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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei Lempertz’ Moderne-Auktion punkteten die Franzosen. Die Deutschen hatten mit mehr Lücken zu kämpfen

Der nackte Mann mit dem Bart



Pablo Picasso hat es wieder einmal geschafft. Mit deutlichem Abstand positionierte sich der Jahrhundertkünstler in der Auktion „Moderne Kunst“ bei Lempertz an der Spitze der Zuschlagliste. Dafür setzte er eine „Kinderzeichnung“ aus seinem Lebensende ein. Denn aus unzähligen bunten Kringeln hat Picasso nach Kindermanier 1967 seinen „Homme nu couché“ entwickelt, der ohne Muse, Modell, Aphrodite, Stierkampfgetöse oder sonst übliche Begleitungen auskommen muss. Dennoch ist sein liegender nackter Mann mit Bart, der etwas versonnen aus dem Bild schaut, kraftvoll entwickelt, vibriert zwischen Ruhe und Spannung und lässt deutlich Picassos Handschrift aufscheinen. Das schien auch mehreren Sammlern zu gefallen, die schließlich den Preis für die großformatige Papierarbeit von 360.000 Euro auf 560.000 Euro hoben.


Mit der so häufig in seinem Schaffen thematisierten Weiblichkeit konnte Pablo Picasso am 30. November in Köln gleichfalls punkten. Seine Geliebte Françoise Gilot bezirzte die Kundschaft mit ihrer ornamentalen Lockenpracht und den langen Wimpern auf der Lithografie „Françoise aux cheveux ondulés“ von 1946 zu 44.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Doch an Picassos Keramikkrug „Visage aux yeux rieurs“ von 1969 fand für 30.000 bis 40.000 Euro niemand Freude. Die übrigen Franzosen schlugen sich meist wacker. Schon der Spätimpressionist Henry Moret konnte mit seiner 1898 datierten bretonischen Küstenlandschaft „Gros Temps“ taxgerechte 105.000 Euro einfahren, ebenfalls Pierre-Paul Girieud mit seiner um 1901 gemalten Abendlandschaft „La Seine au Bas Meudon“ 6.000 Euro.

Ihnen schlossen sich der Purist Amédée Ozenfant mit einer geometrisch verfestigten „Nature morte au pichet et à la guitare“ von 1921 in Pastellkreiden und Gouache, in die Pariser Kunsthandel hohe 78.000 Euro investierte (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR), und Henri Matisse mit der linienbetonten Lithografie „Etude pour la Vierge. Tête voilée“ um 1950/51 bei 11.500 Euro an (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). In der Nachkriegszeit hatte sich Serge Poliakoff schon in die Abstraktion verabschiedet und pflegte seine Malerei der verzahnten Farbflächen, wie 1966 bei der weiß-blau-schwarzen „Composition abstraite“, die sich für 100.000 Euro nach Hongkong verabschiedete (Taxe 70.000 bis 80.000 EUR). Zu den Spitzenreitern der Versteigerung gehörten – wenn auch noch mit einem Vorbehalt versehen – zwei Werke Joan Mirós: Das zarte träumerische Gouache- und Tuscheblatt „Souvenir du Parc Montsouris“ von 1937 für 210.000 Euro (Taxe 200.000 bis 240.000 EUR) und die kraftvollere und abstraktere „Solitude III/III“ von 1960 für 270.000 Euro (Taxe 280.000 bis 320.000 EUR).

Die deutschen Klassiker hatten mit mehr Ausfällen zu kämpfen, so dass der Bruttoumsatz am 30. November bei einer losbezogenen Verkaufsrate von knapp 60 Prozent nur bei 5,25 Millionen Euro lag. Hier hätte es noch etwas mehr sein können, wenn einige der Highlights in neue Hände übergegangen wären: Max Liebermanns flott gemalte, mittelgroße Leinwand „Zwei Mädchen aus Laren“ von 1897, Paula Modersohn-Beckers bisher unbekanntes „Brustbild zweier Jungen vor Landschaft“ um 1901, Christian Rohlfs’ vor dunklem Hintergrund aufleuchtende „Häuser in Soest“ um 1918 (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR) oder Wassily Kandinskys ungegenständliches Spätwerk „La Forme tournée“ von 1938 (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR).

