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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bassenges Auktion der Moderne in Berlin erzielte solide Ergebnisse, obwohl das Publikum gerade auf Höherpreisiges nur zögerlich einging und genau auswählte

Der Lesende, der es selbst in die Literatur schaffte



Ernst Barlach, Lesender Klosterschüler, 1930

Ernst Barlach, Lesender Klosterschüler, 1930

Einen 1930 aus Eichenholz gestalteten „Lesenden Klosterschüler“ Ernst Barlachs, der heute in der Gertrudenkapelle in Güstrow steht, nutzte Alfred Andersch 1957 als Reflexionsfläche für die Protagonisten in seinem Roman „Sansibar oder der letzte Grund“. Fasziniert von der Skulptur versuchen die Fünf, diese vor dem NS-Regime zu retten, und überführen sie als Sinnbild für den freien Geist in einem Fischkutter nach Schweden. Im Angesicht des Klosterschülers sinniert im Buch der junge intellektuelle Kommunist Gregor: „Was tat er eigentlich? Er las ganz einfach. Er las aufmerksam. Er las genau. Er las sogar in höchster Konzentration. Aber er las kritisch. Er sah aus, als wisse er in jedem Moment, was er da lese. Seine Arme hingen herab, aber sie schienen bereit, jeden Augenblick einen Finger auf den Text zu führen, der zeigen würde: das ist nicht wahr. Das glaube ich nicht.“ Was Andersch seinen Gregor denken lässt, beschreibt auch Barlachs später entstandene Bronzeausführung des „Lesenden Klosterschülers“. Wie die Romanfigur folgte das Publikum bei Bassenge in Berlin den sinnlichen Qualitäten der Arbeit und bot für den posthumen Guss nach 1938 schnell über die geschätzten 15.000 Euro hinaus. Ein norddeutscher Sammler konnte sich das Stück erst für 24.000 Euro sichern.


Innerhalb der Modernen Kunst, die am 1. Juni bei einer losbezogenen Zuschlagsquote von 76,4 Prozent netto 690.000 Euro umsetzte, fanden weitere ausgesuchte Plastiken ähnlich gewinnbringend neue Besitzer. So schoss Max Ernsts verspieltes Spätwerk „Chéri Bibi“, ein vornehmlich auf ein Rechteck heruntergebrochenes Männchen von 1973, auf 20.000 Euro (Taxe 13.000 EUR). Auf niedrigerem Niveau folgte ihm Kurt Edzards sich wohlig räkelnde „Kleine Liegende“ bei 3.200 Euro (Taxe 1.500 EUR). Herbert Strässers bronzene „Hommage à Picasso“ von 1958, die die kubistische Formensprache des Klassikers als Kopfform in die dritte Dimension übersetzt, verdoppelte ihre Preisvorstellungen auf 7.000 Euro. Bei den Tierplastikern reüssierte Renée Sintenis’ aufrecht stehender tapsiger „Junger Bär“ an, der seine Expertenmeinung von 7.500 Euro um 1.000 Euro übertraf. August Gauls interessiert den Kopf senkender „Sitzender junge Löwe“ von 1898, liebevoll auch „Dusselchen“ genannt, gab dagegen leicht auf 6.500 Euro nach (Taxe 7.000 EUR). Den Umsatz deutlich nach oben getrieben hätte Emil Noldes verwaschen aquarelliertes Stillleben „Mohnblüten, Iris und violette Astern“ von 1925/30, für das sich bei 100.000 Euro niemand erwärmte. Seine zum wiederholten Mal aufgerufene dunkle Vedute „Venedig. Santa Maria della Salute“ von 1924 verabschiedete sich erst im Nachverkauf bei niedrigen 26.400 Euro (Taxe 40.000 EUR). Immerhin seinen grob skizzierten und flächig hinterfangenen „Christuskopf“ von 1909 nahm ein Interessent für 10.000 Euro mit (Taxe 12.000 EUR).

