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Vor 450 Jahren starb Pieter Bruegel d.Ä in Brüssel. Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt erstmals in einer Soloschau den oft als „Bauern-Bruegel“ betitelten Gründer einer Malerschule

Im babylonischen Gewirr



Pieter Bruegel d.Ä., Der Turmbau zu Babel, 1563

Pieter Bruegel d.Ä., Der Turmbau zu Babel, 1563

Der Blick fällt auf eine betriebsame Baustelle. In der Mitte wächst aus einem Felsen ein Turmkoloss in bedrohlicher Schieflage empor. Das Projekt steht auf der Kippe. Größenwahn rächt sich. Je länger man hinschaut, desto mannigfacher erschließen sich Details. Emsig sind Handwerker bei der Arbeit. Steinmetze schlagen Quader zu, die anschließend von Tretkränen an ihren Bestimmungsort gehievt werden. Über Treppen, Holzstege, Leitern und Gerüste balancieren in schwindelerregenden Höhen Arbeiter. Eine Armada von Schiffen liefert über den vorbeiziehenden Fluss Steine, Ziegel, Kalk oder Baumstämme an. Erzeugnisse der Schmiede, Sand, Mörtel oder Ziegel werden per Pferdekarren weiter transportiert. Überall wird repariert, verputzt, auf- und abgebaut. In Räumen hinter den Bogenarkaden haben sich viele häuslich eingerichtet. Auf einer Anhöhe am linken unteren Bildvordergrund steht der Bauherr König Nimrod samt Gefolge, sein Bauvorhaben und den aufkommenden zerstörerischen Wirbelsturm im Rücken. Er hat die untere Wolkenzone schon durchstoßen und verschattet beunruhigend einen Teil der Stadt. Doch plötzlich sprechen alle Leute am Bau verschiedene Sprachen, keiner versteht den anderen mehr.


Der Maler Pieter Bruegel d.Ä. versetzte um 1563 den alttestamentarischen Turmbau zu Babel in drei Versionen vom Zweistromland in die weite Landschaft Flanderns. In zwei erhaltenen Tafeln kombinierte er die für Mesopotamien typischen Stufenbauten mit seinen Eindrücken vom Kolosseum während seines Rom-Besuches. Die kleinere Gemäldeversion konzentriert sich auf typische Pfeilervorlagen und Arkadenstellungen. Hier ist der Bau weiter fortgeschritten; die dunklere Farbgebung wirkt unheilvoller. Statt zylindrisch abgestuft windet sich spiralförmig eine Rampe um den Bau, auf der sich genau in der Bildmitte die Prozession eines Leichenzuges zur Kirche begibt. Beide Bilder sind visuelle Herausforderungen und gelten als Ikonen der Hybris schlechthin, als Zeichen gemeinschaftlichen Schaffens und drohender Vergeltung. Erstmals sind beide Varianten zusammen im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen: eine Sensation.

Das Kunsthistorische Museum kann sich derzeit mit einer epochalen Kunstschau der Superlative rühmen. „Nie wieder werden so viele Originale von Pieter Bruegel an einem Ort versammelt sein wie hier in Wien“, konstatierte Sabine Haag, Generaldirektorin des Museums. „Es ist die Krönung und zugleich der Abschluss meiner zehnjährigen Amtszeit.“ Die in sechs Jahren maßgeblich von der Kuratorin Sabine Pénot erarbeitete Schau umfasst 27 von weltweit 41 sicher dem Meister zugeschriebenen Tafelgemälden sowie mit 27 Zeichnungen und 33 Druckgrafiken etwa die Hälfte des grafischen Œuvre Bruegels. Im Jahr 2013 schätzte das Auktionshaus Christie’s das Gemälde „Der Hochzeitstanz“ des Detroit Institute of Arts auf 200 Millionen Dollar. Jeder kann sich so ausmalen, welche Werte momentan in Wien versammelt sind.

Dass ein solch ambitioniertes Unterfangen überhaupt bewältiget werden konnte, basiert auf zwei Aspekten. Dank der Sammlung des Hauses Habsburg verfügt das Kunsthistorische Museum allein über zwölf eigenhändige Gemälde Bruegels. Anlässlich des 450. Todestages sollte ein umfassendes Restaurierungs- und Forschungsvorhaben mittels neuer naturwissenschaftlicher Untersuchungen, Röntgenstrahlanalysen und Infrarotreflektografien präzisere Kenntnisse über Malprozesse, Techniken, Veränderungen oder Datierung bringen. Vieles lag dabei bisher im Dunkeln, genauso wie bei der Biografie des Malers selbst. Vermutlich um 1525/30 wurde er in einem Dorf namens Brueghel bei Breda, das heute nicht mehr verifiziert werden kann, oder in Antwerpen geboren. Nach der Ausbildung zum Miniaturenmaler soll er in der Antwerpener Kupferwerkstatt von Hieronymus Cock gearbeitet haben. Um 1551 trat er der Antwerpener Malergilde als Freimeister bei. In diese Zeit datieren die ersten bekannten Werke. In den Jahren 1552 bis 1554 bereiste Pieter Bruegel d.Ä. Italien und etablierte sich dann als Maler in Antwerpen, wobei er vornehmlich als Entwurfszeichner für den Verlag von Hieronymus Cock arbeitete. Im Jahr 1563 zog er nach Brüssel und starb dort am 9. September 1569.

