Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 21.06.2019 Auktion 126: Moderne und zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

© Jeschke, van Vliet Kunstauktionen

Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Schwungvolle Tage bei Karl & Faber in München

Licht im Schattenraum



Nach dem Ende des „Blauen Reiters“, maßgeblich bedingt durch den Ersten Weltkrieg, suchten viele der Künstler der Gruppe neue Wege. Heinrich Campendonk fand zu seiner eigenen Art der Helldunkelmalerei, indem er seine farbstarken hellen Motive und Lichteffekte in dunkle, oft theatralisch wirkende Räume setzte, die in ihrer Dramatik seine erfolgreichen Bühnenbilder der 1920er Jahre vorwegnahmen. Schon 1919 lässt sich dieser Effekt bei seinen „Kühen im Wald“ beobachten. Starr stehen die massigen Tiere inmitten des dynamisch gestalteten Dickichts und bauen so eine Spannung zwischen ihrer Statik und dem energiegeladenen Kolorit auf, das den Wald in mystischen Rot- und Grüntönen erleuchtet und durch die Lichtquelle des Mondes manches diaphan erscheinen lässt. Nach hinten lassen sich immer weniger konkrete Formen ausmachen, und die Farben verschwimmen zu einer fantastisch amorphen Fläche mit starker Tiefenwirkung. Von dieser stimmungsvollen Atmosphäre ließen sich die Kunden bei Karl & Faber mitreißen. Gegen das 600.000 Euro hohe Gebot eines süddeutschen Sammlers am Telefon konnte sich im Saal allerdings niemand mehr behaupten. Anvisiert waren für Campendonks „Kühe im Wald“ 400.000 bis 600.000 Euro.


Innerhalb der zwei für die moderne und zeitgenössische Kunst zum Jahresabschluss veranschlagten Tage setzte der Münchner Versteigerer nach eigenen Angaben brutto 6,2 Millionen Euro um. Dabei wählten die Kunden genau aus: Während die Privatsammlung von Frank Preuss für Euphorie sorgte, ging unter anderem Yves Kleins posthum herausgegebenes, typisch blaues Auflagenstück „Relief Planétaire: Région de Grenoble (RP10)“ erst im Nachverkauf bei 250.000 Euro weg; hier waren eigentlich 450.000 bis 550.000 Euro vorgesehen. Überhaupt keinen Abnehmer fanden Alexej von Jawlenskys noch recht impressionistisches „Stillleben mit Serviette“ von 1906 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR), Egon Schieles Zeichnung eines sitzenden vornübergebeugten fragmentarischen Frauenakts mit rotem Haar von 1909 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder Gabriele Münters auratisches „Portrait Mimmi Sundbeck“ von 1916 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Münters „Rotes Blumenbild“ von 1942 konnte sich wenigstens bei 90.000 Euro durchsetzen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Bei den Zeitgenossen blieben etwa Franz Erhard Walthers siebenteilige Wandformation „Den Körper hinzu und ich bin die Skulptur“ von 1983 (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR) oder Miquel Barcelós Keramikrelief „Pop i Pa“ von 2002/03 mit Tintenfisch, Muscheln, Brot und anderen Fischen ohne Beachtung (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Heinrich Campendonk, der am 5. Dezember noch mit den beiden 1912 entstandenen Zeichnungen einer kubistisch zerlegten Lautenspielerin und eines vom Zirkus inspirierten Gaukler- und Aktpaares bei taxgerechten 15.000 Euro und 18.000 Euro reüssierte, machten weitere hochkarätige Naturdarstellungen Konkurrenz, wie Max Liebermanns „Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordosten“. Sie zeigt in der unteren Bildhälfte geometrisch angelegte Blumenbeete, während oben flott gemaltes wildes Dickicht dominiert. Das Gemälde von 1923 respektierte die untere Schätzgrenze von 400.000 Euro. Aus dem Nachlass Barbara Göpels, die mit ihrem Ehemann Erhard in den 1950er Jahren ein Konvolut an kleinen frühen Landschaftsstudien Max Beckmanns direkt von dessen Nichte erwarb, stammten fünf weitere thematisch verwandte Arbeiten. Eine in Abendröte getauchte „Uferlandschaft mit Häusern und Booten“ von 1902 in breitem Pinselduktus kletterte von 20.000 Euro unerwartet auf 45.000 Euro. Auch die „Landschaft mit See“ aus dem Jahr 1900 überstieg in ihrer friedlichen Ausstrahlung die Expertenmeinung bis zu 33.000 Euro (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