Dauerbrenner und Entdeckungen der Moderne

Käthe Kollwitz’ feine Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit herabhängender Hand, die sie 1890 in Feder fokussiert ausführte, kann gerade aufgrund dieser Ausschnitthaftigkeit als Sammlerstück gelten. Dementsprechend überschlugen sich die Gebote nicht und machten schon bei 25.000 Euro Halt (Taxe 30.000 EUR). Ihr etwas älterer Zeitgenosse Henri de Toulouse-Lautrec sprach mit seiner bunteren koketten „Mademoiselle Marcelle Lender, en Buste“ in seinem typischen Stil eine breitere Käuferschicht an, die den Preis für die prominente Farblithografie einer Auflage von 1211 Exemplaren auf 7.000 Euro leicht hob (Taxe 6.000 EUR). Mehr überraschte Heinrich Zilles ironische Zeichnung „Am Polizei Präsidium Berlin“ mit der Unterschrift „Nach Freiheit trachte der Mann – das Weib nach Sitte!“, die entgegen dem Motto einen abgeführten Arbeiter und zwielichtige Damen zeigt. Das kritisch humorvolle bunte Blatt von 1918 würdigten die Bieter mit 8.000 Euro (Taxe 5.000 EUR). Mehr nach innen gewandt ist Karl Hofers flächig gemaltes entrücktes „Mädchen en face“ von 1954, das sich schon mit 25.000 Euro zufrieden gab (Taxe 30.000 EUR).

Im Bereich der Natur- und Landschaftsdarstellung stach der letzte türkische Sultan Abdülmecid II. hervor. Nicht nur seine politische Prominenz, sondern auch die Qualität seines ruhigen stimmungsvollen „Blicks auf den Bosporus“ des Jahres 1914 führten zu unerwarteten 5.500 Euro (Taxe 2.4000 EUR). Weniger ins Detail ging Ernst Ludwig Kirchner 1919, als der den „Blick auf die Stafelalp mit Tinzenhorn“ mit wenigen gekonnten Federstrichen aufs Velin bannte, was ein Kunde mit 14.000 Euro honorierte (Taxe 12.000 EUR). Farbiger und ausformulierter setzte Hermann Max Pechstein 1931 die „Mühle und Ruderboot“ als Gouache für 14.000 Euro in Szene (Taxe 15.000 EUR). Noch heller und freundlicher ist Conrad Felixmüllers nun 9.000 Euro teure „Küste vor Møvik in Norwegen bei Abendsonne“ mit Häusern und Wolken des Jahres 1938, wobei seine feine Malweise den früheren Expressionismus weit hinter sich lässt (Taxe 12.000 EUR). Auf eine einzelne Pflanze beschränkte sich Hans Purrmann 1949 in seinem „Kamelienstillleben“ für 24.000 Euro, das im Hintergrund das Grün der Blätter und Lilarot der Blüten aufnimmt (Taxe 25.000 EUR).

Im niedrigen Preisbereich ließ sich die Kundschaft bei Bassenge noch zu einigen Wertsteigerungen locken, etwa bei Paul Hartmanns kubistischem Stillleben mit Gefäßen und Büchern auf einem Tisch von 1926 zu 3.400 Euro, Bruno Krauskopfs spätexpressionistischem starkfarbigem „Ausblick über Harlem in New York“ von 1952 zu 4.800 Euro (Taxe je 1.800 EUR) oder Emil Orliks heiterer sommerlicher Landschaft am Gardasee mit Bergkette im Hintergrund zu 2.200 Euro (Taxe 700 EUR). In den Jugendstil ging es mit Hans Christiansens seltener Farblithografie „Ondine Capture“ von 1898, die sich in ihrem Netz nicht zuletzt wegen der Verdreifachung des Schätzpreises auf 2.400 Euro aber sichtlich wohlfühlte. Bei den Künstlerinnen ragten Lou Albert-Lasard mit dem energischen Portrait des italienischen Philosophen Lanza del Vasto wohl aus den frühen 1930er Jahren (Taxe 1.500 EUR), Bertha Dörflein-Kahlkes „Lesende Dame am Tisch“ im eleganten schwarzen Kleid und verlorenen Profil für jeweils 3.200 Euro (Taxe 2.200 EUR) oder das klassisch ausgerichtete, brauntönige „Küchenstillleben mit Krügen und Schalen“ der Dänin Betzy Libert von 1888 für 3.400 Euro hervor (Taxe 750 EUR).

