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Chinesische Medienkunst in Berlin

Die Nationalgalerie in Berlin und die Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen kulturellen Austausch präsentieren am Kulturforum aktuell die Ausstellung „Micro Era. Medienkunst aus China“. Die Schau mit Werken der vier Künstler Cao Fei, Lu Yang, Fang Di und Zhang Peili feiert das 25jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Peking. Die Werkauswahl entwickelten die Künstler zusammen mit den chinesischen und deutschen Kuratoren Anna-Catharina Gebbers, Victor Wang und Yang Beichen. Gemeinsam ist den Installationen und Videoarbeiten seit den 1980er Jahren das Verhältnis zwischen Geist, Körper und Technologie. Die Videokunst werde im europäisch-amerikanischen Kontext oft als demokratisierende Kunstform verstanden, so die Kuratoren. Dank der schnell zugänglichen Technik erlauben Videos eine weltweite Verbreitung von Informationen wie auch globaler Ereignisse. Cao Fei, Fang Di, Lu Yang und Zhang Peili hinterfragen diese These der Demokratisierung, indem sie in ihrer Bildsprache die Massenproduktion von Waren und die Art und Weise reflektieren, wie Bilder produziert und konsumiert werden oder wie wir unsere Welt durch bildgebende Technologien verstehen.

In ihren Filmen und Installationen verbindet die 1978 in Guangzhou geborene Cao Fei soziale Kommentare, popkulturelle Ästhetik sowie Bezüge zum Surrealismus und Dokumentarfilm. Ihre Arbeiten spiegeln die schnelle und chaotische Veränderung in der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft. Erstmals sind ihre Werke „Asia One“ und „11.11“ von 2018 in Deutschland zu sehen. Die Multimediainstallation kreist um den Logistiksektor, vermittelt die hyperreale Vision einer nahen Zukunft und zeigt die Auswirkungen von beschleunigtem Wirtschaftswachstum, technologischen Entwicklungen und der Globalisierung auf die Gesellschaft. Cao Feis künstlerischer Dialogpartner ist der neun Jahre jüngere Fang Di. Er thematisiert Fragen des Rassismus in einem geopolitischen Kontext, bezieht in seine Medienarbeiten Filmmaterial aus Nachrichten und Dokumentationen ein und verbindet sie mit unterschiedlichen visuellen Sprachen, um diese Verflechtungen kritisch zu untersuchen. In seiner bislang ersten großen institutionellen Präsentation in Europa stellt Fang Di seine drei aktuellen Werke „Minister“, „Sepik River Ring“ und „The Magical of Pipes“ vor. Sie basieren auf seiner Arbeitserfahrung in Papua-Neuguinea für ein Unternehmen, das Interessen und Ziele Chinas zu anderen Ländern bündelt.

1984 in Shanghai geboren, verbindet Lu Yang in ihren Installationen virtuelle mit physischer Architektur. Ihre Werke weisen Bezüge zu traditionellem Buddhismus, Technoreligionen, Cyberfeminismus und japanischen Subkulturen auf und kreisen um Rollenklischees, Wissenschaftsglaube und posthumane Lebensformen. In Berlin hat sie ihre Arbeiten in einer Installation eingebettet, die an Comic Con-Aufbauten erinnert. Ihr Dialogpartner ist ihr ehemaliger Lehrer Zhang Peili, der 1957 in Hangzhou zur Welt kam und als ein Pionier der Multimedia-Kunst in China gilt. Seine frühen Arbeiten werden häufig in den Zusammenhang mit den sozial-politischen Ereignissen während des Höhepunkts der 85er-New-Wave-Bewegung gebracht, die dazu führten, dass die chinesischen Begriffe für Performance Art und Video Art in seiner Heimat kanonisiert wurden. Zhang Peili zeigt das wegweisende Video „30x30“ von 1988, das laut Kuratoren oft als das erste in China produzierte Videokunstwerk bezeichnet wird. Hinzu kommt das 1991 geschaffene „Document on Hygiene No. 3“ und erstmals in Deutschland die Installationen „Uncertain Pleasure I“ von 1996 und „Opposite Space“ von 1995.

Die Ausstellung „Micro Era. Medienkunst aus China“ läuft bis zum 26. Januar 2020. Das Kulturforum hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr und am Wochenende ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 30 Euro.

Kulturforum – Sonderausstellungshallen
Matthäikirchplatz 6
D-10785 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 266 42 42 42

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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