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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Zum hundertjährigen Jubiläum in Dessau: Der schwarze Glaskubus des neuen Bauhaus Museums ist eröffnet

Im spiegelnden Schwebezustand



Das Bauhaus Museum Dessau ist eröffnet

Das Bauhaus Museum Dessau ist eröffnet

Der Passant blickt in ein schwarzes Nichts. Auf den reflektierenden Glasfronten inszenieren umliegende Plattenwohnhäuser und pittoreske Gründerzeitbauten ein skurriles Spiel aus Zerrbildern. Der breit gelagerte, dunkle Glaskasten besitzt den Charme eines futuristischen Ufos oder einer High Tech-Produktionshalle. Erst beim Eintreten entfaltet das Gehäuse seine Magie. Unverhofft steht man mittendrin – im neuen Bauhaus Museum in Dessau. In der pfeilerlosen, durchgehenden Halle schwebt hoch über den Köpfen des Publikums das eigentliche Museum. Ähnlich einer Brücke konzipiert, befindet es sich in einem 100 Meter langen schwarzen Betonriegel. Als Träger dienen lediglich zwei Treppenhäuser an den schmalen Enden.


Auch das Bauhaus besitzt eine markante Brücke. Aber an die Stelle eines „White Cube“ trat nun eine „Black Box“, und Ludwig Mies van der Rohes Lehrsatz „less is more“ interpretierten die Architekten in „more with less“ um. Direkte Zitate und Parallelen zum Bauhaus hat das Büro González Hinz Zabala vermieden. Den drei Spaniern kam es auf die zeitadäquate Interpretation identischer Gedankengänge an. So überlagerten sie als Referenz an das Klima die Museumsbrücke mit einem Glasmantel von 40.000 Quadratmetern. Ein schmaler Umgang im Erdgeschoss erschließt evident die Konzeption und führt den Blick zum Dach in elf Metern Höhe. Es ist begrünt und versteht sich als Erweiterung des Stadtparks im Zentrum Dessaus, in dem das Museum nach intensiven Diskussionen seinen Platz erhielt. In mehrfacher Hinsicht wird ihm eine Brückenfunktion zugeschrieben.

In einem internationalen Architekturwettbewerb mit über 800 Einreichungen konnte sich 2015 das spanische Team addenda architects, geleitet von Roberto González Peñalver, José Zabala Rojí und Anne Katharina Hinz, durchsetzen. In rund zweieinhalb Jahren Bauzeit in elementaren Formen aus Stahl, Glas und Beton realisiert, soll der Neubau mitten in der Stadt eine vermittelnde Funktion zwischen den erhaltenen Bauhaus-Bauten im Norden und dem historischen Arbeitsamt sowie den Siedlungsbauten im Süden der Stadt ausüben. Den Nukleus bilden die musealen Sammlungen, die hier nun eine adäquate Bleibe gefunden haben.

Der 49.000 Stücke enthaltende Fundus der Stiftung Bauhaus Dessau ist nach Berlin die zweitgrößte Fachkollektion und zugleich die jüngste. Erst 1976 wurde mit dem Sammeln begonnen und die Objekte bislang eher in bescheidenen Umständen im alten Bauhaus-Gebäude von 1926 präsentiert. Das hat sich mit dem eigenen neuen Haus nun grundlegend geändert. Hier ist eine adäquate Präsentation möglich. Dies war den Stiftungsträgern von Bund, Land und Stadt 30 Millionen Euro wert. Kongenial verbindet sich das visionäre, schwebende Architekturkonzept denn auch mit dem Sammlungsschwerpunkt und der thematischen Dauerausstellung in der dreiteiligen, hoch gelagerten Black Box unter dem Titel „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“. Kern des pädagogischen Anliegens und das Alleinstellungsmerkmal der Sammlung sind es, weniger Ergebnisse wie die Designikonen auszustellen, sondern vielmehr den Weg dorthin mit all seinen Experimenten zu vermitteln. Ideen, Formen des Lernens, das Verwerfen und Entwickeln, die Akteure der Lehr- und Lerngemeinschaft des Bauhauses, ihr Mikrokosmos und seine Bedeutung für die Gemeinschaft stehen im Fokus.

Das quasi schwebende Versuchsfeld gliedert sich in drei Säle. Am nördlichen Treppenaufgang führt der kleinere Kopfsaal in die Anfänge zurück, als 1976 mit dem Erwerb von 200 Objekten für 145.000 Mark in der Galerie am Sachsenplatz in Leipzig alles begann. In der Mittelkoje haben die Kuratoren Regina Bittner, Dorothée Brill und Wolfgang Thöner dann alle diese Stücke vereint, zusammen mit Einkaufslisten und weiteren Schriftstücken. Nicht minder bedeutend sind auch die Zusammenfassung aller Bauhaus-Ausstellungen mitsamt Katalogen und die Erörterung des Bauhaus-Netzwerkes als Teil einer breiten Avantgardebewegung in den Umgängen.