Bunte Vielfalt nach dem Krieg

Seine abstrakten Tendenzen verfolgte Pablo Picasso nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Um 1960 ließ er mit dicken Umrisslinien eine „Nature Morte au Crâne“ als Farbaquatinta nach seinem gleichnamigen Gemälde des Jahres 1947 vervielfältigen. Die Künstlerreproduktion wechselte für 9.500 Euro den Eigentümer (Taxe 8.000 EUR). Überraschend gut kam im Bereich der Nachkriegskunst Mark Tobey an. Sein Hochformat „White Writing“ von 1960 mit vertikalen schriftähnlichen Zeichenfolgen in Weiß, Schwarz und Rot vor grauem Grund stieg im Bietergefecht auf 16.000 Euro und vervierfachte damit seine Hoffnungen. Die Euphorie hielt für die direkt danach aufgerufene, acht Jahre jüngere „Abstrakte Komposition“ an. Die infernale Konstruktion in Feuerrot und Blauschwarz vor orangebraunem Grund brachte 8.000 Euro ein (Taxe 3.000 EUR). Für Freunde minimalistischer Arbeiten standen zwei monochrome Serigrafien in tiefem Blau und Pink sowie ein goldfarbener, partiell mit Blattgold belegter Karton von Yves Klein unter dem Titel „Monochrome und Feuer“, Teile des Katalogs zu seiner Ausstellung im Krefelder Haus Lange von 1961, für 13.000 Euro zum Verkauf (Taxe 12.000 EUR).

Bei der Figur blieb Johannes Grützke und malte 1973 „Die Erinnerung“, einen Mann der an ein Geländer greift und dessen gesenkter Kopf mit ausdruckslosem Gesicht nur raten lässt, ob es sich um positive oder negative Gedanken handelt. Die Ambivalenz und die damit einhergehende Spannung ließen den Preis 10.000 Euro über die Erwartung von 3.000 Euro schießen. Einen großen Sprung vollzog auch Mel Ramos’ Pop Art-Aquarell „The pause that refreshes“ um 1975. Im runden Coca-Cola-Logo sitzt ein Pin-Up als Rückenakt. Die blonde Dame schaut über die Schulter zum Betrachter, während sie mit ihren Haaren spielt. Ungeahnte 22.000 Euro bewilligte ein Freund für Ramos’ laszives Unikat (Taxe 12.000 EUR). Dieter Krieg stieß mit dem Kelch in seiner Mischtechnik „Prost“ auf 2.600 Euro an (Taxe 1.500 EUR), Christian Roeckenschuss’ titelloses streng vertikales Streifenbild aus der Werkgruppe „sequences chromatiques“ von Grau zu Pink freute sich über 4.800 Euro (Taxe 3.000 EUR), und Jirí Kolár redete mit seinem Multiple „Goldrausch“ aus vier Porzellanobjekten, die er 1986 mit kleinen Wortfetzen überklebte, bei 3.000 Euro ein Wörtchen mit (Taxe 1.200 EUR).

