmens Friedrich Goldscheider. Die 18 Art Déco-Kunstwerke verkörpern die emanzipierte und moderne Frau der 1920er Jahre und zeigen sie zumeist in Posen des Tanzes und der Maskerade, so die amerikanische Tänzerin Ruth St. Denis mit gelupftem Rock nach einem Entwurf von Albert Dominique Rosé (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR), den bekannten „Gefangenen Vogel“ von Josef Lorenzl (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR) oder die stehende, grün gewandete Pierette mit Maske, die Lorenzl oder Stephan Dakon modelliert hat (Taxe 4.500 bis 6.500 EUR). Dakon war um 1928/29 auch der Entwerfer des „Mask Dance“, der die Tänzerin Rita Zabekow in eng anliegendem metallicgrauem Kostüm mit passender Haube und roten Masken portraitiert und 20.000 bis 25.000 Euro einfordert.

Für die Jahreszeitenfigur „Der Herbst“ ist dann die Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur verantwortlich, die Hugo Meisels weiblichen Akt mit Weintraubenkorb zwischen 1922 und 1934 ausführte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Oskar Erich Hösel griff in dieser Zeit auf das braune Böttgersteinzeug zurück, um sein Duo eines Dromedars als Reit- und eines Trampeltiers als Lastentier (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) sowie einen großen Uhu für die Meißner Porzellanmanufaktur naturgetreu zu modellieren (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Französisch geht es vor allem beim Glas aus dem frühen 20. Jahrhundert weiter, unter anderem mit Gabriel Argy-Rousseaus violett-grauer Pâte de verre-Vase „Violettes de Parme“ (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR), aber auch mit Antoine-Louis Baryes theatralischer Bronzegruppe „Angélique et Roger montés sur l’hippogriffe“ aus einem Tafelaufsatz, einem Auftrag für Antoine d’Orléans, duc de Montpensier, aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR). Wieder ins Art Déco weist Albert Cheurets Tischlampe mit einem vernickelten Metallfuß und -schaft samt schuppenartigem Reliefornament und vierkantigem Alabasterschirm, die schon 1925 auf der berühmten Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes in Paris ausgestellt war (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR).

In der Silberabteilung beginnt es mit der Renaissance und einem Buckelpokal samt Kreuselwerk, gravierten Frucht- und Gemüsemotiven und einem Schmeck auf dem Deckel des Nürnberger Goldschmieds Hans Emmerling um 1623/29 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Darauf folgt eine barocke, aber schlichte Abendmahlskanne des Augsburgers Johann Daniel Schäffler I. von 1707/11 mit Resten einer Vergoldung (Taxe 11.000 bis 13.000 EUR). Hochpreisig wird es beim Silber mit einem monumentalen, fast eineinhalb Meter hohen, historistischen Prunkaufsatz. Die Hanauer Firma J.D. Schleissner Söhne fertige den germanischen Krieger mit Flügelhelm, der ein Schiff mit Kölner Wappen und Siegesgöttin Nike in die Höhe stemmt, und will dafür nun 75.000 bis 80.000 Euro sehen.

Original oder Nachahmung

Detailreich ausgearbeitet ist ein barocker süddeutscher Hausaltar wohl aus Augsburg. Das zentrale Emailbild mit der Verkündigung Mariens und das kleine Queroval mit der Geburt Christi sind von einer Silberblechverkleidung auf einem Holzkern umgeben, die mit gefassten Rubinglascabochons dicht besetzt ist (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). In die Mitte des 16. Jahrhunderts datiert ein Frechener Bartmannkrug mit großer Wappenauflage aus braunem Steinzeug (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), während eine Elfenbeinschatulle auf Tatzenfüßen mit Schlachtenszenen, Imperatorenköpfen, Puttenfries und einem liegenden Akt obenauf nur so tut, als sei sie in diesem Jahrhundert entstanden. Sie ist aber vielmehr um 1860 von einem Künstler aus dem Umkreis des Stuttgarter Bildhauers Theodor Wagner geschnitzt worden (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

Bei den Zeitmessern ragen eine süddeutsche oder Schweizer Wanduhr um 1600/20 mit teils farbig bemaltem Eisengehäuse (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), eine hochbarocke Pariser Pendule in prächtiger Boulle-Marketerie mit einem Uhrwerk von Jacques Thuret III. (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und ein Rokoko-Cartel mit sitzendem Chinesen samt Sonnenschirm in vergoldeter Bronze von Alexandre Le Faucheur hervor (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Diesem Geschmack entspricht auch eine zweischübige Kommode mit einer Marketerie aus blühenden Blumen von Mathieu Criaerd um 1750 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Die Möbelmanufaktur von Abraham Roentgen in Neuwied hat in dieser Zeit etwas schlichter, aber auch eleganter gearbeitet. Sie soll für eine dreischübige Kommode auf Klauenfüßen mit einem ausgesuchten Furnierbild aus Walnussholz und feinen Bronzebeschlägen verantwortlich sein (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Einen Satz von neun Gondelstühlen fertigte wohl einer Berliner Handwerksbetrieb aus rotbraunem Mahagoni um 1815 im Empire-Stil; da er bis 1998 zur Sammlung der Fürsten Thurn und Taxis gehörte und im Schloss Garatshausen am Starnberger See stand, durfte sich bei 12.000 bis 15.000 Euro ein Bewunderer finden.

Die Auktion „Europäisches Kunstgewerbe“ beginnt am 13. November um 14 Uhr; am 14. November folgt die „Alte Kunst“ zur gleichen Uhrzeit. Die Besichtigung ist am 11. November von 10 bis 18 Uhr, am 12. und 13. November in Auswahl von 10 bis 17 Uhr sowie bis zum Auktionsbeginn möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.van-ham.com.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



11.11.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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 Maske. Goldscheider, Friedrich. Wien. Ausführung um 1925-41.
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