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Alle reden derzeit vom Bauhaus. Dabei war es nur die Speerspitze einer modernen Bewegung. Wie viel mehr dahinter steckt, ist in Sachsen-Anhalt zu bewundern

Im Strudel der Bauhaus-Zeit



Beimsplatz in der Hermann-Beims-Siedlung, Magdeburg 1925-1929

Beimsplatz in der Hermann-Beims-Siedlung, Magdeburg 1925-1929

„Gott steht mir bei, mir graut’s, wo ich geh und steh, da Taut’s“. Nichts offenbart deutlicher die Kritik des Volksmundes am opulenten Farbkonzept des Architekten Bruno Taut für die Landeshauptstadt Magdeburg als dieser Ausspruch sowie eine Postkarte von 1922. Rathaus, Geschäftsbauten, Kioske, sogar die Straßenbahn zeigen sich in satten Farben gewandet. Während das Bauhaus mit seiner Werkstatt für Wandmalerei nahezu ausschließlich auf Innenräume fokussiert war, wagte Bruno Taut den Schritt nach außen. Der 1880 in Königsberg geborene Künstler wollte eigentlich Maler werden und blieb auch nach seiner Ausbildung zum Architekten an der Kunstgewerbeschule und zeitweiligem Studium der Kunstgeschichte in Berlin seinem ursprünglichen Steckenpferd treu.


Der von Glas und Farbe begeisterte Taut folgte 1921 dem Ruf als Stadtbaurat nach Magdeburg. Er war der erste Modernist in derartiger Position. Sofort setzte er ein Signal des Aufbruchs: Seine Kampagne zur farblichen Fassung von Gebäuden war trotz des Spotts ein durchschlagender Erfolg. Schon 1922 gab es 100 von Künstlern und von ihm selbst kolorierte Häuser. Deutschlandweit war nun das „bunte Magdeburg“ im Gespräch. Aber nicht nur dies: Alle öffentlichen Neubauten wurden nun in moderner Formensprache geplant. Die neuen Schulen, Kliniken oder Bäder wurden Vorbilder für private Bauherren. Kirchen, Fabriken und Warenhäuser schlossen sich dem formal reduzierten Duktus an. Moderne Architekten kamen zum Zuge, wobei Erich Mendelsohns Zinkhütte und Ludwig Mies van der Rohes Haus Hubbe leider nur Entwürfe blieben. Taut legte mit einem neuen Generalsiedlungsplan die Grundlagen für die weitere Stadtentwicklung Magdeburgs weit über seine dreijährige Amtszeit hinaus.

Bis auf einen Briefwechsel mit Walter Gropius unterhielt Bruno Taut keine Verbindung zum Bauhaus. Seine Vorliebe für moderne Formen und Materialien war vielmehr Teil einer breiten, seit 1900 entflammten Fortschrittsbewegung, in der das Bauhaus in Weimar und Dessau als eine Zuspitzung nur ein wichtiger Ausschnitt ist. Unter dem Begriff „Moderne“ subsumiert, offenbart sich bei genauem Hinsehen eine breite, ungemein variantenreiche Reformströmung mit vielen eigenständigen Facetten, die heuer vermarktungsstrategisch dem „Bauhaus“ einverleibt werden. Zugleich öffnet dies aber die Chance, weniger bekannte künstlerische Leistungen hervorzukehren. Die verdienstvolle Ausstellung „Reformstadt der Moderne“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg nimmt dabei die Landeshauptstadt als Zentrum des Neuen Bauens in den 1920er Jahren in den Blick. Die dort erbrachten Leistungen auf diesem Feld wurden angesichts ihrer herausragenden Vorbildfunktion bislang zu wenig gewürdigt.

Für würdige Lebensverhältnisse

Zu den wichtigsten Bauvorhaben im Strom der Moderne gehören rund 20 neue Wohnsiedlungen, unter denen die Hermann-Beims-Siedlung als erste Großsiedlung der Moderne in Deutschland besondere Beachtung verdient. Zwischen 1925 bis 1929 nach Plänen des Stadterweiterungsamtes errichtet, bot sie 2.000 neue Wohnungen in dreigeschossigen Zeilen ohne Seitenflügel und Hinterhöfe. Als Frischluftschneise konzipiert, durchzog ein breiter öffentlicher Grünstreifen die Anlage. Seit 2015 gibt eine Museumswohnung Einblick in damalige Lebensverhältnisse. Hell und gut belichtet, mit eigenem Bad und rekonstruierter satter Farbgebung an den Wänden demonstriert die gewöhnlich 63 Quadratmeter große Wohneinheit ein für die damaligen Verhältnisse würdiges Wohnen.

Bewusst hatte Oberbürgermeister Hermann Beims mit Bruno Taut einen Vertreter der Moderne nach Magdeburg geholt, der wiederum gleichgesinnte jüngere Mitarbeiter engagierte. So wurde auch nach dem Ausscheiden Tauts im Jahr 1924 weiter modern gebaut. Anlässlich der 1927 ausgerichteten Deutschen Theaterausstellung, auf der übrigens auch das Bauhaus vertreten war, entstand ein modernes Ausstellungsgelände mit einer Stadthalle auf der Elbinsel. Die symbolträchtigen Bauten sollten zugleich der Werbung dienen. Repräsentativstes Prestigeobjekt war die in Eisenfachwerk errichtete und mit Ziegeln verkleidete Stadthalle. Schlichte, plastische Eleganz und strenge Sachlichkeit prägen den innen qualitätvoll ausgestatteten Bau, dessen Wirkung durch vorgelagerte niedrige Kolonnaden noch gesteigert wird. Die dunkle Verkleidung aus Eisenschmelzklinkern im Schachbrettmuster betont dies zusätzlich.

Neben der von Tauts Nachfolger Johannes Göderitz entworfenen Stadthalle steht noch heute der einem Campanile ähnliche Ausstellungsturm mit signethaftem gläsernem Turmkopf samt Restaurant sowie das gleichfalls vom Darmstädter Architekten Albin Müller entworfene Pferdetor, das deutlich die expressionistische Variante der Moderne zum Ausdruck bringt. Die Schau bringt abschließend die Auswirkungen der Moderne auf die Magdeburger Kulturszene insgesamt zur Sprache und thematisiert den Einfluss auf Künstlergruppen, Ausstellungen, Lehranstalten oder die Gebrauchsgrafik. Zugleich lädt sie zum Aufsuchen der vorgestellten Objekte ein, wobei Sachsen-Anhalt über Magdeburg hinaus noch eine große Zahl herausragender Zeugnisse der Epoche aufweisen kann.

Bernburg zwischen Art Déco und Zickzackhausen

Zu den bemerkenswerten Siedlungsbauten gehört die Gartenkolonie „Zickzackhausen“ in Bernburg. Der dem Volksmund entsprungene Name fußt auf der eigenwilligen, schräg zur Straße versetzten Anordnung der Häuser, was ein Höchstmaß an Hausfläche und Privatsphäre bot. Nach Plänen des Architekten Leopold Fischer entstanden 1928 in vier parallelen Reihen lediglich 90 von einst über 2.000 geplanten Einheiten nebst Waschhaus und Konsumgebäude in modernen kubischen Formen. Große Gärten dienten der Selbstversorgung, eine innovative neue Technik gewährleistete nachhaltige Wasserentsorgung und sparsame Energiebewirtschaftung.

Wie mehrere stilistische Tendenzen in den 1920er Jahren ineinandergreifen, ist in Bernburg gut nachzuvollziehen. Eine der vielen seinerzeitigen Spielarten war das Art Déco, die luxuriöse Variante der Moderne. In diesen Formen wurde die ehemalige spätbarocke herzogliche Reitbahn um 1919/21 zum Verwaltungsgebäude umgestaltet. Neben expressionistischen Wandmalereien besticht vor allem das von Figuren gestützte Treppengeländer nach Entwürfen der Malers Richard Degenkolbe und des Bildhauers Anton Watzinger, die das Innere zu einem Gesamtkunstwerk formten. Ein ähnliches Zusammenspiel kreierte der Architekt Fritz Bunse für das 1927 eröffnete Bernburger Capitol-Filmtheater, eines der letzten Art Déco-Kinos in Deutschland. Fans alter Lichtspielhäuser kommen nicht umhin, im nahen Aschersleben den 1930 eröffneten Filmpalast zu besichtigen. Unverkennbar orientierte sich der Baumeister Carl Fugmann bei der symmetrisch gegliederten Putzfassade mit ihren kraftvoll umrahmten Fensterreihen an der Moderne, während in den Foyers samt Treppenhäusern edle Naturholzverkleidungen die Eleganz des Art Déco verströmen.

Zu den Highlights des Neuen Bauens zählt auch das Mutterhaus der Diakonissen in Elbingerode hoch im Harz. Zwischen 1932 bis 1934 nach Plänen des Architekten Godehard Schwethelm in Stahlskelettbauweise errichtet, bildet die formschöne Gestaltung eine Einheit mit verblüffender Funktionalität. Stromlinienförmige Elemente wie Relings, Sonnendecks, Bullaugen oder Kommandobrücken sind bewusst der „Dampferarchitektur“ als Ausdruck der christlichen Bedeutung des Bootes entlehnt. Schon äußerlich wird die Lage des Amtszimmers der Oberin in der vorkragenden Rundung über dem Eingang sichtbar. Eine Halbrundapsis markiert den angegliederten Kirchensaaltrakt mit Schwimmhalle im Souterrain. Einbauschränke, Naturholzverkleidungen, Lampen und Geländer sind handwerklich hochwertig als künstlerische Details ausgeführt.

Die Ausstellung „Reformstadt der Moderne. Magdeburg in den Zwanzigern“ ist noch bis zum 16. Juni zu besichtigen. Das Kulturhistorische Museum Magdeburg hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, samstags und sonntags bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 22 Euro.

Kontakt:

Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Otto-von-Guericke-Straße 68-73

DE-39104 Magdeburg

Telefon:+49 (0391) 540 35 30

Telefax:+49 (0391) 540 35 10

E-Mail: museen@magdeburg.de



03.06.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Carl Fugmann







Konsumgebäude in der Siedlung Zickzackhausen im Bauhausstil

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Carl Fugmann, Filmpalast in Aschersleben, 1930

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Godehard Schwethelm, Treppe im Mutterhaus der Diakonissen in Elbingerode, 1932-1934

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Godehard Schwethelm, Kirchensaaltrakt im Mutterhaus der Diakonissen in Elbingerode, 1932-1934

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Museumswohnung der Hermann-Beims-Siedlung in Magdeburg

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Pferdetor an der Stadthalle von Albin Müller

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Johannes Göderitz, Stadthalle Magdeburg, 1926/27

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Leopold Fischer, Siedlung „Zickzackhausen“ in Bernburg, 1928

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Leopold Fischer, Siedlung „Zickzackhausen“ in Bernburg, 1928

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Leopold Fischer, Siedlung „Zickzackhausen“ in Bernburg, 1928

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Godehard Schwethelm, Kirche im Mutterhaus der Diakonissen in Elbingerode, 1932-1934

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