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Nancy Spero in Essen

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert ab dem Wochenende eine Retrospektive zu Nancy Spero. Die 1926 in Cleveland geborene Künstlerin setzte sich mit existentiellen Themen des Menschseins wie Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern auseinander. Zu sehen sind 75 Werke der 2009 in New York verstorbenen Spero, darunter Arbeiten auf Papier, Gemälde und Installationen. Sie verstand sich als politische Künstlerin, die zu gesellschaftlichen Problemen und der Politik Stellung bezog. Ihr zentrales Ausdrucksmittel sind weibliche Figuren. Oftmals griff sie hier überlieferte Bildtypen auf und kombinierte sie neu. Mit diesem Motivrepertoire collagierte, bemalte oder bedruckte Spero zumeist lange Papierbahnen.

Die Ausstellung setzt zeitlich mit den „Paris Black Paintings“ ein. Die großformatigen Gemälde von Liebespaaren vor dunklem Fond, die wie isoliert von der Welt erscheinen, fertigte Nancy Spero zwischen 1959 und 1965 in der französischen Hauptstadt. Laut Mitteilung des Museums spiegeln sie das damalige Lebensgefühl der Künstlerin wider, die an der University of Colorado Boulder und am Art Institute of Chicago studierte. Eine radikale Veränderung erfuhr ihr Œuvre durch den Vietnamkrieg. Die „War Series“ mit über 100 Arbeiten von 1966 bis 1970 kritisieren Krieg und Gewalt. Spero wechselte damals zum Papier als Bildträger, da sie die Leinwand mit der von Männern dominierten Welt der Malerei in den USA verband.

Zugleich beteiligte sich Nancy Spero als Aktivistin an der Frauenbewegung. 1972 war sie sie eine der Mitbegründerinnen der „A.I.R. Gallery“ in New York, die als erste nur Künstlerinnen betreute. In den Jahren zwischen 1969 und 1973 setzte sie sich mit dem französischen Dramatiker, Schauspieler und Theatertheoretiker Antonin Artaud (1896-1948) auseinander, der das „Theaters der Grausamkeit“ erfand. So entstanden die zwei Serien der „Artaud-Paintings“ und der „Codex Artaud“, in denen sie Zitate des Franzosen mit geometrischen sowie figurativen Motiven kombinierte.

Sukzessive nahm die Frage nach der Stellung von Frauen eine immer größere Rolle ein. Ab 1972 bildete sie nur noch Frauen ab und griff dabei auf Motive von der Antike bis Gegenwart zurück. Eine der wichtigsten Werke zu diesem Themenkreis ist „Torture of Woman“ von 1976: Vierzehn Papierbahnen werden zu einem horizontalen Fries, der weibliche Gestalten mit Textfragmenten von Folterungen in autoritären Regimen mischt. In diesem Jahrzehnt entwickelte Spero eine Vorliebe für die Maschinenschrift, den Handdruck und die Collage.

In der Mitte der 1980er Jahre verzichtete Spero auf das Einfügen der Texte und konzentrierte sich auf ihr wachsendes Repertoire an weiblichen Figurenstempeln aus Antike und Gegenwart, Kunst und Mythos, Mode und Werbung. Von der Opferrolle der Frau ging Spero damals zu intensiven farbigen und geometrischen Flächen über, in denen sie die selbstbestimmte Frau feierte. Den Abschluss der Schau bildet die raumgreifende Installation „Maypole: Take No Prisoners“, die Spero 2007 für die Biennale in Venedig realisierte. Hier schließt sich ein Kreis, denn die Ausgangsidee dieser Installation – ein Maibaum, an dessen Bändern abgeschnittene Köpfe hängen – hat Nancy Spero bereits vierzig Jahre zuvor auf einer Zeichnung der „War Series“ entwickelt.

Die Ausstellung „Nancy Spero“ läuft vom 7. Juni bis zum 25. August. Das Museum Folkwang hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ins Museum beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 20 Euro.

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
D-45128 Essen

Telefon: +49 (0)201 – 88 45 444
Telefax: +49 (0)201 – 88 91 45 000

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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