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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Die Basler Entdeckermesse „Liste“ behauptet sich auch unter ihrer neuen Direktorin Joanna Kamm als wichtiges Sprungbrett für die Art Basel

Neues Team, konstante Qualität



Die Liste 2019 auf dem Gelände der ehemaligen Warteck-Brauerei

Die Liste 2019 auf dem Gelände der ehemaligen Warteck-Brauerei

Wer in der vergangenen Woche die wichtigste Nebenmesse der Art Basel besuchte, fühlte sich wieder zuhause. Die schwarz-weiße Flagge der „Liste“ wehte wie immer über dem Turm der ehemaligen Warteck-Brauerei. Im Eingangsbereich herrschte die gleiche wuselige Betriebsamkeit wie all die Jahre zuvor. Sammler, Kuratoren, Künstler, Medienvertreter und sonstige Interessierte und Stammgäste, egal ob aus Zürich, Brüssel, Los Angeles oder Jakarta, waren angereist und kamen bei Kalbsbratwurst, Klopfer, Merguez und deren veganen Alternativen miteinander ins Gespräch. Wer jedoch genau hinschaute, stieß bereits im Eingangsbereich auf einige Neuerungen, die sofort klar machten, dass sich die „Liste – Art Fair Basel“ behutsam neu aufstellt, ohne jedoch ihre alten Tugenden über Bord zu werfen.


Die diesjährige 24. Ausgabe wurde von dem neuen Team unter der Leitung der ehemaligen Berliner Galeristin Joanna Kamm realisiert. Eine der augenfälligsten Innovationen befand sich gleich hinter der Eingangszone. „Joinery“ nennt sich die neue Plattform für Performance, Video und Diskussionen in den großzügigen Räumlichkeiten der Schreinerei des Warteck pp. Hier, wo das Jahr über Tische, Betten und Regale gebaut, aber auch Möbel restauriert werden, bestand während der Messe die Gelegenheit, Performances etwa der Amerikanerin Hayden Dunham, Jahrgang 1988, oder ihrer Pariser Kollegin Liv Schulman, Jahrgang 1985, zu besuchen. Im umfangreichen Videoprogramm präsentierten etliche der teilnehmenden Galerien Kurzfilme und bis zu 93 Minuten lange Videoarbeiten, die sie am Stand nicht in adäquater Form hätten zeigen können. Eine Serie von Panels, etwa zur bedrohten Autonomie des Künstlers oder zum Wandel seines Rollenverständnisses angesichts neuer Marktmechanismen und des technologischen Fortschritts, bot darüber hinaus Anlass zur inhaltlichen Auseinandersetzung.

Wie die Liste in ihrem Schlussbericht mitteilt, kamen in diesem Jahr mehr als 20.000 Besucher aus aller Welt auf die Messe. Im Vorjahr waren es rund 22.000 Gäste gewesen. Joanna Kamm, die bis 2014 in Berlin eine eigene Galerie betrieben hatte, mit der sie sowohl an der Liste, als auch an der Art Basel zugegen war, trat ihren neuen Job als Messeleiterin erst im Oktober letzten Jahres an. Es blieb also kaum Zeit, um radikale Veränderungen anzustoßen. Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht notwendig. In einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel betonte sie: „Im ersten Jahr möchte ich mir vor allem die Abläufe ansehen und viele Gespräche führen.“ Große Sorgen um die Zukunft der Messe muss sich Joanna Kamm gewiss nicht machen. Ihr Vorgänger Peter Bläuer, der die Liste gegründet und bis 2018 geleitet hat, hat dafür gesorgt, dass die Verkaufsschau in ein solides Stiftungsmodell integriert wurde. Mit der gemeinnützigen Basler Christoph Merian Stiftung war ein passender und zuverlässiger Partner gefunden, um auch langfristig den nicht-kommerziellen Charakter der Liste zu garantieren. Im internationalen Messezirkus ist das so gut wie einmalig.

