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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei der Auktion der klassischen Moderne im Kinsky schoss sich das Publikum auf einzelne Künstler ein, verlor die anderen Offerten aber nicht aus dem Blick. Die Zeitgenossen blieben bis zu einem Rekord ganz am Schluss spannend. Nur die Rubrik „Jugendstil & Design“ verlief etwas schleppender

Von der geschmackvollen Aussteuer in die Restitution



Gustav Klimt, Damenbrustbild von vorne, 1897/98

Gustav Klimt, Damenbrustbild von vorne, 1897/98

Der Sanatoriumsbesitzer Anton Löw vermachte seiner Tochter Gertrud 1903 als Aussteuer zu ihrer Hochzeit mit dem Unternehmer Johann Arthur Eisler von Terramare ein Porträt und sechs frühe Zeichnung Gustav Klimts. Das auf Ästhetik bedachte junge Paar integrierte diese in ihre geschmackvolle Wohnungseinrichtung, für die Koloman Moser verantwortlich war und die es sogar in die Zeitschrift „Dekorative Kunst“ brachte. Nach dem frühen Tod eines Kindes folgte die Scheidung des Paares, und Gertrud nahm die Werke mit zu ihrem zweiten Ehemann Elemér Felsöványi. Doch auch diese Verbindung war vom Unglück überschattet, da beide wegen ihrer jüdischen Abstammung nach dem Anschluss Österreichs durch das NS-Regime emigrieren und ihre Habe zurücklassen mussten. Über nicht genau nachweisbare Stationen gelangte die Kunstsammlung Felsöványi dann an Gustav Ucicky, einen unehelichen Sohn Gustav Klimts und frühen Propaganda-Regisseur für die Nazis. Nach seinem Tod im Jahr 1961 ging der Kunstbesitz an seine Ehefrau Ursula über, die 2013 die Klimt Foundation gründete und die Werke auf ihre bewegte Geschichte hin prüfen ließ. So kamen die beiden Zeichnungen „Damenbrustbild von vorne“ sowie „Frauenkopf im Profil nach rechts“ von 1897/98 als Restitution an die Erben Löw-Felsöványi zurück.


Damit standen im Wiener Auktionshaus „Im Kinsky“ am 17. Juni zwei marktfrische Blätter Klimts zum Verkauf. Beide zeichnen die Betonung der strengen Frontal- beziehungsweise Profilansicht sowie der Fokus auf das genauer als der Restkörper angelegte Gesicht aus. Frauendarstellungen nach anonymen Modellen, die jedoch nicht als bloße Studien zu sehen sind, nahmen in der Zeit um die Gründung der Secession in Klimts Œuvre einen wichtigen Platz ein. Dementsprechend groß war das Interesse an den Blättern. Das weiter ausgeführte, versonnene „Damenbrustbild von vorne“ schoss ungeahnt auf 560.000 Euro und hält damit den österreichischen Rekord für eine Zeichnung des Künstlers (Taxe 200.000 bis 400.000 EUR). Der weniger mit dem Betrachter im Dialog stehende, etwas herbere „Frauenkopf im Profil nach rechts“ bereitete diese Euphorie im Saal vor und erreichte hohe 270.000 Euro (Taxe 130.000 bis 200.000 EUR). Im obersten Feld der Versteigerung stand Klimt allerdings nicht alleine mit einem Rekord. Weltweit zahlte bisher niemand mehr für ein Werk von Franz Sedlacek als für seine „Landschaft mit Nebelmeer“ von 1921, die kompositorisch an Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ angelehnt ist. Mit dem flächigen Farbauftrag, der starken Leuchtkraft und der stilisierten Symbolik heimste sie 350.000 Euro ein (Taxe 250.000 bis 500.000 EUR).