Bruegels Söhne Pieter d.J. und Jan d.Ä. kopierten nach Übernahme der väterlichen Werkstatt fast serienmäßig seine Werke. Doch weder sie noch die Enkel waren so erfolgreich wie Pieter Bruegel d.Ä. Abgebildet auf Keksdosen oder als Kalenderblätter genutzt, sind seine Bilder bis heute omnipräsent und wecken die Schaulust in überbordenden Details von komischen, derben bis hin zu höllennahen Szenen, die allesamt Panoramen des Weltgeschehens sind. Drei wandgroße Videoloops lassen im Eingangssaal der Ausstellung in gestochen scharfer Auflösung vergrößerte Details aus bekannten Gemälden vorbeiziehen.

Die Grafiken stehen am Anfang des chronologisch und thematisch gestalteten Parcours. Wohl nur wenig im Sinne physiognomischer Ähnlichkeit hat sich um 1566 Pieter Bruegel d.Ä. in der Federzeichnung „Maler und Kenner“ skizziert. Mit dem Pinsel in der rechten Hand steht er vor der unsichtbaren Staffelei und lässt den Blick unter buschigen Augenbraunen darauf schweifen. Hinter ihm weilt der schmallippige, haarlose, schon in die Geldbörse greifende Käufer mit einem wenig kennerhaften Blick, der sich das Werk sichern will. Erstmals wird hier das Ringen des Künstlers mit der Ignoranz des Publikums thematisiert. Drumherum zeigt eine Serie früher Landschaften wie Bruegel Anregungen der Italien-Reise verarbeitet hat. Südliche Gegenden vereinen sich mit flämischen Dorfansichten, Einfälle von Tizian oder Domenico Campagnolas spielen mit hinein. Zu den gelungensten Landschaftsdarstellungen gehört „Die Hasenjagd“. In lichter flirrender Atmosphäre nimmt ein Armbrustschütze zwei Hasen ins Visier, während sich von hinten ein bewaffneter Mann anschleicht. Wer hat es auf wen abgesehen und was passiert nun?

Im nächsten Saal wartet ein Höhepunkt auf die Museumsbesucher: Erstmals seit über 350 Jahren sind wieder vier der einst sechs Jahreszeitenbilder – jeweils eines steht für zwei Monate – vereint. Den Winter symbolisieren „Die Jäger im Schnee“ – eine der frühesten und gleichzeitig eine der berühmtesten Winterlandschaften abendländischer Tafelmalerei. In Seitenkabinetten werden die Ergebnisse der technologischen Untersuchungen präsentiert, die den kreativen Prozess der Bildentstehung nachvollziehbar machen. Röntgenaufnahmen verdeutlichen, dass der vordere Jäger erst im Laufe der Bildentstehung auf den bereits gemalten Schnee hinzugefügt wurde, da er kompositorisch den Betrachter am besten von oben hinab in die Szene einführt. Schon zu Lebzeiten war Bruegel ein begehrter Maler und erhielt Aufträge vom gehobenen Antwerpener Bürgertum. Der Kaufmann und Bankier Nicolaes Jonghelinck bestellte bei ihm 1565 die Serie im gleichen Format und gleicher Horizontlinie. Im Saal der Landschaften finden sich auch zwei „Wimmelbilder“ mit einer überschäumenden Anzahl von Figuren. An die 230 Kinder tollen bei den „Kinderspielen“ auf dem Platz einer flämischen Stadt. Fast enzyklopädisch hat Bruegel hier 90 Spielarten rund über das Jahr erfasst.

Religiöse Gemälde beherrschen den nächsten Saal. Die „Kreuztragung Christi“ ist in einer gläsernen Klimavitrine frei im Saal stehend und somit auch rückseitig zu sehen. In einer weiträumigen Hügelgegend platzierte Bruegel eine schier unübersehbare Menschenmasse, so dass Christus in der Mitte kaum Beachtung findet. Sie gilt als einziges nicht beschnittenes Gemälde und ist auf einer aus fünf hauchdünnen Eichenholzbrettern zusammengesetzten Tafel gemalt. Weihnachtliche Stimmung lassen zwei Darstellungen von der „Anbetung der Könige“ aufkommen, wobei die aus Winterthur entliehene Variante als erstes Gemälde überhaupt gilt, auf dem fallender Schnee festgehalten ist. In der verschneiten Winterlandschaft gehen die Menschen dem Alltäglichen nach; andere stehen vor einem Stall mit löchrigen Dach: Es sind die Könige mit ihrem Gefolge. Leider konnte die dritte Version aus Gründen der Fragilität nicht aus Brüssel entliehen werden.

