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Die 58. Internationale Kunstausstellung der Biennale Venedig lockt in diesem Jahr mit der Rekordzahl von 90 Länderpavillons. Der diesjährige Kurator Ralph Rugoff überzeugt mit seiner Hauptausstellung unter dem Titel „May You Live In Interesting Times“. Doch der Deutsche Pavillon enttäuscht mit allzu plakativer Metaphorik

Offen und grenzenlos



Pressetermin vor dem Deutscher Pavillon: Natascha Süder Hampelmann und ihre Sprecherin Helene Duldung

Pressetermin vor dem Deutscher Pavillon: Natascha Süder Hampelmann und ihre Sprecherin Helene Duldung

Hätte die Biennale Venedig eine Auszeichnung für die konsequenteste Verweigerungshaltung zu vergeben, dann stünde die Preisträgerin zweifellos fest: Natascha Süder Happelmann. Die unter diesem Pseudonym auftretende deutsch-iranische Künstlerin, deren eigentlicher Name Natascha Sadr Haghighian lautet, bespielt in diesem Jahr den Deutschen Pavillon auf der nach wie vor wichtigsten Kunstausstellung der Welt. Außerdem ist sie Professorin für Bildhauerei an der Bremer Kunsthochschule. Soviel steht immerhin fest. Weitere biografische Angaben verweigert die Künstlerin. Ihr Gesicht verbirgt sie bei öffentlichen Auftritten unter einem künstlichen Stein aus Pappmaché. Interviews mit ihr sind nicht möglich. Frau Süder Happelmann tritt immer zusammen mit ihrer Pressesprecherin Helene Duldung – Achtung: auch das ist nur ein Pseudonym – auf. Duldung ist bloß eine Schauspielerin, die vorformulierte Texte abliest. Fragen sind nicht zugelassen.


So auch vergangene Woche am Preview-Tag der Biennale. Süder Happelmann und Duldung traten vor die versammelte Presse, Duldung las ein Statement vor, und Süder Happelmann schwieg dazu. So konstituiert man entweder Bedeutung – oder man gibt sich der Lächerlichkeit preis. Es ging um die Krise an sich, die an Sklaverei erinnernden Arbeitsbedingungen, unter denen in Süditalien Tomaten geerntet werden, die antirassistische Osnabrücker Initiative „No Lager Osnabrück“ und den Ruinenstatus des einschüchternd wirkenden, einst von den Nazis umgebauten Deutschen Pavillons, der ursprünglich ein bayerischer war. Gespickt war das Ganze mit Auszügen aus Rosa Luxemburgs 1913 erschienener ökonomischer Kampfschrift „Die Akkumulation des Kapitals“. Nachdem sich die beiden Protagonistinnen dann wieder ins Gebüsch hinter dem Pavillon verzogen hatten, durfte dieser durch einen Seiteneingang betreten werden. Wer jetzt das große Aha-Erlebnis erwartet hatte, wurde jedoch enttäuscht. Damit keine Zweifel aufkommen: Süder Happelmanns Anliegen, gerade angesichts der grassierenden Ausländerfeindlichkeit im rechtspopulistisch regierten Italien Matteo Salvinis ein Zeichen setzen zu wollen und gleichzeitig die Einrichtung sogenannter „Ankerzentren“ für Geflüchtete in Deutschland, namentlich Bayern, zu kritisieren, indem gleich der ganze Pavillon zum temporären „Ankersentrum“ erklärt wird, ist absolut legitim. Die künstlerische Umsetzung jedoch kommt, gelinde gesagt, einer ästhetischen Bankrotterklärung gleich.

Natascha Süder Happelmann trennt den Pavillon in zwei Bereiche. Im ersten Raum umfängt sie den Besucher mit der Soundinstallation „tribute to whistle“ aus 48 an Gerüststangen montierten Lautsprechern. Zu hören sind sechs sich überlagernde Klangbeiträge verschiedener Musiker und Komponisten. Klirren, Brummen, Tirilieren, Übersteuerungsgeräusche und der schrille Sound von Trillerpfeifen erzeugen einen enervierenden Klangteppich voller Unrast und Anspannung. Die Trillerpfeife ist dabei nicht zufällig gewählt. Sie dient in Flüchtlingslagern und Abschiebeeinrichtungen als subversives Kommunikationsmittel, mit dem sich die Insassen gegenseitig vor Gefahren warnen.

Ästhetisch ungenügend

Vorbei an Ernteutensilien und einer Werbetafel für industriell genormte Tomatenpflanzen, gelangt man in den vorderen Bereich mit einer neun Meter hohen, gekurvten Spritzbetonwand, die an einen Staudamm erinnern soll. Lediglich ein kleines braunes Rinnsal tritt aus einer nasenförmigen Öffnung aus. „Deutschland macht dicht“, lautet hier die platte Botschaft. So viel gut gemeinte, aber letztlich kindische und den Betrachter belehren wollende Holzhammer-Metaphorik war selten. Zeit also, um vorbei an einigen eingetrockneten Pfützen und Kunstfelsen, das Weite zu suchen.

Immerhin 90 Länderpavillons gibt es auf dieser aus allen Nähten platzenden 58. Kunstausstellung der Biennale di Venezia. Entdeckungen lassen sich da viele machen. Zum Beispiel bei den Briten gleich nebenan, die mit der 1966 geborenen Nordirin Cathy Wilkes eine äußerst sensible und für ihre präzisen Setzungen bekannte Installationskünstlerin zeigen. Fundstücke wie getrocknete Pflanzen und Insekten, großbürgerliches Porzellan und Geschirr, Münzen, gerahmte Handarbeiten, das Foto einer Schulspeisung, eine Kleiderpuppe und vieles mehr verwebt sie zusammen mit eigenen Gemälden und Skulpturen zu einem rätselhaft-melancholischen Ensemble voller Anspielungen auf Leben und Tod, Erinnerung und Vergessen.

Sehenswert ist auch der Französische Pavillon, der in diesem Jahr von der Turner-Preisträgerin des Jahres 2013, Laure Prouvost, bespielt wird. Im Zentrum ihres Projekts „Deep Blue Sea Surrounding You/Vois Ce Bleu Profond Te Fondre“ steht ein buntes Trüppchen aus Menschen verschiedener Generationen, darunter Musiker, Hip Hop-Tänzer, Zauberer, ein Priester und ein pensionierter Lehrer. Die Kamera begleitet sie auf einer filmischen Reise, die vom Norden Frankreichs über Marseille bis in die venezianischen Kanäle direkt neben dem Pavillon führt. Prouvosts Trip ins Unbewusste ist voller sinnlich-surrealer Bilder: Meerestiere in Großaufnahme, exotische Früchte und Pflanzen, menschliche Haut und Körper, Wolken, Sonnenlicht und immer wieder Wasser bilden das visuelle Vokabular einer utopisch-liquiden Gegenwelt zu den Anforderungen des Alltags und der Weltpolitik.

Buntes gruseliges Völkchen

„Mondo Cane“ lautet der Titel der narrativ aufgeladenen Arbeit von Jos de Gruyter und Harald Thys im Belgischen Pavillon. Mit rund zwanzig lebensgroßen, überwiegend animierten Puppen präsentieren sie ein Panoptikum komischer, aber auch gruseliger Charaktere, die an Jahrmarktattraktionen früherer Jahrhunderte erinnern, aber auch als Reminiszenz an das alte, langsam von der Globalisierung eingeholte Europa gedacht sind. Die krude Mischung aus Narren, Geisteskranken, Pizzabäckern, Geheimagenten, Pastoren und Vertretern alter Handwerksberufe kommt wie ein begehbares Wimmelbild von Pieter Bruegel d.Ä. daher. Die finstersten Charaktere, aber auch die im Maßstab verkleinerten Selbstporträts der beiden Künstler sind hinter Gitter gesperrt. Immerhin gab es für so viel hintergründig- schwarzen Humor eine „Besondere Erwähnung“ seitens der Biennale-Jury.