Schicksalhafte Begegnungen

Die erfolgreichste Rubrik der Auktion war bei einem Nettoumsatz von gut 3,5 Millionen Euro und einer losbezogenen Zuschlagsquote von knapp 69 Prozent die klassische Moderne. Alexander Rothaugs Schicksalsgöttinnen „Die drei Parzen“ um 1910 begeisterten mit ihrer symbolistischen Bildsprache sowie secessionistisch-ornamentalen Linien dabei besonders und kletterten auf den aktuellen Höchstpreis von 150.000 Euro (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR). Vielleicht webten sie an der Bestimmung für Edward Cucuels Dame, die „Am Rendezvous-Platz“ im weißen Kleid aus einem Boot erwartungsfreudig dem Zuschauer entgegentritt. Das herbstliche Gemälde wohl der 1920er Jahre drängte sich auf 60.000 Euro vor (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR). Schlechter ist es um die blauen Aras auf Norbertine Bresslern-Roths Leinwand von 1940 bestellt: Von einem Boot im Hintergrund aus beobachtet ein versteckter „Vogelfänger“ die friedlich spielenden Tiere und ergatterte 100.000 Euro (Taxe 80.000 bis 150.000 EUR). Dass Vögel die Grazer Malerin bis an ihr Lebensende beschäftigten und das Publikum ihr dabei folgte, belegt ihr 95.000 Euro teurer wilder „Tanz der Strauße“ von 1976, dessen Vorstudie das Universalmuseum Joanneum in Graz besitzt (Taxe 70.000 bis 120.000 EUR). Anstatt des ausgeführten Bildes war dagegen von Albin Egger-Lienz der monochrom braune Studienkopf des mittleren Bauern mit geschlossenen Augen zu dem Gemälde „Das Tischgebet“ um 1921/23 für 100.000 Euro zu haben (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Ungewöhnlich reich an Figuren ist Alfons Waldes „Jahrmarkt in Kitzbühel“ um 1923, der in einer grob flächigen Malweise das farbenfrohe Getümmel nachspüren lässt. Diese Qualitäten bemerkten einige Sammler und spendierten 115.000 Euro (Taxe 35.000 bis 55.000 EUR). Um 1924 widmete sich Walde dann der vom weißen Schnee überstrahlten „Fleckalm mit Berggehöft“, die ein Liebhaber zur oberen Schätzung von 70.000 Euro mitnahm. Damit war die Begeisterung für den Künstler aber noch nicht beendet, denn Waldes 1934 feiner gemalter „Tiroler Bergweiler“ mit traditionell gekleideten Figuren übertraf seine anderen Kunstwerke. Das freundlich ausgeleuchtete Sommerbild mit seiner typisch markanten Formensprache erreichte 250.000 Euro (Taxe 180.000 bis 360.000 EUR). Wohl gesonnen waren die Kunden zudem Werner Berg. Dessen vereinfachte Schlittendarstellung „Vor der Heimfahrt“ von 1958 mit kalten Blautönen blieb bei 140.000 Euro im oberen Bereich der Erwartung von 100.000 bis 170.000 Euro. Noch kontrastreicher war seine Nachtszene mit gelben „Häusern im Licht“ von 1961, die bei gleicher Expertenmeinung im Bieterduell auf 180.000 Euro stieg.

1926 malte Rudolf Wacker in neusachlichem Duktus einige Häuser „Am Breiten Tor“ in Goslar, wo sich eine menschenleere Gasse zum historischen Wahrzeichen windet. Das Gemälde fängt den bis heute erhaltenen Charme der Harz-Stadt ein, was die Interessenten mit 100.000 Euro honorierten (Taxe 50.000 bis 80.000 EUR). In die Natur trieb es Václav Radimsky, in dessen „Flusslandschaft“ von 1909 sich das Gewässer anstatt eines Weges mit impressionistisch geprägten Lichteffekten breit in die Tiefe zieht. Der Böhme erstaunte mit hohen 40.000 Euro (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Knapp darunter platzierte sich bei 38.000 Euro Carl Moll, der mit schnellem Pinselduktus und gedecktem Kolorit zwanzig Jahre später seine Eindrücke „In der Bucht von Villefranche“ an der Riviera verewigte (Taxe 35.000 bis 55.000 EUR). Der im österreichischen Jugendstil renommierte Koloman Moser wandte sich um 1912 ebenfalls der Darstellung der Natur zu. Seine blaugrüne Waldlandschaft für letztlich 25.000 Euro vermittelt ihre mystische Atmosphäre durch die gekonnten Lichtakzente und groben Farbflächen (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR).

Eröffnet wurde die Moderne-Auktion mit 124 Positionen von Alfred Kubin, die bis in die 1980er Jahre zu Sammlung des Salzburger Klavierlehrers Wolfgang Graninger gehörten. Für diesen Abschnitt lag die Verkaufsrate mit 76,6 Prozent höher als für die gesamte Versteigerung. Den Kinsky-Kunden gefiel gleich das erste Los, ein um 1907 in Tempera auf Papier gemalter einsamer „Tatar“ auf seinem Schimmel bei 19.000 Euro (Taxe 10.000 EUR). Weitere Höhepunkte der Kubin-Zeichnungen waren dann noch zwei Mönche in einem Nachen mit fragenden Blicken unter dem metaphysischen Titel „Hinüber“ von 1899 bei 6.500 Euro (Taxe 3.000 EUR), das späte Blatt „Münchhausen auf Reisen“ von 1944 bei 6.000 Euro (Taxe 1.500 EUR) oder die „Langeweile“ eines Paares während des Essens bei geöffnetem Fenster für 5.000 Euro (Taxe 2.500 EUR). Im niedrigen Preissektor reüssierten zudem noch Ludwig Heinrich Jungnickels Farbkreidezeichnung eines ruhenden, aber aufmerksamen Leoparden bei 3.800 Euro (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR), Fritz von Herzmanovsky-Orlandos lustige Karikatur mit ägyptischen Motiven von 1916 bei 2.000 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR) oder Georg Eislers dicht bevölkerte New Yorker Straßenschlucht „Madison Avenue II“ von 1979/80 bei 7.500 Euro, die schon in den Auktionsteil mit Kunst nach 1945 gepasst hätte (Taxe 4.500 bis 7.000 EUR).