Mensch und Natur im Einklang

Die ungestörte Koexistenz zwischen Flora, Fauna und Mensch verbildlichte Pierre-Paul Girieud im Jahr 1907 in „L’Été ou le Paradis terrestre“. In flächig knalligen Farben, die durch schwarze Konturlinien definiert werden, setzt er seine Eva an einen See, die von allerlei dort lebendem Getier umgeben ist. Die entspannte Stimmung, die der Flötist Adam unterstreicht, verlockte die Bieter zu 31.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). In biblischen Gefilden blieb Girieud ein Jahr später bei seinen gleichfalls stilisiert gemalten „Les Trois Marie vont au sépulcre“, die ihren Wert auf 23.000 Euro verdreifachten. Wasser faszinierte 1909 auch Leo Putz. Eine nah an den Betrachter gerückte Frau beobachtet „Im Kahn“ pittoresk die impressionistischen Licht- und Spiegelreflexe in einem See und kam damit auf taxkonforme 40.000 Euro. Weniger detailliert führte vier Jahre später Emil Nolde seine „Dschunken mit hellbraunen Segeln unter hellgrünem Himmel“ als flottes Aquarell aus. Grob umrissen, durchziehen die Segelboote Farbflächen in Grün und Orange auf dem durch seine Reduzierung bestechenden Blatt für 45.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Ein Garant für Verkäufe ist bei Karl & Faber stets Adolf Erbslöh. Seine sechs Positionen der Auktion standen auf der Zuschlagsliste, wenn auch nicht alle zu den erhofften Preisen, etwa die 1909 gemalte Aussicht aus seinem Münchner Atelier über die Dächer auf die Ludwigskirche bei 43.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) oder die kubistisch gefassten „Dächer über Warburg“ von 1921 bei 35.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Aber es ging auch anders: In reicher Vegetation entspannen sich „Zwei Badende“ um 1933 am Chiemsee. Vor charakteristisch sattem Grün entkleidet sich eine Frau im Stehen, während eine andere im Sonnenschein liegt. Einem süddeutschen Telefonbieter war diese Idylle Erbslöhs hohe 64.000 Euro wert (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Auch Alexander Kanoldt sorgte für eine Überraschung. Seine frühen „Häuser in Schwabing“ von 1908 sind noch mit pointillistisch getrennten Tupfern gestaltet. Tiefes Blau mit Leuchtpunkten in Gelb dominiert das Erfolgsgemälde für 60.000 Euro statt der geforderten 12.000 bis 15.000 Euro. Schon verfestigt hat sich Kanoldts Malweise in seinem „Stillleben III“ mit Blumen in grüner Vase vor fast schwarzem Hintergrund, das sich mit 32.000 Euro wiederum gut platzierte (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Die Alpen inspirierten Henri de Saint-Delis um 1910 zu seiner „Paysage de neige en Suisse“. Am Rand des Weges, der in die Tiefe der zerklüfteten Gegend führt, steht ein Schlittenwagen mit Pferden sowie einem einsamen Mann im Schnee. Nur einiges Nadelgehölz durchbricht die weiße Pracht im gemäßigt modernen Querformat, das dennoch auf ungeahnte 32.000 Euro kam (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Das Tiroler Hochgebirge um einen „Bergbauernhof“ mit Bäuerin und Kind hielt Alfons Walde in den 1930er Jahren pastos fest und gab den Steinformationen damit ihre gleichsam ertastbare Struktur. Schon bei 125.000 Euro konnte ein Sammler das Werk mitnehmen (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Eine besondere Stimmung fing auch Lovis Corinth mit seinem Aquarell „Augustusbrücke Dresden“ im Jahr 1919 ein. Erst bei genauerem Betrachten lassen sich aus den amorphen violetten Flächen die Strukturen der Brückenpfeiler und des Elbufers ausmachen. Ehemaliger Besitzer war Curt Glaser, der ab 1927 der Staatlichen Kunstbibliothek Berlin vorstand und das Blatt 1933 auf Druck der Nazis versteigern lassen musste. Nach der Einigung von dessen Erben mit den heutigen Besitzern kam es – befreit von Restitutionsansprüchen – nun auf hohe 42.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

