Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grisebach offeriert eine vielgestaltige Auswahl aus dem 19. Jahrhundert. Zwischen Malerei und Plastik stechen dabei insbesondere qualitätvolle Arbeiten auf Papier hervor

„Ja, ich bin ein fleißiger Kirchenbesucher“



Adolph von Menzel, Inneres der Stiftskirche zu Einsiedeln, 1881

Adolph von Menzel, Inneres der Stiftskirche zu Einsiedeln, 1881

Adolph von Menzel berichtete im Gespräch mit dem kaiserlichen Oberhofprediger Dryander von seinen häufigen Kirchenbesuchen und ergänzte direkt: „Aber vielleicht nicht in dem von Ihnen gewünschten Sinne; ich stecke gewöhnlich im Hochsommer hinter den Altären, mache mir da mit meiner Malerei zu schaffen und glaube auch damit Gott zu dienen.“ Zumindest schuf der Wahl-Berliner mit virtuoser Hand Eindrücke der Gotteshäuser, die Prunk und Atmosphäre der von ihm bevorzugten Rokoko- und Barockkirchen einfangen. Mit Bleistift verewigte er 1881 das „Innere der Stiftskirche zu Einsiedeln“ und sparte nicht an Details der üppigen Ausstattung. Durch die Monochromie erhält die Zeichnung einen eigenen Charakter, der die Formenvielfalt würdigt, ohne dass viele Farben ablenken. Auch der Blickwinkel ist präzise gewählt: Menzel zeigt nicht den kompletten Innenraum, sondern nur einen der Teil des Chorraumes, der ihm beachtenswert erschien. Grisebach bietet das Blatt innerhalb der Auktion „Kunst des 19. Jahrhunderts“ an. Mit erwarteten 60.000 bis 80.000 Euro übertrumpft es sämtliche weitere Positionen.


Für Freunde dieser Motivwelt hat Grisebach am 29. Mai in Berlin ein Aquarell von Carl Georg Anton Graeb im Gepäck. Der ebenfalls in Berlin tätige Künstler nahm 1876 „Die Kanzel von St. Georg in Nördlingen“ ins Visier. Interessant ist dabei, dass diese gar nicht von der Vorderseite zu sehen ist, sondern von einer Säule verdeckt wird, um die sich die Wendeltreppe nach oben zieht (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Adolph von Menzel steuert noch das Pastell „Österreichische Offiziere“ von 1852 bei. Die drei Männer stehen einander zugewandt im Kreis, sodass eine Figur in weißem Mantel dem Betrachter den Rücken zudreht und dieser somit aus der Konversation ausgeschlossen wirkt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Um 1850 hielt Menzel in gleicher Technik noch einen farbenfroh gekleideten „Herrn in Rokokotracht, in einem Sessel sitzend“ fest, der im Profil nach links aus dem Bildraum blickt und ebenso wenig Interaktion mit dem Betrachter anstrebt (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Mythen und legendäre Gestalten

Ungewöhnlich ist die Geste von Osmar Schindlers „Siegfried“, der nackt vor einer Felsgrotte steht und seinen ausgestreckten linken Arm anblickt. Der Drachentöter der nordischen Sagenwelt nach seiner vollbrachten Tat erkennt erstaunt seinen unversehrten Körper (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). In der griechischen Mythenwelt hat „Das Haupt der Medusa“ seinen Ursprung, das als blauschwarze Grisaille aus dem quadratischen Format eines deutschen Malers der Zeit um 1890 frontal mit leeren Augen heraus stiert. Medusas Blick, mit denen sie Menschen versteinerte, ist kalt und bedrohlich (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Von Gewalt geprägt ist ebenso die Sage der Salome. Max Klingers Büste „Die neue Salome“ um 1903 ist als zarte junge Dame aus Bronze modelliert, der ihr Schicksal und ihre Gräueltaten nicht anzusehen sind (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Während vom Tanz der Salome bei Klinger nichts zu sehen ist, setzte Franz von Stuck 1897/98 eine „Tänzerin“ in dynamischer Pose ebenfalls in Bronze um. Schwungvoll strebt sie nach vorn und hält hinten ihr Kleid nach oben, das diese Bewegung noch betont (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Unergründlich erscheint Pierre Olivier Joseph Coomans’ exotisches „Liebesgeheimnis“ von 1857. Eine mit teuren Tüchern umhüllte Frau wendet sich einer zweiten zu, deren Kopf im Halbschatten der über ihr liegenden Stoffe verschwindet. Wie ein Voyeur beobachtet der Betrachter die intime Situation (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). In sich gekehrt und verträumt ist ebenso Adolf Senffs „Knabe mit Wanderstock“ als präzis gemaltes Brustbild vor einer grünen Hecke (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Ähnlich friedlich kommt sein spätbiedermeierliches „Blumengerahmtes Nest mit Eiern“ von 1860 daher. Den Vögelnistplatz umgeben Blüten in beinahe unnatürlich exakter Anordnung und feiern das neu entstehende Leben (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Wie der Wanderknabe bleibt Henry Raeburns „Porträt eines jungen Mannes“ der Jahre um 1810/20 anonym. Im Dreiviertelprofil nach rechts steht er streng gerade mit geschmackvoller Kleidung im Zentrum vor monochrom braunem Grund (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Unbeschwert geht es in der „Holländischen Nähstube“ von 1882 zu. Während sich drei Arbeiterinnen ihren Stoffen widmen, unterhalten sich zwei weitere. Fritz von Uhde verlieh dem gemalten Stubenraum durch seine freundliche Beleuchtung eine wohlige Atmosphäre (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Noch stimmungsvoller ist die zehn Jahre jüngere Szenerie mit einer schreibenden Frau an einem Tisch von Franz Skarbina. „De quoi écrire“ brachte er mit Pastell zu Papier, das die gemütliche Bar in ein verschwommenes Licht taucht (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). In biedermeierlicher Klarheit portraitierte Gustav Adolph Hennig vor 1836 die junge anmutige Leipzigerin Anna Thecla Kraft mit rotem Schal und großen mandelförmigen Augen (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Namentlich bekannt ist auch die Dargestellte in Cuno Amiets „Porträt von Rosa Suter“ um 1896. Mit feinen Linien zeichnete er die junge Cousine seiner Frau im Hochformat und betonte einige Elemente zurückhaltend mit farbigen Kreiden, die sonst das Büttenpapier durchscheinen lassen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Einem Malerkollegen setzte der jung verstorbene Carl Philipp Fohr 1816 ein Denkmal. In nachdenklicher Kopfhaltung mit einem Brief in der Hand und einem Buch auf dem Tisch hat der Deutschrömer sein Freundschaftsbildnis von Ludwig Sigismund Ruhl mit Tusche und Bleistift angelegt. Die erst im März vom Berliner Kupferstichkabinett an die Erben des jüdischen Eisenwarengroßhandel Karl Mayer restituierte Zeichnung soll 25.000 bis 35.000 Euro erwirtschaften.

