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Wes Anderson und Juman Malouf haben die Sammlungen des Kunsthistorischen Museums in Wien kräftig auf den Kopf gestellt und geben ihre eigenwillige Sicht auf reichen, Jahrtausende alten Bestände

Taumel im Durcheinander der Dinge



Juman Malouf und Wes Anderson haben die Sammlungen des Kunsthistorischen Museums Wien gesichtet

Juman Malouf und Wes Anderson haben die Sammlungen des Kunsthistorischen Museums Wien gesichtet

Wenn kunsthistorische Museen kreative Köpfe einladen, eine persönliche Auswahl von Objekten aus historischen Sammlungen für eine öffentliche Präsentation zu treffen, kommt vieles zusammen, was sonst nie zusammen ausgestellt wird. Im Kunsthistorischen Museum in Wien wagt man dieses Unterfangen nun schon zum dritten Mal: seit 2012 laden Museumsdirektorin Sabine Haag und Kurator Jasper Sharp renommierte Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Kunstgattungen ein, Objekte aus der reichhaltigen Sammlung auszuwählen. Den Anfang machte der amerikanische Künstler Ed Ruscha. Zuletzt war in dieser Reihe 2016 der britische Keramikkünstler und Autor Edmund de Waal Gast des Hauses und kuratierte eine vielbeachtete Schau.


Nun haben der amerikanische Filmproduzent, Drehbuchautor und Regisseur Wes Anderson und seine Lebenspartnerin, die Autorin und Illustratorin Juman Malouf, die überwältigende Aufgabe übernommen, aus der mehr als fünftausend Jahre umspannenden, auf mehrere Schatzhäuser zwischen Wien und Innsbruck verteilten und über vier Millionen Objekte umfassenden Sammlung eine persönliche Auswahl zu treffen. Wer Filme des Regisseurs, wie „The Grand Budapest Hotel“ oder zuletzt „Isle of Dogs“ kennt, wird die Schau mit einer gewissen Vorahnung auf das exzeptionelle Nebeneinander von Sensibilität, mit der werktypische Themenkomplexe wie Familie und Lebenskrisen verhandelt werden, und auf die opulente Ausstattung besuchen: in punkto artifizieller Ästhetik wird man nicht enttäuscht.

Acht aufwändig gestaltete Kabinette hat das Kuratorenpaar für den sogenannten „Goldenen Saal“ der Kunstkammer geschaffen. Für all jene Exponate, die nicht in Glasvitrinen oder auf Sockeln präsentiert werden, wurden symmetrisch in die Wand eingelassene Nischen gebaut, die die Ausstellungsstücke setzkastenartig zu Gruppen einen. Unter verblüffend lapidaren Gesichtspunkten haben Anderson und Malouf die Stücke zu Arrangements zusammengefasst, die sich nicht an herkömmlichen musealen Präsentationsgesichtspunkten wie Sparten, Disziplinen oder Regionen, sondern eher an äußerlichen Ähnlichkeiten orientieren. Der auf den ersten Blick naive Zugang führt damit geradewegs zurück zur Idee der Kuriositätensammlung, die der institutionalisierten Form des Museums voranging.

Die ersten Kunstkammern entstanden in der Renaissance, zu jener Zeit, in der sich der neuzeitliche Mensch erstmals im Mittelpunkt des Universums wähnte und ihm die Welt, die ihm bis dahin so verständlich erschienen war, entglitt. Aus der Kunstkammer spricht dieses Gefühl des Verlusts und ebenso der Wunsch, die verlorene Selbstverständlichkeit wiederzugewinnen: die Welt en miniature neu zu versammeln, zu befragen, zu bewundern. Diesem Ansatz folgen Wes Anderson und Juman Malouf und arrangieren ihre erfrischend unsystematische und nur der persönlichen Logik und Folgerichtigkeit verpflichtete Auswahl zu einem wirkungsvoll inszenierten Gesamtkunstwerk, das die tradierten Maßstäbe infrage stellt, nach denen Objekten im Kunstbetrieb normaler Weise ein Wert zugeschrieben wird. Eine Gruppe von Portraits, die im 16. und 17. Jahrhundert entstanden – von einem Nürnberger Gewandschneider aus dem Jahr 1520, vom Herzog Ohnefurcht um 1500, einem Trompe l’œil von Samuel van Hoogstraten aus dem Jahr 1653, Bildnissen von Kaiser Karl dem Großen um 1600, Herzog Philipp dem Kühnen um 1500 und des „Haarmenschen Petrus Gonsalvus und seiner Kinder“ –, vereinen die Kuratoren gleich zu Beginn zu einem Ensemble.

Ihr persönliches Ordnungssystem übertragen Wes Anderson und Juman Malouf auf alle über 400 Objekte. Das Einzige, was beispielsweise Ausstellungsstücke wie ägyptische Statuen, ausgestopfte Blaukappentangaren, eine bemalte Halslaute, Federn seltener Amazonasvögel, Malachite, einen aufgespießten Käfer, Spielkarten, Samtschuhe, Scheibenperlen, ein Zigarettenetui, ein Bildnis der „Salome mit dem Haupt Johannes“ von Bernardino Luini um 1525, eine „mere pounamu“, die Schlagwaffe der neuseeländischen Maori, und eine Sammlung mexikanischer Keramikgefäße inhaltlich verbindet, ist ihre Farbe: Grün. Objekte, von unbekannter Hand geschaffen, sind neben Werken von einigen der größten Meister der europäischen Kunstgeschichte zu sehen, wie beispielsweise ein „Weibliches Bildnis“ von Lucas Cranach d.J. und das Portrait des „Riesen Bartlmä Bona mit dem Zwerg Thomele" eines nicht überlieferten Künstlers.

Eine besondere Vorliebe hegen die Kuratoren für selten gezeigte Kuriositäten, die vor allem in den neuen Zusammenstellungen ihre Wirkung entfalten und eine andere Perspektive ermöglichen. Aus den Depots und Sammlungen förderten sie Exponate zutage, die vielfach noch nie ausgestellt wurden. Als Ergänzung kommen die Bleistiftzeichnungen von Juman Malouf hinzu, die die entnommenen Objekte für die Zeit der Schau vorübergehend ersetzen.

Ihr Arrangement ist unkonventionell und für Besucher, die ein wissenschaftlich begründetes Nebeneinander erwarten, sicherlich provozierend. Man mag den beiden vorwerfen, dass sie intuitiv und ohne umfassendes Verständnis ihrer Seltenheit, Herkunft und Ausstellungsgeschichte Gegenstände aussuchten, die ihnen gefielen. Ein subjektiver Ansatz, den schon Andy Warhol verfolgte, als er 1969 auf Einladung von Jean und Dominique de Ménil eine Ausstellung mit Werken aus den Sammlungen des Rhode Island School of Design Museum of Art kuratierte.

So wenig Anderson und Malouf scheinbar an einer besonderen Bedeutung der Exponate interessiert sind, so wenig folgten sie den Prinzipien herkömmlicher Kunstkennerschaft. Sie präsentieren kostbares Sammlungsgut mit derselben Wertschätzung wie Skurriles und Exotisches: erlesene Kunstgegenstände, die normaler Weise als Solitäre in Vitrinen stehen, finden sich in unvertrauter Inszenierung neben naiven Gemälden, Gebrauchsgegenständen, Kinderspielzeug oder dem titelgebenden Sarg einer Spitzmaus aus der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung. Handwerkliche Perfektion und einfache Handwerkskunst schließen sich nicht aus: die „Mumienetikette des Persos mit griechischer Aufschrift“ aus dem ersten Jahrhundert nach Christus findet ebenso einen Platz wie ein Stück Weinrebe mit eingewachsenem Golddraht von 1672.

Das große Mit-, In- und Durcheinander der Dinge und Zeiten ist ausgesprochen unterhaltsam und öffnet Sichtweisen, Museumssammlungen neu zu denken und zu erleben. So spielerisch, so komplex hat man Exponate der Kunstkammer noch nicht gesehen. Hier findet Natur zur Kunst, das Heimische zum Fremden, Alt und Neu werden reizvoll verbunden – allein zu dem Zweck, Unvergleichliches zu vergleichen. Gerade das macht die Ausstellung so besonders: sie zeigt viele Dinge, die weder ganz zur Natur noch ganz zur Kunst gehören, sondern an beiden teilhaben. Und sie stiftet Partnerschaften, wo man sie nicht erwarten würde.

Nicht zuletzt stellt die Schau die grundlegenden Systematiken einer Sammlungspräsentation in Frage und eröffnet neue Zugänge, von denen Kenner wie Laien nur profitieren können. Denn ein wichtigstes Erlebnis von „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures“ ist die kindliche Freude, wie reich die Welt ist und wie lustvoll es sein kann, sie weiter zu bereichern. Die Wiener Ausstellung macht deutlich, dass das alte Erfolgsrezept der Wunderkammer von Verblüffung und Staunen, das in der Aufklärung aus der Mode geriet, selbst in der reizüberfluteten Welt unserer Tage neue Sehereignisse beschert. Um sie zu erfahren, braucht es ungewöhnliche Perspektiven.

Die Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“ ist bis zum 28. April zu sehen. Das Kunsthistorische Museum Wien hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis zusätzlich 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 12 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet 30 Euro.

Kontakt:

Kunsthistorisches Museum Wien

Maria-Theresien-Platz

AT-1010  Wien

Telefon:+43 (01) 525 24 0

Telefax:+43 (01) 525 24 503

E-Mail: info@khm.at



18.02.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


06.11.2018, Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures. Wes Anderson and Juman Malouf

Bei:


Kunsthistorisches Museum Wien

Bericht:


Traumgesicht in der Nacht

Variabilder:

in der
 Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“
in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

Variabilder:

in der
 Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“
in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

Variabilder:

Juman Malouf, Madeleine Gonsalvus, Tochter des
 Haarmenschen Petrus Gonsalvus
Juman Malouf, Madeleine Gonsalvus, Tochter des Haarmenschen Petrus Gonsalvus

Variabilder:

Juman Malouf,
 Phönix
Juman Malouf, Phönix

Variabilder:

Juman Malouf, Sarg einer Spitzmaus
Juman Malouf, Sarg einer Spitzmaus

Variabilder:

Juman Malouf, Smaragdgefäß
Juman Malouf, Smaragdgefäß







in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

Juman Malouf, Madeleine Gonsalvus, Tochter des Haarmenschen Petrus Gonsalvus

Juman Malouf, Madeleine Gonsalvus, Tochter des Haarmenschen Petrus Gonsalvus

Juman Malouf, Phönix

Juman Malouf, Phönix

Juman Malouf, Sarg einer Spitzmaus

Juman Malouf, Sarg einer Spitzmaus

Juman Malouf, Smaragdgefäß

Juman Malouf, Smaragdgefäß

Juman Malouf und Wes Anderson

Juman Malouf und Wes Anderson

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

in der Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures – Wes Anderson and Juman Malouf“

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