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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Dorotheum gibt sich bei der Nachkriegskunst und den Zeitgenossen mit Kreativen von Afrika bis Amerika international. Viel Platz räumt der Wiener Versteigerer den italienischen Positionen und der Skulptur ein

Kunst gegen die Norm



Der 1901 geborene Jean Dubuffet hatte nicht nur mit seinem praktischen Arbeiten einigen Einfluss auf die Kunst des 20. Jahrhunderts. Er verstand sich genauso als Theoretiker, wobei er sich gegen den gängigen Akademismus wandte. Dubuffet prägte insbesondere den Begriff der „Art Brut“ und landete mit seinen oft als „primitiv“ betitelten Materialbildern einen Skandal in der Kunstwelt der frühen Nachkriegszeit. Trotz des anfänglichen Unverständnisses gegenüber seinen Werken öffnete er damit den Kunstbegriff und ebnete einer neuen Strömung den Weg. „Primitiv“ ist Dubuffets „Bon Espoir (Paysage avec personnages)“ von 1955 keineswegs. Mit wilden gestischen Strichen fügt er stilisierte Menschen in eine abstrakte Landschaft. Das nur auf den ersten Blick wirr erscheinende Gemälde lädt zum genauen Hinsehen und Entdecken all seiner Einzelelemente ein. Das Dorotheum schätzt das vielschichtige Ölbild Dubuffets heute auf 300.000 bis 400.000 Euro und weist schon mit dieser Preisvorstellung auf, dass der radikale Widergänger im Kunstbetrieb des 20. Jahrhunderts heute seine entsprechende Würdigung erfährt.


Am 5. Juni steht beim Wiener Auktionshaus „Post-War and Contemporary Art“ auf dem Programm, bei der nicht nur der englischsprachige Titel und Katalog den internationalen Anspruch betonen. Vom sommerlichen Aquarell „Ice Cream Dessert“ des amerikanischen Klassikers Andy Warhol für 75.000 bis 85.000 Euro bis hin zur jüngst im Jahr 2015 entstandenen feinen titellosen Marmor-Skulptur des Uruguayers Pablo Atchugarry für 40.000 bis 60.000 Euro wird die Vielfalt in der Auswahl des Dorotheums deutlich. Für Freunde von Jean Dubuffet hat der österreichische Versteigerer zudem die 1959 aus Laub zusammengesetzte Assemblage „Buisson au papillon“, in der ein Blatt einen Schmetterling ergibt, für 100.000 bis 150.000 Euro im Angebot, genauso wie die ein Jahr jüngere monochrome Tintenzeichnung eines stilisierten Charakterkopfes für 70.000 bis 100.000 Euro.

Die Macht der Farbe und Form

Otto Piene ist vor allem mit seinen Licht- und Farbexperimente in die jüngere Kunstgeschichte eingegangen. 1964 füllte er eine Feuergouache leuchtend rot, in deren Mitte ein tiefschwarzer verbrannter Farbpunkt sitzt, der nach unten verwaschen ausläuft, aber den Hauptton des titellosen Werkes nicht zu überdecken vermag (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR). Günther Förg setzte 1990 stärker auf das Nebeneinander der Farben und positionierte neben einen breiten hellgelben Balken einen kontrastreich tiefroten (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). „Wenn du dein Lineal verwendest, um ein Viereck zu zeichnen, wird es sterben“, äußerte sich Serge Poliakoff. Dementsprechend nutzte der russischstämmige Franzose um 1962 für seine „Composition abstraite“ vieleckigere organischere und mit einander verzahnte Farbflächen in Blau, Weiß und Rot (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). In Kreisen, die in verwaschenen Verläufen ineinander übergehen, äußerte sich 1965 Wojciech Fangors ungegenständliche Huldigung an das Kolorit. Um dessen Leuchtkraft noch zu verstärken, nutzte der Pole in „B 63“ einen weißen Hintergrund (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Mehr die Form als die Farbe nahm Günther Uecker in den Fokus, der als hoch gehandelter Zeitgenosse mit seiner „Reihung“ von 1970 preislich mit 400.000 bis 600.000 Euro die Auktion anführt. In perfektem geometrischem Raster schlug er dafür seine typischen Nägel in ein Brett ein, die je nach Lichtstand Schatten werfen und damit die strenge Quadratur etwa um Diagonalen ergänzen, durchschneiden und brechen. Optisch raffiniert ist ebenso Victor Vasarelys „TA-RET-NB“ von 1958/72. Schwarze Linien auf weißem Grund in versetzten Rastern suggerieren täuschend einen Tiefenzug in der Mitte (Taxe 42.000 bis 60.000 EUR). Julije Knifers „SPVIII 4“ von 1973 mit seinem genauso kryptischem Titel stellt den Betrachter vor das Rätsel, ob nun die schwarzen Linien als Binnenstruktur im Vordergrund stehen, oder die weißen geometrischen Flächen das Hauptelement des Werkes ausformen. Jedenfalls kommt auch hier sein bevorzugtes Motiv des Mäanders zur Ausführung (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Facettenreiche Plastik

