Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 30.05.2019 113. Auktion: Gemälde Alter und Neuerer Meister - Sonderauktion 'Creatures' - Portrait-Miniaturen

© Galerie Bassenge Berlin

Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Ohne Titel, 1993 / Fred Thieler

Ohne Titel, 1993 / Fred Thieler
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Städel lockt mit Tizian, liefert dann aber einen gelungenen Rundumschlag zur venezianischen Renaissance-Malerei. Mit zahlreichen Leihgaben und einem gut strukturierten thematischen Konzept holt das Frankfurter Museum das prachtvolle und farbenfrohe Cinquecento von der Adria an den Main

Der Glanz der Serenissima



Tizian, Bildnis des Dogen Francesco Venier, 1554/56

Tizian, Bildnis des Dogen Francesco Venier, 1554/56

Die Augen sind müde, das Gesicht hager und blass, der ganze Körper beugt sich unter der Last auf den Schultern des sichtbar gealterten Mannes. Der „Corno Ducale“, das Horn des Dogen, identifiziert ihn als obersten Machthaber Venedigs. Es ist Francesco Venier, der von 1554 bis 1556 dieses Amt innehatte. Außenpolitisch war es nach den Auseinandersetzungen mit den Osmanen, aber auch mit den Fürstenhäusern Zentraleuropas im vorangegangenen Jahrhundert für die Republik Venedig eine eher ruhige Zeit. Trotzdem rückt der Maler Tizian in seinem Porträt einen Kriegsschauplatz in den Fensterausschnitt des Hintergrundes. Es ist die brennende Hafenstadt Vieste in Süditalien. 1554 wurde dieser venezianische Handelsstützpunkt von osmanischen und nordafrikanischen Seeräubern überfallen und mehrere Tausend Bewohner versklavt oder getötet. Francesco Venier entschied sich nicht zu einem kriegerischen Gegenschlag, sondern erwirkte die Befreiung Viestes durch diplomatisches Verhandlungsgeschick.


Tizian fertigte kein bloßes Abbild des Dogen, es ist vielmehr eine einfühlsame Charakterstudie, die die besonderen Stärken des Staatsoberhauptes unterstreicht, aber auch vor Schwächen und Kritik nicht zurückschreckt. Die linke Hand Veniers greift in seinen Dogenmantel, er hält die Macht fest in Händen, während seine erhobene Rechte zur Besonnenheit mahnt. Francesco Venier war schon vor seinem Amtsantritt ein mächtiger Mann, hatte er doch bereits zahlreiche bedeutende politische Positionen wie den Botschafterposten am päpstlichen Hof in Rom für die Republik Venedig inne. Aber er war auch bereits ein über sechzigjähriger, von Krankheit und einem ausschweifenden, ja vergnügungssüchtigen und prunkliebenden Lebensstil körperlich schwer gezeichneter Mann. In der Gesamtkomposition und in der Behandlung der Materialität der einzelnen Komponenten des Bildes stellt Tiziano Vecellio sein Können eindrucksvoll unter Beweis.

Die Stadt Venedig ist der Ausgangspunkt für mehrere in Italien und Europa wirkungsmächtige Entwicklungen in der Malerei. Entsprechend eröffnet das Städel Museum seine derzeitige Sonderausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“ nicht mit einem Gemälde, sondern mit einer großformatigen Karte der Lagunenstadt, wobei auch schon dieser Holzschnitt nach einem Entwurf von Jacopo de’ Barbari, eine Leihgabe aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, ein Kunstwerk für sich darstellt. Aus der Vogelperspektive akzentuiert der in einer harmonischen Melange aus Details und schematischem Überblick konzipierte Plan Venedig als friedliches Zentrum des internationalen Seehandels, beschützt von Merkur und Neptun.

Im Anschluss an diese Verortung führt die Frankfurter Schau in acht Kapiteln durch die Bildwelten der venezianischen Malerei des Cinquecento. Den Anfang macht die „Sacra Conversazione“. Das Wiedergabe der thronenden Gottesmutter mit Jesusknaben, umgeben von Heiligen, war nicht nur im Mittelalter, sondern auch in der Renaissance eines der wichtigsten Sujets der bildenden Künste. In der Malerei Venedigs werden dabei im 16. Jahrhundert aber durchaus neue Wege beschritten. Giovanni Bellini lässt seine „Madonna mit Kind“ oder seine „Madonna mit Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Elisabeth“ um 1500 zwar bereits in einer idyllischen Landschaft auftreten, doch sind seine Figuren im Verhältnis zur folgenden Entwicklung noch eher starr nebeneinander aufgereiht. Ganz anders gehen Jacopo Bassano oder Paolo Veronese vor, die die „Anbetung der Hirten“ oder die „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ als anekdotenreiche Erzählungen inszenieren, in denen die Figuren in lebendiger Interaktion aufeinander reagieren. In gleicher Weise lässt der Bellini-Schüler Tizian in seiner „Madonna mit dem Kaninchen“ von 1530 die heilige Katharina ein aufgewecktes, neugieriges und strampelndes Jesuskind in den Armen halten, das ganz auf ein weißes Kaninchen zu Füßen seiner Mutter fixiert ist. Durch die Hirtenfigur im Hintergrund, die die Gesichtszüge des Herzogs von Mantua, Federicos II. Gonzaga, trägt, wird das Heiligenbild in die der Antike entnommene Paradiesvorstellung Arkadiens gebettet.

Landschaft als Bedeutungsträger

Die Landschaft als bedeutungsvoller Handlungsort und wohl durchdachter Stimmungsträger spielt dann auch in der zweiten Sektion mit dem Titel „Nymphen in Arkadien – Heilige in der Wildnis“ eine Hauptrolle. Inspiriert von Theokrit und Vergil aber auch von Zeitgenossen wie Jacopo Sannazaro transferierten die Maler Venedigs das vielbesungene Arkadien in ihre Bilder. Jacopo Negretti, genannt Palma il Vecchio, malte um 1510 „Zwei ruhende Nymphen“. Die wohlgerundeten und ihre schönlinigen Formen präsentierenden Frauenakte bettet er an einen idyllischen Bachlauf vor einem üppigen Rosenstrauch, hinter dem sich eine weite hügelige Gegend öffnet. Die Blicke der Damen spielen mit der Rolle des Betrachters: während die linke Nymphe ihre Augen auf den Körper ihrer Gefährtin richtet, blickt diese den Betrachter über die Schulter hinweg direkt an und entlarvt ihn als Voyeur. Jacopo Negretti schuf so die in der bukolischen Dichtung entworfene, von Harmonie durchdrungene Welt Arkadiens voll anziehender erotischer Spannung. Buchilluminationen zu den antiken Texten und gezeichnete Landschaftsstudien offenbaren in Ergänzung die Genese dieser neuartigen Themen.

Lorenzo Lottos „Heiliger Hieronymus als Büßer“ ist eines der Werke, die den profanen Gemälden in diesem Abschnitt gegenübergestellt sind. Um den in emotionaler Übersteigerung die komplette Breite der Leinwand durchschneidenden Körper des Heiligen herum wird hier die Landschaft zum Träger christlicher Symbolik. Der verrottete Baumstamm über dem Kruzifix spiegelt das Sterben des Heilands am Kruzifix, der immergrüne Efeu dagegen deutet seine Auferstehung an, die Burg im Hintergrund verschwimmt im Nebel und verweist auf die verheißene Himmelsburg. Auf der Anhöhe links wacht der getreue Löwe im Schatten über seinen sich schutzlos darnieder werfenden Herrn. Die Natur wird so zu einer erzählenden Instanz im Bild, die die Heilsgeschichte vor dem Auge des Betrachters darlegt.

Die Beschäftigung mit der antiken Literatur verursachte nicht nur Veränderungen im Altbekannten, sondern brachte mit der Gattung der mythologischen Malerei im 16. Jahrhundert auch völlig Neues hervor. In „Poesia und Mythos“ vermittelt Kurator Bastian Eclercy, wie die venezianischen Künstler aus den mythologischen Quellen heraus eine eigene, der Literatur ebenbürtige poetische Freiheit entwickelten, die sie zu nie gesehenen Bilderfindungen trieb. Andrea Meldolla, besser bekannt als Lo Schiavone, beweist mit der „Hochzeit von Amor und Psyche“ eine profunde Textkenntnis der mythologischen Vorlage des römischen Dichters Apuleius. Die festliche Eheschließung im Kreis der olympischen Götter bildet den glanzvollen Abschluss der in der Renaissance sehr bekannten Liebesgeschichte. Ein Kind mit Hunden, wie es sowohl Tizian als auch Paolo Veronese zum Bildthema wählten, lässt sich dagegen keinem antiken Stoff eindeutig zuordnen. Tizians fast schon expressive Darstellung bietet zwar verschiedene Verweismöglichkeiten, so zum Beispiel auf den jungen Gott Bacchus oder die Legende um die Kindheit des Perserkönigs Kyros, genau festmachen lässt sich die ikonografische Interpretation aber nicht. Paolo Veronese stellt seinen Knaben mit Flügeln und Köcher zwar eindeutig als Amor vor, wie aber die beiden Hunde an seiner Seite zu deuten sind bleibt wiederum offen; eine Allegorie der Liebe, gütig und wild zugleich, scheint noch die plausibelste Interpretation zu sein. Lorenzo Lotto dagegen erhebt nicht den Anspruch, selbst zum Poeten zu werden. Seine kleinformatige Darstellung vom „Schlafenden Apoll und den vom Parnass entfliehenden Musen“ ist eher eine Persiflage auf die sich selbst gerne zu ernst nehmenden Dichter und Historienmaler.

Schöne Damen und vornehme Herren

Porträts schöner Damen nehmen die Ausstellungsmacher zum Anlass für einen kulturhistorischen Exkurs. „De gli habiti antichi, et moderni di diverse parti del mondo“ ist ein 1590 publiziertes Traktat von Cesare Vecellio, illustriert mit über 415 Holzschnitten. Versammelt sind darin die typischen Kleider verschiedener Länder und Zeiten. Auf großen Tafeln wurden für die Schau einige prägnante Beispiele herausgegriffen, darunter auch eine Dame aus dem deutschen Frankfurt. Für Tizians Cousin Cesare Vecellio war die Multi-Kulti-Metropole Venedig der ideale Ausgangspunkt für seine Kostümgeschichte, nur dort trafen so viele Kulturen ferner Länder aufeinander, und speziell der Handel mit exotischen Stoffen ermöglichte zahlreiche Anschauungen aus erster Hand.

Eigentliches Kernthema des Raumes sind die „Belle Donne“, die Idealbilder schöner Frauen. Meist ist unklar, wer sie waren. Nach der Lyrik Francesco Petrarcas werden sie zu besonders tugendhaften, verführerischen oder anbetungswürdigen Schönheitsgöttinnen. Eine Theorie besagt, die Frauen zeigen allesamt die zu Hauf in der Serenissima ansässigen Prostituierten. Betrachtet man „La Cortigiana“ von Jacopo Negretti scheint dies durchaus plausibel. Die Barbusige entspricht dem Schönheitsideal der Zeit: Ein glatter makelloser Alabasterteint, rote Lippen, ebenmäßige Gesichtszüge und langes gewelltes blondes Haar. Ihr Blick geht verträumt in die Ferne, sie kokettiert nicht über ihren Blick, doch offeriert das weit über die Brust heruntergezogene Gewand ihre jugendlich frischen Reize. Einen anderen Typus der „Belle Donne“ verwendete Tizian für sein „Bildnis der Clarice Strozzi“ von 1542. Die gerade erst zweijährige Clarice wir darin zur tugendhaften, reinen und verheißungsvollen Braut. Das weiße Kleid und die Amoretten im Relief verweisen auf diese Rolle, ihr wertvolles Geschmeide verspricht eine hohe Mitgift ihrer reichen Familie, das Hündchen, das sie mit einer ciambella füttert, prophezeit Treue und Fruchtbarkeit – das kleine Mädchen wird durch Tizian zur idealen Ehefrau.

Im zweiten Teil der Ausstellung folgen auf die idealen Damen nun die „Gentiluomini“. Neben Politikern, wie dem bereits vorgestellten Dogen Francesco Venier, Geschäftsleuten und Gelehrten zählen vor allem Militärs zu den beliebten Motiven dieser Gattung. Jacopo Bassano und Sebastiano del Piombo schufen zwei eindrucksvolle Beispiele, in der die besonderen Merkmale dieses Bildtypus deutlich hervortreten. Zum einen demonstrieren sie ihr meisterhaftes Können bei der Umsetzung der schwierig zu malenden metallenen Rüstung, zum anderen sind es empathische Charakterbilder, die die Rolle des wilden rauen Kriegers mit der fast schon zarten Sensibilität eines Philosophen und Staatsmannes verschmelzen. Am Übergang zur nächsten Sektion blickt den Besucher ein in einen tiefschwarzen Umhang gehüllter bärtiger Mann mit ernstem selbstbewusstem Blick direkt an. Es handelt sich um den Farbenhändler Alvise Gradignan dalla Scala, der es wie viele seiner Berufsgenossen in Venedig zu Ansehen und Reichtum brachte. Venedig war in der Renaissance ein Zentrum des Farbenhandels, und die vielen Porzellan- und Stoffmanufakturen und eben auch die Maler konnten bei diesen spezialisierten Händlern jederzeit über erstklassige Pigmente verfügen. In Florenz oder Rom mussten Künstler ihre Farben nach wie vor in Apotheken erwerben, in Venedig agierten die auf Farben spezialisierten Kaufleute schon früh als eigene Zunft.

Diesem Umstand ist auch eines der wesentlichen Merkmale der venezianischen Malerei geschuldet – das colorito. Die Leuchtkraft der hochpigmentierten Farben, die bereits in den vorangegangenen Räumen in ihrer Pracht wirken durfte, rückt nun etwas in den Hintergrund. Die Kuratoren rücken hier vielmehr den in Venedig vorherrschenden expressiven und pastosen Farbauftrag und die Experimentierfreude der Künstler mit der Farbe in den Vordergrund. Jacopo Bassano zählt zu den ersten Künstlern seiner Zeit, die Studienzeichnungen mit farbigen Kreiden kolorieren. Seine drei Blätter legen dar, wie dabei die Grenzen von Malerei und Zeichnung zu verschwimmen beginnen. Die Kompositionsskizze zur „Gefangennahme Christi“ aus dem Louvre in Paris zeigt eine bewegte Nachtszene, in der die expressiven Farben die Bedeutung einzelner Handlungen und Akteure gezielt betonten. Bassano suchte auch im Zusammenspiel von Malgrund und Malmittel nach neuen Wegen. Dies veranschaulicht seine „Kreuzigung Christi“, die er mit Ölfarbe auf eine schwarze Schiefertafel bannte. Zeitgenössische Quellen benennen Bassano sogar als Erfinder dieser Gemäldeart. Der dunkle Stein liefert von sich aus den Hintergrund für den nächtlichen Kalvarienberg vor dem sich das Sterben des Heilands vollzieht. Bassano arbeitete in seiner Komposition mit künstlichen Lichtquellen, die sich in aufwendig abgemischten Höhungen und zahlreichen scheinbar glänzend reflektierenden Metallgegenständen niederschlagen, gegen die die Figuren ansonsten regelrecht verschluckende Schwärze an.

Konkurrenz der Künstler und der Künste

Im 16. Jahrhundert war Venedig ein bedeutendes Zentrum der Malerei, nicht jedoch die einzige Kunstmetropole Italiens. Die Lagunenstadt stand in ständiger Konkurrenz zu Rom und vor allem Florenz. Das Wetteifern führte dazu, dass die Künstler sich stets gegenseitig genau beobachteten und die Innovationen der anderen in ihre eigenen Kunstwerke einfließen ließen. Am Beispiel des Motivs „Männlicher Akt“ wird das daraus resultierende „Florenz in Venedig“ vorgestellt. Unübertroffen waren in den Augen der Zeitgenossen die Plastiken des vor allem an der antiken Kunst bis zur Perfektion geschulten Bildhauers Michelangelo Buonarroti. In zahlreichen Studien setzten sich die Künstler Venedigs mit seinen Skulpturen auseinander, so auch Tizian oder Jacopo Robusti, genannt Tintoretto. Diese Beschäftigung mit der Aktskulptur führte in der Folge auch zu einer neuen Bildsprache in der Heiligendarstellung, so etwa bei Tintorettos „Heiligem Hieronymus in der Wildnis“ um 1571/72. Der in die Lektüre vertiefte Körper strotzt selbst in der Ruhe vor Kraft und Anspannung. Die säuberlich in einer ausgewogenen Mischung aus Kontur und Farbabstufungen modellierten Muskeln und die komplex gewundene Körperhaltung bilden darüber hinaus ein deutliches Argument für das Primat der Malerei über die Skulptur im Paragone, dem „Wettstreit der Künste“.

Am Ende der Frankfurter Präsentation erzählen einige wenige, aber aussagekräftige Beispiele von der europaweit über Jahrhunderte hinweg wirksamen Strahlkraft und Vorbildfunktion der venezianischen Kunst. Die Gemälde schlagen eine Brücke von Tizian und Tintoretto über El Greco, Guercino und die Caracci, über Rubens und Tiepolo bis zu Thomas Struth. Zum einen werden direkte Übernahmen und Kopien nach den Meistern thematisiert: Um 1560 fertigte der dalmatische Künstler Martino Rota einen Kupferstich nach Tizians „Tod des heiligen Petrus Martyr“, dasselbe Gemälde kopierte Théodore Géricault etwa 250 Jahre später in Öl auf Leinwand erneut. Andere Künstler übernahmen einzelne Techniken und Stilelemente. Der Vergleich von Werken Paolo Veroneses mit denen Peter Paul Rubens’ zeigt, wie der Flame Motive, etwa die Anordnung einer gestaffelten, hoch hinaufwachsenden Figurengruppe entlang einer Säule, in seine Kompositionen übertrug. Thomas Struths Fotografien rücken zum Abschluss noch ein neues Thema in den Fokus: die Rezeption der venezianischen Renaissancemalerei im musealen Kontext der heutigen Zeit. Vor allem in der 1992 entstandenen Aufnahme aus der Galleria dell’Accademia in Venedig mit Veroneses „Gastmahl des Levi“ im Hintergrund lässt Struth die Hürde der Jahrhunderte zwischen Bild und Besucher fast vollständig verschwimmen, Gemälde und Betrachter werden zu einer raum- und zeitlosen Einheit.

