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Aktuellzum Archiv:Messe-Nachbericht

Weniger Galerien, mehr Qualität: Die zwanzigste Ausgabe der Art Rotterdam endete am Sonntagabend mit 28.000 Besuchern. Messedirektor Fons Hof zieht eine positive Bilanz und reflektiert die Veränderungen auf dem Kunstmarkt

Konsolidierung auf der Art Rotterdam



Willem de Haan, Metrostation Van Nellefabriek, 2019

Willem de Haan, Metrostation Van Nellefabriek, 2019

Ein großes gelbes, im Dunkeln leuchtendes „M“ steht in Rotterdam für eine Metrostation. Dass eine solche allerdings auch direkt vor dem Haupteingang der Van Nellefabriek, dem Veranstaltungsort der Kunstmesse Art Rotterdam, existiert, stellte für die Besucher der Vernissage am vergangenen Mittwochabend eine Überraschung dar. Sie waren wie immer mit Privatwagen, Bussen, Taxis oder – ganz landestypisch – mit dem Fahrrad gekommen, denn die Van Nellefabriek liegt an der Peripherie der Stadt. War die schnelle Rückfahrt mit der U-Bahn ins Zentrum also gesichert?


Keineswegs! Denn bei der täuschend echt wirkenden „Metrostation Van Nellefabriek“ handelte es sich um eine Mixed-Media-Installation des 1996 geborenen niederländischen Künstlers Willem de Haan. Seine humorvolle Intervention spielt mit der absurden Vision einer universellen Vernetzung in der Realwelt. Was in der virtuellen Welt des Internets problemlos möglich ist, stößt im wirklichen Leben allerdings auf unzählige Hindernisse, und seien es nur die vielen Wasserflächen und Kanäle, die es zu untertunneln gälte, wollte man tatsächlich eine U-Bahn bis hier draußen bauen. Ob Willem de Haan sich von Martin Kippenbergers ebenfalls aus Fakes bestehendem, weltumspannenden „Metro-Net“ hat inspirieren lassen? Womöglich nicht. Als Kippenberger 1997 starb, war dieser Jungkünstler gerade mal ein Jahr alt – und manche Ideen liegen wohl einfach in der Luft.

Die Art Rotterdam jedenfalls feierte mit der aktuellen Ausgabe ihren zwanzigsten Geburtstag. Dieses Jubiläum beging die wichtigste niederländische Kunstmesse jedoch keineswegs nur im Partyrausch, sondern im Gegenteil mit einer Reihe von Konsolidierungsmaßnahmen. Lag im letzten Jahr die Zahl der teilnehmenden Galerien noch bei 130, so wurde diese jetzt auf 90 reduziert. Das beheizbare Zelt, das 2018 als zusätzliche Ausstellungsfläche errichtet worden war, hatte sich dann doch als Kostenfalle erwiesen. Messedirektor Fons Hof: „Die Art Rotterdam ist in diesem Jahr kompakter und intimer. Die Reduzierung der Galerien ist nicht nur eine konzeptuelle Entscheidung, denn die Nebenräume der Van Nellefabriek stehen nicht mehr zur Verfügung, da diese vermietet und umgebaut werden. Die Zeltlösung vom letzten Jahr war dann doch zu unattraktiv.“

Die neue, alte Übersichtlichkeit tut jedoch der Messe erstaunlich gut. In der den marktstärkeren Galerien vorbehaltenen „Main Section“ ist es insgesamt luftiger geworden, was gerade größere Werke gut zur Geltung kommen lässt. In der „New Art Section“, die Nachwuchskünstlern unter 35 Jahren vorbehalten ist, arbeiten die Rotterdamer mit einer offenen Kojenarchitektur voller Durch- und Übergänge, die eher zum flanierenden Bummeln als zum systematischen Abschreiten und Abhaken einlädt. 3.500 Euro zahlen die Galerien hier für einen Stand. Ein fairer Preis, der die Messeteilnahme auch für kleine und mittelständische Galerien erschwinglich macht.