Beginnt der Besucher den Rundgang am Südtreppenhaus, steht am Anfang ein Disput. Das akustische Entree im südlichen Kopfsaal thematisiert in einer Ton-Video-Installation die heftigen Diskussionen, die es um die Ansiedlung der Lehranstalt in Dessau gab. Dahinter tun sich in acht Kojen von Fragen eingeleitete Experimentierfelder auf. Ist der Mensch modellierbar? Eine Antwort versucht Oskar Schlemmer mit den utopischen Figuren des „Triadischen Balletts“. Eine Auskunft auf die Frage, ob Licht gestalten kann, hält die bewegte Metallkonstruktion des „Licht-Raum-Modulators“ von László Moholy-Nagy bereit. Marcel Breuers Sesselmodell „Wassily“ soll das Problem lösen, wie man auf einer Luftsäule sitzen kann. Ein mechanisches Schaufenster mit Werbeentwürfen setzt sich mit der urbanen Konsumkultur und den Optionen auseinander, wie aus Werbung Kunst entstehen kann. Alles Fragen, die bis heute aktuell erscheinen.

Dazwischen liegt ein langer Zentralsaal. Die Betonwände sind gleichfalls roh belassen und schwarz gestrichen. Ihn teilt ein 50 Meter langes Hochregal aus Eisen. Transparent und durchschreitbar, hebt es sich durch die grelle orangefarbene Fassung in der düsteren Dunkelkammer prägnant ab, ebenso wie alle darin eingestellten Exponate. Keine lästigen Reflexe oder Blendungen lenken den konzentrierten Betrachter ab. Auf dem Hochregal sind fabrikähnlich die Arbeitsergebnisse gelagert. Der Weg zu den Endprodukten wird seitlich des Regals beschrieben. Materialproben, Skizzen, Entwürfe, Versuchsanordnungen sind nicht nur an Stelen oder auf Podesten, sondern auch auf Tischen platziert, um der Experimentieratmosphäre eines Studios oder einer Schule näher zu kommen. Lehrer-Schüler-Tische stellen gegenseitige Befruchtungen und Nachwirkungen heraus. „Zwischenspiele“ mit wechselnden Exponaten aus dem Bestand oder auch mit Leihgaben – aktuell „Fotografien von Otto Umbehr (Umbo). Neuerwerbung“, „Experimentierraum: Vorkurs – Licht – Material“ und „Die Grundlehre an der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG)“ – lockern den frei wählbaren Parcours auf. Hier sind Dinge zu sehen, denen ansonsten kein Platz in der Dauerausstellung gewährt werden kann.

Der formstrenge Bauhaus-Mantel barg immer Verrücktes, Unverständliches und Sonderbares. Das Meiste hing in der Luft und war unausgereift. Wieder unten in der Halle angekommen, bietet sich hier viel Raum für Aktivitäten, die einen Makel des Bauhauses kompensieren können. Zu Zeiten seiner Existenz nahm es die Bevölkerung zu wenig mit. Offen, anregend und in die gesellschaftliche Breite zu agieren, diese Aufgabe stellt sich nun beim Bespielen der großen Fläche. Rita McBrides Monumentalplastik „Arena“ lädt momentan dazu ein, ebenso wie Lucy Ravens „Lichtspielhaus“. Mit der bunten Installation aus Glaspaneelen hat die Amerikanerin den Kunst am Bau-Wettbewerb gewonnen.

Das Bauhaus Museum Dessau hat bis zum 31. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, danach täglich von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt beträgt 8,50 Euro, ermäßigt 5,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Kerber Verlag erschienen.

Kontakt:

Bauhaus Museum Dessau

Mies-van-der-Rohe-Platz 1

DE-06844 Dessau

Telefon:+49 (0340) 650 82 50



10.09.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


08.09.2019, Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung

Bei:


Bauhaus Dessau

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Design

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Bauhaus Museum Dessau

Bauhaus Museum Dessau

Grete Reichardt, Bauhauskleid, um 1928

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in der Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“

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Gunta Stölzl, Stoffe für Möbelbezüge. Musterheft, 1925-1928

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Bauhaus Museum Dessau bei Nacht

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Bauhaus Museum Dessau

Bauhaus Museum Dessau

Bauhaus Museum Dessau: Die offene Bühne im Erdgeschoss mit Rita McBrides „Arena“

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Oskar Schlemmer, Geteilte Halbfigur nach rechts, 1923

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Bauhaus Museum Dessau bei Nacht

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in der Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“

in der Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“

in der Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“

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Marianne Brandt und Helmut Schulze, Kandem-Doppelzylinderleuchte Nr. 666 P 40, 1928

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in der Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“

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