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Über 500 Veranstaltungen reflektieren heuer in Deutschland das Bauhaus. Anlass ist das 100. Gründungsjubiläum der Design-Schule. Anmerkungen und Ausstellungen zwischen Kitsch und Konsum, Konzepten und Konflikten

Auf zum Bauhaus



Erich Consemüller, Frau im Clubsessel B3 von Marcel Breuer mit Maske von Oskar Schlemmer und Kleid von Lis Beyer, 1927

Erich Consemüller, Frau im Clubsessel B3 von Marcel Breuer mit Maske von Oskar Schlemmer und Kleid von Lis Beyer, 1927

„Ich mache keine Werbung für Baumarktketten“, kritisierte ein prominenter Festredner den Verfasser eines Manuskriptentwurfs, in dem der Begriff Bauhaus auftauchte. „Wenn du nicht artig bist, kommst du ins Bauhaus!“, warnten Eltern früher freche Kinder. „Häuser im Bauhaus-Stil“ steht heute auf vielen Bauschildern. Unkenntnis, Reizpotential, Qualitätssiegel – all dies bündelt der Begriff „Bauhaus“. In der Tat: Die vielen Facetten der ungemein heterogenen Lehr- und Experimentieranstalt sind für Dilettanten schwer überschaubar. So bietet sich die Wiederkehr der Eröffnung des Bauhauses am 1. April 1919 in Weimar zur kritischen Aufarbeitung von Historie und Wirkungsgeschichte an. Als Ereignis von nationaler Bedeutung ausgerufen und bewusst eingesetzt, um ein Idealbild zu vermitteln, ergießt sich ein gewaltiger Veranstaltungsreigen in diesem Jahr über Deutschland.


Alle wollen mit dabei sein. Unterstützt durch einen reichen Geldsegen von Bund und Ländern, überschlagen sich selbst noch kleine Orte in Aktivitäten, um aus ihren Kreisen kommende Bauhaus-Schüler zu ehren, nur entfernt im sogenannten, eigentlich gar nicht existenten „Bauhaus-Stil“ beeinflusste Werke ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken oder einschlägige thematische Veranstaltungen nur mit dem Ziel aufzuziehen, ins Gespräch zu kommen und Besucher anzulocken. Schon geschichtsklitternde Züge nimmt die effektvolle Instrumentalisierung seitens der Politik an, die nicht müde wird, zu betonen, wie eng doch die Wechselwirkung von Bauhaus und Demokratie gewesen sei. Bewusst unterschlagen wird dabei, dass der vermeintliche Ort von Debatten, Konflikten und Konzepten auch von autoritären Strömungen beherrscht wurde, die die Mitbestimmung negierten oder Frauen in die Weberei oder Keramikwerkstatt abordneten. Dunkle radikale Seiten vieler Bauhäusler werden so beiseite gedrängt.

Zukunftsthemen und Herangehensweisen von heute wie das Entwerfen von Objekten mit digitalen Techniken, Wohnen der Zukunft oder die Einbeziehung künstlicher Intelligenz spielen im Veranstaltungsreigen kaum keine Rolle. Die bestätigt auch, was der Architekt und Hochschullehrer Friedrich von Borries auf den Punkt bringt, wenn er schreibt, dass „Kunst am Beginn des 20. Jahrhunderts eine innovative Disziplin war, die innerhalb weniger Jahrzehnte die Übereinkünfte von Jahrhunderten über den Haufen warf, sich völlig neu erfand und zur Veränderung der Gesellschaft beitrug. Heute hat Kunst diese Rolle nicht mehr.“ So bleibt nur noch das Schwelgen in der Vergangenheit ohne Polemik und Visionen. Entsprechend richtungslos, kunterbunt arrangiert, auf rein Historisches basierend, zeigt sich der Reigen von Events, nahezu ohne die Ideen des Bauhauses in die Gegenwart zu transferieren.

Den Auftakt bestreitet die Akademie der Künste in Berlin mit einem Eröffnungsfestival vom 16. bis zum 24. Januar. Das bunt gemischte Programm setzt sich aus Vorführungen, Ausstellungen, Performances und Installationen zusammen. Es will eine kreativ-experimentelle Reise rund um die legendäre Bauhaus-Bühne sein. An den neun Tagen sind zehn Uraufführungen vorgesehen, an denen sich über 100 Künstlerinnen und Künstler beteiligen. So sollen die Besucher*innen beispielsweise in der Virtual Reality Installation „Das Totale Tanz Theater“ über VR-Brillen in eine künstlerische Welt eintauchen und in einem virtuellen Bühnenraum auf mehreren Ebenen ein Zusammenspiel aus Tanz, Szenografie, Kostüm, Musik und modernster Digitaltechnologie erleben.