Einige weitere Länderbeiträge auf dem Giardini-Gelände und anderswo sorgten bereits während der Preview-Tage für hohe Aufmerksamkeit beim Fachpublikum und wurden als Favoriten für den Goldenen Löwen gehandelt. Etwa der Ghanaische Pavillon mit John Akomfrahs Drei-Kanal-Video „Four Nocturnes“, einem verstörenden Bilderreigen, der das Töten und Vernichten von Menschen, Tieren und Landschaften auf dem afrikanischen Kontinent von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart thematisiert. Der Brasilianische Pavillon mit dem gesellschaftskritischen Tanz- und Musikvideo „Swinguerra“, voller Anspielungen auf ethnische und sexuelle Minderheiten des Künstlerduos Bárbara Wagner und Benjamin de Burca, die bereits auf den Skulptur Projekten Münster 2017 zu den Lieblingen zählten. Oder der Dänische Pavillon mit der verstörend-melancholischen Videoarbeit „Heirloom“ des dänisch-palästinensischen Künstlerduos Larissa Sansour und Søren Lind. In einer Welt nach der ökologischen Katastrophe zeigt sie eine Tochter und ihre todgeweihte Mutter im Dialog über Leben und Hoffen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Den Goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag erhalten hat dann allerdings ganz zu Recht der Litauische Pavillon, der etwas isoliert und nur über verschlungene Wege erreichbar im nordwestlichen Teil des Arsenale-Geländes liegt. Die Künstlerinnen Rugile Barzdziukaite, Vaiva Grainyte und Lina Lapelyte bringen hier ihre opernhafte Gruppenperformance „Sun & Sea [Marina]“ zur Aufführung. Auf dem Boden eines alten Lagerhauses wurde ein feiner Sandstrand aufgeschüttet, auf dem es sich die unterschiedlichsten Charaktere in Badekleidung samt allen dazugehörigen Utensilien eingerichtet haben. Es gibt Federball spielende Zwillinge, einen jungen Mann mit Hund, ein permanent essendes älteres Paar, eine reiche Manager-Familie und viele andere Stereotypen des Beach Life.

Die Löwen-Oper

Der Clou an diesem subtil zivilisationskritischen Tableau vivant: Die einzelnen Charaktere geben singend ihr Innerstes preis. Da lamentiert die Witwe des in Südostasien Ertrunkenen über ihr Alleinsein, der überarbeitete Angestellte klagt sein Schicksal, und die reiche, vielfliegende Mutti zählt auf, in welchen Ozeanen ihr Achteinhalbjähriger bereits gebadet hat. Demnächst sollen – dem Klimawandel zum Trotz – noch einige hinzukommen. Die sommerliche Unbeschwertheit der hedonistischen Freizeitgesellschaft trifft hier auf die latente Bedrohung durch Klimawandel, Artensterben und Ressourcenverbrauch. Hier wenigstens gelingt er, der schwierige Spagat, ernste Probleme unseres Planeten künstlerisch zu verarbeiten, ohne jedoch oberlehrerhaft zu dozieren.

Neben den Länderpavillons richtet sich das Augenmerk bei dieser Ausgabe der Biennale wieder auf die Hauptausstellung im Arsenale und im Zentralen Pavillon auf dem Giardini-Gelände. Kuratiert wird diese vielschichtige Gruppenausstellung mit dem Titel „May You Live In Interesting Times“ in diesem Jahr von dem 1957 in New York geborenen Ralph Rugoff, der seit 2006 Direktor der Hayward Gallery in London ist. „Ich glaube fest daran, dass Biennalen lebende Künstler zeigen und die Entwicklung ihrer Zeit reflektieren sollten“, betont Rugoff. Mit diesem Statement grenzt er sich gegenüber seinen unmittelbaren Vorgängern, die vermehrt auch historische Positionen nach Venedig holten, klar ab.

Mit der Auswahl seiner Künstler will Rugoff ausdrücklich die weltweit politisch angespannte Situation reflektieren, den Verlust humanistischer Werte, Traditionen und Beziehungen. Er betont jedoch, dass Kunst den Aufstieg nationalistischer Bewegungen und autoritärer Regime sowie die daraus resultierenden Flüchtlingsströme in vielen Teilen der Welt nicht aufhalten könne. „Aber auf eine indirekte Art und Weise kann die Kunst uns vielleicht zeigen, wie wir leben und worüber wir nachdenken sollten in ‚interessanten Zeiten‘ wie diesen“, so Rugoff. Als Ausgangspunkt seiner kuratorischen Überlegungen nennt er Umberto Ecos ursprünglich 1977 erschienenen Essay „Das offene Kunstwerk“, in dem der italienische Philosoph das Fragmentarische, die Unabgeschlossenheit und Widersprüchlichkeit als besondere Qualitätsmerkmale eines offenen Kunstwerks beschreibt. Der Betrachter, so Eco, solle idealerweise mit einbezogen werden und das Kunstwerk interpretatorisch vollenden.

