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Ohne Titel, 1993 / Fred Thieler

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Auf der TEFAF in Maastricht, die noch bis Sonntag geöffnet ist, verschieben sich die Koordinaten weiter zugunsten der Moderne. Dennoch bleibt die Kunst der früheren Epochen das Zugpferd der weltweit renommiertesten Kunstmesse

Eine Zeitreise durch 7000 Jahre Kunst



Am Stand der Galerie Léage

Am Stand der Galerie Léage

Wer hätte das im Jahr 1988 geglaubt, als The European Fine Art Fair, kurz TEFAF, als weit über Europa hinaus strahlende Altmeister-Messe an den Start ging: 31 Jahre später übertrifft die Zahl der Moderne-Galerien mit 57 Ausstellern knapp die der 53 Kunsthändler mit einem Fokus auf Gemälde von der Gotik bis ins 19. Jahrhundert. Ein Abgesang auf die alte Kunst ist das noch lange nicht. Die TEFAF bleibt weltweit die führende Kunstmesse für die bedeutendsten und bezauberndsten Kunstwerke vergangener Epochen, die auf dem Kunstmarkt verfügbar sind. Die leichte Koordinatenverschiebung ist ganz offensichtlich ein Symptom für die Schwierigkeiten, auf dem Gebiet der alten und neueren Meister Werke mit Begeisterungspotential und von musealer Qualität zu akquirieren.


Einigen Ausstellern gelang dies dennoch mit besonderer Verve: Carlo Orsi etwa konnte ein bislang unbekanntes Werk des Antwerpener Renaissancemaler Frans Floris entdecken und hat „Susanna und die Alten“ von 1548 mit 700.000 Euro ausgepreist. Die Londoner Galerie Robilant + Voena konnte ein allegorisches Herbststillleben des 17. Jahrhunderts mit früchtetragenden Putti dem Caravaggio-Nachfolger Bartolomeo Cavarozzi zuschreiben, was den Preis auf rund 1 Million Euro steigen ließ. Noch während der Privat Preview verbuchte die in Amsterdam, Paris und New York ansässige Galerie Haboldt & Co. zwei Reservierungen für eine Goldgrundmadonna von Paolo Veneziano aus dem 14. Jahrhundert zum Preis von 1,4 Millionen Euro. Richard Green zieht die Blicke mit einem um 1630 brillant gemalten Frühstückstisch von Pieter Claesz für rund 1,3 Millionen britische Pfund auf seinen Stand. Sein Angebot ist zugleich exemplarisch dafür, dass auch die Altmeisterhändler Epochen übergreifend agieren. Greens Suite von Gemälden des Impressionisten Camille Pissarros und seines Sohns Lucien hat das Format einer Kabinettausstellung. Mit etwa 3 Millionen Pfund ist Camille Pissarros Apfelernte „Dans le pré en automne à Éragny“ von 1901 das teuerste Werk.

Auffällig ist, wie rar Schlüsselwerke der Impressionisten und frühen Moderne auf der TEFAF geworden sind – und nicht nur hier. Pierre-Auguste Renoirs Gemälde „Femme nue couchée“ von 1903, das kompositorisch an Tizians „Venus von Urbino“ angelehnt ist, fand denn auch beim Londoner Händler Dickinson schnell einen Käufer. Die Ernst Ludwig Kirchner-Spezialisten Henze & Ketterer bieten für 3,5 Millionen Schweizer Franken von dem deutschen Expressionisten das schnittige, sehr spezielle „Porträt Hugo“ von 1914 an. Manche der modernen Klassiker sind auch alte Bekannte. Die Hammer Galleries aus New York offerieren ein in seiner Melancholie unverwechselbares Frauenporträt von Amedeo Modigliani aus dem Jahr 1919, das vor zehn Jahren bei Sotheby’s zur Taxe von 9 bis 11 Millionen Euro nicht verkauft wurde. Das im vergangenen Mai für 131 Millionen Euro veräußerte Modigliani-Gemälde „Nu Coucheé“ relativiert hier vielleicht einiges.

Knapp ist die Auswahl an Gemälden Pablo Picassos. 2019 scheint das Jahr von Fernand Léger zu sein. Die Hammer Galleries haben gleich drei Motive des Franzosen mitgebracht, und die nach 17 Jahren wieder nach Maastricht zurückgekehrte Galerie Gmurzynska stellt mit Légers rot-blauer flächiger „Nature morte au compas“ von 1929 eines seiner Hauptwerke aus. Zu den modernen Klassikern gehört auch Georges Braque. Bei der Münchner Galerie Arnoldi-Livie ist sein großformatiges „Aquarium“ von 1960/62 mit stark frottierter weißer Umgebung und kompakt versammelten blauen Fischen für 1,4 Millionen Euro zu haben.

Keinen Deut geringer ist das Interesse an landschaftlichen Ölskizzen des 19. Jahrhunderts geworden. Das spiegeln auf der TEFAF die zahlreichen roten Punkte bei Daxer & Marschall aus München und dem Londoner Zeichnungsspezialisten Day & Faber wider. Die Briten gaben am ersten Wochenende etwa eine Handvoll Ölskizzen des Norwegers Thomas Fearnley ab, entstanden zwischen 1825 und 1835 in Norwegen und Italien. Die mit einer Spur romantischem Geist festgehaltenen Landschaften, die Day & Faber unlängst aus der Sammlung des amerikanischen Connaisseurs Asbjorn Lunde übernehmen konnten, lagen preislich zwischen 28.000 Euro und 36.000 Euro. Aus dieser Quelle schöpfte auch Marcus Marschall, der mit Ölskizzen von Carl Blechen, Johan Christian Dahl und ebenso Fearnley zu Preisen zwischen 24.000 und 75.000 Euro sein Profil als eine der besten Adressen auf diesem Gebiet unterstreicht. Bereits im sechsstelligen Bereich sind hier die überhöhten, fast abstrahierten Skizzen von Fjorden und Polarlichtern des Norwegers Peder Balke zu haben.

Die TEFAF rühmt sich damit, Kunst aus sieben Jahrtausenden zu präsentieren. Eines der ältesten Exponate stellt bei den Antiken mit einem perfekt erhaltenen ägyptischen Porphyrkrug von etwa 3500 vor Christus die Kallos Gallery aus London vor. Große Zeitsprünge nehmen mitunter auch die Skulpturenhändler auf sich, die sich vor Jahren noch ausschließlich auf Renaissance und Barock konzentriert haben – auch dies ein Indiz, dass der Markt für hochwertige Objekte eng ist. Daniel Katz etwa stellt das mit 1,7 Millionen Euro ausgepreiste Medaillon eines Laureaten, das Andrea della Robbia 1492 für Alfons von Aragón geschaffen hat, an die Seite zweier bizarr-grotesker, teils bockfüßiger Historismusfiguren des Venezianers Francesco Toso mit dem Titel „Mr. and Mrs. Faun“ für 385.000 Euro. Auch der Möbelspezialist Peter Mühlbauer aus Bayern hat schon lange seine Grenzen erweitert. Glanzstück seines TEFAF-Stands ist ein Bronzeleuchter der Renaissance mit einem Pomander als Halterung für die floral ornamentierten Kerzenarme. Die Augsburger Arbeit von 1580 wird nach der Messe mit aller Wahrscheinlichkeit in ein amerikanisches Museum gehen.

Kunstkammerspezialist Georg Laue beeindruckt mit einer großen ovalen Elfenbein-Schauplatte des Salzburger Schnitzers Balthasar Grießmann von etwa 1670, deren Rand mit allegorischen Reliefs der Jahreszeiten verziert ist. Solche Stücke sind rar und außergewöhnlich, Vergleichswerke existieren nur im Kunsthistorischen Museum in Wien. Am Stand zuvor verweist der Pariser Kunsthandel Kugel mit einer Skulptur aus der Laokoon-Gruppe, die von einer stark unterschnitzen Schlange in Bedrängnis genommen wird, auf die Meisterschaft des frühbarocken Elfenbeinmeisters Leonhard Kern, während Walter Senger aus Bamberg mit einem Paar Nürnberger Leuchterengeln von Veit Stoß, dessen Preis bei 185.000 Euro liegt, großes Interesse hervorruft. Den Glanz des 18. Jahrhunderts lässt die Kunsthandlung Röbbig aus München mit einem Porzellan-Kabinett aufleben. Von Seltenheit ist ein Paar purpurfarbener Flaschenvasen der Meißner Manufaktur von 1728, an dessen Bemalungen zwei Meister beteiligt waren: Je eine chinoise Szene ist von Johann Gregorius Höroldt und von Johann Ehrenfried Stadler gefertigt. Eine andere Art der Kooperation stellt ein großes Blumenbouquet dar: Der Korb aus Meißen, die Blüten aus einer französischen Manufaktur. Das Naturstück aus Porzellan verlangt 180.000 Euro.

Amerikas Museen und Sammler scheinen auch dieses Jahr ein starker Motor hinsichtlich der bereits getätigten Verkäufe gewesen zu sein. Der Zeichnungshändler Thomas le Claire aus Hamburg bediente in den ersten Tagen bereits eine amerikanische Sammlerin. Anselm Feuerbachs ebenso lebendige wie tiefgründige Kopfstudie eines jungen Römers, die im Auktionshaus Ketterer bei 23.000 Euro inklusive Aufgeld ihren preislichen Höhepunkt gefunden hatte, kostete hier nun 125.000 Euro. Le Claire Kunsthandel, der zudem mit der wunderbar komponierten Zeichnung einer Flusslandschaft von Jan van Goyen für etwas über 100.000 Euro vertreten ist, gehört zu den 40 neuen Ausstellern der TEFAF, mit der sich die Messe wohl auch einen etwas frischeren Wind verspricht.

Die Galerie Sprüth Magers jedenfalls hat den Mut aufgebracht, sich dem Querfeldein-Mix zeitgenössischer Werke zu entziehen und eine sehenswerte Soloschau mit Keramikskulpturen der Konzeptkünstlerin Rosemarie Trockel zu zeigen. Eine der abstrakten Arbeiten ging bereits für 420.000 Euro in neue Hände. Wie man Kunst inszeniert, das demonstriert schon lange der Belgier Axel Vervoordt. Bei ihm betritt man dieses Mal ein Studio mit einem langen derben Holztisch und einem englischen, um 1730 entstandenen Kabinettschrank mit Architekturfassade und Giebel. An der Wand hängt dann ein Blechdosen-Teppich des Ghanaer El Anatsui für 1,1 Millionen Euro. Vervoordts genre- und zeitenübergreifendes Konzept könnte ein Synonym für die gesamte TEFAF sein.

Die TEFAF hat bis zum 23. März täglich von 11 bis 19 Uhr, am 24. März von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 40 Euro, für Jugendliche von 12 bis 18 Jahren 20 Euro. Der Katalog kostet ebenfalls 20 Euro.

Maastricht Exhibition & Congress Centre
Forum 100
NL-6229 GV Maastricht

Kontakt:

The European Fine Art Foundation

Broekwal 64

NL-5268 HD Helvoirt

Telefon:+31 (0411) 64 50 90

Telefax:+31 (0411) 64 50 91

www.tefaf.com



21.03.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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