Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Journal

„Von Ort zu Ort“ führt ein Skulpturenparcours von Robert Schad durch Oberschwaben. Spielerisch leichte Strukturen aus schwerem Eisen beflügeln dabei zu Dialogen mit der Landschaft

Assoziationen eines Stahlzeichners



Robert Schad, Skritte, 2015

Robert Schad, Skritte, 2015

Bedrohlich weit ragt über Eck ein Eisenpfahl ins Freie, durchzogen von leichten Zuckungen. Wer bricht da den Stab über wen? Hier im Krankenhaus von Villingen-Schwenningen muss es nicht gleich um Leben und Tod gehen. Robert Schad sieht den Balken eher als Stab des müden Wanderers, der sich Heilung verspricht, oder auch als Lebenslinie mit all ihren Brüchen. Unten auf dem Vorplatz fügen sich Stahlstäbe gelenkig wie menschliche Gliedmaßen zu einem Knäuel zusammen. Je nach Standort können sie als Entbindung oder als Schleife des Blutkreislaufes gedeutet werden.


Mit „Der Linie lang“ schuf Robert Schad 2012 für Villingen-Schwenningen ein Schlüsselwerk, das exemplarisch grundlegende Charakteristika seiner bildhauerischen Tätigkeit zeigt. Bezüge zum Leben verschafft allein das Material. Eisen rostet wie wir alle. Selbst das Aussehen wandelt sich. Bei Sonne flimmert es rot, bei Regen schwarz. Doch der Künstler hat nicht nur Menschen im Blick. Emotionale Bezüge zur Umgebung sind ihm wichtig. 1953 in Ravensburg geboren, ist Robert Schad der oberschwäbischen Heimat verbunden geblieben, obgleich er heute in Larians im Burgund und in Chamosinhos im Norden Portugals lebt. Als Hommage an die sanfte Hügellandschaft zwischen Ulm und Bodensee initiierte er nun ein einzigartiges Projekt. In 43 Orten platzierte er insgesamt 77 seiner großen Stahlplastiken, von denen er allein elf speziell für diesen Parcours geschaffen hat. Bis Ende November inszenieren seine künstlerischen Eingriffe mal still, mal explodierend nervös Wechselspiele an genau austarierten Standorten von der keltischen Heuneburg über Klöster, Schlösser, Stadtplätze und Naturräume bis hin zum Seeufer.

Grundlegende gestalterische Elemente der filigranen Luftillustrationen sind Linien als erste und unmittelbarste Ausdrucksform. Schon als Schulbub fiel Robert Schad im Zeichenunterricht durch kräftige schwarze Konturen auf, die im Gegensatz zu den fein staffierten Darstellungen seiner Mitschüler standen. Nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe inspirierten Schad anfangs konkret-konstruktive Ideen. Um 1990 entstanden erste Großplastiken. Zunächst noch recht geometrisch ausgerichtet, hat er die klaren Strukturen zugunsten einer assoziativen, amorphen Orientierung aufgegeben.

Vor der Südostecke des mächtigen Tettnanger Barockschlosses schreitet wie ein Gerüst seine Plastik „Kender“ aus der Fassade in den Raum. Fußend auf einer ovalen Rundung, interpretiert Robert Schad hier lebendig Verkröpfungen und Pilaster. „Ich bin ein barocker Mensch“, meint er spaßhaft und voller Bewegungsdrang. Wie alle seine Großplastiken schuf er auch diese aus handelsüblichen sechs Meter langen Vierkantstäben mit quadratischem Querschnitt. Er verschweißt sie gedreht oder geneigt und verschleift die Nahtstellen anschließend. Spannungen resultieren aus dem Spiel mit Verknotungen. Unterschiedlich lange Abschnitte wechseln die Richtung, verschieben oder winden sich bei labiler Ausbalancierung, starr und bewegt zugleich. Dabei bietet sich kein reales Abbild. Subtil wird jeder zum genauen Hinsehen und Nachdenken aufgefordert.

