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Stefan Sagmeister und Jessica Walsh haben für das MAK in Wien inzwischen ihr drittes Ausstellungsprojekt realisiert und gehen einer alten Frage der Menschheit nach:

Was ist Schönheit?



Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Fog Screen, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Fog Screen, 2018

Die Einbeziehung lebender Künstler in die Säle und Galerien historischer Sammlungen gilt seit langem als selbstverständlich. Auch dass historische Museen zeitgenössische Künstler einladen, ihre Ideen zur Ausstellungsarchitektur und Sammlungspräsentation einzubringen, ist eine seit Jahren erfolgreich durchgeführte und mittlerweile weitverbreitete Praxis. Das Los Angeles County Museum of Art hat mit Künstlern wie Franz West, Jorge Pardo oder Robert Irwin zusammengearbeitet. Der Louvre hat sich ebenfalls auf ein solches Experiment eingelassen und ist mit seiner Reihe permanenter Interventionen in den historischen Gebäuden des Museums sogar noch einen Schritt weitergegangen. Im Kunsthistorischen Museum in Wien zeichnet Jasper Sharp seit 2012 für eine Ausstellungsreihe verantwortlich, in deren Rahmen international renommierte Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Kunstgattungen eine Carte blanche zur persönlichen Auswahl an Objekten aus den Sammlungen des Hauses erhalten, um eine persönlichen Vorlieben und Überlegungen folgende Präsentation zusammenstellen. Weitere große Häuser, die gemeinhin für ihre historischen Sammlungen berühmt sind, tummeln sich in Wien im Bereich der Gegenwartskunst: das Belvedere, das Leopold Museum, die Albertina und seit Jahren auch das Museum für angewandte Kunst, für das Stefan Sagmeister und seine Agenturpartnerin Jessica Walsh nun eine Ausstellung zum Thema Schönheit entwickelt haben.


„Beauty“, so der Titel ihrer Schau, ist das mittlerweile dritte Projekt, das der in Vorarlberg geborene und seit Jahren in New York lebende Grafikdesigner für das MAK kuratiert hat. Nach der erfolgreichen „Happy Show“ vor drei Jahren widmet sich Stefan Sagmeister – nun im Duo mit Jessica Walsh – der Lust am Schönen und thematisiert damit ein Thema, das im 20. und 21. Jahrhundert eher negativ konnotiert war. Dieser Antipathie setzen Sagmeister und Walsh überraschende Argumente entgegen und machen Schönheit als einen zentralen und gleichzeitig funktionalen Aspekt ansprechender Gestaltung erlebbar. Die alle drei Ebenen und mehrere Museumsräume bespielende Ausstellung versammelt ein riesiges Konvolut an Objekten, Kunstwerken und Installationen, Beispielen aus Produktdesign, Stadtplanung, Architektur und Grafikdesign und ist ein unkonventioneller Mix, der zu 80 Prozent speziell für das MAK geschaffen wurde. Werke aus der hauseigenen Sammlung ergänzen die Schau, wobei immer wieder andere Museumsflächen durchwandert werden müssen und die Reize der außergewöhnlichen Sammlungsbestände in die aktuelle Schau hineinfluten.

Schon das Entree ist ein Erlebnis: sobald ein wabernder, mit Projektionen bespielter Nebelvorhang durchschritten ist, betritt man die imposante Eingangshalle, die Sagmeister und Walsh in eine Wunderkammer verwandelt haben. Schon hier initiieren sie mit 13 Arbeiten einen unkonventionellen Parcours, bei dem die Besucher*innen immer wieder aufgefordert werden, ihren eigenen Schönheitsbegriff zu überdenken und sich zwischen zwei oder mehreren Angeboten zu entscheiden. Während „Beauty“, ein Song der kanadischen Band Siskiyou, durch den Raum schallt, breitet ein ausgestopfter Pfau sein imposantes Federkleid aus, ein Arrangement verschieden hoher Bücherstapel gibt Auskunft, wie häufig das Wort Schönheit in geschichtsträchtigen Jahren Verwendung fand, und mittels einer Computersteuerung können die Gäste den Flug eines Vogelschwarms verändern. Verschiedene Landschaften laden zur Abstimmung ein, welche die gemeinhin Schönste sei, und ein Video dokumentiert das Experiment eines Wiener Wahrnehmungspsychologen mit einem Alzheimer-Patienten und gibt Auskunft darüber, dass das Empfinden für Schönheit trotz der schweren Erkrankung erhalten bleibt. Über all dem hängt die gigantische Installation „Two Hundred and Seventy“ von Nils Völker, die in einer rhythmisch fein abgestimmten Choreographie weiße Plastiktüten aufbläst und wieder zusammenzieht, wobei ein Geräusch entsteht, das menschliches Atmen suggeriert.