Die Vielschichtigkeit des Menschen verarbeitete Igor Mitoraj 1987 in der lebensgroßen Bronze eines männlichen Aktes mit geöffnetem Schädel namens „Iniziazione“. Ein weiteres Gesicht ist an seiner Schulter zu sehen, während zu seinen Füßen ein verbundener Kopf liegt (Taxe 65.000 bis 70.000 EUR). Unterschiedlich deutbar ist Berlinde de Bruyckeres „Kooi“ von 1991, ein Eisenkäfig mit bunten Wolldecken, die zwischen gemütlich Wärme spendenden Nutzgegenständen und der bedrückend erstickenden Gefangenschaft changieren (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Zerstörerisch muten Arnaldo Pomodoros Formen in „Disco in forma di rosa del deserto“ von 1993/94 an. Die Strukturen von Sandrosen sieht er als die Bronzescheibe durchdringende Pfeile und Säbel (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Aus Betonquadern setzte Carl Andre 1998 seine minimalistischen „Lockblox“ zusammen, die zum einen als geschlossenes System auftreten, zum anderen durch ihre serielle Reihung Offenheit und die Möglichkeit zur Erweiterung vorgeben (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR).

Näher am Figürlichen blieb Ilya Kabakov mit „The Egg“ im Jahr 2002. Ein Schlitz in der quer liegenden Form aus hellem Sandstein ermöglicht den Einblick in ihr Inneres, aus dem dem Betrachter ein gequetschtes Gesicht entgegenblickt. Dessen Physiognomie wiederholt sich als Abdruck auf der Außenhülle nach oben (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Der 1975 in Kapstadt geborene Nicholas Hlobo fügte 2004/07 Alltagsgegenstände zu seiner hohen abstrakten Plastik „Ubomvu“ zusammen. Wie eine Schlange erhebt sich ein brauner Schlauch an einem Holz aus einer genähten Gummibasis mit rotweißen Spitzen an ihren unregelmäßigen Rändern (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR). Schlicht und einfach wirkt dagegen zunächst Giulio Paolinis „Niente e subito“ aus dem Jahr 2006. Zwei quadratische Plexiglaspfeiler stellte der Genuese ineinander. Ein leeres Blatt, das sich in den Innenwänden spiegelt, liegt auf dem Boden, auf dem inneren Sockel noch ein Bleistift. Die starre Struktur verweigert jegliches Arbeiten mit diesen Utensilien und nimmt ihnen ihren Nutzen (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR).

Italienische Positionen

Zwischen Malerei und Plastik bewegte sich der in Argentinien geborene Italiener Lucio Fontana. Seine „Crocifissione“ von 1957/58 ist noch als abstraktes Kruzifix aus bemalter Terrakotta geformt (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR), während seine „Concetti Spaziali“ stärker die Gattungsgrenzen aufbrechen. 1961 schnitt er in eine vergoldete Aluminiumfolie zwei tiefe Schlitze, die das flache Bild somit in die dritte Dimension öffnen. Mit einer eingeritzten Linie um die Schlitze betonte Fontana dieses Hauptelement zusätzlich (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Mit Fiberglas und Emailfarbe verfolgte sein Landsmann Agostino Bonalumi ein ähnliches Konzept. Aus der tiefschwarzen und passend „Nero“ betitelten Fläche von 1969 tritt eine schwer zu definierende amorphe Struktur hervor, deren Außenkanten zu verschwimmen scheinen. Lediglich einige Lichteffekte auf der glänzenden Oberfläche lassen Einzelteile hervortreten (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). „Bianco“ von 2007 belegt Bonalumis fortwährende Beschäftigung mit Fläche und Raum. Die weiße Leinwand bog er mit Stäben und einer nach vorn gewölbten Rundung zum Relief (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Wohl von der zwischen Ordnung und Überschwang gekennzeichneten Farb- und Formenvielfalt des Florentiner Doms ließ sich Piero Dorazio 1957 zu „Turris eburnea“ inspirieren, ein abstraktes Gemälde, auf das dieselben Charakteristika anwendbar sind (Taxe 180.000 bis 260.000 EUR). Diesen neuen Blick auf tägliche Ansichten nutzt auch Mimmo Rotella mit seinem Plakatabriss „Un film di…“ von 1961 (Taxe 55.000 bis 75.000 EUR). Die Collage setzte ein Jahr später Afro Basaldella für seine „Carta verde“ ein. Er übermalte seine Zeitungsausschnitte allerdings noch in Gelb-, Grün-, Grau- und Weißtönen und ließ dabei figürliche Elemente erahnen (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Schrift als Zeichensystem interessierte im Jahr 2004 Fabio Mauri. Für „Numeri o Alfabeti 1972-Variazioni“ nutzte er unten Buchstabenlettern und überfing diese mit einer leeren grauen Tafel samt abgerundeten Ecken. Holz, Farbe, TNT-Textil, Eisen und Gummi ergeben seinen Materialmix (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).

Zwischen fotorealistischer Figuration und Verneinung des Gegenstands

In der Technik des Siebdrucks kombinierte Andy Warhol 1978 mehrere Abbildungen von Judy Garland und ihrer Tochter Liza Minelli in ein Quadrat. Die schwarzweiße Leinwand erscheint damit wie eine Fotocollage der Familie und bietet teils private Eindrücke, genauso wie sie beide als Personen des öffentlichen Lebens porträtiert (Taxe 280.000 bis 420.000 EUR). In seinem Stil von der Pop Art beeinflusst ist Otto Muehls unbetitelter Frauenakt von 1986. Flächig und mit starken Umrisslinien steht die nackte Frau lebensgroß vor einer orangefarbenen Wand mit Blättern einer Palme und lehnt lässig auf einem Fernseher (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Inhaltlich komplexer ist Anselm Kiefers übermalte Fotografie „Velimir Chlebnikov die neue Lehre vom Krieg“ von 1990. Gartenstühle und die Überschrift nehmen oben das Hochformat im Künstlerrahmen ein, das unten in eine abstrakte schwarzgelbe Masse übergeht, die an Blitze oder eine Explosion erinnert. Wie als mathematische Gleichung beschreibt Kiefer dort mit schwarzer Tinte den Krieg (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

A.R. Penck ließ sich unter anderem von Höhlenmalereien zu seinen stilisierten Figurenszenen inspirieren. 1996 komponierte er für seine „Rückkehr zu System“ einen großen Mann ins Bild, der dieses Diagonal füllt und von weiteren kleiner Figuren und Tierwesen sowie Zeichen in Rot auf blauem Grund umgeben ist (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Näher am Realismus bleibt Jonas Burgert trotz seiner surrealen Situationen. Sein „Treppenspringer“ des Jahres 2005 nimmt mit den Armen nach hinten Anlauf, um in die ölig schwarze Flüssigkeit am Fuße der Treppe zu springen, an der dieselbe mittig herunterläuft (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Am Wasser spielt sich Christos „Over the river“ von 2006 ab. Auf der Projektskizze für die Überdachung des Arkansas River zieht ein Boot durch den mit Christos charakteristischen Planen überhimmelten Fluss (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Weg vom Gegenstand bewegte sich André Lanskoy nach dem Zweiten Weltkrieg, unter anderem in „Arlequin“ von 1956 auf dem blaugrünen und rotgelben Flickenteppich vor Schwarz (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Georges Mathieu, der ebenfalls dem Tachismus zugeordnet wird, ging reduzierter vor und füllte seine Leinwand „Sébastien, comte de Montecuculi, tiré à quatre chevaux“ von 1960 mit schwarzen und weißen Linien, Schwingungen und geometrischen Formen (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Das deutsch-französische Informel vertritt unter anderem Hans Hartung mit seiner vertikalen schwarz-gelben Strichkomposition „T1962-A7“ vor zweifarbigem Grund von 1962 (Taxe 110.000 bis 150.000 EUR). Stärker treten seine Liniengespinste noch im ein Jahr jüngeren Acrylgemälde „T1963-R49“ hervor, wobei er weniger Striche zog und diese kontrastreich vor Schwarz stellte (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Symbole und Zahlen in Goldgelb vor ebenfalls schwarzer Fläche nutzte Antoni Tàpies für seine „Personnage assis (Variations XI)“ im Jahr 1984 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Am 5. Juni versteigert das Dorotheum in Wien ab 17 Uhr die „Post-War and Contemporary Art“. Die Besichtigung der Bestände ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr möglich. Die Lose sind zudem online unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



03.06.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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