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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rekordpreis für Alfred Kubin bei der „Impressionist and Modern Art“ von Sotheby’s in London

Außenseiter Spitzenreiter



Spinnenartig inmitten einer kargen Winterlandschaft gebückt, schüttet ein Skelett einen Sack voller Verderbnis über einem einsamen Gehöft aus: „Epidemie“ betitelte Alfred Kubin um 1900 die düstere Federzeichnung auf Papier, für die Sotheby’s beim Evening Sale „Impressionist and Modern Art“ in London einen neuen Preisrekord aufstellte. Wie ein Trauerschwan unter bunten heiteren Paradiesvögeln stach das Blatt durch seine für Kubin typische dunkle Farbpalette und morbide Atmosphäre innerhalb der Auktionsofferte hervor. Mit 790.000 Pfund griff ein Online-Bieter tief in die Tasche, überbot die Taxierung von 150.000 bis 200.000 Pfund um ein Mehrfaches und verhalf dem Tuscheblatt zum teuersten Werk im Schaffen Kubins.


Das um 1900/01 geschaffene beklemmende Szenario befand sich im Besitz Max Morgensterns. Der enge Freund und Unterstützer des in Böhmen geborenen „Schwarzmalers“ war 1938 unter Druck des nationalsozialistischen Regimes gezwungen, seine Sammlung zu veräußern. Zwanzig Arbeiten auf Papier gelangten so in das „Kubin Archiv“ des deutschen Kunstsammlers Kurt Otte. 1971 kaufte die Stadt München das komplette Archiv für das Lenbachhaus an. Im Zuge der im Mai erfolgten Restitution an die Erben von Max und Hertha Morgenstern wurden diese Arbeiten nun bei Sotheby’s in London angeboten. Auch bei der Tagesauktion am 20. Juni gingen alle Werke aus diesem Kubin-Konvolut weg, trafen oder übertrafen durchgehend ihre Schätzpreise und erzielten mit bis zu jeweils 700.000 Pfund für „Die Todesstunde“ und „Des Menschen Schicksal III“ teilweise ebenfalls hohe sechsstellige Zuschläge (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP und 80.000 bis 120.000 GBP).

Gutes Auktionsergebnis

Bei einer losbezogenen Zuschlagsquote von 92 Prozent und einem Bruttoumsatz von knapp 98,9 Millionen Pfund war es zu verschmerzen, dass Joan Mirós nicht allzu marktfrische erdige „Peinture“ mit mehreren Wesen keinen neuen Besitzer fand (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP). Zur Ehrenrettung des katalanischen Malers gereichte der Verkauf der 1938 entstandenen „Peinture (L’Air)“. Die farbenfrohe Kraterlandschaft, bevölkert von zoomorphen Fabelwesen, brachte taxkonforme 10,4 Millionen Pfund, damit etwas mehr als die 9,15 Millionen Dollar bei ihrem letzten Auktionsauftritt 2010 in New York und schien gefälliger, als das experimentelle Werk mit dunklerer Farbpalette aus dem Jahr 1953, das Miró teilweise förmlich in den Karton eingegraben hat und durch üppig pastosen Farbauftrag der Zweidimensionalität der Malerei entheben wollte.

Zweifelhafter Sieg für Monet, Zuspruch für Magritte

Bei 21 Millionen Pfund fiel der Hammer für einen in zarten Pastellfarben gehaltenen Seerosenteich von Claude Monet aus dem Jahr 1908. Der erste Platz auf dem Siegertreppchen für die „Nymphéas“ gleicht aber einem Pyrrhussieg, denn die eigentlich marktgängige Arbeit sollte mit einer Erwartung von 25 bis 35 Millionen Pfund größere Begehrlichkeiten wecken. Ähnlich verhalten reagierte das Publikum auf Monets „Printemps à Giverny, effet du matin“ von 1885. Die in frühlingshaft frischen Farben gemalte Stadtansicht mit blühenden Bäumen im Vordergrund blieb mit 2,6 Millionen Pfund deutlich hinter den anvisierten 4 bis 6 Millionen Pfund zurück.

Die 1897 von Camille Pissarro eingefangene Betriebsamkeit und Lebendigkeit des Pariser Künstlerviertels „Boulevard Montmartre, fin de journée“ übertrug sich auf die Käufer, denn im Zuge eines angeregten Bietergefechtes schnellte der Preis auf 6,1 Millionen Pfund hoch (Taxe 3,5 bis 5 Millionen GBP). Pissarro stellte mit der Herbstlandschaft „Les meules et le clocher de l’eglise à Eragny“ von 1884 zugleich das älteste Gemälde der Abendversteigerung. Das aus unzähligen kurzen Pinselstrichen aufgebaute Landschaftsidyll mit Glockenturm, gerahmt von zwei mächtigen Heuhaufen schafft eine lebendige Impression der ländlichen Gegend um Eragny, dem Alterswohnsitz und Rückzugsort des Künstlers, und verließ das Parkett bei 1,2 Millionen Pfund (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP). Alfred Sisleys Flusslandschaft „Les bords du Loing à Moret“ aus dem Jahr 1886 besticht durch eine schnelle lebendige Pinselführung, die den Betrachter förmlich in die sommerliche Szenerie mit durch leichten Wind bewegtem Wasser und sich wiegenden Bäumen hineinzieht. Die Summe von 950.000 Pfund dürfte nicht ganz ein Strahlen in das Gesicht des Einlieferers gezaubert haben (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP).

Das in überwiegend warmen Erdtönen gehaltene Portrait eines jungen Mannes mit ruhig-melancholischem Gesichtsausdruck von Amedeo Modigliani zeichnete sich durch eine vornehme Provenienz aus der Hand Léopold Zborowskis aus. In seinem Spätwerk widmete sich Modigliani in einer Serie von Portraits der Darstellung unbekannter Personen, die er nach seinem Rückzug aus Paris an der französischen Riviera traf. Der Sitzende mit im Schoß gefalteten Händen aus dem Jahr 1918 wusste sowohl stilistisch, als auch durch Marktfrische zu überzeugen. Seit 1927 befand er sich durchgehend in selbem Privatbesitz und trat wohl auch nicht bei Ausstellungen in Erscheinung. Mit 16 Millionen Pfund am unteren Schätzrand erreichte der „Jeune homme assis, les maines croisées sur les genoux“ die zweithöchste Verkaufssumme des Tages.

Die Arbeiten des belgischen Surrealisten René Magritte überzeugten durch die Bank. „Le grand matin“ von 1942 vereint gängige Symbole aus seinem Œuvre: die geschlossene und zugleich durch einen Durchbruch einen Ausblick auf eine ruhige Wasserfläche gewährende Tür, im Vordergrund eine überdimensionale Schachfigur und ein bizarres Mischwesen aus Pflanze und Vögeln. Die durch überklare Farben bestechende Gouache auf Papier überrundete ihre Schätzung von bis zu 2 Millionen Pfund bei 2,5 Millionen Pfund. Gleiches gilt für den weiblichen Akt „La magie noire“ von 1946. Auf besondere Art versteht Magritte es, ein Mensch-Statuen-Mischwesen zu erschaffen: der untere Bereich der entspannt an einem Felsen lehnenden Frau ist von realistischem Kolorit, während der Oberkörper die bläuliche Färbung des Himmels aufgreift und durch Haltung und Gestaltung der Augenpartie an eine Statue erinnert. Mit 3,5 Millionen Pfund platzierte sich der Hybrid am oberen Taxrand. Die zwei etwas verloren neben einer breiten Straße laufenden Frauen, eine davon ebenfalls unbekleidet, auf Magrittes studienhaftem Ölgemälde von 1954 fanden für 850.000 Pfund eine neue Obhut (Taxe 700.000 bis 900.000 GBP).

Solider Picasso

„Femme au tablier“ betitelte Pablo Picasso 1949 die mit Öl überarbeitete Lithografie seiner Muse Françoise Gilot. Er stellt die Mutter seiner Kinder Paloma und Claude mit durch ein Haarnetz gebändigten grünen Haaren und klassizistisch anmutenden Gesichtszügen dar. Die junge Frau konnte nicht nur Picassos Herz, sondern auch das des Publikums erwärmen und übertraf den oberen Schätzpreis von 800.000 Pfund um 50.000 Pfund. Der von Frans Hals inspirierte Tabakgenießer „Homme à la pipe“ aus dem Jahr 1968 reüssierte bei 6,5 Millionen Pfund (Taxe 5,5 bis 7,5 Millionen GBP), während der ein Jahr früher mit energischer Pinselführung hingeworfene „Mousquetaire. Buste“ seinen neuen Eigentümer nur 1,75 Millionen Pfund kostete (Taxe 1,8 bis 2,5 Millionen GBP). Picassos auf geriffeltem Karton gemalter „Buste d’homme“ respektierte, vielleicht aufgrund seines späten Entstehungsdatums 1969, ebenfalls die untere Grenze von 1 Million Pfund und wurde bereits bei 800.000 Pfund zugeschlagen.