Die Zusammenstellung und Anordnung der Exponate ist lehrreich, ohne doktrinär zu sein, provokativ, polemisch und auf wunderbare Weise unterhaltsam: beispielsweise dann, wenn an einer Wand im Untergeschoss ein Konvolut laminierter Karten hängt, die Fluggesellschaften als vermeintlich effizienteste Art für Passagiere bereithalten, um über einen eventuellen Notfall zu informieren. Die bunte Sammlung konfrontierten Stefan Sagmeister und Jessica Walsh mit einem höchst unterhaltsamen Musik-Video, mit dem die Fluggesellschaft „Virgin“ den gleichen Inhalt kommunizierte. Auf YouTube wurde die „Notausgangsrevue“ mittlerweile über 13 Millionen Mal angeklickt. Süffisante Seitenhiebe gibt es gegenüber Verfechtern eines ornamentlosen Stils wie Adolf Loos, der 18 Jahre nach Erscheinen seiner berühmten Schrift „Ornament und Verbrechen“ die Glasmanufaktur J. & L. Lobmeyr in einem Brief darum bat, sie möge seine Gläser mit kleinen Ornamenten wie Fliegen und Schmetterlingen verzieren.

Immer wieder sucht die Ausstellung die Interaktion mit den Besucher*innen, wenn etwa auf Schautafeln die Sätze zu lesen sind: „Die hässlichste Farbe ist Braun“ und „Die hässlichste Form ist das Rechteck“. Diesen pseudo-wissenschaftlichen Erkenntnissen sind dann eine Folge von Architekturfotografien mit braunen, achsensymmetrischen Wohnbauten und die polemische Frage zur Seite gestellt: „Was glaubt die Bauindustrie?“

Um Farbwahrnehmung geht es auch im „Color Room“, einem Raum, bei dem in einem All-Over Teppich, Tapete und sämtliche Einrichtungsgegenstände mit dem selben intensiven blau-rosafarbenen Muster gestaltet sind. Er wird in regelmäßigen Loops mit einem speziellen Licht beleuchtet, das bestimmte Farbtöne grau erscheinen lässt. Weniger überzeugend ist der sogenannte „Sensory Room“, dessen mit Kristallglas besetzte Außenwände als Werbeträger für einen bekannten österreichischen Schmuckfabrikanten fungieren, während im Inneren ein sinnlich inszenierter White Cube-Spa mit Regenwaldgeräuschen, Sonnenuntergangsfarben und Zitrusduft gängige Schönheitsempfindungen komprimiert.

Die auf insgesamt drei Ebenen inszenierte und in die sechs Themen „Was ist Schönheit?“, „Die Geschichte der Schönheit“, „Im Auge des Betrachters“, „Schönheit erleben“, „Das Schönheitsarchiv“ und „Transformierende Schönheit“ gegliederte Schau versteht sich als Ansatz, den Irrglauben, Schönheit sei altmodisch und kein seriöses Ziel für Kreative, zu überdenken. Schöne Arbeiten, so das Credo von Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, seien nichts Oberflächliches: „Schönheit ist das Quantum Menschlichkeit, das unser Leben besser macht. Schöne Arbeiten sind nicht nur erfreulicher – sie funktionieren auch viel, viel besser.“ Konsequenterweise liegt ein Schwerpunkt der Ausstellung auf jenen Beispielen, die veranschaulichen, auf welche Weise „Strategien der Schönheit“ die Lebensqualität verbessern: Der Amerikaner David Allen beispielsweise entwickelte Tattoos, die Frauen helfen sollen, sich von einer Mastektomie nach Brustkrebs zu erholen. Farbige Übermalungen oder Projektionen auf Unterführungen oder Häusern in ärmlichen Slumbezirken tragen erwiesener Weise zur Neuadaption und Akzeptanz ehemals problematischer urbaner Orte bei.

