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Robert Frank gestorben

Vor allem mit seinem 1958 erschienenen Buch „The Americans“ hat sich Robert Frank in die Fotografiegeschichte eingeschrieben. In diesem Meilenstein der Bildreportage portraitierte der gebürtige Schweizer die USA, fernab der Glorifizierung des „American way of life“ und der postulierten unbegrenzten Möglichkeiten. Im Mittelpunkt standen vielmehr die einfachen Leute, denen er mit seinem erzählerischen, spontanen und unfertig wirkenden Stil ein Denkmal setzte. Frank entdeckte die Kupferarbeiter in ihren Spelunken mit dem hohen Alkoholspiegel nach Feierabend, die Prostituierten bei der Arbeit in Kaschemmen, Gesichter, die aus den Fenstern der Straßenbahn in New Orleans schauen, einen alten mittellosen Mann auf einer Straße in Florida, gestresste Kellnerinnen im Diner oder die vorbeiflitzenden Autos auf dem Highway.

Zur Welt kam Robert Frank am 9. November 1924 in Zürich als Sohn eines aus Frankfurt immigrierten jüdischen Innenarchitekten. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen in seiner Heimatstadt und Genf in den frühen 1940er Jahren verließ er schon 1947 die Schweiz und ging in die USA. In New York arbeitete er zunächst als Assistenzfotograf für die Modezeitschrift Harper’s Bazaar und veröffentliche Bilder in Magazinen wie Life, Vogue und Fortune. Doch Robert Frank drängte es nach außen. So wurde er zum Mitbegründer der „Street Photography“. Später äußerte er sich dazu: „Ich wollte frei sein. Und ich wollte das so machen, wie ich es sehe.“ Mit zwei Stipendien der Guggenheim Foundation in der Tasche bereiste er zwischen 1955 und 1957 das gesamte Land und beschrieb die große Gespaltenheit und Gegensätzlichkeit Amerikas. Hierbei entstanden rund 28.000 Aufnahmen, von denen er für die Publikation „The Americans“ nur 83 Bilder auswählte. Doch die trafen ins Herz einer Generation, so dass Jack Kerouac, der Kultautor der amerikanischen Beat-Generation, für die englischsprachige Ausgabe das Vorwort schrieb.

Auch als Filmemacher trat Robert Frank hervor und erweitere ab 1959 damit sein künstlerisches Spektrum. Sein erster Film „Pull My Daisy“ greift eine Szene aus Kerouacs nie vollendetem Theaterstück „The Beat Generation“ auf und wurde in einer Privatwohnung mit Freunden als Schauspielern gedreht. In den nächsten Jahrzehnten erstellte Frank über 30 Filme, alle unabhängig und ohne Budget produziert, womit er zu einem wichtigen Vertreten des Independent-Film wurde. Die Geste des Spontanen, Verschwommenen und Ephemeren, die er schon in der Fotografie entwickelt hatte, übertrug Frank auch auf das bewegte Bild.

Als Kurator war Robert Frank ebenfalls tätig. Schon in den 1950er Jahren wählte er mit Edward Steichen Werke für die Ausstellungen „Post-War European Photographers“ und „The Family of Man“ im Museum of Modern Art aus. Für seine wegweisende Arbeit mit der Fotokamera erhielt Robert Frank zahlreiche Ehrungen, unter anderem 1985 den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie, 1996 den Hasselblad Foundation Award, 2009 den Grossen Designpreis der Schweizerischen Eidgenossenschaft für Fotografie und 2014 den Sonderpreis zum Roswitha Haftmann-Preis. 1990 wurde die Robert Frank Sammlung in der National Gallery in Washington D.C. gegründet, die American Academy of Arts and Letters nahm ihn 2016 als Mitglied auf. Nun ist der große Meister der Fotografie aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tot. Robert Frank starb gestern mit 94 Jahren in Inverness in der kanadischen Provinz Nova Scotia, wo er schon seit Jahrzehnten lebte.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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