Zeitgenössische Konstruktionen und Dekonstruktionen

Im Bereich der Zeitgenossen trieb das letzte Los die Kunden nochmal zu Höchstleistungen an. Gegenstand des finanziellen Wettkampfes, der die anvisierten 25.000 bis 40.000 Euro schnell hinter sich ließ, waren Rudolf Polanszkys „Reconstructions“ des Jahres 2005, die er aus Kunststoff, Aluminium, Acryl, Laub und weiteren Materialien auf einer 2,69 Meter breiten Leinwand zusammensetzte. Im Zentrum feinteiliger, löst sich die Malereicollage nach außen in gröbere Strukturen auf, für die letztlich der neue Weltrekord von 100.000 Euro nötig war. Die Beliebtheit des 1951 geborenen Wieners machten schon zuvor seine ebenfalls bewusst schäbig konstruierte „Arbeit Nr. 8, Rorschach-Transformationen“ von 2010 für 60.000 Euro (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR) und die aufstrebende Skulpturenassemblage aus buntem Acrylglas und Kupferdraht von 2012 für 11.000 Euro deutlich (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Ein großes Format steuerte ebenfalls Hans Staudacher bei. Sein Triptychon „Raum zum Träumen“ von 1984 misst 5,55 Meter in der Breite und bietet in seinen schier unendlichen Binnenelementen die titelgebende Möglichkeit, die einem Sammler mit viel Platz 50.000 Euro am unteren Schätzrand abverlangte. Insgesamt positionierten sich die Zeitgenossen mit einer losbezogenen Absatzquote von beinahe 64 Prozent und einem Nettoumsatz von 1,73 Millionen Euro, wobei sich vieles innerhalb des Taxrahmens abspielte.

Drei Farbflächenkompositionen von Markus Prachensky stammten aus einer österreichischen Privatsammlung. „Puglia marina 6“ von 1978 mit dynamischen Kreisen in Rot, umgeben von schwarzgelben Balken, erwirtschaftete bei geschätzten 25.000 bis 50.000 Euro am Ende 30.000 Euro, genauso wie das strengere buntere Balkengebilde „Umbria Rot“ von 1988 (Taxe 20.000 bis 40.000 EUR). Mit schwungvollen Bewegungen brachte Hermann Nitsch sein Rot auf das Leinen; das Schüttbild von 2005 würdigte ein Käufer mit 37.000 Euro (Taxe 28.000 bis 45.000 EUR). Dunkler leuchtet die Farbe bei Hubert Scheibls „No Ginger W“ von 2005/07. Zumeist dezente Lachstöne strahlen vor schwarzem Hintergrund wie Funken in der Nacht und erzeugen damit einen atmosphärischen Raum, der mit 42.000 Euro bezahlt sein wollte (Taxe 25.000 bis 45.000 EUR). Dichter gefüllt ist Herbert Brandls titelloses Werk von 2007, das mit verwischten Spuren von Rot, Schwarz und Gelb ebenso an Feuer und Rauch erinnert, allerdings mehr in der Fläche bleibt und genau die Mitte seiner Expertenmeinung von 30.000 bis 50.000 Euro traf.

Das Thema der „Geburt“ reduzierte Hans Bischoffshausen auf elementare Grundformen, wie Kreise in einer hochrechteckigen Hartfaserplatte, die er lochte und später ausbrannte, womit er seine oberen Erwartungen von 70.000 Euro einlöste. Mit dem an die Formen von Magnetfeldern erinnernden goldenen Relief auf einer titellosen Tafel von 1972 kletterte er sogar 5.000 Euro über die erhofften 20.000 bis 30.000 Euro hinaus. An die Figur hielt sich Otto Muehl und setzte 1983 aus einfachen rosafarbenen sowie gelben Strichen ein liegendes Aktpaar in Fleischeslust zusammen. Der freie Zugang zur Darstellung findet in diesem Gemälde, das von 25.000 Euro auf 55.000 Euro stieg, seinen eigenwilligen Ausdruck. Ein ähnliches Anliegen lässt sich Arnulf Rainer zuschreiben, der vorhandenes Bildmaterial neoexpressiv überarbeitete. Seine „Christus Übermalung“ von 1984 aus zwei Teilen schlug der Auktionator für 53.000 Euro zu (Taxe 45.000 bis 75.000 EUR).

