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Drei neue Medienkunst-Stipendiaten in Oldenburg

Viktor Brim

Viktor Brim, Mario Pfeifer und Kim Schoen sind die neuen Stipendiaten am Edith-Ruß-Haus für Medienkunst in Oldenburg. Mit ihren Projekten konnten sie sich gegen 433 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt durchsetzen. In der sechsmonatigen und mit jeweils 10.000 Euro dotierten Arbeitsphase, die seit 2001 von der Stiftung Niedersachsen getragen wird, können sie ihre Werke nun in Oldenburg realisieren. Die Jury traf die ihre Entscheidung aufgrund der „Sorgfalt der Recherche“, der „ästhetischen Qualität“ und der „Klarheit der Vision der drei Künstlerinnen und Künstler“.

Der 1987 geborene Usbeke Viktor Brim, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, an der Filmuniversität Babelsberg und an der Hochschule für Medien in Köln studiert hat, ist für seinen Beitrag „Practical Fiction“ ausgewählt worden. Darin zeichnet er ein Kontinuum zwischen der Rohstoffpolitik in der Sowjetunion unter Josef Stalin und in Wladimir Putins Russischer Föderation, insbesondere anhand des Beispiels der Diamantenmine Mir im serbischen Jakutien. Brim konzipiert eine Ausstellung mit einem Film, den er dort drehen wird, und einer neuen Publikation mit seinen Archivrecherchen über die sowjetische und russische Rhetorik, ergänzt mit einer Auswahl weiterer Materialien. Während Brims bemerkenswerte filmische Arbeit eine komplexe Betrachtung der Auswirkungen verschiedener Regime auf eine bestimmte Landschaft biete, lade sein Fokus auf Sibirien auch zu einer umfassenderen Reflexion über Rohstoffausbeutung im weltweiten Maßstab ein, so die Jury.

Mario Pfeifer, 1981 in Dresden geboren, führt in seiner neuen Installation „Zelle 5 – 800° Celsius“ die Untersuchung ungeklärter Vorfälle rund um den gewaltsamen Tod von Migranten in Deutschland fort. Bereits in dem Video „Again/Noch einmal“ von 2018 hatte er ein Tribunal anstelle eines Gerichtsprozesses inszeniert, der nie stattgefunden hat: für Schabas Saleh Al-Aziz, einen Iraker, der tot aufgefunden wurde, eine Woche bevor er als Zeuge gegen vier Männer aussagen sollte, die ihn ein Jahr zuvor in einem Supermarkt im sächsischen Arnsdorf aufgegriffen und an einen Baum gefesselt hatten. „Zelle 5“ führt diese Thematik weiter und wirft neue Fragen über den 2005 erfolgten Feuertod des aus Sierra Leone stammenden Flüchtlings Oury Jalloh auf, da Beweise zerstört wurden. Pfeifer aktiviere sein Publikum als Geschworene, während er zugleich die entscheidende Rolle von Medien und Vermittlung für die Bildung der gesellschaftlichen Meinung betone, heißt es in der Jurybegründung.

Kim Schoen, geboren 1969 in Princeton, die am Royal Collage of Art in London und am California Institute of the Arts in Valencia studiert hat, hat sich mit der experimentellen Installation „Baragouin“ beworben, betitelt nach einem französischen Wort für unverständliches Kauderwelsch. Darin verleiht sie sprachlosen Objekten eine Stimme, nämlich Nachbildungen von Skulpturen, deren Ursprünge vom Buddhismus über das Rokoko und den Neoklassizismus bis zur Moderne reichen und die sie in einem inzwischen geschlossenen gewerblichen Ausstellungsraum in Los Angeles fand. Von der Hypothese ausgehend, dass der Handel eine universelle Sprache schafft, sieht ihr Projekt vor, mit dieser Gruppe von Skulpturen eine „Nonsens-Oper“ aufzuführen. In Zusammenarbeit mit einem Kunsthistoriker und einem Stimmtalent, das den Klang von Sprachen aus der ganzen Welt imitieren kann, wird Schoen in „Baragouin“ die Skulpturen so präsentieren, als „redeten“ sie in Stimmen, die mit ihrer ursprünglichen Herkunft verbunden sind. Durch diese kommerziellen Nachbildungen zusammen mit dem Echo von Sprachen werde der Museologie ein grotesker Spiegel vorgehalten, so die Jury.


31.05.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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