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Das Thema der Verwundbarkeit steht im Mittelpunkt der aktuellen Schau im Wiener Dom Museums, die dem körperlichen, psychischen, sozialen, ökonomischen und politischen Leiden durch die Jahrhunderte nachgeht

Zeig mir deine Wunde



Andres Serrano, Suicide by Rat Poison II, 1992

Andres Serrano, Suicide by Rat Poison II, 1992

Eine steile Wendeltreppe führt in den ersten Stock des neuen Dom Museums in Wien. Noch immer, auch eineinhalb Jahre nach der Wiedereröffnung, sind die ersten Schritte, die aus dem Kassenraum in die Ausstellungsräume führen, eine Überraschung. Mittelalter, Barock, Avantgarde und Gegenwartskunst treffen hier in ein- bis zweimal jährlich wechselnden Präsentationen aufeinander, und auch die aktuelle Schau im Wiener Dom Museum ist eine Entdeckung: die epochenübergreifende Ausstellung „Zeig mir deine Wunde“ thematisiert die künstlerische Darstellbarkeit von körperlichen, psychischen, sozialen ökonomischen und politischen Leiden.


Hauptsächlich beherbergt das Dom Museum christliche Kunst aus Schenkungen und Kirchen – kostbare sakrale Objekte, darunter auch die mittelalterlichen Schätze des Wiener Stephandoms, sowie einzigartige Stücke, die im Zusammenhang mit dem bis 1365 regierenden Habsburger Herzog Rudolf IV. „dem Stifter“ stehen. Hinzu kommen zeitgenössische Kunstwerke. Mit der Kollektion des österreichischen Pfarrers, Kunstsammlers und Gründers der Galerie nächst St. Stephan, Monsignore Otto Mauer, verfügt das Dom Museum über eine umfangreiche Sammlung der Moderne und der Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre.

Der Titel der aktuellen Ausstellung nimmt Bezug auf eine Arbeit von Joseph Beuys, der eine 1974/75 entstandene Installation unter die Überschrift „Zeige deine Wunde“ setzte. Für Beuys, der sowohl in der Sammlung Otto Mauer, als auch in der Themenausstellung durch eine Leihgabe vertreten ist, war das Motiv der Wunde ein Schlüsselbegriff seiner Kunst. Leitmotivisch für die Präsentation ist der Aspekt der „Offenbarung“ der Wunde im Sinne des Demonstrierens der eigenen Verletzlichkeit. Gleich zu Beginn des Rundgangs erwartet die Besucher ein Raum, der die Thematik durch Werke anreißt, die das Verhältnis von Gegenständlichkeit und Abstraktion, von stark sichtbaren bis nahezu unsichtbaren Spuren von Verwundungen in kraftvollen Kontrasten demonstrieren. Hier trifft Renate Bertlmanns Fotozyklus „Maladies des Mystiques“ aus dem Jahr 1984 auf das hölzerne Kruzifix eines unbekannten Künstlers vom Anfang des 18. Jahrhunderts.

Der ans Kreuz geschlagene Körper ist über und über mit Verletzungen in unterschiedlicher Größe und Tiefe bedeckt. Unter der Heftigkeit der Schnitte hat sich die gespannte Haut des Leichnams zu klaffenden Wunden verzogen, durch die hindurch das gemarterte Fleisch sichtbar wird. Es gibt nur wenige Darstellungen des gekreuzigten Christus, die die Qualen der erlittenen Passion in derart drastischer Weise schildern. Dem Kruzifix ist Bertlmanns Serie an die Seite gestellt. In den sieben Fotografien inszeniert die österreichische Künstlerin ihren nackten, nur von einem durchsichtigen Gazeschleier bedeckten Körper. Übermalungen mit roter Farbe verweisen auf Stellen des Körpers, die Renate Bertlmann besonders verletzlich erscheinen: Augen, Ohren und Scham – Organe, die den Körper nach außen öffnen. Durch die subtilen Markierungen verleiht die Künstlerin dem inneren Befinden ein sichtbares Zeichen.

Unterteilt in sechs Kapitel werden thematische Schwerpunkte ausgelotet, wobei die Zuordnungen mitunter fließend sind. Im Bereich „Wunden des Körpers, Wunden der Seele“ führt beispielsweise die von der Decke hängende, lädierte Schaufensterpuppe „Shelter“ von Manfred Erjautz aus dem Jahr 2017 vor, dass sichtbare Wunden stets mit unsichtbaren Verwundungen zusammenhängen und umgekehrt, seelische Wunden zu unübersehbaren Verletzungen am Körper führen können. Neben einer Fotoarbeit von Andres Serrano und den um 1500 entstandenen Tafeln mit Darstellungen der „Sieben Schmerzen Mariens“ und des „Heiligen Johannes“ sind hier unter anderem Werke von Günter Brus, Katrina Daschner, Valie Export sowie plastischen Arbeiten des schwedischen Künstlers Anders Krisár vertreten. Die hyperrealistischen, fragmentierten Körperteile mit ihren lebensgroßen Proportionen lassen keinen Zweifel daran, dass es sich um Arm und Torso eines Kindes handelt. Die beiden Exponate tragen Male gewalttätiger Interaktion: Abdrücke der Hand eines Erwachsenen haben sich als Negativform in die Oberfläche des jugendlichen Körpers eingegraben. Spektakulär ist auch ein weiteres Werk Krisárs, ein Schutzanzug gegen Sprengmittel, wie er von Spezialeinheiten zur Sicherstellung von explosiven Stoffen verwendet wird. Der Künstler hat den „Bomb Suit“ 2006/07 von innen heraus zur Explosion gebracht und mahnt mit den Überresten an die Macht der Angst, die möglicher Weise schwerer zu ertragen ist als tatsächliche äußere Bedrohungen.

Um Macht und Ohnmacht, Krieg und Kriegswunden und den Versuch, erlebte Traumata zu verarbeiten kreist der nächste Ausstellungsbereich. „Politik der Verwundung“ lautet die thematische Klammer. Um das zentrale, spektakuläre Gemälde dieses Kapitels, eine spätklassizistische Kreuzigung, die 1938 von Nationalsozialisten beim Sturm auf das Erzbischöfliche Palais beschädigt wurde, gruppieren sich Werke von Erkan Özgen, Sophie Ristelhueber und Ricardo Cuevas. „Instrumente der Verwundung“ stehen im Mittelpunkt eines eigenen Abschnitts, der das Augenmerk auf Waffen und Geräte legt, die zu Verletzungen führen. Neben Jan de Beers Gemälde „Marter des heiligen Sebastian“ um 1510/15, die eine brutale Exekution mit Langbogen zeigt, hängt die kopflose Figur der „Ste. Sébastienne“ von Louise Bourgeois aus dem Jahr 1992.

Erkan Özgen, Sophie Ristelhueber und Raphaël Dallaporta thematisieren in ihren Werken die Ursprünge von Verwundungen im Zusammenhang mit politischer, religiöser und geschlechterspezifischer Unterdrückung. Erwähnenswert ist auch eine kleine Holzfigur der heiligen Agatha aus der Schatzkammer im kärntnerischen Stift Gurk. Während die Märtyrerin in ihrer Rechten einen Palmzweig hält, präsentiert sie auf einem Buch ihre abgeschnittenen Brüste, um an die besonders perfide Art ihrer Folter zu erinnern.

Der monumentalen Kreuzigung mit den Spuren nationalsozialistischer Gewalt gegenüber hängt ein großformatiges Barockgemälde aus dem 18. Jahrhundert mit einem Wundenmotiv. Es stellt den „Ungläubigen Thomas“ dar, der dem auferstandenen Christus in die von Longinus’ Lanze beigebrachte Wunde greift, eine Geste, der im Zusammenhang mit dem Motto der Ausstellung zentrale Bedeutung zukommt: nur dort, wo dem Gegenüber die Verwundung auch erfahrbar wird, kann Berührung und Überzeugung stattfinden.

„Die Verwundung der Welt“, „Hinwendung zur Wunde“ und „Wunde als Fest“ sind die drei folgenden Themenkomplexe überschrieben. Unter den etwas sperrigen Titeln haben die Kuratoren Johanna Schwanberg und Klaus Speidel eine Vielzahl von außergewöhnlichen Exponaten in spannenden Gegenüberstellungen arrangiert: ein Wasserspeier des Stephansdoms, der die langsame Form der Zerstörung alter Kulturgüter durch sauren Regen bezeugt, ein ebenso aus dem Stephansdom stammendes Kopialbuch, das Verbrennungsspuren vom Brand des österreichischen Wahrzeichens im Jahr 1945 aufweist, ein durchlöchertes Materialbild von Shozo Shimamoto aus dem Jahr 1951 oder ein mittels Kupferdraht vernähtes Spiegelscherbenbild von Kader Attia aus dem Jahr 2013. Joseph Beuys’ Objekt mit Pipette im Glaskasten von 1974 thematisiert Verletzlichkeit und den Wert von Ressourcen, und eine Wortspielerei „Wunde/r“ von Gerhard Rühm aus dem Jahr 2004 macht deutlich, wie nah die Wunde dem Wunder ist. Im Nebeneinander mit einer hölzernen Beweinungsszene aus dem frühen 16. Jahrhundert und einer Reliquientafel mit Schweißtuch aus dem Grab Christi zeigt sich das gesamte Ausmaß dieser geglückten Zusammenarbeit.

Die Ausstellung „Zeig mir deine Wunde“ ist bis zum 25. August zu sehen. Das Dom Museum Wien hat mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt am Montag, Dienstag und allen gesetzlichen Feiertagen geschlossen. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 7 Euro, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 3 Euro.

Kontakt:

Dom Museum Wien

Stephansplatz 6

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 51552 5300



18.04.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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20.09.2018, Zeig mir deine Wunde

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Dom Museum Wien

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Kader Attia, chaos+repair=universe, 2016
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Anders Krisár, Arm (right), 2006
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Meister des Winkler-Epitaphs, Die
 enthaupteten Heiligen Felix, Regula und Exuperantius auf dem Weg zur Grabstätte, um 1490
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Kader Attia, chaos+repair=universe, 2016

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Orlan, Saint Suaire n° 2, 1993

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Erkan Özgen, Wonderland, 2016

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Meister des Winkler-Epitaphs, Die enthaupteten Heiligen Felix, Regula und Exuperantius auf dem Weg zur Grabstätte, um 1490

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Lucio Fontana, Concetto spaziale. Attese 59 T 1, 1959

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Guillaume Courtois, Blut Christi nach Gian Lorenzo Bernini, 17. Jahrhundert

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Günter Brus, Der helle Wahnsinn, 1968

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Louise Bourgeois, St. Sébastienne, 1992

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Renate Bertlmann, Maladies des Mystiques, 1984

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Jan de Beer, Marter des heiligen Sebastian, um 1510/15

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