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Sprengel Museum: Wer war Conrad Doebbeke?

Alexej von Jawlensky, Turandot II, 1912

In seiner aktuellen Schau „Verfemt – Gehandelt“ gibt das Sprengel Museum in Hannover einen Einblick in die eigene Provenienzforschung zur Sammlung Doebbekke. Themen sind die Vorbesitzer der Kunstwerke und wie diese in Sammlungen der niedersächsischen Hauptstadt gelangten. Den Mittelpunkt bildet der bisher wenig erforschte Sammler, Jurist und Berliner Immobilienhändler Conrad Doebbeke mit seinem Konvolut an prominenten Kunstwerken von Oskar Kokoschka, Lovis Corinth, Emil Nolde oder Edvard Munch. Hannover erwarb 1949 über Verhandlungen 115 Kunstwerke aus seinem Besitz für die Stadt und das damalige Landesmuseum Hannover. Aus diesem Konvolut sind etwa 60 Arbeiten zu sehen.

Die Ausstellung wendet sich den Schicksalen der Vorbesitzer der Kunstwerke zu, die sowohl jüdische Sammler als auch jüdische Händler sein konnten. Es geht einerseits um Eigentumsverhältnisse und -wechsel der Arbeiten unter den Nationalsozialisten, andererseits um den Handel mit Kunst nach 1945. Museen in Hannover hatten aufgrund der Schau „Entartete Kunst“ 1937 viele Exponate verloren und versuchten nach dem Krieg, ihre Sammlungen mit Neuankäufen wieder aufzustocken. Zu dieser Zeit bildete das Ermitteln der Herkunft der erworbenen Bildwerke keinen Schwerpunkt. Die Schau verdeutlicht exemplarisch die „methodische Detektivarbeit hinter den Kulissen bei der Erforschung von Handelswegen der ehemals in den Museen beschlagnahmten Kunstwerke“, so die Kuratorin Anette Baumann. Hinzu kommen das im Dritten Reich beschlagnahmte Privateigentum und die Auswirkungen der nationalsozialistischen Reichsbankpolitik.

Conrad Doebbeke wurde 1889 in Gelsenkirchen geboren, absolvierte zwischen 1909 und 1913 sein Jura-Studium in Marburg, Jena, Greifswald, Berlin und Münster. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Nach seiner Rückkehr wurde er an der Universität Breslau promoviert. Er begann eine breite unternehmerische Tätigkeit und betrat 1922 den Immobilienmarkt. Seit 1929 sammelte Doebbeke Gemälde, Grafiken und Kleinplastiken. Nach eigenen Aussagen habe er währen der Nazi-Zeit vor allem die als „entartet“ geltende Kunst erworben.

Im Februar 1946 beginnt ein Verfahren zu acht Kunstwerken, die Doebbeke bei der Dresdner Bank eingelagert hatte, durch den amerikanischen Kunstschutzoffiziers Walter Ings Farmer. 1946 absolviert er eine „Kunstfachprüfung“ und eröffnet 1947 seine Galerie in Hannover. In den Folgejahren verkauft er Kunstwerke an die Stadt Hannover und versucht, weitere Bilder seiner Sammlung an Museen in Bremen oder Hamburg zu veräußern. Er stirbt 1954 an den Folgen einer Schussverletzung. Nach seinem Tod wird seine Sammlung über Auktionshäuser verkauft. In den 1950er Jahren beginnen Restitutionsansprüche. 2007 restituiert das Niedersächsische Landesmuseum Lovis Corinths Bild „Römische Campagna“ an die Erbengemeinschaft von Curt Glaser, da das Werk bei einer verfolgungsbedingten Auktion 1933 gehandelt wurde.

Die Ausstellung „Verfemt – Gehandelt. Die Sammlung Doebbeke im Zwielicht: Von Corinth bis Kirchner“ läuft bis zum 17. November. Das Sprengel Museum hat dienstags von 10 bis 20 Uhr und mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt am 31. Oktober geschlossen. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 4 Euro; freitags ist er kostenlos. Es erscheint ein begleitender Katalog.

Sprengel Museum Hannover
Kurt Schwitters Platz
D-30169 Hannover

Telefon: +49 (0)511 – 168 438 75
Telefax: +49 (0)511 – 168 450 93


25.07.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Veranstaltung vom:


17.07.2019, Verfemt – Gehandelt. Die Sammlung Doebbeke im Zwielicht: Von Corinth bis Kirchner

Bei:


Sprengel Museum Hannover

Kunstsparte:


Malerei

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Bericht:


Detektivische Kunst-Recherche

Bericht:


Späte Wiedergutmachung für Curt Glaser

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Lovis Corinth, Garten in Urfeld am Walchensee, 1923
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