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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Der für seinen Wein berühmte Rheingau versucht verstärkt eine Brücke zur bildenden Kunst zu schlagen. Auch neue architektonische Projekte kommen dem zugute

Nur nicht vom Sockel stürzen



Hanneke Beaumont, Bronze #130, 2016

Hanneke Beaumont, Bronze #130, 2016

Wie dunkle Schatten umgeben derzeit unnahbare rätselhafte Gestalten die Klosterkirche Eberbach bei Eltville am Rhein. Sie balancieren, ruhen im Schneidersitz, rutschen oder knien auf ihren Sockeln und sind um körperlichen Ausgleich bemüht. Die Bronzefiguren Hanneke Beaumonts bewegen sich in differenzierten Gesten in den Grünanlagen rund um das alte Zisterzienserkloster. Sie verkörpern weder bestimmte Individuen, noch sind sie zu einem Idealbild stilisiert. Grobe raue Oberflächen hüllen die eher männlichen Wesen ein, so als wären sie von Lehmpasten beschmiert. Der Realität entrückt, bieten sie lediglich Annäherungen an Personen und lassen interpretatorische Optionen offen.


Als „lehmige Person“ tituliert sich denn auch die Künstlerin Hanneke Beaumont. 1947 im niederländischen Maastricht geboren und heute in Belgien lebend, hat die studierte Zahnmedizinerin und Bildhauerin seit ihrer ersten Einzelausstellung im Jahr 1983 vor allem in Europa und den USA auf sich aufmerksam gemacht. In der aktuellen Ausgabe der zwölften Bad Homburger Skulpturenbiennale „Blickachsen“ präsentiert sie nun neun große Bronzen in Eberbach. Es ist ein passender Standort – genau da, wo sich vormals eine jedweder Individualität entledigte, egalitäre Mönchsgemeinschaft bewegte, introvertiert, anonym, nach innerer und äußerer Balance strebend.

Abgesehen von Maulbronn vermittelt heute Kloster Eberbach wie keine andere Zisterzienserabtei in Deutschland das vollständige Bild einer mittelalterlichen Klosteranlage des benediktinischen Reformordens. Einsam gelegen, umgibt eine 1100 Meter lange Ringmauer die Gebäudegruppe wie eine kleine Stadt. Primärer Schmuck ist die handwerklich höchst präzise Ausführung. Fast 700 Jahre lang, von ihrem Eintreffen im Jahr 1136 bis zur Aufhebung der Abtei 1803, wirkten hier die Zisterzienser nach Benedikts Wahlspruch „ora et labora“ – „bete und arbeite“. Seit 1998 steht die ehemalige Klosteranlage unter der Obhut einer Stiftung.

Heute kann man hier durch einige Gipfelpunkte der Architekturgeschichte schreiten. Bauliches und geistiges Zentrum ist die auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes errichtete Kirche. Auf wuchtigen Rechteckpfeilern ruhen schlichte Rundbogenarkaden, die die eckige, klare romanische Innenarchitektur des fast 80 Meter langen Schiffes gliedern. Die karge Monumentalität verdeutlicht die strenge Askese zisterziensischer Frühzeit. Später angefügte gotische Grabkapellen sorgen für eine ungewohnte Lichtfülle. Heute gibt der Raum einen idealen Rahmen für Konzerte des Rheingau Musikfestivals.

Zu den weiteren beeindruckenden Sälen in der angrenzenden Klausur gehört der frühgotische zweischiffige Saal des Dormitoriums. Einst schliefen hier die Mönche auf Pritschen. Die 74 Meter lange, kreuzrippengewölbte Säulenhalle zählt zu den bedeutenden Raumschöpfungen des europäischen Mittelalters. Darunter liegt der Kapitelsaal, dessen Eindruck vom grandiosen Gewölbestern bestimmt wird, der sich aus einer einzigen Stütze in der Saalmitte schirmförmig ausfaltet. Neben dem Kreuzgang und weiteren Bauteilen verdient das Laiendormitorium Beachtung. Der 85 Meter lange zweischiffige Schlafsaal mit auf gedrungenen Säulen ruhenden Kreuzgratgewölben aus dem beginnenden 13. Jahrhundert gilt als der größte nichtsakrale Raum des Mittelalters in Europa. Das im Klausurtrakt beheimatete Klostermuseum enthält einige wenige der geretteten Gegenstände der Anlage, die die einstige Knappheit der Ausstattung dokumentieren. Von Interesse ist dabei ein Flechtbandfenster der Klosterkirche aus den Jahren um 1180 in seiner abstrakten Ornamentik.

Zu den landwirtschaftlichen Betrieben des Klosters gehörte einst die Domäne Steinberg, ein ummauerter Weinberg in unmittelbarer Nähe. Heute ist der Steinbergkeller im Besitz der den Hessischen Staatsweingüter. In einem stilvollen Zusammenspiel von Alt und Neu legten die auf Weinbauprojekte spezialisierten Architekten Michael Friess und Reinhard Moster die 2008 eingeweihte und mehrfach ausgezeichnete „Kathedrale des Rieslings“ weitgehend unterirdisch an. Ihr Entwurf überzeugte unter anderem durch eine schräge Lichtfuge in die bis zu 14 Meter unter der Erdoberfläche liegenden Produktionsräume, in denen die Arbeiter nun nicht mehr auf Tageslicht verzichten müssen.

Wer die Auswirkungen des Lichtes beim Weintrinken austesten möchte, kann sich auf dem Weingut Allendorf in Oestrich-Winkel in eine Rauminstallation begeben, die Weingenuss bei farblich unterschiedlichem Kunstlicht ermöglicht, um dabei die Geschmacksnuancen zu erweitern. Einen besonderen Charme versprüht in Oestrich-Winkel das Haus des Romantik-Dichters Clemens Brentano. Erbaut im Jahr 1751, hat sich seit dem vorletzten Jahrhundert in dem Landhaus, in dem auch Johann Wolfgang von Goethe als Gast weilte, praktisch nichts mehr verändert. Tapeten, Textilien, Teppiche und Möbel vermitteln den Eindruck einer vergangenen Zeit und eines Ambientes, das derzeit mit hohem Aufwand restauriert wird.

Nur wenig entfernt beeindruckt das als erstes Rieslingweingut der Welt geltende Schloss Johannisberg mit einem grandiosen Ausblick auf die Rheinebene. Majestätisch auf einer Anhöhe über dem Strom gelegen, kündet die Anfang des 12. Jahrhunderts errichtete Kirche mit den markanten drei Apsiden von der Vergangenheit des Ensembles als Kloster. Die klassizistisch überformte Dreiflügelanlage des Schlosses schließt sich an die Kirche an. In der Tiefe unter dem Schloss weiten sich die Tonnengewölbe der Weinkeller. Im ältesten, um 1096 angelegten Teil lagern in einer „Bibliotheca subterranea“ 22.000 Weinflaschen aus den letzten 300 Jahren; die älteste stammt aus dem Jahr 1748.

Die schmucke Fachwerkstadt Eltville präsentiert sich mit vielen erhaltenen Wohnhäusern und Adelshöfen aus der Gotik und der Renaissance. Zu den Dominanten im Stadtbild ragt der Turm der gotischen Pfarrkirche St. Peter und Paul auf, den ein Schüler des Frankfurter Dombaumeisters Madern Gerthener mit feinem, horizontal gegliedertem Blendwerk ähnlich dem Frankfurter Dom verzierte. Dazu gesellt sich der imposante Turm der direkt am Rheinufer gelegenen kurfürstlichen Burg, der einen Überblick über die vis-à-vis gelegene Eltviller Aue gibt. Die mit 80 Hektar größte Rheininsel ist seit der Säkularisation in Privatbesitz. Einer der wichtigen Söhne der Stadt Eltville hinterließ hier seine Spuren, der 1873 geborene, zu den führenden deutschen Architekten des frühen 20. Jahrhunderts zählende Wilhelm Kreis. Er errichtete auf der Aue das neubarocke Schloss Sierstorpff, heute Residenz der Industriellenfamilie Mayer.

Als idealer Schlusspunkt einer Rheingau-Tour bietet sich das Niederwalddenkmal oberhalb der Stadt Rüdesheim an. Die 12,35 Meter hohe Kolossalfigur der Germania thront auf einem fast 26 Meter emporragenden Sockel hoch über den Rebhängen des Rheintals in exponierter Lage, die über 1,8 Millionen Besucher pro Jahr anzieht. Das vom Bildhauer Johannes Schilling entworfene und 1883 von Kaiser Wilhelm I. persönlich eingeweihte Monument ist damit das meistbesuchte in Deutschland und gehört seit 2002 zum UNESCO-Welterbes „Oberes Mittelrheintal“.

Das Kloster Eberbach hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, von November bis März täglich von 11 bis 17 Uhr.

Kontakt:

Stiftung Kloster Eberbach

Kloster Eberbach

DE-65346 Eltville im Rheingau

Telefon:+49 (06723) 91 78 100



17.08.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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im Kreuzgang von Kloster Eberbach
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Die Kirche von Kloster Eberbach

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Das romanische Innere der Kirche von Kloster Eberbach

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Hanneke Beaumont, Searching for Balance (Bronze #121), 2013

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im Kreuzgang von Kloster Eberbach

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Hanneke Beaumont, Stepping Forward (Bronze #66), 2003

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