Reflektiert setzte sich zehn Jahre später Xenia Hausner selbst als Akt vor einem Ateliertisch mit Farben und Pinseln in Szene. Ihr Körper ist dabei ebenso überzogen von Farben, während sie nachdenklich und auffordernd zum Zuschauer blickt. 65.000 Euro brachte ihr „Nachher“ ein (Taxe 40.000 bis 75.000 EUR). Etwas drastischer formulierte Elke Krystufek ihren nun 16.000 Euro teuren Selbstakt als „tiger lily“ aus und besprenkelte sich beim Fotografieren und bei gespreizten Beinen mit unzähligen schwarzen Punkten (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Maria Lassnigs wässriges Aquarell „Die Königsfischer“ von 1982 angelte sich in einem Teich am Wald 16.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Jirí Georg Dokoupils farbenfrohes Seifenblasenbild „Strawinski“ von 2016/17 zerplatze bei hohen 22.000 Euro (Taxe 12.000 bis 18.0000 EUR). Oswald Oberhubers lakonisches „Zahnbild“ von 1967 kostete taxkonforme 15.000 Euro, Thomas Zipps dunkle Energie ausstrahlendes Gemälde „Autrespace“ von 2004 lag 1.000 darunter (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR), und Josef Pillhofers zu kantigen Kuben reduzierter „Schmaler Kopf“, eine Bronze von 1960, orientierte sich am oberen Schätzwert von 10.000 Euro. Von den Gugginger Art Brut-Künstlern wurden August Wallas bunt naives Blatt „Bin der heilige Gott Saärill!“ für angemessene 9.000 Euro und Johann Garbers freudvolle Erfindung „Ein schöner Herbstwald“ von 1987 bei 2.200 Euro übernommen (Taxe 1.000 bis 2.000 EUR). Das surreal fantastische „Haus für die Frau“ des Architekten Walter Pichler von 1984 verdoppelte seinen Wert auf 14.000 Euro.

Der Symbolismus eines George Minne

Die Rubrik „Jugendstil & Design“, die netto 516.000 Euro bei 54 Prozent verkaufter Offerten umsetzte, glänzte vor allem mit Werken des belgischen Bildhauers George Minne, die in dieser Fülle selten auf dem Kunstmarkt auftauchen. Hier gab es mit 60.000 Euro den höchsten Preis dieses Auktionsteils, den die Käufer für „Den großen Knienden“ bewilligten. Das für Minne häufig wiederholte Motiv eines Knaben mit überlangen Proportionen, gesenktem Kopf und verschränkten Armen war mit 45.000 bis 70.000 Euro angetreten. Doch von den 24 Positionen der Minne-Suite verabschiedeten sich nur neun Arbeiten, vor allem die für sein Schaffen typischen Jünglinge. Das Nachsehen hatten etwa die Zeichnungen und Skizzen (Taxen bis 5.000 EUR) oder auch die Skulpturen „Herz Jesu“ (Taxe 17.000 bis 25.0000 EUR), „Melancholie“ (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR) oder „Mutter und Kind“ (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Schwer belastet und muskulöser ausgestaltet ist ein junger stehender „Mann mit dem Wassersack“, den George Minne 1897 entwickelte. Sein Gesicht bleibt durch das überhängende Gepäck verborgen. Mit 45.000 Euro erreichte die Plastik ihre Hoffnungen von 45.000 bis 70.000 Euro, genauso wie „Der kleine Verwundete“. Der wieder stärker stilisierte Jüngling, den Minne ein Jahr später modellierte, bemüht sich, verrenkt die Verletzung an seinem Arm auszumachen, und erlöste 40.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Der ebenfalls nackte kniende „Reliquienträger“ von 1897 erleichtere das Konto des Käufers um 38.000 Euro, der ein Jahr ältere, schlanke „Kniende von Hagen“ um 30.000 Euro (Taxe je 30.000 bis 50.000 EUR).

Trends beim Jugendstil und Art Déco

Gerne nahm das Publikum Stücke der Wiener Werkstätten an, ließ aber auch hier einiges Teure unbeachtet. Josef Hoffmann gestaltete 1905 einen einfachen silbernen Zuckerstreuer mit einer in Rechtecke unterteilten Wandung, der auch aufgrund seiner Schlichtheit mit 6.500 Euro verzauberte (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Am Griff und Korpus von kleinen Quadraten durchbrochen ist sein Blumenkörbchen des Folgejahres, das mittig konkav zuläuft und mit 18.000 Euro seine Schätzung von 10.000 bis 15.000 Euro übertraf. In einer Zusammenarbeit entstand in der Wiener Werkstätte 1910/11 der gestufte Zigarettenbehälter mit Glaseinsatz für 7.000 Euro, bei dem sich Hoffmann für die Form und Eduard Josef Wimmer-Wisgrill für den floral ornamentalen Dekor aus feinen Rosenblüten und -blättern verantwortlich zeichnete (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Hoffmanns elegantes Service aus Kaffee- und Milchkanne sowie Tablett mit Hammerschlagdekor war für 16.500 Euro zu haben (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR).

Im Jahr 1927 gestaltete die Keramikerin Gudrun Baudisch einen Frauenkopf mit markant ovaler Form, breiten mandelförmigen Augen und kontrastreich blauroter Bemalung auf weißer Glasur, der 7.000 Euro einspielte (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Der weibliche Körper waren ebenso das Faszinosum für Michael Powolnys Skulptur der „Schönen Helena“, der er für die Wiener Keramik 1907 entwarf. Die einige Jahre später um 1910/12 ausgeführte, mit ihren Reizen nicht geizende Dame samt gelbgoldenem Haar, der ein gepunktetes Tuch über den Rücken hinabrutscht und so ihre Blöße freigibt, fuhr 9.500 Euro ein (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Eine grün-gelb-blau schimmernde Fayencevase der ungarischen Manufaktur Zsolnay mit einem abendlichen See samt ruhigen Booten legte von 600 Euro auf 3.200 Euro zu.

Die Glasarbeiten dominierte der böhmische Hersteller Lötz Witwe. 1899 wurde dort eine sich nach oben verjüngende, kobaltblau unterfangene Vase mit wellenförmig umsponnenen Silbergelbfäden gefertigt, deren irisierende Effekte noch heute zu 7.500 Euro begeisterten (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR). Eine ebenso blaue, von Robert Holubetz exaltiert geformte Lötz-Vase dekorierte Koloman Moser im Jahr 1900 mit feinen grünblauen Streifen am schmalen Schaft, die sich nach unten entsprechend der Verbreiterung des Gefäßes zu tropfenförmigen Ballen entwickeln. Ein Sammler gab für das durchdachte Stück taxkonforme 14.000 Euro aus. Bergauf ging es bei Jutta Sikas zylindrischem tiefgrünem Exemplar mit drei Henkeln und dichten Silbergelbkröseln für 5.500 Euro (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Beim Figürlichen blieb Gabriel Argy-Rousseau in Paris mit der kleinen Vase von 1928 für 8.000 Euro, um die sich Tänzerinnen in ockerfarbenen Tönen ziehen. Deren rotbraune Kleider sind wie zum abstrakten Ornament verschmolzen und bilden den unteren Vasenabschluss (Taxe 6.5000 bis 10.000 EUR).

Bewegung kam zudem bei Demetre Chiparus ins Spiel. Seine halbnackte „Junge Frau mit Reifen“ aus Elfenbein und bemalter Bronze beugt sich mit einem gehobenen Bein grazil über ihren Onyxsockel nach vorn, um das Tanz- und Turngerät hinter sich zu halten. Die französische Arbeit der Zeit um 1925 forderte 6.500 Euro (Taxe 5.000 bis 10.000 EUR). Den Bereich der Textilien vertrat der Wiener Modesalon der Schwestern Flöge mit einem Mantelkleid der Jahre um 1906 aus braunem Samt mit Brokatvoluten an der Vorderseite, den Armen und dem Saum für 11.000 Euro (Taxe 8.000 bis 16.000 EUR). Unter den Möbeln stachen zwei Otto Prutscher zugeschriebene schwarz gebeizte Vitrinen hervor. Ihre klare und schlichte Formensprache, die von der Unterteilung des Glases in Rechtecke und dem einfachen dreieckigen oberen Abschluss herrührt, überzeugte einen Liebhaber zu 8.000 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Gesichert aus der Hand Prutschers stammte ein Weinglas, dessen Stiel aus abwechselnd rasterartig farblosem und dunkelblauem Glas den Kelch mit der an ein Gitter erinnernden Ornamentik trägt. Das Duell um das Gefäß zog sich bis 7.000 Euro hin (Taxe 4.500 bis 6.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



17.08.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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