Statements zur Zeit

Ralph Rugoff hat 80 internationale Künstler und Künstlergruppen ausgewählt, darunter 42 weibliche und 38 männliche Teilnehmer. Das sind vergleichsweise wenige Künstler für eine Biennale. Rugoff rechtfertigt diese Reduktion jedoch mit seiner Absicht, dem Betrachter einen tieferen Einblick in die jeweilige Praxis der einzelnen Teilnehmer geben zu wollen. Er unternimmt noch einen zweiten strategischen Schachzug: Alle Künstler stellen an beiden Hauptausstellungsorten aus, jedoch so unterschiedliche Arbeiten, dass man ihre Autorschaft manchmal gar nicht auf den ersten Blick erkennt. Auf diese Weise soll der Betrachter jedoch Einblicke in die ganze Bandbreite ihres Schaffens erhalten. Seine eher konzeptuelle Herangehensweise unterstreicht Rugoff zusätzlich, indem er die beiden Ausstellungsorte als „Proposition A“ und „Proposition B“ bezeichnet.

Ralph Rugoff hat alle Teilnehmer eingeladen, ihm weitere Künstler zu empfehlen und sich dabei weitgehend auf die Empfehlungen der Künstler verlassen. Zu den aus Deutschland kommenden Teilnehmern gehören Nairy Baghramian, Alexandra Bircken, das Berliner Künstlerkollektiv Slavs and Tatars, Hito Steyerl, Rosemarie Trockel sowie der in Berlin lebende US-Amerikaner Jimmie Durham, dem der Goldene Löwe für sein Lebenswerk verliehen wurde.

Bei Ralph Rugoffs ambitionierter Ausstellung geht es sowohl um die politische Anspannung fast überall auf der Welt, als auch um die damit einhergehende Verstörung und Instabilität des Individuums. Vor dem Hintergrund unterschwelliger Bedrohungsszenarien werden Themen wie Ausgrenzung, Gender-Fragen, kollektive Ängste, der Klimawandel sowie Flüchtlingsbewegungen künstlerisch verarbeitet. International agierende Künstler und Künstlerinnen wie die US-amerikanische Malerin und Bildhauerin Nicole Eisenman, die in der Schweiz geborene New Yorker Bildhauerin Carol Bove, der britische Installations- und Videokünstler Ed Atkins, die mexikanische Konzeptkünstlerin Teresa Margolles oder der farbige US-Maler Henry Taylor haben für die Ausstellung ästhetisch überzeugende Arbeiten entwickelt, die nicht selten auch Sigmund Freuds Begriff des „Unheimlichen“ aufnehmen.

Zu sehen sind jedoch auch zahlreiche junge, noch unbekanntere Künstler, vorwiegend aus asiatischen und afrikanischen Staaten. Sie reagieren entweder dezidiert politisch oder in beklemmend-verstörender Art und Weise auf die gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit. Ein gutes Beispiel für einen medienkritischen Umgang mit gegenwärtigen Debatten in schneller Clip-Ästhetik ist die Arbeit „BLKNWS“ des 1981 geborenen farbigen US-Amerikaners Kahlil Joseph an beiden Orten der Hauptausstellung. Aretha Franklin trifft hier auf farbige Theoretikerinnen, coole Hip Hopper auf bekannte TV-Anchormen und andere Protagonisten der US-amerikanischen Öffentlichkeit und des Kunstbetriebs. Eine täglich aktualisierte, durchaus zeitkritische Persiflage auf die schnelllebige News-Maschinerie unserer Zeit – und zwar aus dezidiert afroamerikanischer Sicht.