1917 bannte Hermann Max Pechstein seine Gattin auf das „Bildnis in Grün und Rot (Charlotte Pechstein mit Spiegel)“, das mit seinen starken Farben und der spontanen Erfassung der Bewegung glänzt. Volle Lippen und der weich gerundete Körper zeichnen seine erste Ehefrau und Muse aus, die es 2008 bei Karl & Faber schon einmal auf 98.000 Euro brachte und diesen Betrag jetzt mit 140.000 Euro toppte (Taxe 140.000 bis 160.000 EUR). Während sich Otakar Kubíns zurückhaltendes „Junges Mädchen“ von 1920/21 im Stil der Neuen Sachlichkeit mit 20.000 Euro begnügte (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), freute sich Werner Scholz’ nach innen gekehrte „Kranzljunfer“ in fahlem Totenweiß von 1932 über 22.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Bei den günstig bewerteten Arbeiten aus dem zweiten Auktionsteil stießen zudem Arthur Degners gemäßigt expressive Landschaft „Am Wannsee“ um 1920/30 bei 7.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), Paula Modersohn-Beckers Kohlezeichnung eines stehenden und sitzenden Akts um 1950 bei 12.000 Euro (Taxe 4.000 EUR) oder Richard Müllers fast fotorealistisch gemalter „Betender Mönch“ im Profil von 1919 bei 14.000 Euro auf Gegenliebe (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Alltägliches entfremdet

Die Rubrik der Zeitgenossen führten während der Versteigerung Bernd und Hilla Becher mit einer 15 Blätter umfassenden Folge ihrer „Kühlturm Typologie“ von 1965/91 an. Wie abstrakte Skulpturen stehen die Industriebauwerke im Zentrum der Fotos vor hellem Grund, für den das Fotografenpaar immer das richtige Licht und Wetter abwarten musste. Sieben Interessenten wetteiferten um die kühl sachliche Zusammenstellung, bis sich mit 240.000 Euro ein amerikanischer Sammler durchsetzte (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Versatzstücke städtischer Lebenswelten finden sich bei Neo Rauch. Als urbanen „Plan“ lässt sich in seinem Tondo von 1994 am ehesten die Straßenstruktur oben links ausmachen, während den Rest des roten rätselhaften Kreises schablonenhafte Gestalten auf verschiedenen Gefährten ausmachen, für die ein norddeutscher Kunde nun 200.000 Euro bewilligte (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Schwarze Texturen überziehen sein noch schwieriger einzuordnendes „Großes Meer“ des selben Jahres mit identischer Preisbewertung, das mit dem „Plan“ 1994 in einer ebenso betitelten Ausstellung des Kunstvereins Leipzig hing. Für 120.000 Euro kehrte es nun zurück nach Sachsen. Alltägliche Essensutensilien erhob Daniel Spoerri in dem blauen Objektkasten „Tableau Piège (25. Juli 72’)“ für 22.000 Euro zur Kunst (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Die Farbe und ihre Wirkung im Zusammenhang mit Strukturen und Übergängen erforschte der deutsche Informelle Karl Fred Dahmen in der „Terrestrischen Formation“ von 1957. Seine Auseinandersetzung mit der durch den Braunkohleabbau zerklüfteten Landschaft spiegelt das tief durchfurchte düstere Werk für nun 22.000 Euro deutlich wider (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Optische Effekte interessierten 1971 Jesús Rafael Soto, der mit seiner Komposition aus einem gestreiftem und einem blauem Halbkreis sowie vorgelagerten Metallstäben eine eigentlich nicht vorhandene Bewegung suggeriert, für die ein spanischer Bieter 125.000 Euro ausgab (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Auf die Farbe reduzierte Experimente trieb Gerhard Richter 2008 mit seinen „Quattro Colori (904-78)“ aus vier aneinander gesetzten Quadraten in Blau, Orange, Weiß und Grün für 50.000 Euro auf die Spitze (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Bei Willem de Kooning scheint sich dagegen um 1970 aus der schnell gezeichneten titellosen Kohlefläche auf Linienpapier eine verschwommene menschliche Silhouette zu schälen, die allerdings genauso flüchtig ist, wie es sein Zeichenstil vorgibt: Eine Spannung, die das Publikum mit 28.000 Euro honorierte (Taxe 10.00 bis 15.000 EUR).

Farbe und Figur bedingen sich in besonderem Maße in Jörg Immendorffs Gemälde „Welche, Jean-Paul?“ von 1991. Während der Philosoph mit Zigarre und Weinglas auf einem Sofa sitzt, sieht der Betrachter dessen Gegenüber von hinten mit den zwei Händen hinter dem Rücken, von denen der Gefragte eine wählen soll. Gelb umrandet leuchten die Personen im dunklen Raum, den nur ein Fensterblick weiter erhellt. Das vielschichtige Gemälde, das mit Licht- und anderer Symbolik aufgeladen ist, brachte 32.000 Euro ein (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Bei A.R. Penck sind die Figuren dann zu Strichmännchen aus knalligen Farben stilisiert und umgeben von rätselhaften Zeichen vor weißem Grund. „TTT 88“ aus dem Jahr 2009, mit seinem ebenso schwer zu entschlüsselnden Namen, stieg auf 34.000 Euro (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Ein Schwergewicht unter den figürlichen Arbeiten war Alfred Hrdlickas bronzener „Haarmann-Fries“ von 1,85 Meter Breite und 97 Zentimetern Höhe mit einer vollplastischen Gestalt rechts und weiteren reliefartigen Körperteilen im Friesbalken. Schon bei 26.000 Euro nahm ein Sammler das wohl schwer zu vermittelnde Werk über den Hannoveraner Serienmörder Fritz Haarmann mit (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Zum gleichen Preis ging Marcel Odenbachs wandfüllende, politisch geladene Collage „Palestine Flag“ mit einem landestypischen Muster weg, die aus Fotos und Textstücken zusammengesetzt ist (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Verkaufsschlager Art Brut

Dass die Art Brut-Künstler aus der ehemaligen Landesnervenklinik Maria Gugging vor den Toren Wiens eine große Anhängerschaft haben, bewies eine nordrhein-westfälische Privatsammlung mit 51 Papierarbeiten, die zum Ausverkauf animierte. Johann Hausers Wachskreidezeichnung der nackten „Sophia Loren“ mit übermächtiger Haarpracht rauschte von 7.000 Euro auf 17.000 Euro, sein rotes, von Regenbogenfarben umschlossenes Herz von 3.000 Euro auf 7.000 Euro und Oswald Tschirtners Tuschezeichnung „Der Zug der Israeliten durch das Rote Meer“ mit seinen typischen überlangen Kopfmenschen von 1.500 Euro auf 4.800 Euro. Ein französischer Bieter sicherste sich für 8.500 Euro ein beidseitig von August Walla bunt gestaltetes Blatt, das er seinen Ärzten gewidmet hat (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), und auch Johann Garbers kleinteilige übervolle Weltsicht von 1982 legte von 1.000 Euro auf 2.000 Euro zu.

Am Nachmittag boten Karl & Faber dann preiswertere zeitgenössische Kunst feil, die teils euphorische Bieterwettkämpfe entfachte, wie Günther Ueckers „Blauer Planet“ aus dem Jahr 2012. Farbpunkte bilden die tiefblaue runde Form der Serigrafie aus einer Hunderterauflage, die von 2.500 Euro auf 19.000 Euro schoss. Die kritzeligen Grafitstriche, die Gerhard Richter über eine grüngelblastige aquarellartige Fläche zog, machten seinen Offsetdruck „IBM“ aus einer Zwanzigerauflage von 1987 zum Blatt mit Unikatcharakter, das schließlich auf 15.000 Euro kletterte (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Klassischer ist da Claude Vernards Ölgemälde „Le soleil noir“, dessen starke Farbgestaltung hervorsticht. Der Boden, von dem aus dunkle Bäume mit hellem Blattwerk in die Höhe streben, ist sandgelb gehalten, während über dem niedrig liegenden Horizont Türkisblau dominiert, in dessen Mitte surreal ein Häuserkomplex schwebt. Einige schwarze Wolken mit roter Umrandung durchziehen den Himmel des Gemäldes um 1980, das 2.000 Euro mehr als seine höhere Expertenmeinung von 7.000 Euro erreichte.

Die Privatsammlung Preuss

Unter der Überschrift „Reiz der Linie“ gruppierten sich am 6. Dezember weitere 120 Arbeiten, die der Hamburger Sammler Frank Preuss in über 30 Jahren zusammengetragen und in seiner Harvestehuder Gründerzeitvilla um sich hängen hatte. Seine Liebe galt dem Linearen, dem Zeichnerischen im Allgemeinen, dem Konzeptuellen und dem Material Papier. Bei einer hohen losbezogen Zuschlagsquote von 81 Prozent entfalteten unter anderem die gelben und roten Neonröhren, die Keith Sonnier zu seinem Objekt „Sa-Sel“ von 1978/2002 zusammengefügt hatte, bei 33.000 Euro weit über der Schätzung von 12.000 bis 16.000 Euro ihren Reiz. Ihm folgte der Informelle Jean Fautrier mit einer strahlend roten Farbfläche des Jahres 1945, die nur von einigen geschwungenen schwarzen Linien durchbrochen ist. Fulminante 24.000 Euro bewilligte ein Interessent für das frühe Werk der gestischen Nachkriegskunst (Taxe 4.000 EUR). Konzeptuell wurde es mit Lawrence Weiners Schrift- und Zeichenarbeit „Texas“ von 2006, die ihren Wert auf 20.000 Euro verdoppelte. Seine ähnlich gestaltete, aber stärker mit Schriftzeichen gefüllte und zusätzlich gefaltete Grafik „Despite it seems“ von 2012 spielte bei gleicher Bewertung 19.000 Euro ein. Malerisch überarbeitete Pierre Alechinsky 1978 ein historisches Schriftstück des Union House New York mit einer vegetationsähnlichen Struktur in blauer Aquarellfarbe für unerwartete 8.500 Euro (Taxe 3.000 EUR).

