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Der britische Maler William Turner reiste auf der Suche nach spektakulären Motiven mehrfach in die Schweiz. „Das Meer und die Alpen“ heißt die Schau seiner Reisebilder im Kunstmuseum Luzern

Lichte Momente voller Dramatik



Joseph Mallord William Turner, Snow Storm, um 1842

Joseph Mallord William Turner, Snow Storm, um 1842

Überschlagende Wellen, Schneewolken und Rauchfahnen formen einen Tunnelblick. Er zielt auf einen Raddampfer, der durch das Chaos des Sturms in heimtückischen Untiefen navigiert. Kräfte der Natur konkurrieren mit neuen technischen Errungenschaften. „Schneesturm“, so der Titel des um 1842 entstandenen Gemäldes von William Turner, wurde von Kritikern als „Seifenlauge und Tünche“ verspottet. Denn dickflüssige dunkle Farbschlieren aus breiigen graubraunen, bläulichen, hellweißen, leicht gelben und roten Tönen packen den um das Hauptgeschehen kreisenden Zuschauerblick. Brausender Wind, Schnee und Wellen steigern dynamisch in weitschweifiger Formlosigkeit die Theatralik der Szenerie. Wie konnte es zu dieser damals völlig singulären Ausdrucksstärke kommen?


Joseph Mallord William Turner war die buchstäbliche Wechselhaftigkeit des britischen Wetters in die Wiege gelegt. Schon als Kind ruhte er auf dem Boden, um den Himmel zu beobachten und Wolken zu zeichnen. Die Begabung des 1775 in London geborenen Künstlers entwickelte sich rasant. Im Auftrag von Architekten illustrierte Turner zunächst Gebäude. Neben der traditionell geprägten Akademieausbildung in der Ölmalerei mit klassischen Sujets aus Historiendramen fand er zur Aquarellmalerei, einem eher experimentellen Medium mit leuchtendem Kolorit und großen Nuancenreichtum. Hier konnte er am besten dem Himmel, den Wolken und Lichtstimmungen nachspüren, seinem Lebensthema, für das er stetig unterwegs war. Zunächst bereiste er Wales und Schottland. Nach dem Frieden von Amiens 1802 führte ihn der Weg auf den Kontinent. Zwischen Holland und Prag, Neapel und Köln suchte er rastlos neue Motive. Beim Studium der Alten Meister im Louvre imponierten ihn die klassisch strukturierten Bilder des Landschaftsmalers Claude Lorrain am nachhaltigsten.

Sechs Mal reiste er in die Schweiz, fünf Mal besuchte er Luzern, einen aufstrebenden Ort im beginnenden Tourismusgeschäft vor allem bei britischen Reisenden. Hier boten sich Turner anregende Sujets. Von seinem Hotelzimmer im „Schwanen“, vom Dampfschiff oder von Anhöhen aus malte er den Pilatus, das Panorama des Talkessels am Vierwaldstättersee, in dem Luzern die Aura eines natürlichen Amphitheaters entfaltet. Allein über 30 Mal hielt er die Lichtstimmungen am Felsmassiv der Rigi fest. Unter den 100 von der Kuratorin und Museumsdirektorin Fanni Fetzer für die Schau „Turner. Das Meer und die Alpen“ ausgewählten Aquarelle, Zeichnungen und Ölgemälde finden sich davon einige Varianten.

Derzeit flimmert die Rigi im Kunstmuseum Luzern bei Sonnenaufgang in zartem Blau, bei Sonnenuntergang in graziösem Rot. Dabei scheint der Berg über dem Wasser zu schweben. Dunst und Nebelschwaden, Gebirge und Seen baute Joseph Mallord William Turner in dünnen durchscheinenden Farbschichten als schwimmende Formen auf. Auskratzungen, zarte Verwischungen, federleichte Bleistiftstriche oder mit Watte getupfte Farbe lassen erahnen, wie realitätsnah er einen Augenblick zu erfassen versuchte. Menschliche Gestalten sind lediglich als Schemen im Bild belassen. Vögel erscheinen als Flecken auf dem Wasser oder im aufgehenden Frühlicht.

Vor 200 Jahren gab es etliche technische Neuerungen. Dampfschiffe und Eisenbahnen erlaubten schnelleres Fortkommen. Die Welt kam sich näher. In Luzern etablierte sich 1819 die Kunstgesellschaft, die sich nun zum Jubiläum die etwas sprunghaft arrangierte Schau „ihres“ malerischen Biografen gönnt. Eine Reihe von Aquarellen illustrierte William Turner als Musterstudien. Seinem Agenten in England dienten sie zur Akquise. Eine neue Käuferschicht aus Industriellen und Fabrikanten wünschte Reiseerinnerungen fürs heimische Domizil. Turner bediente geschickt das aufkommende Gefühl der Romantik. Dazu übertrug er im Winter zu Hause das Aquarell in ein Ölgemälde. Darüber hinaus erlaubte sich der erfolgreiche Maler, der sich von seiner Kunst eine stattliche Lebensführung leisten konnte, einen eigenen Galerieanbau an seinem Londoner Haus, in dem er eigene Werke den potentiellen Kunden präsentieren konnte. Auf diese Weise umging er geschickt die konservativen Jurys der traditionellen Salonpräsentationen.

Den enormen wirtschaftlichen und künstlerischen Erfolg spiegelt auch eine andere kunstgeschichtlich einzigartige Gegebenheit. William Turner vererbte dem britischen Staat seinen gesamten Nachlassbestand aus über 300 Ölgemälden, 3.000 Aquarellen und 20.000 Zeichnungen und Skizzen in rund 300 Heften. Insgesamt schätzen Experten sein Gesamtschaffen auf rund 32.000 Arbeiten. Keine von ihnen wurde signiert oder datiert. Immer wieder wurde variiert und nachgebessert. Erst die Präsentation auf Ausstellungen galt als definitive Vollendung.

William Turner wertete nicht nur die im akademischen Gattungsgefüge nachstehende Landschaftsmalerei und das Aquarell auf, sondern wandte sich über das Vehikel atmosphärischer Kapriolen in der Natur vom Realismus der gängigen Malerei ab. Eines der besten Beispiele dazu stammt von 1844. Ein Sonnenuntergang vom nie selbst erklommenen Rigi-Gipfel malte er als abstrakte, nur zu erahnende Landschaft. Man blickt quasi in eine übertrieben entmaterialisierte Realität aus metallisch blinzelnden Streifen. Klar wie sonst nirgends grenzte sich Turner von einer harmonisch ordnenden Schönheit ab. Impressionisten, Action Painter oder Farbfeldmalern diente dies als Vorbild.

Bei den Motiven aus der Schweiz, darunter mehreren vom Gotthardpass, imponiert das Gemälde vom Niedergang einer Lawine in Graubünden. Es ist die Reminiszenz an ein wahres Ereignis, bei dem Hunderte Menschen den Tod fanden. Hier wie auch bei weiteren Ölbildern setzte sich William Turner mit den Alten Meistern um Lorrain auseinander. Einige Gemälde wie „Licht und Schatten“ und „Licht und Farbe“ von 1843 mit spiralförmigen, auf den Kreis der Schöpfung Bezug nehmenden Kompositionen lassen den Betrachter fast im Urchaos schweben. Am Beispiel der Sintflut untersuchte Turner zudem den emotional aufgeladenen Farbkreis aus Goethes Farbenlehre. Und immer wieder kommt die See ins Spiel. „Frieden – Bestattung auf See“ pointiert das Weihevolle durch Überhöhung kontrastierender Effekte. Ein helles gelbrotes Feuer genau in der Mitte im Gegenlicht, umgeben von pechschwarzen Schiffen, Schattenwürfen, Rauchfahnen und weiß aufblitzendem Wasser bei untergehenden Sonne, steht für eine neue bildmächtige Sprache voller Rätsel. Wie mag die Welt aussehen, wenn sich Nebel und Rauch verzogen haben?

Die Ausstellung „Turner. Das Meer und die Alpen“ ist bis zum 13. Oktober zu sehen. Das Kunstmuseum Luzern hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 25 Franken, ermäßigt 16 Franken, für Kinder und Jugendliche von 7 bis 16 Jahre 6 Franken; darunter ist er kostenlos. Hervorzuheben sind drei exzellente, im Hirmer Verlag erschienene Publikationen zur Ausstellung. Der sorgfältig gestaltete Katalog mit Abbildungen aller Exponate und instruktiven Texten kostet im Kunstmuseum 39 Franken. Hinzu kommen die Ausgabe des Luzerner Skizzenbuches für 28 Franken sowie die Drucklegung des Skizzenbuchs „Skies“ für 36,80 Franken.

Kontakt:

Kunstmuseum Luzern

Europaplatz 1

CH-6002 Luzern

Telefax:+41 (041) 226 78 01

Telefon:+41 (041) 226 78 00

E-Mail: kml@kunstmuseumluzern.ch



27.07.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


06.07.2019, Turner. Das Meer und die Alpen

Bei:


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Kunstsparte:


Malerei

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Romantik

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Joseph Mallord William Turner, The Rigi, Lake Lucerne. Sunset, um
 1842
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Joseph Mallord William Turner, The Rigi, Lake Lucerne. Sunset, um 1842

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Joseph Mallord William Turner, Rough Sea with Wreckage, um 1840/45

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Joseph Mallord William Turner, The Schollenen Gorge from the Devil’s Bridge. Pass of St Gotthard, 1802

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Joseph Mallord William Turner, Storm in the St Gotthard Pass. The First Bridge above Altdorf: Sample Study, um 1844/45

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Fanni Fetzer, Kuratorin der Ausstellung „Turner. Das Meer und die Alpen“

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Joseph Mallord William Turner, Light and Colour (Goethe’s Theory), um 1843

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Joseph Mallord William Turner, The Rigi, 1844

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