Immer wieder entfacht sich ein Spiel offener und geschlossener Räume, so etwa bei „Valtz“ am Kressbronner Bodenseeufer. Drei schlotternde Beine tragen die Last des walzenden Handwerksburschen, die weit hinaus auf den See ins Ungewisse weist. Wohin mag die Reise führen? Ihre Vollendung finden tänzerische Linearitäten im nahen Schloss Salem. So emotional wie „Latou“ gebärdet sich keine zweite Arbeit. Schlank, spontan und federleicht preschen gebrochene Linien steil in die Höhe, pendeln in ihrer dynamischen Körperlichkeit zwischen Ruhe und Bewegung. Eine Ausnahme unter den aus wenigen Strichen ausdrucksstark entwickelten Szenerien ist das für die Pilgerstadt Fatima gestaltete Kreuz von 34 Metern Höhe. Vor dem Tagungshaus in Heiligkreuztal in einer kleineren Version aufgestellt, entfaltetes es auch hier in seiner abstrahierten Gebrochenheit eine emotionale Aura voll inneren Schmerzes.

Hier und an drei weiteren Orten legen Begleitausstellungen Schads Arbeitsweise bei der Überführung der Linien in den dreidimensionalen Raum dar. In Bad Saulgau, in den Schlössern Wolfegg und Mochental kann man tief in Schads Werk eindringen. Sein künstlerisch einzigartiges Talent besteht darin, den Stahl emotional aufzuladen. Ein gelungenes Beispiel findet sich auf dem Bahnhofsvorplatz in Friedrichshafen. Kommt man dort an, offenbart sich ein Liniengewirr, das sich leicht als Zug mit wehender Rauchfahne deuten lässt. Der aus dem Bahnhof Tretende dagegen schaut in ein Gesicht. Was für bereichernde Begegnungen! Finden wir uns selbst darin?

Das Skulpturenprojekt „Robert Schad – Von Ort zu Ort“ ist bis zum 30. November an 40 Orten in der Region Bodensee-Oberschwaben zu sehen. Weitere Informationen mit Standorten und interaktiver Karte sind unter www.schad-oberschwaben-skulptur.de abrufbar.



17.08.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 17

Seiten: 1  •  2

Kunstsparten (1)Stilrichtungen (1)Variabilder (14)Künstler (1)

Kunstsparte:


Skulptur

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Robert Schad, Der Linie lang, 2012
Robert Schad, Der Linie lang, 2012

Variabilder:

Robert Schad, Kender, 2011
Robert Schad, Kender, 2011

Variabilder:

Robert Schad, Latou, 2014
Robert Schad, Latou, 2014

Variabilder:

Robert
 Schad
Robert Schad

Variabilder:

Robert Schad, Ferrents – Rumone, 2016/19
Robert Schad, Ferrents – Rumone, 2016/19

Variabilder:

Robert Schad, Tauk, 1998
Robert Schad, Tauk, 1998

Variabilder:

Robert Schad, Tabat, 2017
Robert Schad, Tabat, 2017







Robert Schad, Tauk, 1998

Robert Schad, Tauk, 1998

Robert Schad, Latou, 2014

Robert Schad, Latou, 2014

Robert Schad

Robert Schad

Robert Schad, Valtz, 2017

Robert Schad, Valtz, 2017

Robert Schad, Der Linie lang, 2012

Robert Schad, Der Linie lang, 2012

Robert Schad, Kender, 2011

Robert Schad, Kender, 2011

Robert Schad, Tabat, 2017

Robert Schad, Tabat, 2017

Robert Schad, Ferrents – Rumone, 2016/19

Robert Schad, Ferrents – Rumone, 2016/19

Robert Schad, Sybaris, 2017

Robert Schad, Sybaris, 2017

Robert Schad, Goberd, 2014

Robert Schad, Goberd, 2014

Robert Schad, Donnek, 2017

Robert Schad, Donnek, 2017

Robert Schad, Ein Kreuz für Fatima, 2017

Robert Schad, Ein Kreuz für Fatima, 2017

Robert Schad, Marrak, 2019

Robert Schad, Marrak, 2019




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce