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Die Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen Hamburg präsentiert noch bis Mitte März die bislang größte Einzelausstellung des in erster Linie als Zeichner bekannten Berliner Künstlers Ralf Ziervogel

Der Grobian mit der feinen Feder



Es ist ein zutiefst verstörender Bilderkosmos, mit dem sich der Berliner Zeichner Ralf Ziervogel, Jahrgang 1975, in der letzten Dekade in den internationalen Kunstbetrieb eingeschrieben hat. Die nackten Körper von Frauen, Männern und Kindern sind auf- und auseinandergeschnitten, Köpfe werden mit raketenartiger Geschwindigkeit vom Rumpf abgesprengt, mit Drähten fixierte Zehen streckbankartig vom Fuß getrennt. Anatomische Details hat Ziervogel mit geradezu naturwissenschaftlicher Akkuratesse ausgeführt, bestialische und pornografische Motive spart er nicht aus. Das Ganze kommt jedoch in einem distanzierten Duktus geradezu altmeisterlich ausgeführter Tuschezeichnungen in monochromem Schwarz auf hochwertigem weißem Zeichenpapier daher. Viele Blätter sind häufig noch mit endlosen Aneinanderreihungen von Four-Letter-Words und anderen Beschimpfungen gespickt, die jedoch nur entziffern kann, wer besonders nah an die Arbeiten herangeht.


Das chaotische All-Over seiner extrem detailreichen Höllenritte durch das Repertoire sadistischer Fantasien enthält daneben allerlei weitere, eher zeitgeistige Details: Mal gibt es da einen DJ mit Irokesenschnitt, der das Grauen am Mischpult zu orchestrieren scheint, dann wiederum jagen Injektionsspritzen wie Geschosse durch den Bildraum, und regelmäßig tauchen auch Anspielungen auf angesagte Lifestyle-Accessoires wie Handys und Tablets oder auf Mode-Labels wie Adidas, Puma oder Hugo Boss auf. Wenn man die meist sehr großformatigen, äußerst penibel und mit feinsten Strichen ausgeführten Tuschezeichnungen anschaut, denkt man aber unweigerlich an die Kriegsszenarien von Francisco de Goya, die Fabelwesen von Hieronymus Bosch, japanische Farbholzschnitte und Manga, die dystopischen Modellbaulandschaften der britischen Brüder Jake & Dinos Chapman oder Comics der etwas härteren Gangart. Ralf Ziervogel behauptet jedoch kokett, Comics hätten ihn nie interessiert.

Die oftmals brutale Fantasiewelt auf seinen in völlig freier Komposition entstehenden Zeichnungen, die er seit Anfang der 2000er Jahre pflegt, ist geprägt von einer häufig machohaft wirkenden Attitüde und einem sich – zumindest auf den ersten Blick – an Gewaltfantasien delektierenden Gebaren, das durchaus an literarische Männerfantasien wie Ernst Jüngers kriegsverherrlichenden Roman „In Stahlgewittern“ denken lässt. Oder ist das alles nur eine ins Groteske gewendete, zeichnerische Fabulierlust, die ein bürgerliches Publikum ebenso provozieren wie verführen will? Vom wortkargen Künstler gibt es dazu keine Kommentare.

Unter dem ambivalent gehaltenen Titel „As If“ ist aktuell in der mit den Hamburger Deichtorhallen assoziierten Sammlung Falckenberg die bislang größte Einzelausstellung von Ralf Ziervogel zu sehen. Ausgangspunkt der sich über vier Etagen erstreckenden Schau ist ein großes Konvolut von Werken, die der Sammlung Falckenberg gehören. Ergänzt wird die rund 130 Arbeiten umfassende Personale um zahlreiche Leihgaben, überwiegend aus Privatsammlungen und dem Besitz des Künstlers. Neben Zeichnungen verschiedenster Formate sind auch einige Videoarbeiten und frühe Installationen versammelt.

Die umfangreiche Hamburger Ausstellung beschränkt sich also nicht nur auf Ziervogels großformatige Zeichnungen. Sie gibt – und das dürfte für einige Betrachter dann doch überraschend sein – auch Einblicke in seine neueren, wesentlich abstrakteren Arbeiten. So entstehen seit 2014 sogenannte „Körperzeichnungen“. Ralf Ziervogel scheint hier die ultramarinblauen, weiblichen Körperabdrücke eines Yves Klein aus den 1960er Jahren in Erinnerung zu rufen, wenn er seinen eigenen Körper mit schwarzer Farbe versieht und Fragmente davon immer wieder auf großformatige Papierbahnen drückt. Dass der Betrachter auch hier wieder mit der ostentativ zur Schau gestellten Virilität des Künstlers konfrontiert wird, versteht sich bei Ziervogel wohl von selbst.

Die Ausstellung „Ralf Ziervogel – As If“ wurde bis zum 17. März verlängert. Die Sammlung Falckenberg hat jeden ersten Sonntag im Monat von 12 bis 17 Uhr geöffnet, zu anderen Zeiten nur im Rahmen einer Führung und nach vorheriger Anmeldung. Öffentliche Führungen finden donnerstags und freitags um 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags um 12 und 15 Uhr statt. Anmeldung unter www.deichtorhallen.de/buchung. Der Katalog aus dem Snoeck Verlag kostet im Museum 42 Euro, im Buchhandel 48 Euro.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg - Sammlung Falckenberg

Wilstorfer Straße 71

DE-21073 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 50 67 62

Telefax:+49 (040) 32 50 67 63

E-Mail: besuch@sammlung-falckenberg.de



07.01.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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