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Journal

Im Bauhaus-Jahr rücken nicht nur architektonische Leistungen in Sachsen-Anhalt und Thüringen in den Fokus. Auch Ikonen der Moderne im benachbarten Sachsen fallen durch Individualität auf

Nicht im Abseits, sondern wichtiger Mitspieler



Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

Von der Reling der Plattform blickt man aufs Wasser. Doch dabei handelt es sich lediglich um den Gartenteich. Die Brüstung gehört zum „Nudeldampfer“. Er steht fest verankert im sächsischen Löbau bei Bautzen. Von 1932 bis 1933 ließ sich der Teigwarenfabrikant Fritz Schminke nach Entwürfen von Hans Scharoun einen Wohnsitz neben seiner Fabrik errichten. Der gestreckte, kompakte Bau mit dynamischen Rundungen, organischen Ausbuchtungen und exklusiven Detaillösungen gilt heute als Inkunabel der klassischen Moderne und als Hauptwerk Scharouns. Das Innere konzipierte er nach dem Prinzip des „Durchwohnens“. Fließende, ineinander übergehende Raumzonen sowie durch großzügige Glasflächen erzielte Helligkeit und Transparenz sind beherrschende Elemente der innovativen Architektur des Wohnschiffs. Extravagant vorstehende Terrassen, Bullaugenfenster und die perforierten Lochbleche der Lichtdecken evozieren maritime Anklänge. Nach kriegsbedingtem Auszug der Schminkes und Verlust des Eigentums betreut seit 2009 eine Stiftung das Anwesen, dessen Mobiliar, Türen, moderne Kücheneinrichtung und Gartengestaltung gerettet oder rekonstruiert werden konnten.


Geradezu idealtypisch steht das Baudenkmal für die von Sachlichkeit und Klarheit geprägte Formensprache jener Zeit unter Betonung des Technisch-Konstruktiven, für die sich das 1919 gegründete Bauhaus als impulsgebende Designschmiede etablierte. Sachsen zählt zwar nicht zu den „Kernlanden“ des Bauhauses, doch hat sich hier eine Reihe von Beispielen dieser Entwicklung erhalten, an denen Bauhäusler maßgeblich mitgewirkt haben. Diese Objekte selbst werden im Bauhaus-Jahr sowie in begleitenden Ausstellungen vorgestellt. Dabei überrascht die spezielle Art der Gestaltung auch im vermeintlich weit im Abseits liegenden äußersten Südosten der Republik.

Stahl versus Holz im Osten

So findet sich beispielsweise am Stadtrand von Görlitz ein weiteres kurioses Relikt. Von kleinbürgerlichen Normalhäusern seiner Zeit kaum unterscheidbar, zeigt sich das 1927 von der Leipziger Stahlbaugesellschaft Braune & Roth entwickelte Stahlhaus, von dem der Katalog mehrere Typen als „schall-, erdbeben- und feuersicher“ anpries. Das in 24 Tagen montierbare Objekt, das markant für den Ansatz zur Standardisierung und Typisierung im Bauwesen steht, wurde samt seines mintfarbenen Anstrichs restauriert. Im nördlich von Görlitz gelegenen Niesky hat sich mit dem Konrad-Wachsmann-Haus eine zeitgleich errichtete Variante aus Holz erhalten. Der Architekt Konrad Wachsmann schuf das Blockhaus für den Direktor der ortsansässigen Firma Christoph & Unmack, einer der seinerzeit größten Holzproduzenten Europas, als modern interpretiertes Wohnhaus ohne rustikale Hüttenromantik mit großen Fenstern. Die Montage der maschinell vorgefertigten Einzelteile dauerte nur wenige Stunden. Heute beherbergt das Wachsmann-Haus eine Dauerausstellung zum Holzbau der Moderne.

Nicht lang ist dann die Stecke zur etwas weiter nördlich gelegenen Stadt Weißwasser, wo ein Besuch des Glasmuseums in der ehemaligen Fabrikantenvilla Gelsdorf lohnt. Im Fokus der Dauerschau stehen die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG), zu deren künstlerischem Leiter im Mai 1935 Wilhelm Wagenfeld berufen wurde. Der gelernte Silberschmied studierte 1923 bis 1925 am Bauhaus und entwarf bis zu seinem Weggang aus Weißwasser im Jahr 1947 etliche formschlüssige, bis heute produzierte Designklassiker, etwa das schmucklos-sachliche wie stapelbare Vorratsgeschirr „Kubus“ aus Pressglas oder die Zitronenpresse „Messina“. In der Glasmacherstadt wirkte neben Wagenfeld auch sein Bauhaus-Kommilitone Ernst Neufert. Als Hausarchitekt der VLG plante er ein sechsgeschossiges Lagerhaus mit eingeschossiger Verladehalle in der ihm eigenen Normierung und Rationalität. Heute wartet der Bau noch auf eine neue Nutzung.

Dresden dringt zur Moderne vor

Auf einer Tour zu den Spuren der Moderne in Sachsen hat auch die eher für barocke Künste bekannte Landeshauptstadt Dresden, die immerhin vor dem Ersten Weltkrieg Deutschlands viertgrößte Stadt war, einiges zu bieten, etwa den mächtigen funktionalen Komplex des 1930 von Wilhelm Kreis erbauten Hygienemuseums. Der schon ab 1906 konzipierte Vorort Hellerau kündet als eine der ersten deutschen Gartenstadtsiedlungen von der Aufgeschlossenheit reformerischer Strömungen im Vorfeld des Bauhauses. Als Vorläufer des Neuen Bauens gilt insbesondere das von Heinrich Tessenow 1911 geplante, auf geometrischen Grundformen basierende Festspielhaus. Wie sehr damals Dresden eine Plattform für die Modere bot, macht die heute fast vergessene internationale Kunstausstellung des Jahres 1926 deutlich. El Lissitzky installierte hier einen „Demonstrationsraum für abstrakte Kunst“. Die Präsentation „Kandinsky, Mondrian, Lissitzky und die abstrakt-konstruktive Avantgarde“ im Albertinum stellte heuer einen Nachbau vor und beleuchtete die engen Kontakte Dresdener Kunsthändler wie Rudolf Probst, Hugo Erfurth oder Heinrich Kühl zum Bauhaus.

Die Kunstsammlungen Chemnitz widmeten sich gleichfalls einem weniger beachteten Kapitel der Kunstgeschichte, der Textilproduktion am Bauhaus. Unter dem Titel „Bauhaus. Textil und Grafik“ wurden grafisch originell gestaltete Wandbehänge, Vorhänge, Teppiche, Decken und Bezugsstoffe von Künstlerinnen wie Gertrud Arndt, Otti Berger, Ida Kerkovius, Benita Koch-Otte, Else Mögelin, Helene Nonné-Schmidt oder Gunta Stölzl gezeigt. Alle Exponate stammen aus dem eigenen Fundus. Erworben in den 1920er Jahren, stand neben dem Geist der Zusammenführung verschiedener künstlerischer Disziplinen auch der Gesichtspunkt der Information angehender Gestalter über die neuesten Entwicklungen im Fokus. Die Textilwerkstatt war eine der erfolgreichsten Sparten des Bauhauses, in die gerne Frauen entgegen anfänglicher egalitärer Ansprüche „verbannt“ wurden. Ihren Produkten wurden in der Ausstellung dialogisch Grafiken von Lyonel Feininger, Hermann Max Pechstein oder Kurt Schwitters und Fotografien von Marianne Brandt zur Seite gestellt.

Chemnitz erkundet die weibliche Seite des Bauhauses

Meist wird Brandt auf ihre Metallarbeiten reduziert, doch schuf sie ebenso Gemälde oder Collagen. Ihrem breit gefächerten Œuvre widmet sich ein kleines Marianne Brandt-Museum im gründerzeitlichen Elternhaus in ihrer Heimatstadt Chemnitz. Von der 1893 geborenen und 1983 verstorbenen bekannten Bauhäuslerin und zeitweiligen Leiterin der Metallwerkstatt sind hier originelle Metallarbeiten zu sehen, darunter die berühmte und bis heute produzierte Teekanne von 1924, aber auch Gemälde und Stillleben aus den 1950er Jahren. Auf dem Nikolaifriedhof in Chemnitz-Altendorf sticht die zum Werkschaffen passende Metallstele ihrer Grabstätte ins Auge. Auf den Weg dahin gerät an einer belebten Ausfallstraße das 1930 eröffnete Kaufhaus Schocken ins Blickfeld. Die elegant gebogene, weiß gestreifte Fassade von Erich Mendelsohn schuldet ihre Zurückhaltung der völligen Konzentration auf die Inszenierung der Waren im Inneren. Heute dient diese Inkunabel der Moderne als Archäologiemuseum.

Auch in die Handelsstadt Leipzig hielt die Moderne mit aller Wucht Einzug. Zahlreiche Siedlungsbauten aus den 1920er Jahren, etwa die kreisförmig um den Siegfriedplatz angelegten Wohnblöcke der Siedlung Rundling in Leipzig-Lößnig mit ockergelbem Edelputz, sind noch erhalten. Zu den Highlights zählt der betont sachliche Kubus der Versöhnungskirche im Stadtteil Gohlis. Vom Architekten Hans Heinrich Grotjahn als stützenloser Saalbau mit 43 Meter hohem Turm in Stahlskelettbauweise konzipiert, sind auch die Farbglasfenster von Odo Tattenpach von Bedeutung, der sich von den Verglasungen im Grassi Museum inspirieren ließ.

Leipzig baut rund und mit viel Glas

An einen Museumsbesuch im Grassi kommt der Bauhaus-Liebhaber derzeit nicht vorbei. Die 18 Meter hohen Haupttreppenhausfenster von Josef Albers mit ihren geometrisch-abstrakten Kompositionen im „Thermometerstil“ leuchten geheimnisvoll und gelten in ihrer „geordneten“ Pracht als einzigartiges Kunstwerk der Moderne. Die von Hubert Ritter gleichfalls 1926 entworfene Pfeilerhalle des Hauses ist mit formaler Eleganz, leuchtenden Farben und edlen Werkstoffen dem Art Déco verpflichtet, einer weiteren stilistischen Variante der 1920er Jahre, die den Hang nach Luxus befriedigte.

Neben der Dauerschau, die etwa ein um 1930 entstandenes Original von Ludwig Mies van der Rohes „Barcelona Chair“ oder die Halle-Vasen von Marguerite Friedlaender-Wildenhain beinhaltet, weist derzeit die aufschlussreiche Sonderausstellung „Bauhaus_Sachsen“ auf Leipzigs Verbindungen zum Bauhaus vor. Nicht nur die Leipziger Messen waren für das Bauhaus von eminenter Bedeutung. Industrie, Verlagswesen und Museen der Stadt kooperierten eng mit dem Bauhaus, das Ende 1932 zur Zeit der absehbaren Schließung über eine Übernahme durch die Stadt verhandelte. Die Ausstellung analysiert in 17 Kapiteln die Verbundenheit einiger Sparten, darunter Bühnenkunst, Fotografie, Typografie, Keramik, Wohnbedarf und Buchkunst, mit Leipzig und Sachsen.

Die Ausstellung „Bauhaus_Sachsen“ ist bis zum 29. September zu sehen. Das Grassi Museum hat täglich außer montags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5,50 Euro bzw. 4 Euro. Bis zum Alter von 18 Jahren ist der Besuch kostenlos. Der begleitende Katalog zur Ausstellung kostet 48 Euro.

Kontakt:

Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig

Johannisplatz 5-11

DE-04103 Leipzig

Telefax:+49 (0341) 22 29 200

Telefon:+49 (0341) 22 29 100

E-Mail: grassimuseum@leipzig.de



22.08.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


05.05.2019, Bauhaus. Textil und Grafik

Veranstaltung vom:


18.04.2019, Bauhaus_Sachsen

Bei:


Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig

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Architektur

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Design

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Moderne Kunst

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Bauhaus







Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

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Erich Mendelsohn, Kaufhaus Schocken, Chemnitz 1930

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Hubert Ritter, Siedlung Rundling, Leipzig-Lößnig 1929/30

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Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

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Konrad Wachsmann, Konrad-Wachsmann-Haus, Niesky 1929

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Heinrich Tessenow, Festspielhaus, Dresden-Hellerau 1911

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Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

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Konrad Wachsmann, Konrad-Wachsmann-Haus, Niesky 1929

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Hans Scharoun, Haus Schminke, Löbau 1932/33

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Grete Reichardt, Vorhangstoff, um 1930

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Hans Heinrich Grotjahn, Versöhnungskirche, Leipzig-Gohlis 1930/32

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