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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne bis Zeitgenossen mit einem Sensationsfund bei Ketterer in München

Alles ohne Nichts



Wassily Kandinsky, Treppe zum Schloss (Murnau), 1909

Wassily Kandinsky, Treppe zum Schloss (Murnau), 1909

Wieder einmal hat Ketterer die Struktur seiner Auktionen umgebaut und die Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert neu organisiert. Erstmals gibt es einen „Evening Sale“, in dem knapp 100 Highlights aus dem gesamten 775 Positionen straken Pool an Werken der Moderne, Nachkriegszeit und Gegenwart zusammengefasst sind. An vorderster Front steht Wassily Kandinskys „Treppe zum Schloss“ in Murnau und damit das einzige Kunstobjekt, das in der aktuellen deutschen Frühjahrsaison mit Vorstellungen im Millionenbereich versehen ist. Das frühe farbleuchtende Gemälde aus dem Jahr 1909 darf sich aber auch mit dem Titel „spektakuläre Wiederentdeckung“ schmücken. Denn seit seiner letzten Ausstellung in Herwarth Waldens berühmter Berliner Galerie „Der Sturm“ im September 1916 war es nicht mehr öffentlich zugänglich. Über den niederländischen Künstler und Kunsthändler Paul Citroen kam die expressive Arbeit 1919 in die Hände des Geigers und Lautdichters Arthur Pétronio, 1930 dann wieder über Citroen an den jüdischen Musiker und Musikjournalisten Paul F. Sanders, der die Nazi-Zeit in Amsterdam im Untergrund überlebte. 1946 nahm Sanders die „Treppe zum Schloss“ mit nach New York, wo sie noch heute im Besitz seiner Nachkommen ist. Die erwarten nun 1,5 bis 2,5 Millionen Euro für die Formauflösung im kraftvollen Farbenklang.


Rund 21 Millionen Euro sollen die in fünf Katalogen aufgeteilten Kunstwerke am 7. und 8. Juni in München einspielen. Ein nicht geringer Anteil entfällt dabei auf die Klassische Moderne, etwa mit Alexej von Jawlenskys still reduziertem „Abstraktem Kopf (Poesie des Morgens)“ von 1921 für 200.000 bis 300.000 Euro und August Mackes schon mehrmals bei Ketterer aufgetretenen „Kindern am Brunnen II“ von 1910 für diesmal reduzierte 140.000 bis 180.000 Euro. Neu im Programm sind dagegen Jawlenskys abstrahierte Landschaft „Variation: Duft und Frische“ von 1918, die seit der Schenkung des Künstlers 1939 in der selben Familie verblieb (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR), und Franz Marcs großformatige lavierte Kohlezeichnung „Zwei Pferde“, die einzig bekannte Vorarbeit zum zerstörten Bild „Streitende Pferde“. Für 300.000 bis 400.000 Euro erwirbt der Käufer auf der Rückseite noch die in Öl und Tempera ausgeführten „Zwei stehenden Mädchenakte mit grünem Stein“ ebenfalls von 1910/11.

Auch die Brücke-Künstler sind mit guten Arbeiten vertreten. 1913 porträtierte Hermann Max Pechstein vor grüner Wand die grün gekleidete Luise Mendelsohn, die Ehefrau des Architekten Erich Mendelsohn, und auf der Rückseite noch einen summarisch aufgefassten liegenden Akt (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Etwas ausgemergelter und melancholischer erscheint Erich Heckels „Knabe in der Tram“ von 1912, der sich noch durch Leihgaben im Wuppertaler Von der Heydt-Museum und den Kunstsammlungen Chemnitz auszeichnet (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR). Dass Karl Schmidt-Rottluff auch mit Aquarellfarben effektvoll umzugehen wusste, zeigt sein seine Landschaft „Kühler Morgen“ von 1909 mit einem Wegsog in die Tiefe (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Die Bewegung versuchte Ernst Ludwig Kirchner in seiner sich wie ein Kreisel „Drehenden Tänzerin“ einzufangen. Das späte Ölgemälde im etwas seltsamen Schablonenstil von 1931/32 verlangt 300.000 bis 400.000 Euro. Klassischer ist sein frühes nervöses Aquarell einer bunten Dresdner Straßenansicht von 1910 für 40.000 bis 60.000 Euro.

Einen bemerkenswerten Auftritt absolviert bei Ketterer diesmal Heinrich Maria Davringhausen mit drei Gemälden. Bei der vibrierenden, gelb-grau strahlenden Ansicht der Kirche von „Lourdes“, die seit 1916 von mehreren Sonnen beschienen wird, und dem ebenfalls zersplittert gemalten „Portrait Dame mit Hut“ von 1913/14 orientiert er sich an den Strömungen von Kubismus und Futurismus. Bei seinem violett dominierten „Männlichem Portrait“ vor ornamentalem Hintergrund von 1912/13 schlägt eher der Rheinische Expressionist durch (Taxe je 60.000 bis 80.000 EUR). Otto Dix malte 1939 eine „Bodenseelandschaft bei stürmischem Wetter“ und ein Jahr später „Alte Birnbäume in Hemmenhofen“ in altmeisterlicher Technik und verzichtete in der Inneren Emigration nur vordergründig auf einen Zeitkommentar (Taxe je 180.000 bis 240.000 EUR), während sich 1956 bei einem Golfturnier schon wieder alle zum Guten gewandelt hat (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR). Aus der unmittelbaren Nachkriegszeit stammt zudem Werner Heldts typischer menschenleerer Blick auf „Häuser“ an einer Berliner Straße entlang (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Im Entstehungsjahr des Heldt-Bildes 1952 agierte Ernst Wilhelm Nay schon völlig ungegenständlich und organisierte auf der schwungvollen Leinwand „Lob des Grau“ die Farbe als eines seiner ersten „Rhythmischen Bilder“ mit stakkatoartigen Linien (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Auch jüngere von Nays Werkgruppen sind bei Ketterer zugegen: Die „Augenbilder“ mit dem Gemälde „Mit gotischem Rot“ von 1963 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR) oder das Spindelbild „Schwarz-Rot-Rosa“ von 1968 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Für das deutsche Informel steht zudem noch Fritz Winters „Kommende Unruhe“ von 1957 mit schwebenden Gebilden vor blauem Grund (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Skriptural und zeichnerisch geht es bei Cy Twombly zu, der zwei spielerisch leichte Blätter aus der Werkserie „Wolkenstein“ von 1961 für jeweils 180.000 bis 240.000 Euro zur Verfügung stellt.

Die ZERO-Kunst bestreitet vor allem Günther Uecker mit fünf Nagel-Objekten. Einen Holzklotz, den er 1988 mit einem Asche-Leim-Gemisch bestrich und igelartig benagelte, gestaltete er damit zum „Baum“ um (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Den Variantenreichtum seiner Nagelungen machen ein frühes, vollkommen weiß gefasstes Feld in unregelmäßiger Anordnung von 1960 (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR), die sanft wogende Bewegung auf dem „Feld der Erwartungen – Hommage à Adalbert Stifter“ von 1968/73 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR) oder der Gegensatz von dicht gedrängter Nagelfläche zum weißen Farbauftrag ohne Nägel auf einer titellosen Arbeit aus dem Jahr 1965 deutlich (Taxe 250.000 bis 300.000 EUR). Von Ueckers ZERO-Verbündeten ist Heinz Mack mit einem „Lichtrelief“ von 1958 aus vertikal rhythmisiertem Aluminium (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR) und mit einer „Dynamischen Struktur“ als serielle Reihung weißer Spindelformen auf schwarzer Leinwand von 1961 mit von der Partie (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die ungegenständlichen Positionen überwiegen in der Nachkriegskunst, sei als pink-rote Farbfeldgegenüberstellung bei Rupprecht Geigers „464/67“ von 1967 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), als knallig rote Horizontallinien auf Günter Fruhtrunks ansonsten weißen „Sehebenen“ von 1968 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR) oder als scheinbar pulsierender Op-Art-Farbkreis auf Wojciech Fangors Leinwand „E9“ von 1966 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Da zieht sich bis in die jüngere Gegenwart fort, etwa mit Gotthard Graubners wulstigem grau-türkisfarbenem Kissenbild von 1994/96 und Katharina Grosses Farbschlingen auf einer Leinwand des Jahres 2002 (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR). Auch die Skulptur lebt davon, was John Chamberlains buntes Blechstreifengewirr „Oktett2Sharps“ von 2006 (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR), Anish Kapoors auf goldenen Hochglanz polierte Bronze in Form einer Mondsichel von 2005 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR) und Tony Craggs sich windende kurvenreiche Holzplastik „Willow II“ von 2015 beweisen (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR).

Nur vereinzelt streut der Katalog figurative Kunstwerke ein. Das beginnt mit einer Mischtechnik Georg Baselitz’ von 1964 mit einer geheimnisvollen Gruppe im Vordergrund liegender Menschen, Köpfe und Baumstämme. Mit solchen neoexpressiven Erfindungen lehnte sich der Junge Wilde damals gegen die Konventionen der Gesellschaft auf (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Nur vier Jahre später schuf Gerhard Richter sein fotorealistisch verschwommenes Portrait des breit grinsenden Kunsthistorikers Karl-Heinz Hering, das seit einigen Jahren durch den Kunstmarkt wandert und nun bei reduzierter Schätzung von 300.000 bis 400.000 Euro auf Erlösung hofft. Die Dame auf Andy Warhols „Portrait of a Lady“ von 1985 ist unbekannt, stammt aber wohl aus der New Yorker High Society (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Amerikanische Pop Art in plakativer Sprache gibt es noch von Alex Katz mit seinem distanzierten Close-Up-Portrait der „Sophie“ aus dem Jahr 2003 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Eine unverwechselbare Position nehmen die sechs „Hasensteine“ von Joseph Beuys ein. 1982 besprühte er mehrere Basaltbrocken mit einem Hasen in Goldfarbe, dessen Bedeutung für sein Schaffen folgende Aussage illustriert: „Ich bin kein Mensch, ich bin ein Hase“. Vier der großen und zwei der kleinen symbolträchtigen „Hasensteine“ aus Gesamtauflagen von je sieben Stück sollen 300.000 bis 400.000 Euro erwirtschaften. Ikonisch für die jüngere Kunstentwicklung ist Daniel Richters großformatige Leinwand „Alles ohne Nichts“ von 2006/07. Mit der dichten Reihung kleiner Farbfelder nimmt er Bezug auf vergleichbare Werke seines Namensvetters Gerhard Richter. Auf dieser abstrakten Folie spielt sich eine figurative Szene ab, in der der Tod als Skelett auf eine engelsgleiche blaue Figur aufspringt, während ein schwarzer Vogel mit einer Sanduhr herbeifliegt. Wie schon im Titel anklingt, spielt Daniel Richter mit seinem Gemälde auf das alte Thema der Vanitas an (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR).

Der „Evening Sale“ beginnt am 7. Juni um 17 Uhr. Die Besichtigung ist noch bis zum 5. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr, am 6. Juni von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog ist unter www.kettererkunst.de abrufbar.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



05.06.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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