Auch aus den klassischen künstlerischen Medien wie Malerei, Fotografie und Drucktechnik hat Ralph Rugoff überzeugende Positionen in seine Schau integriert. Anregend sind unter anderem die sozialkritischen, figurativen Gemälde der in Europa weitgehend unbekannten, 1980 in Uruguay geborenen Jill Mulleady, die konzeptuellen Architekturaufnahmen der indischen Fotografin Gauri Gill und die von Edvard Munch inspirierten Farbholzschnitte aus der Serie „Scream“ des in London lebenden US-Amerikaners Christian Marclay.

Mordwerkzeug

Manches, was auf dieser Biennale vorgestellt wird, regt vielleicht auch zum Widerspruch und zur Kontroverse an, etwa das auf dem weitläufigen Arsenale-Gelände wie zufällig abgestellt wirkende Schiffswrack, das der Schweizer Christoph Büchel mit „Barca Nostra“ betitelt hat. Beim Untergang dieses Bootes starben 2015 zwischen 700 und 1.100 afrikanische Flüchtlinge. Die genaue Zahl ist unbekannt. Die Frage lautet: Darf man es quasi als Readymade vor die von Kunsttouristen aus aller Welt bevölkerte Caféterrasse des Arsenale stellen und damit riskieren, dass es als Kulisse für Selfies missbraucht wird? Oder muss man das sogar, angesichts der gnadenlos zynischen Abschottungspolitik des italienischen Innenministers Salvini, die das Retten von Schiffbrüchigen unter Strafe stellt?

Nicht unumstritten ist auch die sensationsheischende High-Tech-Kunst des chinesischen Duos Sun Yuan und Peng Yu. Ihre Arbeit „Can’t Help Myself“ besteht aus einem modifizierten Fertigungsroboter aus der Autoindustrie, der in einem riesigen Acrylglaskasten unablässig damit beschäftigt ist, eine rote, an Blut erinnernde Flüssigkeit aufzuwischen. 32 nahezu tänzerische Bewegungen haben die Künstler ihrer mit Überwachungstechnik hochgerüsteten Maschine beigebracht. Offenbar nicht genug. Das Sisyphus-Unternehmen misslingt, da die Flüssigkeit sich zu immer neuen Pfützen und Rinnsalen vereinigt. Eine menschliche Reinigungskraft hätte hier gewiss effektiver gearbeitet. In einer Welt, die – gerade auch in China – zunehmend von Künstlicher Intelligenz beherrscht wird, lässt sich das von Sun Yuan und Peng Yu vorgeführte Versagen der Technik gar als Zeichen der Hoffnung deuten.

Herausragend ist die Videoarbeit „The White Album“ des in Los Angeles lebenden US-Amerikaners Arthur Jafa. Es enthält ausschließlich Found-Footage-Bilder etwa aus Nachrichtensendungen oder Videoblogs weißer Überlegenheitsfanatiker, Rassisten und Amokläufer. Ein besonders verstörender Bestandteil des fast 50minütigen Videos sind die Hasstiraden des weißen Rassisten und Massenmörders Dylann Roof gegen die schwarze Bevölkerung. Dylann Roof erschoss 2015 neun Afroamerikaner während einer Bibelstunde in Charleston. Jafa erhielt für dieses Video den Goldenen Löwen als bester Künstler der Biennale.

Die 58. Biennale Venedig legt also den Finger in die Wunden unserer Zeit. Sie präsentiert Kunst, die innovativ, ernsthaft, kritisch, aber oft auch unterhaltsam und humorvoll ist. Ralph Rugoffs Hauptausstellung kommt als vielfältiger, absichtsvoll nicht kohärenter Rundgang daher, der gerade aus seiner Widersprüchlichkeit heraus seine Kraft und Stärke bezieht.

Die „58. Biennale Venedig – May You Live In Interesting Times“ läuft bis zum 24. November. Die Ausstellung hat in den Giardini und dem Arsenale sowie in zahlreichen über die Stadt verteilten Ausstellungsorten täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, im Arsenale freitags und samstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Ausnahmen sind der 15. Mai, 14. August, 4. September, 30. Oktober und 20. November. Der Katalog in englischer Sprache kostet 85 Euro, der Kurzführer 18 Euro.

www.labiennale.org



16.05.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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