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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Kunden von Christie’s schauten bei der impressionistischen und modernen Kunst in London genau auf die Qualität und ließen Mittelware links liegen. Die Surrealisten trafen ihren Geschmack

Zu voll gepfropft



Paul Cézanne, Nature morte de pêches et poires, 1885/87

Paul Cézanne, Nature morte de pêches et poires, 1885/87

Sie liegen schmackhaft auf dem Teller. Gerne würde man eine von ihnen nehmen und in sie hineinbeißen. Doch leider sind die grünen Birnen und die rotgelben Pfirsiche nur gemalt. Paul Cézanne entwickelte seine „Nature morte de pêches et poires“ in der Mitte der 1880er Jahre auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Gekonnt hat er die Spannung zwischen der leeren, leuchtend gelben Tischfläche und dem leicht nach vorne gekippten Teller mit den Früchten in Zentrum der Komposition austariert. Auch die farbliche Gestaltung mit ihren Komplementärkontrasten unterstützt die energiereiche Harmonie des exquisiten Gemäldes. Richard Brettell, Kunsthistoriker und Spezialist für französische Malerei des 19. Jahrhunderts, bezeichnete es als „beinahe perfekt“. Kein Wunder also, dass Cézannes Stillleben bei Christie’s in London mit 18,5 Millionen Pfund zurecht der Favorit des Abends wurde. Die Erwartungen hatten auf Anfrage aber bei mehr als zwanzig Millionen Pfund gelegen.


Cézannes Meisterwerk gehörte zu einer anonymen Privatsammlung, die Christie’s unter dem Titel „Hidden Treasures“ an den Beginn der Auktion „Impressionist and Modern Art“ gestellt hatte. Laut Bloomberg steckt dahinter das amerikanische Sammlerbrüderpaar Monte und Neil Wallace aus Boston. Doch die beiden mussten auf einen großen Teil ihrer erhofften Einnahmen verzichten. Denn von ihren 21 Werken fanden sich am Ende nur zwölf auf der Zuschlagliste, die brutto gut 50 Millionen Pfund einbrachten. Soviel hätten es mindestens noch einmal sein sollen. Denn zu den Verlierern gehörte Claude Monets spätes Gartenbild „Saule pleureur et bassin aux nymphéas“ von 1916/19. Für seinen Seerosenteich in Giverny mit einem Baumstamm im Vordergrund hatten sich die Wallace-Brüder allein um die 40 Millionen Pfund erhofft.

Qualitätsmängel

Doch zu disparat war ihr Angebot. Neben Spitzenwerken, wie den „Sentier dans les bois“ von Pierre-Auguste Renoir im flirrenden Sommerlicht aus den 1870er Jahren für 11 Millionen Pfund (Taxe 7,5 bis 10,5 Millionen GBP), stand Zweitrangiges, das Christie’s besser in die Tagesauktion integriert hätte. Unattraktiv waren etwa die beiden Frauenbilder „Danseuse assise sur une table. Fond rouge“ von Henri Matisse für 4,5 bis 7 Millionen Pfund und Vincent van Goghs etwas schwerfälliges „Portrait de femme: buste, profil gauche“ von 1885 für 8 bis 12 Millionen Pfund. Ein unansehnlicher Frauenakt von Matisse (Taxe 1,5 bis 3 Millionen GBP) und eine ungelenk stehende „Femme au tub“ von Pierre Bonnard wurden im Vorfeld der Versteigerung sogar aus dem Programm genommen (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP). Überraschend war der Rückgang von Claude Monets eigentlich marktgängigem Blumenbild „Iris“, die goldgelb auf blauem Fond aufleuchten (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP).

Wenigstens die untere Schätzgrenze von 4 Millionen Pfund erreichte Maurice de Vlamincks fauvistische Farbpracht „Le Pont de Bezons“ aus dem Jahr 1905. Seine schon etwas gemäßigtere „Nature morte bleue“ von 1907 mit Zitrone, Orangen und einigen Gefäßen kam bei 1,7 Millionen Pfund nah an die oberen erwarteten 1,8 Millionen Pfund heran. Zu den Gewinner der Wallace-Kollektion zählten dann noch Edgar Degas’ charakteristischer Rückenakt „Femme s’essuyant les cheveux“ in Kohle aus den frühen 1890er Jahren mit 660.000 Pfund (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP) und Emil Noldes zwischen Violett, Grün und Orange changierender „Kopf eines jungen Mädchens“ von 1930 bei hohen 500.000 Pfund (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Edouard Vuillards „La femme au fauteuil (Misia et Thadée Natanson)“ von 1896, die fast vollständig in den Mustern des Teppichs, der Tapete und des Sofas aufgeht, akzeptierte ihren Besitzerwechsel schon bei 2,5 Millionen Pfund (Taxe 2,5 bis 4 Millionen GBP).