In den Raum griff Lucio Fontana schon 1951 mit seinen Papierarbeiten über. Sein „Concetto spaziale“, feine mit einer Nadel gestochene Löcher im Velin, die mit Tusche und Bleistift umrandet sind, durchbricht die Grenzen seines Mediums und wurde mit 18.000 Euro gewürdigt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Auf eine konstruierte Dreidimensionalität legte Fred Sandback ebenfalls sein Augenmerk. Bunte Raumstrukturen setzte er 1990 ins Zentrum einer Pastellarbeit und erntete mit seiner noch immer futuristisch wirkenden Ästhetik heute 15.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Weniger Farbe und mehr Umrisslinien nutzte er 1969 für seine näher an einer realen Raumstruktur angelehnte Zeichnung, die für 9.000 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 4.000 EUR). Organischer sind da Richard Longs Fingerabdrücke, die er 2010 abwechselnd in Rot und Weiß auf ein Holzstück setzte und dafür nun 16.000 Euro einnahm (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Gleich mehrfach im Rampenlicht stand Richard Tuttle bei der Sammlung Preuss. Am höchsten stieg sein Objektkasten „Mists 1“ von 1985, der eine Assemblage aus Holzobjekten, Keramik, Blei, Kordeln und Farbe beinhaltet. Erst bei 23.000 Euro fiel der Hammer (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Einen weiteren Erfolg landete der Amerikaner mit einem ähnlichen Kasten samt abstrakten Farbwehen auf Papier, die hinter weiß gefassten Holzleisten gefangen sind, wofür 21.000 Euro nötig waren (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Einen Sprung nach oben machte noch Tuttles farbintensiveres Objekt „XI“ von 1981 aus blauen unregelmäßigen Ovalen, Kordeln und einer leiterartigen Holzstruktur vor einer schwarzen Platte für zuletzt 17.000 Euro statt der geforderten 6.000 bis 8.000 Euro. Barry Le Va erlöste dann mit einer Zeichnung samt lockeren Grafitstrichen und schweren Gouacheformationen in Schwarz von 1995 gute 3.800 Euro (Taxe 1.500 EUR), William Nelson Copley mit seiner humorvollen Filzstiftzeichnung eines Liebespaars vor dem Bild eines Ordnungshüters 3.300 Euro (Taxe 1.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



29.03.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bei:


Karl & Faber Auktionen

Kunstwerk:

Leo Putz, Im Kahn,
 1909
Leo Putz, Im Kahn, 1909

Kunstwerk:

Alexander Kanoldt, Häuser in Schwabing, 1908
Alexander Kanoldt, Häuser in Schwabing, 1908

Kunstwerk:

Henri de Saint-Delis, Paysage de neige en Suisse, um 1910
Henri de Saint-Delis, Paysage de neige en Suisse, um 1910

Kunstwerk:

Pierre-Paul Girieud, L’Été ou le Paradis terrestre, 1907
Pierre-Paul Girieud, L’Été ou le Paradis terrestre, 1907

Kunstwerk:

Lovis Corinth, Augustusbrücke Dresden, 1919
Lovis Corinth, Augustusbrücke Dresden, 1919

Kunstwerk:

Max Liebermann, Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordosten, 1923
Max Liebermann, Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordosten, 1923







Alexander Kanoldt, Häuser in Schwabing, 1908

Alexander Kanoldt, Häuser in Schwabing, 1908

Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

Losnummer: 507

Henri de Saint-Delis, Paysage de neige en Suisse, um 1910

Henri de Saint-Delis, Paysage de neige en Suisse, um 1910

Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 512

Leo Putz, Im Kahn, 1909

Leo Putz, Im Kahn, 1909

Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

Losnummer: 505

Max Liebermann, Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordosten, 1923

Max Liebermann, Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Nordosten, 1923

Taxe: 400.000 - 600.000 EURO

Zuschlag: 400.000,- EURO

Losnummer: 526

Pierre-Paul Girieud, L’Été ou le Paradis terrestre, 1907

Pierre-Paul Girieud, L’Été ou le Paradis terrestre, 1907

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 31.000,- EURO

Losnummer: 515

Lovis Corinth, Augustusbrücke Dresden, 1919

Lovis Corinth, Augustusbrücke Dresden, 1919

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 42.000,- EURO

Losnummer: 524




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce