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Dresdner Vermeer im Wandel

Jan Vermeer, Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster, um 1657/59

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gehört Jan Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ zu den Anziehungspunkten der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Öffentlichkeit und kunstgeschichtliche Forschung kannten es als Darstellung einer jungen Frau, die brieflesend an einem geöffneten Fenster steht. Wenige Möbel und zwei Vorhänge bildeten das sparsame, aber zweckmäßige Interieur, während die Wand hinter der Frau leer war. Nun aber hat sich gezeigt, dass eben diese Wand ihrerseits eine bildliche Darstellung aufwies – aber nur zeitweise. Im Rahmen einer Restaurierung, die die Gemäldegalerie seit 2017 an dem Werk durchführen lässt, konnte bestätigt werden, worauf bereits frühere Röntgenaufnahmen Indizien gegeben hatten: dass sich auf der Wand die Darstellung eines nackten Cupidos befand. Zugleich aber stellten die Experten um Gemälderestaurator Christoph Schölzel fest, dass es sich bei diesem Cupido seinerseits um eine jüngere Zutat handelt, er also nicht – wie bislang gemutmaßt wurde – von Vermeer selbst stammte.

Die Gemäldegalerie hat sich daher nun entschlossen, die jüngere Übermalungsschicht mit dem nackten Liebesgott ebenfalls zu entfernen. Allerdings wird der Öffentlichkeit fünf Wochen lang ein Blick auf den gegenwärtigen Zwischenzustand zu gewähren. Bis Mitte Juni ist das halbrestaurierte Bild mit einem im oberen Bereich von seinen jüngeren Übermalungen befreiten Cupido zu sehen, bevor im Rahmen einer Fortsetzung der Restaurierung auch der nackte Jüngling sein Leben aushauchen wird. Von wann und von wem der Cupido stammt, ist nicht bekannt. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die „Briefleserin“, die der sächsische Kurfürst Friedrich August II. 1742 in Paris erworben hatte, mehrfach restauriert. Die derzeit laufende Maßnahme, die noch bis 2020 dauern wird, soll nicht nur die ursprüngliche Farbigkeit des Bildes wieder sichtbar machen, sondern auch den authentischen Firnis freilegen – vermutlich der einzige Originalfirnis, der sich auf den ohnehin wenigen bekannten Werken Vermeers erhalten hat.

Jan Vermeers „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ im halbrestaurierten Zustand kann vom 8. Mai bis zum 16. Juni in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden bewundert werden. Sie hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär 12 Euro, ermäßigt 9 Euro und ist für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren frei.

Gemäldegalerie Alte Meister – Semperbau am Zwinger
Theaterplatz 1
D-01067 Dresden

Telefon: +49 (0)351 – 491 46 79
Telefax: +49 (0)351 – 491 46 94

Quelle: Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Jan Vermeer, Brieflesendes Mädchen am
 offenen Fenster, um 1657/59
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Jan Vermeer








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