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Goldener Tapetenwechsel im Schloss Moritzburg

Monströsensaal mit Ledertapeten in Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg bei Dresden beherbergt heute die weltweit größte Sammlung barocker Goldledertapeten. Die aus vielen einzelnen Stücken zusammengenähten oder verleimten, auf Holzleisten gespannten und an die Wände genagelten Wanddekors werden zur Zeit aufwendig restauriert und an ihren ursprünglichen Stellen wieder angebracht. Unter dem Titel „Tapetenwechsel“ führt eine Ausstellung auf Schloss Moritzburg in die Geschichte der Goldledertapeten ein, zeigt Produktionsschritte, Musterdrucke, restaurierte und unrestaurierte Stücke, analysiert anhand von Lageplänen die alte Hängung und Strahlkraft und untermauert dies mit Archivalien zur Herstellung des Goldlacks.

Die Produktion von Goldleder lässt sich schon im sechsten Jahrhundert in Libyen nachweisen. Im frühen Mittelalter überführten die Mauren das Handwerk auf die iberische Halbinsel, wo im 15. Jahrhundert die Goldlederproduktion aufblühte. Exportiert in alle Welt, verlagerten sich die Produktionszentren in die Niederlande und nach Italien. Während im Süden die Punziertechnik angewandt wurde, bevorzugten die Niederlande dank der Erfindung des Modelldrucks tiefgeprägte Ledertapeten. Wegen ihrer gepunzten Oberflächen galten venezianische Goldledertapeten als die schönsten in Europa. Sie ließen sich zu großformatigen Mustern zusammensetzen.

Der Venedig-Liebhaber August der Starke ließ die Hauptgeschosse in Schloss Moritzburg mit Tapeten aus venezianischen Werkstätten versehen. Für die Säle schufen die venezianischen Maler Lorenzo Rossi und Giovanni Battista Grone figürlich bemalte Ledertapeten. Auch die 60 Räume der Gästequartiere in den Türmen erhielten Goldledertapeten, die aus den Niederlanden stammen. Pro Raum wurden 100 bis 200 Kalbs- oder Ziegenhäute benötigt, dies entspricht der Anzahl von 10.000 Tierhäuten oder der Fläche eines Fußballfeldes.

Aufgrund von Mustern oder Fehlern lassen sich sogar einige Tapeten Werkstätten zuordnen, etwa die „Vogeltapete“ der Werkstatt Vermeulen / Jacobs / Versluysen in der heute belgischen Stadt Mechelen, damals das bedeutendste Produktionszentrum. Hier können vom 15. bis zum 18. Jahrhundert 40 Werkstätten mit teils bis zu 80 Mitarbeitern nachgewiesen werden. Sie produzierten auf Bestellung, wobei der Kunde aus Musterkatalogen auswählen konnte. Für das Jahr 1764 ist die Produktion von 35.000 Stücken Goldleder bekannt. Auch auf der Leipziger Messe wurden während der Blütezeit zwischen 1650 bis 1720 Goldledertapeten gehandelt. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts aber verdrängten Seiden- und Papiertapeten die Goldlederproduktion. Erst im Historismus lebte temporär an wenigen Orten die Produktion wieder auf.

Die Ausstellung „Tapetenwechsel – Das goldene Leder im Schloss Moritzburg“ ist bis zum 3. November zu besichtigen. Schloss Moritzburg bei Dresden hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro.

Schloss Moritzburg
D-01468 Moritzburg
Telefon: +49 (0)35207 – 873 18

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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