Experten schätzen, dass Pieter Bruegel d.Ä. die Hälfte seiner Werke auf Leinwand ausführte. Heute sind noch drei dieser „Tüchleinbilder“ existent, aber wegen extremer Fragilität nicht mehr transportabel, darunter der in Neapel verwahrte „Zug der Blinden“. Die meisten Gemälde haben für die Wiener Schau erstmals ihren Standort verlassen, so auch die aus Antwerpen entliehene „Dulle Griet“, eines der populärsten und rätselhaftesten Bilder Bruegels. Inmitten eines monströsen Höllenrauschens stürmt ein starkes altes Mannweib mit Schwert, Harnisch und einer Küchenpfanne bewaffnet, eine Groteske zwischen Trockenheit, Gewitztheit und Humor. Origineller kann man die zeitlose Frage hierarchischer Beziehungen zwischen Männern und Frauen wohl kaum illustrieren. Unten links in der Ecke ist ein „Fassmensch“ zu sehen. Wie die Forschung jüngst ermittelte, verwendete Bruegels Vorbild Hieronymus Bosch bereits dieses Detail.

Allein ein Saal widmet sich den „Zwei angeketteten Affen“, einem geheimnisvollen Gemälde mit exotischen, von Seeleuten mitgebrachten Tieren, die in einem Mauerbogen sitzen und auf Antwerpen schauen. Entliehen aus den Staatlichen Museen zu Berlin, werden hier die Ergebnisse der röntgentechnischen Untersuchungen und die Unterzeichnungen als Schlüsselfaktoren im malerischen Prozess vorgestellt. Der letzte Saal ist ausschließlich dem „Bauern-Bruegel“ gewidmet. Im Mittelpunkt steht das Monumentalgemälde „Bauernhochzeit“, ein Spätwerk, das zu den bekanntesten Bildern der Welt gehört. Erstmals in der Kunstgeschichte wurde eine derart alltägliche Szene so gewaltig interpretiert. In der weiträumigen Tenne einer Scheune tafelt die Hochzeitsgesellschaft, umsorgt von Dudelsackpfeifern, Bier einschenkenden Dienern und auftischenden jungen Männern.

„Der Bauerntanz“ inmitten der Kirmes auf einer Dorfstraße ist als zweites Monumentalbild beiseite gestellt. Neben allen Begleiterscheinungen einer ausgelassenen Gesellschaft versteckte Pieter Bruegel auch hier seine Schlüsselfiguren im Dickicht der Komposition, die entdeckt werden müssen. Im Jahr vor seinem Tod malte er den „Vogeldieb“ mit der für sein Spätwerk typischen großformatigen Figur. Scheinheilig will der Wilderer die Aufmerksamkeit auf einen Vogeldieb lenken, ohne zu erkennen, dass er gleich in einen Tümpel fallen wird und damit aus dem Bildraum in unsere Sphäre kippt. Lebensnah, tiefsinnig, und meisterhaft inszeniert – so blieb Bruegel bis zuletzt unerreicht. Seine kritischen Blicke auf die Gesellschaft sind visuelle Herausforderungen. Und sie sind bis heute aktuell.

Die Ausstellung „Bruegel“ ist bis zum 13. Januar 2019 zu sehen. Das Kunsthistorische Museum Wien hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis zusätzlich 21 Uhr und an Neujahr erst ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 20 Euro, ermäßigt 16 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahre ist er frei. Zur Ausstellung ist ein informativer Katalog in deutscher und englischer Sprache im Belser Verlag erschienen, der im Museum 39,95 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro kostet.

Kontakt:

Kunsthistorisches Museum Wien

Maria-Theresien-Platz

AT-1010  Wien

Telefon:+43 (01) 525 24 0

Telefax:+43 (01) 525 24 503

E-Mail: info@khm.at



31.12.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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02.10.2018, Bruegel

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Pieter Bruegel d.Ä., Bauernhochzeit, um 1567
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Pieter Bruegel d.Ä., Der düstere Tag, 1565
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Pieter van der Heyden, Die großen Fische fressen die kleinen, 1557
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Pieter Bruegel d.Ä., Die Imker, um 1568
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Pieter Bruegel d.Ä., Bauernhochzeit, um 1567

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Pieter Bruegel d.Ä., Die Kreuztragung Christi, 1564

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Pieter Bruegel d.Ä., Maler und Kenner, um 1566

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Pieter Bruegel d.Ä., Ripa Grande in Rom, um 1555/56

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Pieter Bruegel d.Ä., Turmbau zu Babel, wohl nach 1563

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Pieter Bruegel d.Ä., Die Versuchung des heiligen Antonius, um 1556

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