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In Mössingen ist „jede Menge Stoff drin“

in der Ausstellung „Pausa – Jede Menge Stoff drin“

Im Jahr 1919 erwarben die Stuttgarter Brüder Felix und Artur Löwenstein die seit 1871 in Mössingen bestehende Mechanische Weberei Bernheim & Co für 140.000 Reichsmark. Im vogtländischen Pausa betrieben sie bislang eine Weberei und übertrugen den Ortsnamen auf ihre neue Firma. Ab 1921 begann die Pausa mit dem Stoffdruck und 1923 mit der Buntweberei. Enge Verbindungen der Unternehmer zum Werkbund und zum Bauhaus bewirkten eine fortschrittliche Produktgestaltung. Seit 1921 warb man explizit mit dem „Bauhaus-Stil“. Dies war das Fundament eines grandiosen Erfolgs in aller Welt über 80 Jahre hinweg. 1927 lieferte die Pausa Dekorationsstoffe für die Stuttgarter Weißenhof-Siedlung, wo sie ebenso in einer eigenen Koje zugegen war wie auf auch den Weltausstellungen 1930 in Barcelona oder 1958 in Brüssel. Nach der Insolvenz im Jahr 2001 und der endgültigen Betriebseinstellung im September 2004 konnte das Inventar aus 86.000 Stoffmustern, 735 Musterbüchern und über 13.000 Entwürfen am alten Standort gesichert werden. Anlässlich des 100jährigen Firmenjubiläums und dem zeitgleichen Bauhaus-Jubiläum veranstaltet die Stadt Mössingen aus dem Sammlungsbestand in der alten Tonnenhalle die Ausstellung „Jede Menge Stoff drin“.

Zwischen 1951 und 1960 entstanden im Sinne der Bauhaus-Moderne die Fabrikanlagen nach Plänen des 1932 am Bauhaus ausgebildeten Architekten Manfred Lehmbruck. Sie verkörperten als signifikantes Aushängeschild die hochwertige modische Produktpalette aus Dekorations-, Möbel- oder Vorhangstoffen. Immer noch ziert der Schriftzug „Pausa“ die Stirnwand des Treppenhauses, das markant aus der Front des Verwaltungstraktes mit vollständig verglasten Seiten hervortritt. Auf der Basis der von Josef Albers entwickelten Schablonenschrift gestaltete der Werbegrafiker Anton Stankowski die an Stoffbahnen erinnernde Wortmarke mit hohem Wiedererkennungswert, die wie sämtliche von ihm entworfenen Werbemittel im Sinne des Corporate Designs erheblich zum Erfolg der Firma beitrugen.

Fußend auf dem Bauhaus-Design erwarb sich das Unternehmen nach politisch bedingten Besitzerwechsel während der Nazi-Zeit weltweites Renommee durch den neuen Chef Willy Häussler, der ab 1946 mit unbeirrbarem Gespür für fortschrittliche ästhetische Strömungen den Aufschwung mit dem „Pausa-Stil“ einleitete. Neben Walter Gropius waren mehrere Bauhäuslerinnen wie Anni Albers, Friedl Dicker, Lisbeth Oestreicher oder Ljuba Monastirskaja für die Pausa tätig. Willi Baumeister, HAP Grieshaber oder Verner Panton gehörten später zu den vielen prominenten Künstlern, die gleichfalls Entwürfe für das schwäbische Unternehmen schufen. In der Mitte der historischen Tonnenhalle, in der vormals 60 Meter lange Druckstraßen standen, markieren Stoffbahnen in der form- wie farbenreichen Schau die einzelnen zeitlichen Abschnitte, begleitet an den Langseiten von Musterbüchern, Stoffproben oder Werbeutensilien aus acht Jahrzehnten.

Die Ausstellung „Pausa – Jede Menge Stoff drin“ läuft bis zum 24. November im Pausa-Quartier in Mössingen. Geöffnet ist mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung liegt das Begleitbuch „Das Bauhaus kam nach Mössingen“ von Hermann Berner und Werner Fifka für 34 Euro vor.

Pausa-Quartier
Löwensteinplatz 1
D-72116 Mössingen

Telefon: +49 (0)7473 – 27 20 12
Telefax: +49 (0)7473 – 27 20 13

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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