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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei der Auktion „Contemporary Curated“ von Sotheby’s in New York hatten die Afroamerikaner einen starken Auftritt

Schwarz ist schön



Das war ein Freudenfest für die afroamerikanischen Künstler: Bei der Sotheby’s-Auktion „Contemporary Curated“ in New York lagen sie vorne und holten oft unerwartet hohe Preise. So erging es dem 1955 geborenen Kerry James Marshall, der mit seiner Leinwand „Painter“ von 2008 sein Selbstverständnis als schwarzer Künstler niederlegte. Denn zwischen einer überdimensionierten Palette im Stil des Abstrakten Expressionismus und einer Rückwand mit rechteckigen Bildabschlüssen, die die Kunst von Weißen versinnbildlichen, steht eine Frau mit Malerschürze und tiefschwarzer Haut, die fragend, aber auch selbstbewusst zum Betrachter blickt. Wer bin ich? Wie willst Du mich sehen? Dass dieses mit so viel Bedeutung aufgeladene Gemälde seine Anhänger finden würde, war klar. Dass es aber dann von 1,8 Millionen Dollar auf 6,2 Millionen Dollar und damit auf den zweithöchsten Wert im Auktionsranking Marshalls schoss, war schon überraschend und bestätigt die letzte „Power 100“-Liste des britischen Kunstmagazins „Art Review“, die Kerry James Marshall im vergangenen Jahr auf Platz 2 setzte.


Die Wertschätzung für Kunst von Schwarzen ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Viele Museen, auch in Deutschland, bemühen sich, den Blick auf die Kunstgeschichte über die traditionell europäisch-amerikanische Präsenz zu erweitern. So ging etwa der Wolfgang-Hahn-Preis des Kölner Museums Ludwig im Jahr 2014 an Kerry James Marshall, und die Neue Nationalgalerie in Berlin stellt derzeit das Werk des im vergangenen Jahr verstorbenen Künstlers Jack Whitten vor, der als einer der wenigen Afroamerikaner die abstrakte Malerei bevorzugte. Auch er war einer der Stars der Versteigerung bei Sotheby’s. Sein Gemälde „Special Checking“ von 1974 mit graubraunen Farbschlieren und applizierter Schnur aus der Serie der „Slab Paintings“ fuhr mit 2,2 Millionen Dollar den neuen Auktionsrekord ein (Taxe 300.000 bis 500.000 USD). Ebenfalls ungegenständlich arbeitet Sam Gilliam, dem das Kunstmuseum Basel im vergangenen Jahr die erste institutionelle Einzelausstellung in Europa widmete. Seine pastos aufgetragene Leinwandcollage „Deep and Red“ von 1979 verdoppelte ihren Wert auf 120.000 Dollar, seine zwei Jahre ältere, von Jazz-Musik inspirierte Farbschlacht „Leah’s Favor“ akzeptierte die untere Schätzung von 180.000 Dollar.

Schwarz: bunt und figurativ

Die meisten afroamerikanischen Künstler arbeiten aber figürlich und freuen sich an der Farbe, etwa Romare Bearden, dessen Collage einer afrikanischen Familie unter dem Titel „The Unforgotten“ von 1970 von 60.000 Dollar auf 250.000 Dollar kletterte, oder Faith Ringgold mit ihren beiden voluminösen Frauengestalten, die als „Two Jemimas“ die Grenzen der bestickten Leinwand von 1997 sprengen. Hier kamen die unteren anvisierten 150.000 Dollar zusammen. Bei günstiger taxierten Werken waren dann Firelei Báez mit ihrer schillernd verschwommenen Frauengestalt „Patterns of Resistance“ von 2015 bei 28.000 Dollar (Taxe 9.000 bis 12.000 USD), Simone Leigh mit ihrem pockennarbigen Keramikkopf von 2013 bei 35.000 Dollar (Taxe 15.000 bis 20.000 USD) oder Lorna Simpson mit ihrem 38teilgen Grafikportfolio „Wigs“ zur schwarzafrikanischen Haarpracht von 1994 bei 42.000 Dollar auf der Überholspur (Taxe 30.000 bis 40.000 USD).