Rosario Caltabiano, Inhaber der 2010 gegründeten Pariser Galerie 22,48 m2, präsentiert hier überwiegend kleinteilige Arbeiten des vierköpfigen Pariser Künstlerkollektivs Salut c’est Cool. In erster Linie sind die ausschließlich männlichen Mitglieder als Elektro-Punk-Band unterwegs. Doch mittlerweile produzieren sie auch Kunstobjekte zum Anfassen und Kaufen. Aus farbiger Modelliermasse haben die Franzosen zahllose Alltagsgegenstände auf recht nonchalante Art und Weise nachgeformt: Fernbedienungen, Bohrmaschinen, Autoschlüssel, Illustrierte, Nägel, Schrauben, einen Feuerlöscher, vor allem aber kleine Snacks und Knabbereien, wie sie in Frankreich gerne zum Aperitif gereicht werden. Ein riesiges Canapé in Form eines angeschnittenen Camemberts dient derweil als bequeme Sitzgelegenheit, um auch die Videos des Quartetts zu betrachten. Die Werke, die die Fallhöhe zwischen E- und U-Kultur, Infantilität und Konsumkritik mutig ausloten, offerierte Caltabiano zu Preisen zwischen 300 und 7.000 Euro.

Wesentlich konzeptueller und minimalistischer ist die künstlerische Strategie des in Berlin lebenden Japaners Takahiro Kudo, Jahrgang 1984. Am Stand der Archiraar Gallery aus Brüssel waren etliche Arbeiten aus seiner Blinker-Serie im Angebot. „To blinker“ bedeutet im Englischen „die Scheuklappen anlegen“. In komplett weiß gehaltenen Rahmen hat Kudo Tageszeitungen hinter Passepartoutkartons montiert, deren kleine, rechteckig oder rund zugeschnittene Öffnungen gerade einmal einzelne Wörter, Satzfragmente oder Gesichter freilegen. Ein ebenso prosaisches wie bedeutungsgeladenes Beispiel: „Untitled (Lovers)“ aus dem Jahr 2018 legt lediglich die Worte „You“ und „#MeToo“ frei, die innerhalb des großformatigen Rahmens auch noch denkbar weit voneinander entfernt sind. Die hintersinnig-poetischen Arbeiten kosten zwischen 1.500 und 1.800 Euro.

Aus Köln war der Galerist Philipp von Rosen mit einer Werkauswahl des 1985 geborenen Tomma Abts-Schülers Jonas Maas angereist. Maas befragt die Möglichkeiten des Mediums Malerei, indem er seine abstrakten Kompositionen zunächst mit einem Bildbearbeitungsprogramm am Computer entwirft und dann auf Holz- oder Aluminiumoberflächen drucken lässt. Rasterpunkte, strenge oder auch verspielte geometrische Formen und monochrome Flächen treffen dann zuweilen doch wieder auf „echte“ Pinselspuren, so dass Maas’ Bilder zu raffinierten Reflexionen über den Status der Malerei im digitalen Zeitalter werden. Die Preise rangieren hier zwischen 3.200 Euro und 11.000 Euro für ein ganzes Ensemble seiner Bilder.

Die Amsterdamer Galerie Martin van Zomeren hatte Arbeiten der 1979 geborenen Niederländerin Katja Mater mit nach Rotterdam gebracht. Raum, Zeit, das Erzeugen von Wahrnehmungsverschiebungen durch Spiegelungen, Drehungen und Überlagerungen der Ausgangsmotive kennzeichnen Maters Methode. Dabei verwendet sie eigene Zeichnungen und Gemälde ebenso als Ausgangsmaterial wie etwa gefundene Tarotkarten. Mittelgroße Arbeiten in einer Auflage von fünf Stück sind in der Galerie zu Preisen zwischen 4.000 und 4.500 Euro erhältlich. Für ihr mutiges experimentelles Vordringen in die Grenzbereiche des optisch Darstellbaren erhielt Katja Mater am Vernissageabend der Art Rotterdam den mit 10.000 Euro dotierten Art Award 2019 der Versicherungsgesellschaft NN Group.

