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Bern: Johannes Itten und das Bauhaus

Johannes Itten, Ländliches Fest, 1917

Im Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 widmet das Kunstmuseum Bern dem Schweizer Künstler und Bauhaus-Meister Johannes Itten eine Ausstellung, die sein utopisches Projekt, Leben und Kunst auf ganzheitliche Weise zu verschmelzen, ins Auge fasst. Im Zusammenspiel von Schlüsselwerken seines malerischen Œuvres mit zahlreichen Seiten aus seinen Tagebüchern eröffnen die Kuratoren Nina Zimmer und Christoph Wagner einen neuen Blick auf Ittens bislang unbekannte Form der zeichnerischen Welterschließung und auf seine hiervon ausgehenden künstlerischen Prozesse. Die als Rundgang angelegte Präsentation entlang Johannes Ittens Lebensstationen von 1913 bis 1938 spürt dessen Entfaltung von den Anfängen in der Schweiz über seine Aufenthalte in Stuttgart, Wien, Weimar und Herrliberg nach und umfasst auch seine bisher wenig beleuchteten Engagements in Berlin, Krefeld und Amsterdam, bevor er, als „entarteter“ Künstler in Deutschland gebrandmarkt, in die Schweiz zurückkehrte.

Zentral sind dabei die Tagebücher, die zugleich Skizzenbücher des 1888 in Wachseldorn im Berner Oberland geborenen Künstlers sind. Darin lassen sich nicht nur Ittens kunsttheoretische Überlegungen beispielsweise zu seiner Farbenlehre nachvollziehen, sondern auch seine Gedanken zu einer Elementarlehre der Kunst, seine Studien zu Alten Meistern oder Lektürespuren zu esoterischen und naturwissenschaftlichen Ideen seiner Zeit. Gleichzeitig finden sich zahlreiche Einträge zu seinem Lebensalltag, etwa von der Geburt seines Sohnes, die er skizzierend dokumentierte. Vorstellungen von vegetarischer Ernährung, Atemlehre, rhythmischer Gymnastik und anderen Elementen der lebensreformatorischen Bewegung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sind hier präsent.

Untrennbar mit seinem Kunstverständnis verbunden sind jedoch auch kulturhistorische Entwicklungsvorstellungen, die besonders in seinen Vorträgen deutlich rassistische Züge tragen – davon zeugen ebenfalls ausgestellte Vortragsmanuskripte der 1920er Jahre. In dieser Zeit, von 1919 bis 1923, war er in Weimar als einer der ersten Lehrer am Staatlichen Bauhaus beschäftigt. Dort und an seinen weiteren Stationen an der Kunstgewerbeschule in Zürich oder der Hochschule für Gestaltung in Ulm prägte er die nachkommende Künstlergeneration. Johannes Itten verstarb 1967 in Zürich.

Die Ausstellung „Johannes Itten: Kunst als Leben. Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit“ läuft vom 30. August bis zum 2. Februar 2020. Das Kunstmuseum Bern hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags bis 21 Uhr geöffnet; am 25. Dezember bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt beträgt 18 Franken, ermäßigt 14 Franken, für Studierende 10 Franken. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet 29 Franken.

Kunstmuseum Bern
Hodlerstraße 8-12
CH-3000 Bern

Telefon: +41 (0)31 – 328 09 44
Telefax: +41 (0)31 – 328 09 55


30.08.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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