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Peter Doig hat in der Wiener Secession seine erste Einzelausstellung in Österreich und präsentiert neue Arbeiten seiner geheimnisvollen Kunst

Malerei im Schwebezustand



Peter Doig, Spearfisher (Red Moon), 2019

Peter Doig, Spearfisher (Red Moon), 2019

Bilder aus einer Ausstellung von Peter Doig bleiben im Gedächtnis. Stets inszeniert der 1959 in Edinburgh geborene Künstler, der in Trinidad und Kanada aufwuchs, Naturszenarien oder Stadtlandschaften mit Figuren, Tieren, Architekturdetails oder Gegenständen, die alle dazu bestimmt sein könnten, Part eines Plots zu sein, den sich die Betrachter selbst erschließen müssen. Doigs Bilder wirken wie aus einer anderen Zeit und beschwören gleichzeitig Reminiszenzen an bekannte Werke von Künstlern des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts: an die Winterbilder und Figurenensembles von Gustave Courbet, an Henri Rousseaus idealistische Südseeszenarien, an Claude Monets Wasserlandschaften, den spielerischen Bildaufbau und die Leichtigkeit der Sujets bei Henri Matisse, die menschenleeren Kulissenwelten von Giorgio de Chirico, die lichtdurchwirkten Landschaften, Blumengärten, Segelboote und Akte bei Pierre Bonnard, die Wasseroberflächen, Wiesen und Birkenwälder von Gustav Klimt ebenso wie an die erzählende und Mythen schaffende Malerei von Max Beckmann oder die düsteren, melancholischen Szenen eines Edvard Munch. Das, was Peter Doig malt, wirkt bekannt und ist doch gleichzeitig so anders, als alles, was man schon gesehen hat.


Aktuell zeigt die Wiener Secession eine Auswahl von 14 Gemälden, die alle in diesem Jahr entstanden sind. Das Andere, das auf solch einprägsame Weise in den Bildern von Peter Doig verwurzelt ist, bezieht seine Nährstoffe vor allem aus dem Umstand, dass den Werken ungeachtet der finalen Fassung, die der Künstler meist erst nach zahlreichen Überarbeitungen aus dem Atelier entlässt, stets etwas Unvollendetes anhaftet. Doig selbst bezeichnet seine Gemälde als „unfinished“. Vor allem diesem nicht abgeschlossenen Zustand der Arbeiten ist es zu verdanken, dass ihnen trotz der unterschiedlichen Sujets eine Atmosphäre innewohnt, eine Präsenz, die einen gedehnten Augenblick der Ruhe ebenso beschreiben kann wie einen Moment konzentrierter Erfahrung. Doigs Malerei ist eine Kulmination geballter Atmosphäre, die nicht verschwindet, auch wenn die Bilder wiederholt betrachtet werden.

Seine Gemälde sind zeitlose Szenen, vor denen die Betrachter zurücktreten möchten, um zu überblicken, was auf den oft monumentalen Leinwänden vorgeführt wird. Aber gleichzeitig wird man verleitet, wieder einen Schritt nach vorne setzen, ganz nahe vor die Leinwand, um die delikaten Überlagerungen und Schichten, die ungewöhnlichen Nuancierungen, die opaken und liquiden Farbaufträge zu studieren. In den visuellen Exkursionen versenkt sich das Auge unweigerlich in Details, die wie die malerische Faktur bei Peter Doig von enormer Wichtigkeit sind. In der Nahbetrachtung lösen sich die gegenständlichen und figürlichen Motive in einen bacchantischen Wirbel von Farbflecken auf.

Die englische Sprache hat dafür den schönen Ausdruck „In-betweenness“. Der Begriff meint einen Schwebezustand, ein Hin- und Hergerissensein, einen Zustand der Unentschlossenheit oder des Übergangs zwischen zwei oder mehr Identitäten. Doig erzielt diese Wirkung vor allem durch eine absichtliche Verstörung, die Resultat einer subtilen Paarung von einem meist harmlosen Sujet mit einer gruseligen Stimmung ist. Das passiert, wenn Peter Doig beispielsweise einen freilaufenden Löwen, eines der markanten und wiederkehrenden Sujets in seinem Œuvre, vor der gelben Ziegelmauer eines Gebäudes herumstreifen lässt. In der Rastafari-Bewegung symbolisiert der biblische Löwe von Juda eine Heilserwartung und Widerstandshaltung. Abbildungen von ihm sind in Trinidad, wo Doig heute wieder lebt, wie in der ganzen Karibik, wo der Löwe zu einem Teil der Popkultur geworden ist, äußerst häufig. Mit „Fire Down Below“, so der Titel des Bildes, bezieht sich Doig erneut auf bekannte Vorbilder der Kunstgeschichte: auf die Werke von Giorgio de Chirico und das Gemälde „Das gelbe Haus“ von Vincent van Gogh. Zugleich reagiert er auf das berüchtigte, gelb ummauerte Gefängnis in Port of Spain, der Hauptstadt von Trinidad und Tobago.

Nicht selten vermischt Peter Doig auf diese Weise Motive unterschiedlicher Herkunft im „Sampling-Verfahren“. Häufig verwendet er auch Ideen aus eigenen Bildern noch einmal. Durch die Kombination mehrerer Sujets, die Bekanntes und Unbekanntes miteinander verknüpfen und außerdem zeitlich unterschiedlich zu verorten sind, entsteht ein Prozess des Fließens, des Verschwimmens, der sich direkt auf die Wahrnehmung überträgt. Nichts ist in diesen Bildern ganz so wie es scheint.

Den charakteristischen „Munch-on-Drugs-Touch“ setzt Doig bei „Bather (Night Wave)“ und „Bather (Sings Calypso)“ ein – zwei Gemälde, die den muskulösen Robert Mitchum am Strand von Trinidad zeigen und eine Hommage an den US-amerikanischen Maler Marsden Hartley sind. Allerdings ist Mitchum hier fast nicht wiederzuerkennen. Durch die Vielfalt der horizontal organisierten Farbfelder evoziert Peter Doig nicht nur unterschiedliche Stimmungen zwischen Tag und Nacht, sondern rückt auch die Mittel der Malerei in den Vordergrund. Doigs Thema ist nicht das Wiedererkennen realer Szenen, sondern das Zusammenspiel der dargestellten und kompositorischen Elemente, die zwischen Realität und Imagination verschiedene Ebenen der Wahrnehmung und Erinnerung vereinen. Mit der wiederholten Variation der Motive und der unterschiedlichen Größe der Bildformate fordert Doig sich selbst heraus, auf eine Weise zu malen, die sich immer wieder, manchmal nur in Nuancen, von seinen vorangegangenen Gemälden unterscheidet.

Dem großen Gemälde „Two Trees“ stellt Doig das kleine Format „Music“ zur Seite, das zwei Musiker mit ihren Instrumenten und eine auf einem Pferd sitzende Frau in arkadischer Landschaft präsentiert. In „Two Trees“ variiert er das Motiv des einen Gitarrenspielers als dunklen Schatten, der nur mehr schemenhaft zwischen den beiden, monumentalen „Bäumen“ auftaucht, die Doig wiederum in schmelzende, psychedelische Formen auflöst. Figurative Motive modifiziert der Künstler in abstrakte Texturen und Formen. Zurückbleibt eine Malerei mit der Dimension eines beunruhigenden Geheimnisses, das nicht mehr durch Information, sondern allein mittels Gefühl und Intuition aufgenommen wird und die dem Betrachter eine aufregende Seherfahrung ermöglicht. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Künstlerbuch, das malerische Motive in Zeichnungen, Skizzen, Schablonen und Collagen vorstellt, die Doig für seine in der Secession präsentierten Gemälde erprobt und vorbereitet hat.

Die Ausstellung „Peter Doig“ ist bis zum 16. Juni zu sehen. Die Secession hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der reguläre Eintritt beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder unter zehn Jahren ist er kostenlos. Das Künstlerbuch kostet 59 Euro.

Kontakt:

Secession

Friedrichstraße 12

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 587 53 07

Telefax:+43 (01) 587 53 07 34

E-Mail: office@secession.at



15.04.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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12.04.2019, Peter Doig

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Secession

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Reservate der Einsamkeit

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Reservate der Einsamkeit

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Peter Doig, Two Trees (Music) – Music (Two Trees), 2019
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Peter Doig, Shadow – Hololo Mountain Road, 2019
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Peter Doig, Painting on an Island (Carrera) – Nightbathers, 2019
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Variabilder:

Peter Doig, Lion in the Road (Sailors), 2019
Peter Doig, Lion in the Road (Sailors), 2019

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Peter Doig, Lion (Fire Down Below), 2019
Peter Doig, Lion (Fire Down Below), 2019







Peter Doig, Two Trees (Music) – Music (Two Trees), 2019

Peter Doig, Two Trees (Music) – Music (Two Trees), 2019

Peter Doig, Shadow – Hololo Mountain Road, 2019

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Peter Doig, Painting on an Island (Carrera) – Nightbathers, 2019

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Peter Doig, Lion in the Road (Sailors), 2019

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Peter Doig, Lion (Fire Down Below), 2019

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Peter Doig, Bather (Night Wave) – Bather (Sings Calypso), 2019

Peter Doig, Bather (Night Wave) – Bather (Sings Calypso), 2019

Peter Doig, Untitled (Wheelchair) – Untitled (Small Wheel Chair) – Musical Equipment Ltd., 2019

Peter Doig, Untitled (Wheelchair) – Untitled (Small Wheel Chair) – Musical Equipment Ltd., 2019




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