Am Stand der Amsterdamer Galerie Ron Mandos waren unter anderem Arbeiten des in London lebenden, deutsch-französischen Künstlerkollektivs Troika zu sehen. Es handelt sich um an die Wand gelehnte Plexiglaskörper. In ihrem Inneren befinden sich hauchdünne Fotofolien mit Farbverläufen, die je nach Lichteinfall und Position des Betrachters unterschiedlich wahrgenommen werden (Preise zwischen 10.000 Euro und 20.000 Euro). Das mit den beiden Deutschen Eva Rucki und Conny Freyer sowie dem Franzosen Sebastien Noël bestückte Trio ist zur Zeit auch mit der großformatigen Installation „Borrowed Light“ im Londoner Barbican-Center zugegen. „Ich denke, die diesjährige Ausgabe der Art Rotterdam ist lebhafter und gleichzeitig konzentrierter“, sagt Ron Mandos, der regelmäßig an der niederländischen Kunstmesse teilnimmt. „Ich habe eine bessere Qualität in der Auswahl der Galerien und der Werke festgestellt.“

Wie in jedem Jahr war ein Teil der Messehalle für die auf Videoarbeiten spezialisierte Sektion „Projections“ reserviert. Etablierte Vertreter des Mediums wie Johan Grimonprez und Michel Auder trafen hier auf jüngere Künstler. So hatte die Brüsseler Galerie Montoro12 die Videoarbeit „Nation Estate“ der 1973 geborenen dänisch-palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour aus dem Jahr 2014 am Stand aufgebaut. In ihrer von Science Fiction-Filmen inspirierten Vision hat sich die gesamte palästinensische Nation in einen luxuriösen Wolkenkratzer zurückgezogen, der in vertikaler Anordnung den Felsendom, Sushi-Restaurants und weitere Attraktionen beherbergt. Larissa Sansour wird für Dänemark auf der kommenden Biennale in Venedig auftreten. Am Stand der Galerie Montoro12 waren C-Prints zum Video in 3er Auflage für 9.500 Euro bis 10.500 Euro zu haben. Eine weitere Entdeckung bei den „Projections“ war das Video „Burried House (Dallas)“ der spanischen Künstlerin Lara Almarcegui aus dem Jahr 2013. Der siebenminütige Loop zeigt den Abriss eines Holzschuppens mit Hilfe eines Baggers. Im Anschluss daran werden die Trümmer des Häuschens mit Erde bedeckt. Der Schuppen findet quasi an der Stelle seine letzte Ruhestätte, wo er zuvor gestanden hat. Lara Almarcegui ist bei der Amsterdamer Galerie Ellen de Bruijne Projects unter Vertrag.

Fons Hof, der langjährige Direktor der Art Rotterdam, hat sich ein paar grundsätzliche Gedanken zu den aktuellen Entwicklungen auf dem Kunstmarkt gemacht. Im ausführlichen Interview mit der Zeitung NRC Handelsblad sagte er: „Der Markt verändert sich. Der Connaisseur-Sammler wird zum Auslaufmodell. Im Kommen ist der Gelegenheitskäufer. Die jüngere Generation verbringt ihre Zeit mit allen möglichen Aktivitäten. Kunst zu kaufen ist nur ein Teil davon.“ Zu den Veränderungen im Galerienbetrieb äußerte er sich: „Weltweit sieht man, dass kleine und mittelgroße Galerien es schwer haben. Gleichzeitig werden im höchsten Segment immer wieder neue Rekordpreise erzielt. Doch das ist nur ein sehr kleiner Teil der Kunstwelt.“