Mit Fotodokumentationen von kostengünstigen Stadtsanierungen in Brooklyn, Tirana, Rio de Janeiro, El Alto und São Paulo und Beispielen von sozial motivierten Kollaborationen, wie dem Projekt des französischen Designers Thierry Jeannot, der gemeinsam mit Müllsammlern in Mexiko City einen riesigen Kandelaber aus Plastikflaschen für die Wiener Schau herstellte, fokussieren Sagmeister und Walsh alltägliche Verschönerungsstrategien, die kaum wahrnehmbar sind. Auf die häufige Kritik, dass Verschönerung nur Behübschung bedeute, antwortet das Kuratorenduo mit der von Friedensreich Hundertwasser dekorierten Müllverbrennungsanlage im Wiener Bezirk Alsergrund. Sie sei einst zum „Gespött der Intellektuellen“ geworden. Außerhalb des Akademie-, Architektur- und Kunstkosmos wird Hundertswassers Schöpfung hingegen heute nach rund 30 Jahren im Vergleich mit einer herkömmlichen Müllverbrennungsanlage Wertschätzung entgegengebracht.

Man könnte der Schau vorwerfen, dass viele Themen nur angeschnitten werden und dass die schnell konsumierbaren Reize vieler Exponate auf Unterhaltung der Besucher*innen abgestimmt sind. Als schöner Gedankenparcours ist „Beauty“ aber trefflich gelungen – und Spaß macht’s auch.

Die Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“ ist bis zum 31. März zu sehen. Das Österreichische Museum für angewandte Kunst hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Der Katalog kostet im Museum 41 Euro. Ab Mai übernimmt das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main die Schau.

Kontakt:

Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Stubenring 5

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 711 360

Telefax:+43 (01) 713 10 26

E-Mail: office@mak.at



21.01.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


24.10.2018, Sagmeister & Walsh: Beauty

Bei:


Österreichisches Museum für angewandte Kunst

Variabilder:

Stefan
 Sagmeister und Jessica Walsh, Logo für die Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“, 2018
Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Logo für die Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“, 2018

Variabilder:

Nils Völker, Two Hundred and Seventy, 2018
Nils Völker, Two Hundred and Seventy, 2018

Variabilder:

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh,
 Obsessions make my life worse and my work better, 2016
Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Obsessions make my life worse and my work better, 2016

Variabilder:

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, 2013
Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, 2013

Variabilder:

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Selfie-Booth, 2018
Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Selfie-Booth, 2018

Variabilder:

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sensory Room, 2018
Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sensory Room, 2018

Variabilder:

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sound Room, 2018
Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sound Room, 2018







Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Logo für die Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Logo für die Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“, 2018

Nils Völker, Two Hundred and Seventy, 2018

Nils Völker, Two Hundred and Seventy, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Obsessions make my life worse and my work better, 2016

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Obsessions make my life worse and my work better, 2016

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, 2013

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, 2013

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Selfie-Booth, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Selfie-Booth, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sensory Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sensory Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sound Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Sound Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, From Garbage to Functional Beauty, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, From Garbage to Functional Beauty, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Ethik=Ästhetik, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Ethik=Ästhetik, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Color Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Color Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Color Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Color Room, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Bemalte Bälle aus Schweinsblasen, 2018

Stefan Sagmeister und Jessica Walsh, Bemalte Bälle aus Schweinsblasen, 2018




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