Besonders im Mittelpunkt stehen heuer drei neue Bauhaus-Museen an den ehemaligen Wirkungsorten. Für die weltweit älteste Sammlung wird in Weimar am 6. April ein Neubau bezeichnenderweise vis-à-vis des ehemaligen Gauforums am Weimarhallenpark eröffnet. Bereits ab 1925 trug der Bauhaus-Gründer Walter Gropius typische Werkstattarbeiten zusammen. Heute beläuft sich der Fundus auf 13.000 Objekte. Neben historischen Stücken wie der Teekanne von Marianne Brandt oder Gemälden von Paul Klee soll die Präsentation unter dem Titel „Exponat - Experiment - Erlebnis. Das Bauhaus Weimar“ den Bogen bis hin zu Perspektiven künftiger Lebensentwürfe spannen.

Auch in Dessau eröffnet am 8. September ein neues Bauhaus-Museum. Die Ausstellung stellt passend zur dortigen Periode die Schule als Versuchslabor vor. Aus dem Fundus von 40.000 Stücken sollen Möbel, Schrifttypen, Textilien, Tapeten und Architekturentwürfe den Bezug der Bauhausprodukte zum Lebensalltag vermitteln. Nicht fertiggestellt wird im Jubiläumsjahr der neue, von Volker Staab geplante Erweiterungsbau zum Bauhaus-Archiv in Berlin. Die kongeniale Ergänzung des 1979 eröffneten, von Walter Gropius entworfenen Stammhauses geht voraussichtlich erst 2023 an den Start. Daher hospitiert das Museum ab dem 6. September in der Berlinischen Galerie, wo es unter dem Titel „original bauhaus“ Vergessenes, Bekanntes und neu Entdecktes aus den Archiven vorstellt.

Über 500 Veranstaltungen drängen sich 2019 zum Bauhaus-Jubiläum in Deutschland aneinander. Porzellanfreunde können sich über zwei große Präsentationen freuen. Ab dem 1. April zeigen die Porzellanwelten auf der Leuchtenburg bei Kahla in einer Sonderausstellung Porzellandesign der Sammlung Högermann aus der Bauhaus-Zeit mit Stücken so bedeutender Künstler wie Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Gerhard Marcks, Hermann Gretsch, Walter Gropius, Wilhelm Wagenfeld, Max Bill und vielen anderen. Im Porzellanikon in Selb steht ab dem 9. März unter dem Titel „Reine Formsache – Vom Bauhaus-Impuls zum Designlabor der Burg Giebichenstein“ eine Auswahl keramischer Arbeiten von Künstlern im Fokus, die vom Weimarer Bauhaus an die Hallenser Kunsthochschule wechselten.

Zu den prägendsten Künstlern am Bauhaus gehörte Oskar Schlemmer. Dem wichtigen Bauhaus-Meister widmet Schloss Friedenstein in Gotha ab Ende April eine umfangreiche monografische Schau, die die Vielfalt seiner Ausdrucksformen in den Mittelpunkt rückt. In Baden-Württemberg herrscht bekanntlich ein auf Anwendung und Praktikabilität ausgerichteter Geist, der Kooperationen zwischen Kunstakademien, Kunstgewerbeschulen und Unternehmen beförderte. Dem trägt die Präsentation „Ideal Standard. Spekulationen über ein Bauhaus heute“ Rechnung, die im Zeppelin Museum in Friedrichshafen am Bodensee noch bis zum 28. April zu sehen ist. Ihr Anliegen besteht nicht in einer historischen Aufarbeitung oder einem Resümee. Heterogene Positionen von fünf zeitgenössischen Künstlern und -gruppen rufen zum Diskurs über Parallelen des Bauhauses zu heutigen Denk- und Arbeitsweisen auf.

Unter den Vorzeichen des Sehens steht die Schau „Bauhaus und die Fotografie“ im Düsseldorfer NRW-Forum. Am Beispiel von Vertretern des „Neuen Sehens“ am Bauhaus wie László Moholy-Nagy, Erich Consemüller, Walter Peterhans, Marianne Brandt oder Lucia Moholy steht die Inspiration ihrer Arbeiten auf Werke heutiger Künstler wie Thomas Ruff, Dominique Teufen, Daniel T. Braun oder Wolfgang Tillmans im Vordergrund. Um das „Neue Frankfurt“ geht es ab dem 19. Januar in der Main-Metropole. Das Museum Angewandte Kunst, das Historische Museum und das Deutsche Architekturmuseum stellen gemeinsam das ambitionierte Wohnungsbauprogramm des Frankfurter Stadtbaurats Ernst May vor, der ab den 1920er Jahren der Utopie einer modernen Gesellschaft Raum gab, und thematisieren den universalen Anspruch des Lebens in der Metropole am Beispiel von Mode-, Interieur-, Industrie-, Produkt- und Kommunikationsdesign. Wie weltweit die Prinzipien des Bauhauses ausstrahlten und im frühen 20. Jahrhundert auf andere Ideen der Moderne trafen, ging das Ausstellungs- und Forschungsprojekt „bauhaus imaginista“ nach. Im Berliner Haus der Kulturen der Welt ist ab dem 23. März die Zusammenschau all dieser Stränge zu sehen.

Das gesamte Programm ist unter www.bauhaus100.de abrufbar.

www.bauhaus100.de



09.01.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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