Im grafischen Bereich legten David Hockneys schwarzweiße Lithografie „Porträt von Felix Man (The Print Collector)“ im strengen Profil von 1969 auf 1.700 Euro (Taxe 600 EUR), zwei luftige Blätter aus Joan Mirós Folge „Maravillas con variaciones acrósticas en el Jardín de Miró“ von 1975 auf jeweils 2.800 Euro (Taxe je 1.500 EUR), Fabian Marcaccios Siebdruck einer grauen Stoffstruktur mit bunten Siliconfarbklecksen von 1999 unter dem Titel „micro-Repr. Paintant“ auf 3.800 Euro (Taxe 2.000 EUR) und Zhang Xiaogangs Farblithografie „My big family“ mit Vater, Mutter und einem Kind von 2003 aus der Serie „Bloodline“ auf 3.200 Euro zu (Taxe 2.500 EUR). Andere Nachkriegsklassiker mussten sich mit weniger zufrieden geben. Karl Otto Götz setzte „Castor + Pollux“, die mythologischen untrennbaren Zwillinge, 1996 als ineinander verschmolzene gelbe und schwarze Farbschwünge in einen Tondo. Die typisch dynamische informelle Arbeit ging für nur 7.000 Euro weg (Taxe 10.000 EUR). Unter den jüngsten Losen war Imi Knoebels sechsteilige bunte Streifen- und Balkencollage „Schief und Schräg 6“ von 2010/16 für 6.500 Euro (Taxe 7.000 EUR).

Düstere Vergessene Moderne

Die von Bassenge als „Vergessene Moderne“ bezeichnete Privatsammlung, die dem Titel nach an die Kunst der „Vergessenen Generation“ anknüpft, fuhr mit einer Verkaufsrate von 73,3 Prozent netto 270.000 Euro ein. Preislich voran stand Albert Birkle, dessen düstere Gesellschaftsvision „Schlächterwagen“ von 1923 mit ausgezehrten Gestalten in spärlich beleuchteter Kulisse aber nur 30.000 Euro einnahm (Taxe 35.000 EUR). Starke Hell-Dunkel-Effekte nutzte sein neusachlicher Kollege Albin Edelhoff ebenso, der mit seinem spartanischen „Stillleben mit Rose“ um 1930 die Aufmerksamkeit auf sich zog. Die weiße Blüte leuchtet steril vor einer schwarzen Wand und ist mit ihrer grünen Vase auf der schlicht weißbraunen Tafel leicht nach rechts gerückt. Erst bei 3.800 Euro fiel der Hammer (Taxe 1.000 EUR). Inhaltlich noch dunkler war Fritz Schirrmachers Zeitkritik „Vor und hinter den Hausmauern“ von 1946, wo ein erhängter junger Mann durch einen Wanddurchbruch mit einigen Zeitungsausschnitten zu erkennen ist. Für die Kreidezeichnung mit Collage war erst bei 6.000 Euro Schluss (Taxe 1.800 EUR).

Auf geometrische Grundformen und Umrisse reduzierte Karl Hermann Haupt den „Trinker“ für 8.000 Euro im Jahr 1925. Seine Augen sind verdreht, und die Körperteile durcheinander gewirbelt, während links eine Schnapsflasche und Zigarette den Grund für seinen Zustand liefern (Taxe 10.000 EUR). Ebenfalls als Typus erstellte Thilo Maatsch 1928 sein „Bildnis eines Stinnesen“, gemünzt als Kapitalismuskritik auf den Industriellen Hugo Stinnes, in Form eines unsympathischen scharfkantigen Anzugträgers, der 5.500 Euro einspielte (Taxe 5.000 EUR). Rundere Formen nutzte Hanny Korevaar für ihre schemenhaften „Zwei Kokotten“. Aus einem dunklen Schatten traten die beiden zwielichtigen weiblichen Gestalten für taxkonforme 10.000 Euro hervor und haben ihre stechend rotgelben Augen nach links gewandt. Den Blick in ein Haus eröffnet George Grosz in seiner Federzeichnung „Drei Soldaten“. Im krassen Gegensatz zum üppig gedeckten Tisch im oberen Stockwerk des mit einer Deutschlandfahne geschmückten Heims sitzen die verwundeten hungernden Kämpfer vor dem Gebäude. Die die soziale Ungleichheit anprangernde Skizze wohl der Zeit um 1932 fand für 7.000 Euro einen neuen Besitzer (Taxe 5.000 EUR).

Pluralismus unbekannterer Meister

Freundlicher ist der kleine, aber gemütlich eingerichtete Raum, in dem eine Dame ruht und ihren „Traum im bunten Zimmer“ hat. Hanns Bolz’ Leinwand von 1910 kam auf 18.000 Euro (Taxe 20.000 EUR). Noch knalliger sind die Farben bei Hermann Lismanns „Wanderer“, der überdimensioniert in einer grünen Landschaft auf dem Bauch neben seinem Hund liegt. Die entspannt nachdenkliche Figur sowie die sommerliche Landschaft sind flächig gemalt und lösten ein Bieterwettstreit bis 17.000 Euro aus (Taxe 8.000 EUR). Weiter auf die Geometrie und monochrome Koloritblöcke reduzierte Gottfried Graf seine Damen „Nach dem Bade“, die in den verdichteten Formen erst beim genaueren Betrachten auszumachen sind. Die durchdachte kubistische Leinwand um 1923 kletterte auf 13.000 Euro (Taxe 10.000 EUR). Ganz ins Ungegenständliche ging die Irin Evie Hone, deren breit grau umrandete „Kubistische Komposition“ für 5.000 Euro in vornehmlich Blau- und Grün- sowie Mischtönen genauso in der senkrechten Mitte ihr Zentrum hat (Taxe 5.000 EUR).

Weiche Übergänge kennzeichnen Hans Spiegels „Ruderer“, die er mit kräftigen Armen und überlangen Proportionen um 1930 auf einer Leinentischdecke ausführte. Der Seltenheitswert, da sein Frühwerk fast vollständig im Krieg verloren ging, reichte aber nur für 11.000 Euro (Taxe 12.000 EUR). Einträglicher war sein älteres, noch kubistisch angehauchtes „Porträt“ von 1918 für 4.000 Euro statt der erwarteten 2.500 Euro. Keinen Abnehmer fand hingegen seine ähnlich anmutende, geheimnisvolle Frau „In der Sektbar“ um 1923, hinter einem Fächer halb verborgen (Taxe 15.000 EUR), wie auch Josef Eberz’ koloristisch aufglühende „Landschaft bei Assisi“ von 1920 (Taxe 18.000 EUR) oder sein freudiger „Exotischer Tanz“ von 1917 (Taxe 16.000 EUR).

Bei den fünf Positionen von Paul Kuhfuss griffen die Kunden beherzter zu. Nur schemenhaft sind Menschen auf der „Piazza San Marco. Venedig“ des Berliner Malers zu erkennen, der diese um 1929 mit lockerem Pinselduktus und leuchtendem Kolorit in Öl verewigte, wofür ein Sammler 8.000 Euro zahlte (Taxe 6.000 EUR). Auch die nachfolgenden Zeichnungskonvolute Kuhfuss’ mit Motiven aus Venedig und Italien legten auf bis zu 1.300 Euro zu (Taxe je 750 EUR). Mit grobem Pinsel lässt Kurt Scheele die Silhouette der „Russischen Kirche in Berlin“ über den Baumwipfel eines satt grünen Parks in seinem stimmungsvollen Gemälde von 1935 aufragen, das seine Preisangaben von 1.500 Euro auf 4.200 Euro verbesserte. Auf die Kunst selbst referenzierte Max Oppenheimer 1919 mit seiner Farblithografie „Malerei und Musik“ in Form von Malutensilien und einer Geige sowie danach greifenden Händen für taxkonforme 6.000 Euro.

Deutsche Grafikklassiker

Den eigenen Katalog „Meistergraphik deutscher Klassiker“ mit 40 Arbeiten bezeichnete Bassenge als „Trophäensammlung“, eine Einschätzung, der das Publikum mit 77,5 Prozent an abgesetzten Losen zu netto 177.000 Euro weitgehend folgte. Am meisten zahlte es für Emil Noldes ausdrucksstarken schwarzweißen Holzschnitt mit dem müden Gesicht eines „Propheten“ von 1912 für 34.000 Euro (Taxe 30.000 EUR). Den ersten Platz teilte er sich mit Karl Schmidt-Rottluffs „Ziegelei bei Varel“ von 1909. Dessen frühes Blatt, das die Produktionsstätte als abstrakte Strukturen aufgreift, verpasste aber damit die erhofften 35.000 Euro knapp. Weit nach oben arbeitete sich gleich das erste Los der Rubrik: Max Klingers realistisch ausgeführte dramatische Radierung „Eine Mutter II“ von 1883 mit einer verzweifelten Frau am Kanalufer, die nach ihrem selbstmörderischen Sturz ins Wasser gerettet wurde, ihr Sohn jedoch nicht. Für den Probedruck war bei der Schätzung von 4.500 Euro lange nicht Schluss; der Zuschlag erfolgte erst bei 13.000 Euro.

Mit dünnen Linien führte Franz Marc 1907 genauso als soziale Tragödie die „Bretonischen Bettler“ für taxkonforme 6.000 Euro vor, die als Lithografie selten abgezogen wurden und dem Künstler wohl aus seiner stets angespannten finanziellen Lage helfen sollten. Programmatisch vor schlichten Grund stellte George Grosz seinen „Zuchthäusler“, während rechts neben ihm das Leben in aller Lasterhaftigkeit hervorprallt. Für die Lithografie von 1919 musste ein Sammler bei 6.000 Euro tief in die Tasche greifen (Taxe 3.500 EUR). Eher als Schnäppchen sicherte sich ein Kunstfreund dagegen Max Liebermanns vielfigurige Kaltnadelradierung „Judenstraße“ von 1909 für 5.000 Euro, auf der geschäftiges Leben mit allerlei Händlern stattfindet (Taxe 7.500 EUR). Kritisch richtete wieder Jeanne Mammen ihren Blick auf die Gesellschaft. Um 1930 stellte sie zwei „Nutten“ in der Kleidung eleganter Damen in einen durch den Asphaltdruck tiefschwarzen Raum, womit sie die anvisierten 5.000 Euro erzielte. Mehr das Formale der Figur stand in Wilhelm Lehmbrucks Fokus, der 1911 den „Tanz (Mann und Weib)“ für 3.800 Euro mit typisch überlangen Proportionen radierte (Taxe 2.800 EUR).

Als dreizehnblättriges Opus inklusive Titel, Index und Text von Richard Dehmel auf je einer Seite waren Willi Geigers „Verwandlungen der Venus“ von 1909 in originalem Wildseideneinband für 4.000 Euro zu haben (Taxe 2.000 EUR). Ein Probedruck daraus, die morbid-lustvolle „Venus perversa“, schoss als einzelnes Blatt gar von 450 Euro auf 2.200 Euro. Der Lebensumgebung der Menschen wandte sich 1907 Erich Heckel zu und nahm in einem grob kantigen Holzschnitt die „Weißen Häuser“ ins Visier, die im oberen Drittel des Drucks für letztlich 7.000 Euro schemenhaft auftauchen (Taxe 7.500 EUR). Architektur war ein wichtiges Element im Œuvre von Lyonel Feininger, dessen „Ausrangierte Eisenbahnwagen“ von 1910 für 6.800 Euro wie die einfachen improvisierten Behausungen der zwei im Vordergrund laufenden Figuren unterer Gesellschaftsschichten erscheinen (Taxe 7.500 EUR). Später dominierte bei Feininger eine kristalline, einfach lineare Bildsprache, die sich in seiner Darstellung eines kleinen Segelschiffs im weiten Meer namens „Off the coast“ von 1951 manifestierte und bis heute beliebt ist, wie die erlösten 4.000 Euro belegen (Taxe 2.500 EUR). Unberührter ist die Natur in Rolf Neschs „Winterlandschaft“ von 1930/32 als Radierung zweier kahler abgestorbener Baumstümpfe, die nicht zuletzt wegen ihrer Seltenheit mit 12.500 Euro überraschte (Taxe 7.500 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



17.08.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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