Konziser war die Qualitätsauswahl im regulären Programm der Auktion. Das machten schon die ersten Lose deutlich: Edgar Degas’ überraschend günstig angesetztes Ölgemälde „Danseuses dans une salle d’exercice (Trois Danseuses)“ von 1873 schnellte von 800.000 Pfund auf 3,5 Millionen Pfund, Félix Vallottons fast nur aus Farbflächen ohne Binnenstruktur bestehende Familie „En promenade“ auf den Gehsteig um 1895 folgte bei guten 1,85 Millionen Pfund (Taxe 1,2 bis 1,6 Millionen GBP), und dann gab es schon den ersten Rekord. Paul Signacs im Abendlicht glühende Küste „Le port au soleil couchant, opus 236 (Saint-Tropez)“ führt nun bei 17 Millionen Pfund das Ranking des Pointillisten an und musste wie der Vallotton seine Garantie nicht in Anspruch nehmen (Taxe 13 bis 18 Millionen GBP).

Rekorde für einen experimentierfreudigen Geist

Auch die folgenden vier Positionen stammten aus einer Londoner Sammlung, die Christie’s unter der Überschrift „An Adventurous Spirit“ subsummiert hatte, und kamen beim Publikum weitgehend hervorragend an. Giovanni Boldinis lebensgroßes Belle Époque-Portrait der Pariser Künstlermuse Henriette Roger-Jourdain von 1889 gesellte sich bei taxgerechten 900.000 Pfund hinzu, seine ebenso furiose, ein Jahr jüngere Ölstudie von John Singer Sargent zur oberen Schätzung von 300.000 Pfund. Edouard Vuillards heitere Parkszene „Aux Pavillons à Cricquebœuf. Devant la maison“ von 1911 gab von 600.000 Pfund auf 400.000 Pfund nach. Doch machte Gustave Caillebotte diese Scharte wieder wett. Sein wunderbarer sommerlicher Garten „Chemin montant“ von 1881 mit einem Paar in Rückenansicht beim Lustwandeln stieg auf 14,5 Millionen Pfund, die den Rekordzuschlag für den französischen Impressionisten bedeuten. 2003 hatte das Gemälde bei Christie’s in New York noch 6 Millionen Dollar gekostet (Taxe 8,5 bis 10 Millionen GBP).

Mit solchen Erlösen setzte Christie’s am 27. Februar bei 67 von 82 angebotenen Positionen 165,4 Millionen Pfund um. Das war beinahe das Doppelte von Sotheby’s. Doch der Erzkonkurrent musste für seinen Umsatz von 87,7 Millionen Pfund bei dichter kuratierter Auswahl und gleicher losbezogener Zuschlagsquote nur 32 Lose aufwenden. Gemischt war bei Christie’s der Zuspruch für die deutschen Expressionisten. Während Alexej von Jawlenskys Mädchen in „Blauer Schürze“ von 1909 schon bei 1,4 Millionen Pfund von dannen zog (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP), traf Emil Noldes blühende Farbenpracht „Iris und Stiefmütterchen“ vor grauem Himmel von 1929 wenigstens die untere Schätzung von 500.000 Pfund. Paul Klee durfte sich dann über 900.000 Pfund für sein helles, motivisch kleinteiliges „Gedenkblatt E“ von 1924 freuen (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Keinen Abnehmer fand indes Ernst Ludwig Kirchners späte „Bergwaldstudie“ in Blau, Violett und Grün von 1936 für 400.000 bis 600.000 Pfund.

Liebling Magritte

Umsatzbringer bei Christie’s waren dann noch einmal die 34 Lose der Surrealisten, von denen nur drei liegenblieben. Die Abteilung krönte wieder einmal René Magritte mit einer seiner unmöglichen Kompositionen: Der zweifach dargestellte, zwischen Mauerstück und Wald aufgeteilte Mann mit Melone auf dem Kopf unter dem Titel „Le lieu commun“ von 1964 erzielte 16 Millionen Pfund (Taxe 15 bis 25 Millionen GBP). Bei 2,8 Millionen Pfund folgte seine nackte, weibliche, auf einem Wolkenmeer stehende Himmelsgestalt „Le pain quotidien“ von 1942 (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP), bei 2 Millionen Pfund die collagierte Gouache „Moments musicaux“ von 1961 mit fliegender Taube und Pfeife aus Musiknoten (Taxe 750.000 bis 1.250.000 GBP). Magrittes Gouache „Les barricades mystérieuses“ von 1960 mit drei nächtlichen Blattbäumen kletterte von 350.000 Pfund sogar auf 1,55 Millionen Pfund.

Einträglich waren zudem jeweils 190.000 Pfund für Victor Brauners Kopffrau „La méthode“ von 1952 (Taxe 60.000 bis 90.000 GBP) und für Max Ernsts abstrahiertes Paar „L’homme et la femme“ um 1929/30 (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP). Ernsts mit der Abschabetechnik der Grattage erstelltes Gemälde „Aux antipodes du paysage“ von 1936 reüssierte zur oberen Schätzung von 600.000 Pfund. Erfolgreich kamen auch Óscar Domínguez’ marktfrische Aktfantasie „Violette Nozières or Elle rêve“ von 1934 bei 1,5 Millionen Pfund (Taxe 600.000 bis 900.000 GBP) und Antoni Tàpies’ von innen heraus leuchtendes Hirngespinst „Los ojos del follaje“ von 1949 bei 220.000 Pfund ans Ziel (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



11.03.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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