Der Bellini-Schüler Tizian ist klar das Zugpferd der Ausstellung, sein Name wird gewissermaßen zum „Clickbait“ und hat bereits für zahlreiche Besucherströme von nah und fern gesorgt. Dass seine Werke aber nur knapp ein Fünftel der Exponate stellen, ist den Kuratoren durchaus bewusst. Im Katalog verweisen sie ausführlich darauf, es sei eine Schau über die venezianische Kunst der Renaissance. Als deren unbestreitbarer Dreh- und Angelpunkt werde Tizian natürlich besonders hervorgehoben, eine Künstlerretrospektive mit monografischem Anspruch sei aber nie das Ziel des Projektes gewesen. Diese Klarstellung fehlt unglücklicherweise in der tatsächlichen Präsentation. So ist es auch nicht verwunderlich, dass bei einigen Besuchern wiederholt Ernüchterung, ja Enttäuschung aufkommt, dass gar nicht so viel Tizian zu sehen ist. Trotzdem verlässt der aufmerksame Gast das Museum mit einem umfassenden Überblick über das gesamte Œuvre des italienischen Koloristen. Alle Genres, Gattungen und Schaffensperioden sind in den rund 20 Werken Tizians beispielhaft vertreten. Dass man im Zuge des Rundganges Gleiches für weitere Künstler wie Bassano oder Veronese ebenfalls bekommt, wird dann – wenn auch erst auf den zweiten Blick – zu einer erfreulichen Dreingabe.

Die Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“ läuft bis zum 26. Mai. Das Städel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt dienstags bis freitags 14 Euro, anderntags 16 Euro, ermäßigt 12 Euro bzw. 14 Euro. Der Katalog aus dem Prestel Verlag kostet im Museum 39,95 Euro.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de



08.05.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maria Schabel

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 27

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (2)Stilrichtungen (1)Berichte (4)Variabilder (16)Künstler (2)

Variabilder:

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“
in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

Variabilder:

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“
in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

Variabilder:

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“
in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

Variabilder:

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“
in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

Variabilder:

Paolo Veronese, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um
 1572
Paolo Veronese, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um 1572

Variabilder:

Paolo Veronese, Amor mit zwei Hunden, um 1580
Paolo Veronese, Amor mit zwei Hunden, um 1580

Variabilder:

Bartolomeo Veneto, Idealbildnis einer jungen Frau
 als Flora, um 1520
Bartolomeo Veneto, Idealbildnis einer jungen Frau als Flora, um 1520

Variabilder:

Tizian, Studie für den heiligen Sebastian, um 1520
Tizian, Studie für den heiligen Sebastian, um 1520

Variabilder:

Tizian, Noli me tangere (Christus
 erscheint Maria Magdalena), um 1514
Tizian, Noli me tangere (Christus erscheint Maria Magdalena), um 1514







in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

in der Ausstellung „Tizian und die Renaissance in Venedig“

Paolo Veronese, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um 1572

Paolo Veronese, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um 1572

Paolo Veronese, Amor mit zwei Hunden, um 1580

Paolo Veronese, Amor mit zwei Hunden, um 1580

Bartolomeo Veneto, Idealbildnis einer jungen Frau als Flora, um 1520

Bartolomeo Veneto, Idealbildnis einer jungen Frau als Flora, um 1520

Tizian, Studie für den heiligen Sebastian, um 1520

Tizian, Studie für den heiligen Sebastian, um 1520

Tizian, Noli me tangere (Christus erscheint Maria Magdalena), um 1514

Tizian, Noli me tangere (Christus erscheint Maria Magdalena), um 1514

Jacopo Negretti, genannt Palma il Vecchio, Zwei ruhende Nymphen, um 1510/15

Jacopo Negretti, genannt Palma il Vecchio, Zwei ruhende Nymphen, um 1510/15

Jacopo Negretti, genannt Palma il Vecchio, Junge Frau in blauem Kleid mit Fächer, um 1512/14

Jacopo Negretti, genannt Palma il Vecchio, Junge Frau in blauem Kleid mit Fächer, um 1512/14

Tizian, Madonna mit Kind, der heiligen Katharina sowie einem Hirten (Die Madonna mit dem Kaninchen), um 1530

Tizian, Madonna mit Kind, der heiligen Katharina sowie einem Hirten (Die Madonna mit dem Kaninchen), um 1530




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce