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Friedrichshafen: Ein Bauhaus der Gegenwart

in der Ausstellung „Ideal Standard. Spekulationen über ein Bauhaus heute“

Mit der Ausstellung „Ideal Standard“ beteiligt sich das Zeppelin Museum in Friedrichshafen am Jubiläum zum 100. Gründungsjahr des Bauhauses. Kurator Dominik Busch versteht hierbei das Bauhaus als ein bis heute offenes Projekt. Die fünf Künstler Katarina Burin, Erika Hock, Christopher Kulendran Thomas in Zusammenarbeit mit Annika Kuhlmann, das Duo Pakui Hardware sowie Andrea Zittel gehen von Ideen der weltberühmten Designschule aus und stellen sich Fragen der heutigen Zeit: „Wie beeinflusst die ikonische Formensprache des Bauhauses die zeitgenössische Skulptur und Installation? Wie werden die historischen Themenkomplexe Wohnen und Massenproduktion, wie die patriarchalisch geprägte Geschichtsschreibung kritisch reflektiert? Lassen sich in den Arbeits- oder Denkweisen von zeitgenössischen Künstlern und Kollektiven Parallelen zu den Innovationen des Bauhauses ziehen?“

Das Bauhaus strebte danach, Grenzen aufzulösen, etwa indem ästhetisch ansprechende sowie funktionale Möbel industriell massenhaft angefertigt werden konnten. Es beherbergte viele weibliche Künstler, die übersehen oder vergessen wurden. Die slowakische Künstlerin Katarina Burin wendet sich einer „feministischen Perspektive auf eine männlich dominierte Historiographie der Moderne“ zu. Hierzu nutzt sie die fiktive Gestalt der kroatischen Architektin Petra Andrejova-Molnár. Burin verwischt die Grenze zwischen Fakten und Fiktion, indem sie sich auf real-historische Gegebenheiten, Personen und Orte bezieht. Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Hauptwerk der Architektin, das Hotel Nord-Sud in der kroatischen Küstenstadt Zadar, hat Burin 2013 rekonstruiert: Der zwischen 1932 und 1934 entstandene Bau wird durch Zeichnungen, Fotografien und Modelle vorgestellt. Das dreigeschossige Hotel verjüngt sich wie eine Pyramide in querrechteckigen Schichten von Stockwerk zu Stockwerk, luftige offene Flächen sowie bunte Glaskunst im Erdgeschoss definieren das weiße Gebäude. In ihrer von Dominik Busch als „fake artistic research“ bezeichneten Arbeitsweise setzt sich Burin in dem seit 2008 andauernden Projekt mit Fragen nach der Urheberschaft von Kunst und der Konstruktion von vermeintlich historischen Fakten auseinander.

Pakui Hardware geht in der Serie „On Demand“ von 2017 der Überlegung nach, dass ein zeitgenössisches Bauhaus sich weniger der Kunst und dem Design zuwenden würde, als vielmehr künstlicher Intelligenz, Robotik oder synthetischer Biologie. Das Duo entwirft seine „Industrie 4.0“ als autonomes Ökosystem. Dazu präsentieren Neringa Cerniauskaite und Ugnius Gelguda biomorphe Apparate, die künstlich veränderte Natur und High-Tech-Materialien erzeugen. Dreifußstände halten plastikhaft schimmernde Formen in Grau-Rosa mit schwarzen Einschlüssen, die in ihrer Form an Palmenblätter erinnern. Pakui Hardware möchte laut Busch „auf die Hybridität der Dinge“ und auf die unwahre Trennung von natürlich und künstlich hinweisen.

Die Ausstellung „Ideal Standard. Spekulationen über ein Bauhaus heute“ läuft bis zum 28. April. Das Zeppelin Museum hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, ermäßigt 7 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 21,50 Euro.

Zeppelin Museum Friedrichshafen
Seestraße 22
D-88045 Friedrichshafen

Telefon: +49 (0)7541 – 380 10
Telefax: +49 (0)7541 – 380 181

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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