In Panik bricht er jedoch nicht aus. Gefragt, ob er ein Abwandern des Kunstmarkts ins Internet befürchtet, antwortete Fons Hof dem NRC Handelsblad: „Daran glaube ich nicht. Den Kunstmarkt kann man nicht mit Spotify oder Youtube vergleichen. Vielmehr vielleicht mit dem Restaurantwesen. Es geht um das Gesamterlebnis, darum, das Kunstwerk physisch zu erleben, aber auch um die Gespräche mit den Galeristen, mit den Künstlern und mit anderen Besuchern.“ Dennoch will Hof auch die Zufallskäufer bedienen. „Die Gewinnformel ist eine Kombination von Online- und Offlineaktivitäten“, sagt er. „Online sollen die Menschen sich orientieren, offline soll dann die endgültige Kaufentscheidung stattfinden. Deshalb haben wir vor vier Monaten die Website galleryviewer.com ins Leben gerufen, auf der auch der Online-Katalog der Art Rotterdam eingesehen werden kann. Ungefähr 10.000 Menschen besuchen diese Website im Monat.“

Am Sonntagabend ist die Messe zu Ende gegangen. Rund 28.000 Besucher kamen diesmal in die Van Nellefabriek, das waren 2.000 mehr als im Vorjahr. Eingebettet war die Messe auch in diesem Jahr in die Art Rotterdam Week, zu deren Highlights die Eröffnung der Ausstellung „Trouble in Paradise“ mit Werken aus der Sammlung Rattan Chadha gehörte. Der in Indien geborene niederländische Geschäftsmann ist der Gründer des Modeunternehmens Mexx und der Hotelkette Citizen M. Seine umfangreiche Kollektion umfasst, frei nach dem Motto „Sex and Drugs and Rock ‘n‘ Roll“, teils schrille Arbeiten von Künstlern wie Candice Breitz, Marc Bijl, Thomas Hirschhorn, Marlene Dumas, Rita Ackermann, Gilbert & George und vielen anderen.

Mit etwas Wehmut ging dann die Schau „nederlands – bauhaus. pioneers of a new world“ im Museum Boijmans van Beuningen an den Start. Annähernd 800 Objekte von internationalen Bauhaus-Künstlern wie Paul Klee, László Moholy-Nagy oder Oskar Schlemmer sind hier mit niederländischen Bauhaus-Vertreter konfrontiert, darunter mit Arbeiten von Mart Stam, Paul Citroen, Piet Zwart oder Lotte Stam-Beese. Für das Museum Boijmans van Beuningen ist dies die letzte Ausstellung vor der umfangreichen Sanierung und der damit verbundenen Schließung für voraussichtlich sieben Jahre. Bleibt zu hoffen, dass diese Zeit ausreicht. Erfahrungen mit derart aufwändigen Renovierungsprojekten hat ja bereits die Nachbarstadt Amsterdam gesammelt. Sanierung und Umbau des Rijksmuseums und des Stedelijk Museums haben damals sowohl die Zeitpläne als auch die Budgets kräftig überschritten.

Doch für die Rotterdamer gibt es einen Trost. Gleich neben dem Museum wird vom Rotterdamer Architekturbüro MVRDV zur Zeit das öffentlich zugängliche Boijmans Art Depot errichtet. Das an eine verspiegelte Salatschüssel erinnernde, spektakuläre Gebäude soll einen Skulpturengarten auf dem Dach beherbergen. 90 Prozent der Schausammlung werden für die Öffentlichkeit sichtbar sein. Transparenz ist hier Trumpf. Besucher sollen so beispielsweise die Restauratoren bei der Arbeit beobachten können. Das Baubudget beträgt 28,5 Millionen Euro. Die Eröffnung ist für das Jahr 2021 geplant. Von dem Gebäude dürften ähnliche Impulse ausgehen wie bereits von der ebenfalls von MVRDV geplanten Rotterdamer Markthalle, die 2014 fertiggestellt wurde und jährlich zwischen 4,5 und 7 Millionen Besucher verzeichnet, darunter Architekturfans aus der ganzen Welt. Rotterdam bleibt also in Bewegung.

www.artrotterdam.com



12.02.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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