77 Aussteller aus 33 Ländern waren zur diesjährigen Ausgabe angereist. Sie hatten vorwiegend junge Kunst aller Medien mitgebracht, darunter viele experimentelle Formate wie raumgreifende Installationen oder multimediale Arbeiten. Die weitaus meisten Galerien beschränkten sich auf nur zwei bis drei Künstler, die dann mit umfangreicheren Werkgruppen zum Zug kamen. 38 Galerien konzentrierten sich auf eine reine Künstlerpersonale aus ihrem Programm, etwa die im bulgarischen Plowdiw beheimatete Galerie Sariev Contemporary, die heuer erstmals an der Liste teilnahm. Galeristin Vesselina Sarieva hatte ausschließlich Werke ihres in Berlin lebenden Landsmanns Vikenti Komitski im Gepäck. Der 1983 in Sofia geborene Künstler fertigt großformatige Assemblagen aus industriellen Materialien, die er auf der Straße findet oder im Baumarkt erwirbt. Aus Metallplatten, Lochblech, Bauschaum, Kunststoffelementen, technischen Geweben, Textilien, Sprühlack, 3D-Wackelbildern und allen möglichen anderen Werkstoffen montiert Komitski mehrlagige Schichtungen, die die Formensprache des Konstruktivismus und anderer Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts in die Gegenwart transferieren. Titel wie „Not Yet Titled (One or Several Wolves)“ oder „Tinder Date Gone Wrong“ von 2019 öffnen einen Fächer unterschiedlicher Lesarten: Natur trifft hier auf Technik, Flachheit auf Vielschichtigkeit, romantisches Begehren auf seine Nichteinlösung in der digitalen Welt.

Ein Dauergast der Liste ist die im rumänischen Cluj-Napoca ansässige Galerie Sabot. Galeristin Daria D. Pervain hatte eine Solo-Show der 1991 geborenen Künstlerin Nona Inescu aufgebaut, die in Bukarest lebt und arbeitet, jedoch unter anderem in London und Antwerpen studiert hat. Inescu verhandelt in ihren Skulpturen, Objekten und Fotoarbeiten das Verhältnis zwischen organischer und anorganischer Natur. Auf einer Fotografie ist ein weibliches Modell in Rückenansicht von Latexschnüren korsettartig gefesselt, auf einer anderen sind zwei ebenfalls eingeschnürte, weibliche Hände mit schwarz lackierten Fingernägeln zu sehen. Eine Installation mit Kordelständern, wie sie etwa in Hotels oder Flughäfen als Personenleitsysteme eingesetzt werden, besteht ebenfalls aus Latexschnüren, die an zu groß geratene Spaghetti erinnern. Auf der Spitze der Säulen befinden sich graue Steine mit tumorartigen Wucherungen. Das tiefenpsychologisch unterfütterte Spiel mit belebter und unbelebter Materie verwirrt unsere Vorstellung von Subjekt und Objekt, natürlich gewachsenen und industriell erzeugten Stoffen. Ab dem 6. Juli bespielt Nona Inescu das Künstlerhaus Bremen mit einer Einzelausstellung. Die Arbeiten am Stand kosteten zwischen 1.500 Euro und 6.000 Euro.

Nebenan lenkte die Mailänder Galerie Federico Vavassori die Aufmerksamkeit der Besucher auf Aquarelle des 1988 geborenen Italieners Daniele Milvio, die insbesondere durch ihre exzentrischen Rahmen aus bemaltem Gips faszinierten. Auch die Motive sind ungewöhnlich: Daniele Milvio scheint sich speziell für den Rachen, die Mundhöhle und die Zähne zu interessieren. Eine pastoral anmutende Szene, die im Inneren eines Backenzahns angesiedelt ist, stellt in harmonischen Farben einen mittelalterlich gewandeten Schäfer vor, der sich, angelehnt an einen Baumstamm, zur Ruhe gebettet hat.

Traditionellerweise hat das von der deutschen Direktorin Sabine Himmelsbach geleitete Basler Haus der elektronischen Künste (HeK) einen Stand auf der Liste, in diesem Jahr unter anderem mit kleinformatigen Fotografien von Dries Depoorter. Der 1991 geborene Belgier hat Überwachungskameras, die an Straßenkreuzungen mit Fußgängerüberwegen in verschiedenen Ländern der Welt operieren, gehackt und lässt Fußgänger bei Rot über die Ampel gehen. Hunderte bereits fertig gerahmte Aufnahmen hatte das HeK an seinem Stand gehängt. Sie konnten zu exakt den Preisen erworben werden, die der Höhe des Bußgelds bei Rotlichtverstößen in den einzelnen Ländern entsprechen. Aufnahmen aus Russland etwa waren für günstige 28 Euro erhältlich, andere aus Kanada etwa kosteten 200 Euro. Mit dieser subversiven Strategie gelingt es Depoorter, auf clevere Art und Weise einen kleinen Teil der Geldströme, die staatlicherseits aus den Ordnungswidrigkeiten anonymer Fußgänger generiert werden, als Einnahmen für seine eigene Kasse zu erwirtschaften.

Die Galerie Piedras aus Buenos Aires fokussierte sich auf die in Paris lebende argentinische Videokünstlerin Liv Schulman, Jahrgang 1985. Im Mittelpunkt ihrer 2001 begonnenen, fortlaufenden Serie „Control“ steht ein Privatdetektiv im beigefarbenen Trenchcoat à la Colombo, der jedoch in den einzelnen Folgen von verschiedenen Schauspielern und Schauspielerinnen dargestellt wird. Unterlegt mit cooler Jazz-Musik, bewegen sich die Protagonisten in unterschiedlichen urbanen Umgebungen und reflektieren dabei über unsichtbare Überwachungssysteme, Verschwörungstheorien, Kritische Theorie, Wirtschaftsliberalismus, Psychotherapie, aber auch kunstimmanente Fragestellungen. Liv Schulman hat unter anderem an der Londoner Goldsmiths University studiert. Im Herbst 2018 erhielt sie den begehrten Prix Fondation d’entreprise Ricard für Künstler unter 40, der mit der Erwerbung einer Arbeit für das Pariser Centre Pompidou verbunden ist.

Die in Brüssel und New York ansässige Galerie Clearing machte auf großformatige Fotoarbeiten der 1986 in Moskau geborenen, heute in Brüssel und Berlin lebenden russischen Künstlerin Marina Pinsky aufmerksam. Pinsky setzt gesammeltes Bildmaterial aus mannigfachen Quellen wie Bildarchiven, Werbeanzeigen oder medizinischen Aufnahmen mit analogen Montagemethoden zu komplex geschichteten Werken zusammen, in denen sie verschiedene Raum- und Zeitebenen zu einem oft irritierenden neuen Ganzen amalgamiert. So erhielt sie unter anderem die Erlaubnis, in Basel in den Laboren und Archiven des Schweizer Pharmariesen F. Hoffmann-La Roche AG zu recherchieren. Auf ihren nicht leicht dechiffrierbaren Aufnahmen behauptet sich die materielle Präsenz der analogen Fotografie gegenüber der Omnipräsenz digitaler, am Computer generierter Bilder.

In Pinskys Serie „Woman and Child“ von 2016 wiederum geht es um äußerst ambivalente Rituale zwischen Fürsorglichkeit und Gewalt. Wir sehen Kinderhände, die von uniformierten Polizistinnen mit türkisfarbenen Gummihandschuhen zunächst auf ein schwarzes Stempelkissen und dann auf weiße Papierbögen gepresst werden, um die Fingerabdrücke zu registrieren. Die Fotos entstanden in Brüssel am belgischen Nationalfeiertag im Rahmen eines Schülerworkshops über Polizeiarbeit. Angesichts der Attentate in Paris und Brüssel entfalten sie ihre besondere Brisanz. Aus kindlicher Neugier wird hier bitterer Ernst. Pinskys in einer Auflage von drei Stück herausgegebene Arbeiten waren zu Preisen zwischen 4.500 Euro und 10.000 Euro erhältlich.

Auf seinen großformatigen Gemälden bei der Galerie High Art aus Paris entwirft der 1986 in Seoul geborene, heute in London lebende Maler Hun Kyu Kim comicartig narrative Wimmelbilder auf Seide, die nur auf den ersten Blick harmlos erscheinen. Gleichsam niedliche, tierische Protagonisten agieren bei ihm in einer postapokalyptischen, mit Technik vollgestopften „Restnatur“. Sie sitzen in Schutzanzügen an geheimnisvollen Apparaten, deren Hebel sie betätigen, und bewegen sich mit Gasmasken durch eine offenbar lebensgefährliche Umgebung, an der es an allen Ecken und Enden brennt. Im merkwürdigen Kontrast dazu widmen sie sich aber gelegentlich auch kontemplativeren Tätigkeiten wie der Kunstproduktion. So steht ein etwas wütend dreinschauender Maulwurf mit einer Palette in der Hand vor einer Staffelei und malt. Kim schafft eine an skurrilen Einfällen geradezu überbordende Fantasiewelt. Übersetzt man die als Platzhalter fungierenden, anthropomorph gehaltenen Tiergestalten allerdings in ihre entsprechenden menschlichen Counterparts, so stellen sich Kims Gemälde als unheimliche Parabeln einer komplett aus den Fugen geratenen menschlichen Zivilisation dar.

www.liste.ch



24.06.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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