Henry Taylor überzeugte mit seinen fast naiv gemalten Menschengestalten, etwa einem Schwarzen, den er mit der Orts- und Datumsangabe „L.A. Feb. 11, 2014“ definiert hat, bei 65.000 Dollar (Taxe 35.000 bis 45.000 USD), und dann vor allem mit dessen Mitspieler beim gefährlichen „Neighborhood Watch“ für 240.000 Dollar (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Während Glenn Ligons immer weiter verschwimmendes Schriftbild „Stranger Drawing #6“ von 2004 einen Abschlag auf 380.000 Dollar hinnehmen musste (Taxe 400.000 bis 600.000 USD), platzierte sich seine nun vollkommen schwarze Papierarbeit, die mit einem Text von James Baldwin ebenfalls auf die Identität von Schwarzen anspielt, taxkonform bei 130.000 Dollar. Auch Rashid Johnson nutzte 2012 in seinem durchfurchten Bild „Cosmic Slop. Change of the Century“ aus Seife und Wachs lediglich die Farbe Schwarz und erntete damit nun 128.000 Dollar (Taxe 70.000 bis 100.000 USD).

Kehinde Wiley taucht seine hyperrealistischen Darstellungen von Afroamerikanern dagegen stets in ein buntes Farb- und Mustermeer, so auch bei dem Heranwachsenden „Easter Realness #7“ in Hip-Hop-Street-Mode von 2004, der bei 80.000 Dollar etwas untertourig fuhr (Taxe 100.000 bis 150.000 USD). Als Graffiti-Künstler betätigte sich der Hip-Hop-Musiker Rammellzee, was man seiner bunt gesprühten, abstrakten, nun 70.000 Dollar teuren Formspielerei auch ansieht (Taxe 20.000 bis 30.000 USD). Dass bei diesem großen Zuspruch für afroamerikanische Kunst gerade Jacob Lawrences 1964 gemalte Gouache „Menagerie“, in der zwei starke Männer mit Pistolen ein Blutbad unter dem Federvieh anrichten, liegenblieb, verwundert schon etwas. Vielleicht lagen die jetzt angesetzten 180.000 bis 250.000 Dollar doch zu weit entfernt von den 65.000 Dollar, die das bunte, aber grausame Bild 2001 bei Sotheby’s erzielte.

Schwarz über Schwarz hinaus

Dass Schwarz auch als Farbe bei Kunstwerken gefragt war, bewiesen etwa Jesús Rafael Sotos optische Quadratvibration „Blanc et noir“ von 1990 bei 125.000 Dollar (Taxe 120.000 bis 180.000 USD), Richard Hambletons spritzige Schattenmänner „Double Jumpers“ von 1999 bei 250.000 Dollar (Taxe 100.000 bis 150.000 USD) und vor allem Louise Nevelsons vollkommen schwarz angestrichenes Relief „ Black Zag T“ aus geometrischen Formen von 1968 bei 260.000 Dollar (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Die Frauenriege war zudem mit Alice Neel und ihrem etwas melancholischen Portrait „Connie“ um 1945 bei 750.000 Dollar (Taxe 300.000 bis 500.000 USD), mit Louise Bourgeois und ihrer Gegensätze vereinenden Bronze „Hanging Janus with Jacket“ von 1968/92 bei 380.000 Dollar (Taxe 250.000 bis 350.000 USD) sowie mit Yayoi Kusama und ihren beiden Punktebildern „Dots Obsession“ in Violett von 2005 bei 600.000 Dollar (Taxe 450.000 bis 650.000 USD) und dem kleineren, aber dynamischeren „Pacific Ocean“ von 1985 bei 260.000 Dollar erfolgreich (Taxe 100.000 bis 150.000 USD).

Als Grande Dame der Textilkunst lässt sich die 1932 geborene Kolumbianerin Olga de Amaral ansprechen, die in den 1970er Jahren mit ihren Tapisserien international Anerkennung fand, heute aber etwas in Vergessenheit geraten ist. Ihre golden glänzende Arbeit „Alquimia 81“ verließ das Auktionshaus erst bei 130.000 Dollar (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Pferde waren bei Susan Rothenbergs querformatigem Ausschnitt „Accident #2“ von 1993/94 mit 155.000 Dollar (Taxe 60.000 bis 80.000 USD) und Deborah Butterfields Bronzeskulptur „Dazzel“ von 1988 mit 75.000 Dollar gefragt, die so tut, als sei sie auf Baumästen zusammengesetzt (Taxe 70.000 bis 90.000 USD). Für die 1983 geborene und erst seit dem vergangenen Jahr auf Auktionen vertretene Amerikanerin Loie Hollowell gab es einen Auktionsrekord: Ihre von innen heraus leuchtende Wachstumsform „Hung (up)“ von 2016 eroberte sich bei 160.000 Dollar den ersten Platz (Taxe 50.000 bis 70.000 USD). Amy Sillman ist schon arrivierter und gab ihre bunte reduzierte Formgebung „Purple/Pipesmoker“ von 2009 zur oberen Schätzgrenze von 350.000 Dollar ab.

Ein Herz für die Venus

Dass die amerikanische Städel-Professorin im Abstrakten Expressionismus ein Vorbild hat, machen etwa Philip Gustons unruhig nebeneinander gesetzte Farbfelder „Western“ von 1959 deutlich, die mit hohen 360.000 Dollar umworben wurden (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Einen starken Auftritt hatte zudem Jim Dine mit seinen drei Kunstwerken. Sein Doppelherz-Gemälde „Atlantic Love Letter“ von 1994 stieg auf 170.000 Dollar (Taxe 100.000 bis 150.000 USD), sein Venus-Torso „The Field of the Cloth of Gold“ aus bemalter Bronze von 1987/88 auf 140.000 Dollar und die plastische Melange aus beiden in der Skulptur „Heart and Venus“ von 1985 auf 180.000 Dollar (Taxe je 80.000 bis 120.000 USD). Ungewohnte bildhauerische Wege ging Richard Artschwager 1996 bei seinem überdimensionierten „Exclamation Point“ aus kräftig grünen Nylonborsten, für den es 100.000 Dollar gab (Taxe 20.000 bis 30.000 USD), ebenso Roxy Paine 2001 mit „Model for Bluff“. Der kahle Baum aus rostfreiem Stahl, ein bevorzugtes Motiv im Schaffen des Amerikaners, brachte es auf 105.000 Dollar (Taxe 15.000 bis 20.000 USD).

Beide Arbeiten gehörten zur Sammlung des 2014 verstorbenen Unternehmensberaters David Teiger. Hier reüssierten noch Chris Ofilis genießender schwarzer Akt „Confession“ von 2006 bei 80.000 Dollar (Taxe 20.000 bis 25.000 USD), Michel Majerus’ mit Schriftzeichen und Farbschlieren überzogenes Acrylgemälde „Eggsplosion“ von 2002 bei 170.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD) oder zum gleichen Wert Kenneth Nolands horizontale Farbbahnen „Twin Plain II“ von 1969 in dominantem Gelb (Taxe 80.000 bis 120.000 USD). Ebenfalls Beachtung fanden Marina Abramovics Video „Nude with Skeleton“ von 2005 mit 40.000 Dollar (Taxe 15.000 bis 20.000 USD) und Kai Althoffs collagierte Malerei „Tanzende Derwische“ von 1984 bei 28.000 Dollar (Taxe 18.000 bis 25.000 USD).

Deutsche Künstler waren nicht so zahlreich vertreten, konnten aber einige schöne Preissteigerungen verbuchen. So verbesserte sich André Butzers farbenfrohe Abstraktion „Nicht fürchten 2“ von 2009/10 mit zentraler schwarzer Krakenform auf von 40.000 Dollar auf 140.000 Dollar und Daniel Richters mit dem Rücken zum Betrachter von einer Wand sitzender, seltsam luzider „Headbanger“ aus dem Jahr 2005 von 70.000 Dollar auf 180.000 Dollar. Taxgerecht kamen Stephan Balkenhols lebensgroßes Holzduo „Große Frau mit grünen Hosen – Großer Mann“ von 1996 bei 80.000 Dollar und Anselm Kiefers materialintensives Bild „Die Palme“ aus seinem 2006 entstandenen Zyklus „Palmsonntag“ bei 350.000 Dollar ans Ziel.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s New York

1334 York Avenue (at 72nd Street)

US-NY 10021 New York

Telefon:+1 (212) 606 70 00

Telefax:+1 (212) 606 71 07



04.04.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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