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Zarte Männer in Neu-Ulm

„Zarte Männer in der Skulptur der Moderne“ hat das Edwin Scharff Museum in Neu-Ulm seine aktuelle Ausstellung überschrieben und widmet sich darin den männlichen Schönheitsvorstellungen in der Bildhauerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zu sehen sind rund 60 Plastiken unter anderem von Adolf von Hildebrand, George Minne und Georg Kolbe. In auffallender Vielzahl bearbeiteten die Bildhauer an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert den Topos des unversehrten, aber verletzlichen Jünglings. Die Konzeption eines empfindsamen männlichen Körperideals erscheint als bewusste Gegenbewegung zu den heroisch-starken Männerbildern der Zeit. Ihre demonstrative Wehrlosigkeit steht in innerem Widerspruch zur Brutalität der äußeren Wirklichkeit. In einem Umfeld des kriegerisch-militanten Selbstbewusstseins der späten Kaiserzeit und noch junger Demokratiebewegungen suchten die vorwiegend männlichen Künstler nach Verfeinerung von Körper und Geist. Der Kult um die Jugend, der sowohl in militanten wie in pazifistischen Kreisen in der Zeit um 1900 blühte, beflügelte dieses Ideal des zarten Mannes.

So zeigen die Denkmalentwürfe Kolbes für den Ersten Weltkrieg kein Elend oder Verwüstungen, sondern feinfühlige Jugendliche. Damit bot er den trauernden Hinterbliebenen der fast jugendlichen Opfer Andachtsbilder von überirdischer Schönheit. Wilhelm Lehmbrucks „Gestürzter“ von 1915/16 markiert einen Wendepunkt in der Körperauffassung moderner Skulptur und in der Haltung zu den Umständen der Zeit. Danach erscheint die schönlinige Darstellung des unversehrten Körpers angesichts der Zeitumstände mindestens weltabgewandt, wenn nicht sogar anachronistisch oder reaktionär. Mit Werken von Hermann Blumenthal, Joachim Karsch, Gerhard Marcks oder Renée Sintenis formierte sich jedoch eine neuere Bildhauerei, die das Verletzliche, teils innerlich wie äußerlich Fragile in ihren sanften Körperkonzeptionen mitdachte. Besonders eindrucksvoll sind hier die Beispiele aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, in der die geforderte Weltordnung endgültig keinen Platz mehr für die Zögerlichen, die Zaudernden und die Zweifler vorsah.

Die Ausstellung „Zarte Männer in der Skulptur der Moderne“ läuft bis zum 3. November. Das Edwin Scharff Museum hat dienstags und mittwochs von 13 bis 17 Uhr, donnerstags und freitags von 13 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos.

Edwin Scharff Museum
Petrusplatz 4
D-89231 Neu-Ulm

Telefon: +49 (0)730 – 70 50 25 55

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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