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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei recht anspruchsvollen Schätzungen konnte die Designauktion im Wiener Dorotheum nur wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen

Etwas magersüchtig



Ivan da Silva Bruhns, Teppich, um 1930

Ivan da Silva Bruhns, Teppich, um 1930

In der Regel sorgen sich leblose Gegenstände wie Kunstwerke, Stühle, Objekte et cetera nicht sonderlich darum, ob die Beine zu muskulös sind. Der Bezug zum Magersüchtigen liegt in der Zuschlagsquote der Auktion „Design First“ im Wiener Dorotheum. Mit einer losbezogenen Verkaufsrate von anorexischen 25 Prozent ist die Zukunft des österreichischen Traditionsunternehmens nicht gefährdet, jedoch ist es eine auffällig niedrige Zahl, die noch um rund zehn Prozentpunkte unter den Werten der vergangenen Veranstaltungen aus diesem Bereich rangiert. Zudem wechselten die meisten Objekte für den unteren Schätzwert oder sogar darunter den Besitzer, ganz so als hätten sie sich miteinander abgesprochen. Nur wenige der 20 veräußerten Posten widersetzten sich dieser Tendenz. Geschuldet ist dieses schlechte Abschneiden wohl nicht zuletzt den hohen Preisvorstellungen für viele der Positionen.


Die beiden teuersten Arbeiten der Versteigerung am 27. März waren Jean Prouvés Tisch „Granito“ von 1945 und eine Rauminstallation von Stefan Sagmeister, Jessica Walsh und Santiago Carrasquilla von 2012, die auf der Wanderausstellung „The Happy Show“ um die Welt tourte und auch in Wien, Zürich oder Frankfurt Halt machte. Auf einem zweistufigen Metallpodest haben die drei Designer ein Fahrrad angebracht, das zum Sporteln einlädt. Der strampelfreudige Betreiber kann dann zur Rechten die ermutigende Projektion „Now“ sehen und vor sich vier Sätze in leuchtendem Neon. In glühendem Rot das belehrende „Seek discomfort“ und in Hellblau die titelgebenden Aussagen „Actually doing the things I set out to do increases my overall level of satisfaction“. Inwieweit die erzielten 40.000 Euro für die Beteiligten befriedigend waren, bleibt ungewiss (Taxe 40.000 bis 70.000 EUR). Selbiges darf für Prouvés rot-weiß gesprenkelten Terrazzotisch gelten, den schmale schwarze Stahlbeine tragen. Auch er traf nur die untere Schätzgrenze von 40.000 Euro.

Gänzlich ignoriert wurden etwa Zaha Hadids Sitzbank „Iceberg“ von 2003 (Taxe 110.000 bis 140.000 EUR), Alfredo Häberlis 2006 datierter Prototyp des Regals „Pattern“ (Taxe 26.000 bis 35.000 EUR) und Deborah Thomas’ 1996/98 entwickelte Deckenleuchte „Broken Ice“ (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Die Zurückhaltung der Käufer traf die hochpreisigen und die erschwinglich bewerteten Designobjekte gleichermaßen. Auf der Rückgangsliste stellten sich noch Giacomo Manzùs unikater Couchtisch „Nastro“ von 1969 bei 130.000 bis 180.000 Euro, Franz Singer strenger Stuhl um 1927 für 80.000 bis 130.000 Euro, Mathieu Matégots quadratischer Tisch „Santiago“ von 1954/55 für 40.000 bis 60.000 Euro oder Philip Michael Wolfsons golden-weißer Beistelltisch „Twisted“ von 2009 für 6.000 bis 9.000 Euro ein.

Etwas Mobilar

Am unteren Wunschwert von 9.000 Euro blieb Pierre Jeannerets Paar der kantigen „Office Cane Armchairs“ haften, die er um 1955 für die Verwaltungsgebäude im indischen Chandigarh aus Teakholz und Rohrgeflecht anfertigte. Auch ihre etwas komfortableren Kollegen aus dem Bewohnerteil des Baus von etwa 1955/56 beharrten auf 22.000 Euro (Taxe 22.000 bis 28.000 EUR). Ehrgeiziger zeigten sich hier die vier „Elegant Office Cane Armchairs“ Jeannerets um 1953/54, die immerhin 24.000 Euro einforderten (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Den Sprung in das Jahr 2007 vollführte Ross Lovegroves verspielte „Liquid Carbon Bench“. Die schwarze schimmernde Bank erinnert an einen auseinandergezogenen Kaugummi, Stabilität verliehen ihr die seitlichen Beine mit ihren kurzen Armlehnen. Das angespannt wirkende Möbel erklomm die untere Erwartung von 18.000 Euro. Trotz humorvoller Untertöne überzeugte Philippa von Basthas Sitz-Skulptur „Turkey Bone“ in Wien nicht so recht. Der polierte Aluminiumguss von 2016/17 verließ das Auktionspult bereits bei 11.000 Euro (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR).

Das auffällige cremefarben-schwarze Giraffenmuster, mit dem Carlo Rampazzi 1978 eine barock bombierte Kommode und einen großen Rundspiegel überzog, sicherte sich 18.000 Euro (Taxe 16.000 bis 24.000 EUR). Mut zum Ungewöhnlichen zeigte auch Carla Tolomeo bei ihrem leuchtend grünen „Parrot chair“ von 2008. Aus einem gepolsterten Rundhocker mit Samtbezug wächst mittig die mit vierzehn Papageien besetzte Lehne in umgedrehter Tropfenform heraus. Das luxuriöse Werk flog seinem neuen Besitzer für 4.000 Euro ins Netz (Taxe 4.000 bis 7.000 EUR). Nüchterner ging es bei Jean Prouvés kontrastreichem Schrank „Model AG 11“ von 1945/47 zu, der mit der Gegenüberstellung von blaugrün lackierten Seitenwänden und den verschiebbaren Vordertüren in hellbraunem Eichenton spielt. Rationell war hier auch der Einsatz von 17.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Preislich tiefer stapelte ein Beistelltisch von Josef Frank mit 7.500 Euro. Der Österreicher entwarf das Möbel um 1925 für Haus & Garten in Wien und nutzte dunkel gebeiztes Walnussholz. Die drei leicht geschwungenen Beine streben gemeinsam empor und münden in die einer Blüte angenäherte Tischplatte (Taxe 8.000 bis 13.000 EUR). Etwas besser lief es für einige Objekte aus der Villa Primavesi in Hinterbrühl bei Wien, etwa für ein Josef Hoffman zugeschriebenes braunes Ledercouchset mit 24.000 Euro (Taxe 24.000 bis 35.000 EUR). Diesem Trend folgte auch das hübsche Walnussregal der Villa aus den 1920er Jahren mit 6.000 Euro (Taxe 6.000 bis 12.000 EUR). An seine untere Schätzgrenze von 5.000 Euro hielt sich zudem Xaver Sedelmeiers Duo „Mondrian“ von 2018. Den Stuhl und runden Couchtisch in zurückhaltend geometrischer Gestalt fertigte Sedelmeier aus weiß lackiertem Tränenblech mit kleinen gegeneinander geordneten diagonalen Erhebungen.

Azurblau, Glück und Teppiche

Himmelblau lässt Heimo Zobernig die gebogene Fläche in seinen zwei Raumteilern von 1994 für die Wiener Wohnung von Kurt Palm erstrahlen. So sommerlich das Blau auch erscheint, so gelang es ihm nicht, die Bieter für sich zu begeistern. Bereits bei 10.000 Euro fand das Paar einen Abnehmer (Taxe 10.000 bis 20.000 EUR). In frühlingshaften Gelb der Narzissen erstrahlt der „Gumball Personal Happiness Survey“, den sich Stefan Sagmeister und Jessica Walsh ebenfalls 2005 für ihre „Happy Show“ ausdachten. Die Installation mit zehn nummerierten Röhren, die alle mit gelben Gummibällen gefüllt sind, fragt den Betrachter nach seinem Glücksgefühl, das er von eins bis zehn bewerten soll. Diese charmante Spielerei übernahm ein Interessent für 15.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Trotz seiner Bauhaus-Inspiration verharrte der um 1930 von Hans Steineder entworfene Teppich mit geometrischem Mäander-Muster und einem Farbfluss in Blau, Altrosa, Graugrün, Schwarz und Beige bei 6.000 Euro (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR). Dieses Manko schien Ivan da Silva Bruhns’ leuchtend flaschengrüner Teppich aus derselben Zeit wettmachen zu wollen, als er mit 15.000 Euro das Dreifache der Schätzung einspielte. Doch hier lag die Taxe mit 4.000 bis 8.000 Euro auch recht niedrig, wenn für Teppiche des Franzosen schon einmal siebenstellige Werte bewilligt werden. Salomonisch gab sich der hellblaue Teppich von Paule Leleu bei 9.500 Euro. Um 1940 platzierte sie bei dieser 4,8 auf 4 Meter großen Arbeit stilisierte Blumen in Weiß, Blau und Rot in einer Raute (Taxe 6.500 bis 8.500 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



11.04.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Carlo Rampazzi, Kommode „Optical“ und Wandspiegel „Optical“, um 1978

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Hans Steineder, Teppich, um 1930

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Taxe: 24.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 24.000,- EURO

Losnummer: 49

Philippa von Bastha, Sitzobjekt „Turkey Bone“, 2016/17

Philippa von Bastha, Sitzobjekt „Turkey Bone“, 2016/17

Taxe: 15.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

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Regal, Österreich, 1920er Jahre

Regal, Österreich, 1920er Jahre

Taxe: 6.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

Losnummer: 55

Jean Prouvé, Tisch „Granito“, 1945

Jean Prouvé, Tisch „Granito“, 1945

Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

Losnummer: 5




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