Die Natur und ihre Früchte

Fast nur mit Umrisslinien inszenierte Fohr zudem mit der Feder ungefähr zur selben Zeit seine „Begegnung auf der Falkenjagd“. Drei Reiter im Vordergrund und ein Gehilfe mit Jagdhunden haben sich in der romantischen Waldlichtung versammelt, über der sich im Hintergrund eine Burg erhebt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Die Situation „Nach der Jagd“ inspiriert 1839 Wilhelm von Kobell zu einem Aquarell. Vor dem pittoresken Seeufer, das einige Personen der Jagdgesellschaft im Hintergrund bestaunen, liegen einige geschossene Beutetiere. Der Einfluss der Menschen auf die Natur ist zudem noch an den Baumstumpfen zu erkennen, die aus der Wiese ragen, sodass keine Vegetation den Ausblick stört (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Weit dynamischer ist Richard Müllers „Fuchs im Hühnerhof“ des Jahres 1926. Zwischen die aufgescheuchte Geflügelschar springt der Räuber und ergreift einen bunten Hahn mit seinen spitzen Zähnen. Das Querformat thematisiert zwar Unruhe und Chaos, führt aber ebenso in seiner feingliedrigen Malweise die Schönheit der Tiere im Kontrast zur Brutalität der Jagd vor (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Statisch und weniger bunt ist da Odilon Redons luzides Aquarell einer „Nature morte“ von 1861 mit allerlei Beeren und Steinobst (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Ebenso nahm auch Carl Gustav Carus um 1820 ein Detail ins Visier. Hauptprotagonist ist bei ihm ein „Weidenstamm mit Unterholz“, dessen grober brauner Rinde kontrastreich feine Blätter in lebendigem Grün gegenüber stehen (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Wie sehr sich der Dresdner Romantiker auf die Naturdarstellung verstand, beweisen noch seine Tannen um 1840, die von ihren verschieden Grüntönen leben und in den hellblauen Himmel ragen (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Ungefähr zehn Jahre später widmete sich Christian Friedrich Gille einer „Landschaft bei Dresden“. Die Ölstudie, die am Horizont immer mehr zu einem geraden Streifen verschmilzt, trug er mit vorimpressionistisch geprägten feinen Pinseltupfern auf das Papier auf (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Walter Leistikow, bekannt für seine stillen Ansichten der Seen um Berlin, begeisterte sich um 1900 einmal für schwedische Gewässer. Das Land „An der Künste von Särö“ säumen graubraune Felsbrocken verschiedener Formationen. Im Hintergrund leuchten bei Sommerwetter weiß einige Segelboote unter dem türkisfarbenen Himmel (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Mit Bleistift skizzierte Jean-Auguste-Dominique Ingres eine „Römische Straßenecke mit Bildhauerwerkstatt“, die gerade von ihrem flotten Bleistiftstrich und ihrem Minimalismus lebt. Reduziert auf die nötigen Konturen und grobe Schatten sowie Schraffen fängt Ingres einen spontanen Eindruck von der Ewigen Stadt ein (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Im Gegensatz dazu steht „Der Sibyllentempel in Tivoli“ eines deutschen Italien-Begeisterten um 1820. Von der Schlucht mit wild flutendem Wasser aus ist der Blick in dem farbintensiven Gemälde auf das antike Monument nach oben gerichtet. Louis Gurlitt hat seine „Albaner Berge“ bei Rom um 1845 ruhiger angelegt. Im rötlichen Abendlicht breitet sich die Hügellandschaft wie abstrakte Streifen vor dem Zuschauer aus (Taxe je 18.000 bis 24.000 EUR). Zerklüfteter ist die Gegend „In der römischen Campagna (Ruth und Boas)“, die Friedrich Preller d.Ä. 1875 schuf. Eine Öffnung in der dichten Wolkendecke versorgt die Szene mit Licht, in deren Zentrum ein burgähnliches Gebäude ruht (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Ihrer Italien-Sehnsucht frönten zudem noch Johann Christian Reinhart 1841 in seiner spätklassizistischen „Ideallandschaft mit Ziegenhirten“ (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), Carl Wagner 1823 mit seiner charmant unvollendeten Ölskizze der steilen Sommerküste bei Amalfi (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR) und Franz Ludwig Catel 1843 mit seinem Blick in den „Klosterhof von San Domenico in Palermo“ mit lesendem Mönch (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Am 29. Mai versteigert Grisebach in Berlin ab 15 Uhr die Kunst des 19. Jahrhunderts. Die Vorbesichtigung der Bestände ist noch am 27. Mai von 10 bis 18 Uhr und am Vortag der Auktion von 10 bis 15 Uhr möglich. Die Lose sind zudem online unter www.grisebach.com abrufbar.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



27.05.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 29

Seiten: 1  •  2  •  3  •  4

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (3)Berichte (1)Kunstwerke (23)

Veranstaltung vom:


29.05.2019, Kunst des 19. Jahrhunderts

Bei:


Grisebach

Kunstsparte:


Zeichnung

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Skulptur

Bericht:


Ein tragischer Auktionsheld

Kunstwerk:

Sir Henry Raeburn, Porträt eines jungen Mannes, um 1810/20
Sir Henry Raeburn, Porträt eines jungen Mannes, um 1810/20

Kunstwerk:

Richard Müller, Fuchs im Hühnerhof (Der Hühnerdieb), 1926
Richard Müller, Fuchs im Hühnerhof (Der Hühnerdieb), 1926

Kunstwerk:

Pierre Olivier Joseph Coomans, Liebesgeheimnis, 1857
Pierre Olivier Joseph Coomans, Liebesgeheimnis, 1857







Carl Georg Anton Graeb, Die Kanzel von St. Georg in Nördlingen, 1876

Carl Georg Anton Graeb, Die Kanzel von St. Georg in Nördlingen, 1876

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 4.500,- EURO

Losnummer: 145

Pierre Olivier Joseph Coomans, Liebesgeheimnis, 1857

Pierre Olivier Joseph Coomans, Liebesgeheimnis, 1857

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 38.000,- EURO

Losnummer: 221

Johann Christian Reinhart, Ideallandschaft mit Ziegenhirten, 1841

Johann Christian Reinhart, Ideallandschaft mit Ziegenhirten, 1841

Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 15.500,- EURO

Losnummer: 117

Fritz von Uhde, Holländische Nähstube, 1882

Fritz von Uhde, Holländische Nähstube, 1882

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 135.000,- EURO

Losnummer: 179

Carl Philipp Fohr, Bildnis Ludwig Sigismund Ruhl, 1816

Carl Philipp Fohr, Bildnis Ludwig Sigismund Ruhl, 1816

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 98.000,- EURO

Losnummer: 103

Max Klinger, Die neue Salome, um 1903

Max Klinger, Die neue Salome, um 1903

Taxe: 20.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 217

Richard Müller, Fuchs im Hühnerhof (Der Hühnerdieb), 1926

Richard Müller, Fuchs im Hühnerhof (Der Hühnerdieb), 1926

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 70.000,- EURO

Losnummer: 224

Sir Henry Raeburn, Porträt eines jungen Mannes, um 1810/20

Sir Henry Raeburn, Porträt eines jungen Mannes, um 1810/20

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 17.000,- EURO

Losnummer: 111

Osmar Schindler, Siegfried

Osmar Schindler, Siegfried

Taxe: 18.000 - 24.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 220

Franz von Stuck, Tänzerin, 1897/98

Franz von Stuck, Tänzerin, 1897/98

Taxe: 18.000 - 24.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 219

Louis Gurlitt, Albaner Berge, um 1845

Louis Gurlitt, Albaner Berge, um 1845

Taxe: 18.000 - 24.000 EURO

Losnummer: 131

Jean-Auguste-Dominique Ingres, Römische Straßenecke mit Bildhauerwerkstatt

Jean-Auguste-Dominique Ingres, Römische Straßenecke mit Bildhauerwerkstatt

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 123

Adolf Senff, Knabe mit Wanderstock

Adolf Senff, Knabe mit Wanderstock

Taxe: 18.000 - 24.000 EURO

Zuschlag: 65.000,- EURO

Losnummer: 133




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce