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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Erfolgreich war die Auswahl des Dorotheums an Nachkriegs- und zeitgenössischer Kunst. Nur einige hochpreisige Skulpturen wollten nicht an den Mann. Beim zweiten Teil der Versteigerung suchte das Publikum genau aus, sorgte aber auch für Überraschungen

15 Minuten höchste Aufmerksamkeit



Die Auktion der Nachkriegs- und zeitgenössischen Kunst beim Dorotheum in Wien begann spannungsreich mit einem Bieterduell am Telefon. Nach Angaben des Versteigerers dauerte es fünfzehn Minuten, bis einer der Rivalen klein beigab. Gegenstand des Gefechts war Jean Dubuffets „Bon Espoir (Paysage avec personnages)“ aus dem Jahr 1955, ein vielschichtiges Ölgemälde aus wilden gestischen Strichen, mit denen der Franzose Stichmännchen in eine abstrakte Landschaft komponierte. Eine Qualität des Gemäldes, die die Interessenten schnell erkannten, sind die scheinbar unendlichen unterschiedlichen Binnenstrukturen, die es für den Betrachter, der sich nicht vom wirren ersten Eindruck abschrecken lässt, zu ergründen gilt. Das Bild ist schon damit befreit von der früher gängigen Einschätzung als „primitiv“, die Dubuffet als radikalen Gegner des Akademismus seiner Zeit oft entgegengebracht wurde. Dass Liebhaber seiner „Art brut“ heute mehr Wertschätzung beimessen, zeigt schon der Wettstreit beim Dorotheum, das sich für das Gemälde ursprünglich 300.000 bis 400.000 Euro erhoffte. Erst bei hohen 600.000 Euro fiel der Hammer. Trotz des fulminanten Einstiegs blieben die folgenden zwei günstigeren Lose Dubuffets liegen.


Insgesamt kann das Wiener Traditionshaus mit seiner Offerte vom 5. Juni zufrieden sein. Bei 77 Prozent Zuschlagsquote inklusive Nachverkauf setzte es netto 4,95 Millionen Euro um. Diese guten Zahlen hätten noch wenige Hauptlose in die Höhe treiben können, wie Günther Ueckers streng quadratische Nagel-„Reihung“ von 1970, für die 400.000 bis 600.000 Euro trotz seiner andauernden Beliebtheit auf dem Kunstmarkt wohl zu hoch gegriffen waren. Der seit Jahrhunderten ausgefochtene Paragone, der Wettstreit zwischen den Gattungen Skulptur und Malerei, scheint sich zumindest im zeitgenössischen Markt zugunsten letzterer entschieden zu haben. Höherpreisige bildhauerische Arbeiten hatten beim Dorotheum wieder ihre Schwierigkeiten, und so fand sich etwa für Arnaldo Pomodoros ausdrucksstarke Bronze „Disco in forma di rosa del deserto“ von 1993/94 für 200.000 bis 300.000 Euro genauso kein Abnehmer, wie für Carl Andres minimalistische systemhafte „Lockblox“ von 1998 für 150.000 bis 200.000 Euro.

Auch für Ilya Kabakovs auf einem Treppensockel liegende Form „The Egg“ mit eingequetschtem Gesicht von 2002 mochte sich niemand begeistern (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), ebenso für Berlinde de Bruyckeres untypischen, mit bunten Wolldecken gefüllten Eisenkäfig „Kooi“ von 1991 (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Über seine Schätzung von 65.000 bis 70.000 Euro schaffte es hingegen Igor Mitorajs lebensgroßer düsterer Männerakt „Iniziazione“ mit geöffnetem Schädel und weiteren applizierten Kopfpartien. Erst bei 95.000 Euro stoppten die Gebote für das antikisch inspirierte Werk des Jahres 1987.

Das Spiel mit der Struktur und Farbe

Die abstrakten Tendenzen der Nachkriegszeit führt unter anderem der Wahl-Pariser André Lanskoy mit seiner blaulastigen Komposition mittels dunkler Konturen getrennter kleinteiliger Farbflächen namens „Arlequin“ von 1956 für 70.000 Euro vor (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Von den Linienstrukturen des Doms zu Florenz ließ sich ein Jahr später Piero Dorazio für „Turris eburnea“ inspirieren, wobei ein geometrisches Netz aus weißen Strichen die roten und blauen Töne darunter überfängt, was einem Sammler 220.000 Euro wert war (Taxe 180.000 bis 260.000 EUR). Das deutsch-französische Informel vertrat Hans Hartung gleich mehrfach. Wenige Striche setzte er für „T1963-R49“ effektvoll vor dunklem Grund in Szene, wofür er 150.000 Euro erntete (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Mit breiterem Pinsel und blauroten Übergängen überzog Hartung sieben Jahre später das buntere Querformat „T1970-H45“ für letztlich 110.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Streng in einen schmalen roten Balken rechts im Gegensatz zur gelben Fläche links trennte Günther Förg 1990 seine titellose große Leinwand, die die obere Schätzgrenze von 200.000 Euro erreichte. Noch knalliger ist Heimo Zobernigs titellose Raute aus dem Jahr 2006 mit kontraststarken Dreiecken, die immer wieder zu Quadraten zusammengesetzt sind, auf die Konkrete Kunst anspielen und 62.000 erzielten (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR).

Völlig willkürlich erscheinen dagegen Jean-Paul Riopelles pastose Züge mit verwischten Farben, die er 1973 mit Öl uns Spachtel für „Mousses“ auftrug. Harte Kanten bilden den spannungsreichen Kontrast zu den weichen Verläufen, womit er unerwartete 50.000 Euro erntete (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Figürlich blieb dagegen Andy Warhol und setzte Portraits von Mutter und Tochter „Judy Garland and Liza Minelli“ 1978 wie eine Fotocollage als monochromen Siebdruck um, von dem lediglich zwei weitere bunte Versionen bekannt sind. Nicht zuletzt dieser Unikatcharakter verlockte einen Liebhaber, 390.000 Euro auszugeben (Taxe 280.000 bis 420.000 EUR). Von den Stilmitteln der Pop Art beeinflusst ist Otto Muehls flächiger titelloser Frauenakt des Jahres 1986 mit starken Umrisslinien, worauf die Dame, vor Palmenblättern an einen Fernseher gelehnt, den Käufer bei taxgerechten 70.000 Euro ins Visier nahm. Einer Frau am Strand, die gerade eine Decke zusammenlegt und für den Aufbruch gekleidet ist, widmete sich Alex Katz im Jahr 2001. Der kleine, wie beiläufig gemalte Karton „Saturday 4“, der mit seiner reduzierten groben Pinselführung besticht, stieg von 30.000 Euro auf 68.000 Euro.

Die spannungsreichen 1960er

Die Kunstwerke aus den 1960er Jahren führten in ihrem Facettenreichtum beispielhaft den Stilpluralismus jener Dekade vor. Den Tachismus vertrat dabei Georges Mathieu mit seiner reduzierten Linien- und Flächenkomposition in Weiß und Schwarz vor dem eigentlich hellem, aber wie von einem Wasserschaden dunkel „verschmutzten“ Grund. 80.000 Euro brachte das Liebhaberstück mit dem vielsagenden Titel „Sébastien, comte de Montecuculi, tiré à quatre chevaux“ von 1960 ein (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Als Décollage, bei der er mit Abrisstechnik die Aussagen verschiedener Werbeplakate unkenntlich machte, führte Mimmo Rotella ein Jahr später „Un film di…“ aus und verlangte dafür einem Sammler 84.000 Euro ab (Taxe 55.000 bis 75.000 EUR). Die Zusammenwirkungen von Farbe, Form und Fläche erforschte Serge Poliakoff in seinem stringenten Lebenswerk, für das seine „Composition abstraite“ um 1962 charakteristisch ist. Die 100.000 Euro teure Leinwand füllen verzahnte Puzzleteile in den Farben Weiß, Blau und Rot, getreu seinem Motto „Wenn du dein Lineal verwendest, um ein Viereck zu zeichnen, wird es sterben“ (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Scheinbar figürliche Elemente ließ im selben Jahr Afro Basaldella in seine abstrakte, mit 85.000 Euro bezahlte „Carta verde“ einfließen, übermalte sie in Mischtechnik aber wieder oder setzte als Collage Zeitungsausschnitte dazu (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR).

Das titellose feuerrote Werk des ZERO-Vertreters Otto Piene von 1964 scheint dagegen geradezu einfach. Ein schwarzer auslaufender verbrannter Feuerkreis steht im Zentrum, während unten links eine Perle wie ein Lichtreflex erscheint. Der besonders auf die Leucht- und Strahlkraft bedachte Künstler kam damit auf die unteren anvisierten 180.000 Euro. Ringe in Farbverläufen von Rot bis Gelb vor weißem Grund nutzte der Pole Wojciech Fangor 1965 für einen schwebenden flimmernden Effekt und erwirtschaftete mit „B 63“ überraschend 140.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Zwischen Malerei und Relief bewegt sich Lucio Fontana mit seinem zentral aufgeschlitzten und rund darum reliefartig eingestochenen weißen Papier „Concetto spaziale“ von 1966/68, das von 35.000 Euro auf 120.000 Euro schoss. Ebenfalls über seine Schätzung kam er mit seiner plastisch aus Terrakotta gearbeiteten modernen Interpretation einer „Crocifissione“ von 1957/58, bei der der Hammer erst bei 140.000 Euro fiel (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Für die in den 1960er Jahren beliebte Op Art ging etwa Adolf Luther mit einem Hohlspiegelobjekt von 1967 in einem Quadrat aus je fünf Reihen und fünf Zeilen konkaver Spiegel ins Rennen, das seine Erwartung auf 50.000 Euro verdoppelte.

Zweiter Teil, aber nicht zweite Wahl

Den zweiten Teil der Kunst ab 1945 versteigerte das Dorotheum am 6. Juni. Hierbei siebte das Publikum deutlicher aus, was schon die niedrigere losbezogene Verkaufsrate von knapp 63 Prozent belegt, schlug dafür aber bei einigen Stücken beherzt zu. Leonid Sokovs vergoldeter Bär aus Bronze, der einen Pappaufsteller Marilyn Monroes umarmt und 1990 in einer Sechserauflage erschien, löste eine Euphorie unter konkurrierenden Bietern aus, die erst bei 130.000 Euro weit über der oberen Taxe von 30.000 Euro ein Ende fand. Jeff Koons ist da nicht weit, etwa seine bis zum Kitsch verspielte „Seated Ballerina“ einer 50er-Edition des Jahres 2015. 60.000 Euro waren sein Lohn (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Auch mit sechsteiligen „Collector’s Set“ der knallig bunten Ballon Animals aus hochglänzendem Porzellan unterläuft Koons die geschmacklichen Definitionen von Kunst und Krempel provokativ und kam damit auf 55.000 Euro (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).

Einige bekannte Namen tauchten am zweiten Auktionstag nochmals auf, etwa Hans Hartung, der mit der gelb-blau-schwarzen Leinwand „T1976-E5“ taxkonforme 55.000 Euro einfuhr, oder Andy Warhol, dessen kämpferischer „Lenin“ mit rotem Kopf und blauen Konturen ebenfalls für 55.000 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ihm zur Seite stand zudem ein weiterer Klassiker der Pop Art. Roy Lichtensteins Offset-Lithografie „Crying Girl“, die die legendäre Galerist Leo Castelli 1963 in New York publizierte, überzeugte mit ihrer typischen Rasterpunkte-Optik und erlöste 45.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Aus Italien gesellte sich Sergio Lombardo mit seiner gleichaltrigen Silhouettengestalt von David Rockefeller samt erhobenem Daumen hinzu. Die plakative Schwarz-Weiß-Malerei verbesserte sich von 12.000 Euro auf 22.000 Euro. Bei Mario Schifanos knallrotem, etwas unschön ausgefranstem Coca-Cola-Schriftzug von 1980/81 waren es dann 28.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Im Bereich der Plastik fand Vjenceslav Richter mit seinem feinteiligen geschwungenem „Relief“ aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre großen Anklang. Die kleinteilig gestufte Bronze mit goldener Patina schoss von 8.000 Euro auf 30.000 Euro. Die direkt danach aufgerufene Tafel „Tias“ von Ivan Picelj aus dem Jahr 1971 spielt mit der unterschiedlichen Wirkung von Metallzylindern auf schwarzem und weißem Grund. Die Sammler blieben im Kaufrausch und trieben den Preis von 10.000 Euro auf 40.000 Euro in die Höhe. Einen Höhenflug verzeichnete noch Maria Lassnigs wässriges Aquarell „N. York“ mit Blick über die Dächer der Stadt bis zu ihrer markanten Skyline am Horizont bei 50.000 Euro (Taxe 15.000 bis 26.000 EUR). Düsterer war da Markus Lüpertz’ surreale Szene „Jedermann und der Tod“ von 1983 als Querformat für 38.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



25.06.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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