Bei Henri Matisse sah das ähnlich aus. Seine hastig hingeworfene Öl- und Bleistiftskizze eines weiblichen Aktes „Nu au bord de la mer“ von 1909 blieb an 500.000 Pfund kleben (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP), das zu seinem Spätwerk zählende Blumenstillleben „Vase d’anémones“ aus dem Jahr 1946 bei 3,6 Millionen Pfund (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP). Marc Chagalls um 1925 entstandene nächtliche Träumerei „La calèche volante“ mit einer zum Flug abhebenden Kutsche verwebt geschickt Elemente des russischen Alltagslebens mit Mythologie und Religion. Es handelt sich um die zweite, aus dem Gedächtnis gemalte Version dieses Sujets, da Chagall das ursprünglich 1913 gefertigte Bild in den Kriegswirren verloren glaubte. Hier lag der Zuschlag mit 1,9 Millionen Pfund ebenfalls unter den mindestens angedachten 2 Millionen Pfund.

Gemischtes Echo auf Skulptur

Die 1986 posthum gegossene, abstrahierte Bronze „Tête au miroir“ von Julio González fand keinen Gefallen bei der Käuferschaft (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP). Der 120 Zentimeter hohe weibliche Bronzetorso „Femme dite ‚Les trois plis’“ überzeugte mehr und erklomm wenigstens die untere Schätzung von 500.000 Pfund. Die Nummer 8 von Henry Moores puristischem „Pointed Torso“, den er seit 1969 bei Noack in Berlin in 13 Exemplaren gießen ließ, war zwischen 600.000 und 800.000 Pfund angesetzt. Das stark reduzierte goldfarbene Bronzeobjekt ging für 600.000 Pfund in neue Hände über.

Abstrakte Überraschung und Abschiedsblumen

Für eine kleine Überraschung gegen Ende der Auktion sorgte das ungegenständliche Ölgemälde „Relational Painting, No. 60“ von Fritz Glarner aus dem Jahr 1952. Der in den USA lebende Schweizer erhielt viele künstlerische Impulse durch seinen Freund Piet Mondrian. Die in Öl auf Leinwand gearbeitete Abstraktion lehnt sich vor allem bezüglich der Farbgebung – Primärfarben im Wechsel mit Schwarz-, Weiß- und Grautönen – an die Kompositionen des Niederländers an. Glarner bricht aber mit Mondrians strikt rechtwinkligen Arrangements und belebt seine Arbeiten durch schräge Linien und unregelmäßigere Formen. Diese Klarheit und Eigenständigkeit sorgte bei dem Bild aus dem Museum of Modern Art in New York für den neuen Auktionsrekord von 620.000 Pfund (Taxe 450.000 bis 650.000 GBP). Der zuletzt offerierte üppige Rosenstrauß in smaragdgrüner Vase, um 1912 von Pierre-Auguste Renoir in Öl festgehalten, schloss die Auktion mit 800.000 Pfund gediegen ab (Taxe 800.000 bis 1.200.000 GBP).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s London

34-35 New Bond Street

GB-W1A 2AA London

Telefax:+44 (020) 72 93 59 24

Telefon:+44 (020) 72 93 51 84



27.08.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nadine Waldmann

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Taxe: 1.000.000 - 1.500.000 GBP

Zuschlag: 950.000,- GBP

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Claude Monet, Nymphéas, 1908

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Taxe: 25.000.000 - 35.000.000 GBP

Zuschlag: 21.000.000,- GBP

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Pierre-Auguste Renoir, Bouquet de roses dans un vase vert, um 1912

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Taxe: 800.000 - 1.200.000 GBP

Zuschlag: 800.000,- GBP

Losnummer: 25

Camille Pissarro, Boulevard Montmartre. Fin de journée, 1897

Camille Pissarro, Boulevard Montmartre. Fin de journée, 1897

Taxe: 3.500.000 - 5.000.000 GBP

Zuschlag: 6.100.000,- GBP

Losnummer: 9

Amedeo Modigliani, Jeune homme assis. Les maines croisées sur les genoux, 1918

Amedeo Modigliani, Jeune homme assis. Les maines croisées sur les genoux, 1918

Taxe: 16.000.000 - 24.000.000 GBP

Zuschlag: 16.000.000,- GBP

Losnummer: 8

Julio González, Tête au miroir, um 1934

Julio González, Tête au miroir, um 1934

Taxe: 800.000 - 1.200.000 GBP

Losnummer: 3




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