Deutlich höher war der Zuspruch bei Emil Nolde. Von seinen zehn Papierarbeiten blieben nur drei liegen. Ein deutscher Sammler musste hart kämpfen, um das von Noldes Südseeaufenthalt inspirierte lichte Aquarell „Dschunken“ von 1913 bei 80.000 übernehmen zu können (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR). In Deutschland blieben zudem die abendliche Naturstimmung „See mit zwei blauen Booten vor Berglandschaft“ und sein Stillleben „Sonnenblume und gelbe Dahlienblüte“ für jeweils 140.000 Euro (Taxen 100.000 bis 120.000 EUR und 120.000 bis 140.000 EUR). Nochmals deutlich über dem Schätzrahmen von 50.000 bis 60.000 Euro platzierte sich Noldes weiteres leuchtendes Blumenaquarell mit roten, blauen und gelben Blüten um 1945/48 bei 85.000 Euro. Bei Ernst Ludwig Kirchner hielten sich drei verkaufte und drei unverkaufte Positionen die Waage. Zu den Rückgängen gehörte das Pastell „Liegender und Badende“ an der Moritzburger Teichen aus bester Brücke-Zeit von 1909 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), während um die kritzelige Gouache „Zwei Bauern im Gespräch“ aus der frühen Davoser Zeit um 1920 die Kunden bis zu 64.000 Euro rangen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Mit Preisen im sechsstelligen Bereich überzeugten dann noch Lesser Urys impressionistisches Großstadtmotiv „Nächtliche Straßenszene, Berlin (In den Zelten)“ bei 100.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR) und Alexej von Jawlenskys kleines schwarzes konturiertes „Portrait Frau Kirchhoff“ in hellen Farben. Tony Kirchhoff, die Ehefrau des Wiesbadener Sammlers Heinrich Kirchhoff, der seit 1921 Werke Jawlenskys kaufte und schließlich über 120 seiner Arbeiten zusammengetragen haben soll, ging bei der unteren Schätzung von 240.000 Euro zu einem nordamerikanischen Sammler. Diesen Wert gab es zudem aus Händen eines deutschen Bieters für Ernst Wilhelm Nays rhythmisiert gestaltete Girlanden-Leinwand „Dominant Grün“ von 1955 (Taxe 230.000 bis 240.000 EUR). In den 1930er Jahren arbeitete Nay noch figurativer und setzte sich mit den Themen Mensch, Meer und Landschaft auseinander. Herauskamen 1936 die rudimentär ausformulierten, skulpturalen „Fischer“, für die sich deutscher Handel bei 170.000 Euro engagierte (Taxe 130.000 bis 150.000 EUR).

Auch einige Werke aus dem mitterlen Preissegment konnten sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen, etwa August Mackes Aquarell- und Gouachearbeit „Wagen in silberner Straße“ von 1913, die vor einem Jahr bei Grisebach in Berlin für 70.000 bis 90.000 Euro durchfiel, bei Lempertz nun mit reduzierter Taxe von 40.000 bis 50.000 Euro ein weiteres Mal antrat und mit 70.000 Euro auf Grisebach-Niveau kletterte. Noch einmal 5.000 Euro mehr spendierte ein deutscher Kunde für Hans Purrmanns mediterrane „Landschaft mit Palme“ von 1912 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Die Sammler belohnten zudem die satirische Gesellschaftskritik der Weimarer Republik auf zwei Tuschezeichnungen George Grosz’: die vier Männer aus verschiedenen Gesellschaftsschichten auf einer Berliner Straßenszene von 1918 mit taxkonformen 20.000 Euro, die freizügige Dame mit vier alten Honoratioren im „Berliner Salon“ mit 36.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Bei den Skulpturen musste der Favorit passen: Ernst Barlachs 1928 geschaffene Bronze „Der singende Mann“ in einem posthumen Guss wohl aus den 1970er Jahren stieß bei 100.000 bis 120.000 Euro auf keine Gegenliebe. Dafür freute sich Käthe Kollwitz über 45.000 Euro für ihre wohl um 1936/37 entstandene, dicht gedrängte „Kindergruppe“, die ebenfalls in einem posthumen Guss vor 1958 zur Verfügung stand (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR). Bei Joseph Enseling war die Nachfrage überraschenderweise geteilt. Von seinem elegischen ersten Menschenpaar aus dem Jahr 1914 ging nur Adam für 7.500 Euro weg, Eva verblieb dagegen im Haus (Taxe je 8.000 bis 10.000 EUR). Eindeutiger war der Erfolg für Emy Roeder. Ihre kantig markante Büste „Bildnis Karl Schmidt-Rottluff“ von 1955/56 zog von 10.000 Euro auf 18.000 Euro an. Und auch bei Waldemar Grzimeks überdehntem Frauenakt „Schwebende II“ gab es an 10.000 Euro nichts zu rütteln (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Für Gerd Arntz’ nur schwer kategorisierbaren bemalten Druckstock – ist das nun Grafik, Malerei oder Relief – gab es sogar einen Auktionsrekord. Der Kölner Progressive fuhr mit seinen beiden geometrisierten Frauengestalten auf dem Blatt „Spiegel“ von 1925 gute 65.000 Euro ein (Taxe 50.000 EUR).

Bei den nicht so geläufigen Künstlern, die hauptsächlich im zweiten Teil der Versteigerung verhandelt wurden, entdeckten die Sammler ihre Schätze, etwa Curt Herrmanns frisches neoimpressionistisches Blumenstillleben aus den 1910er Jahren für 13.500 Euro. Julius Bissiers von Neuer Sachlichkeit und Magischem Realismus beeinflusstes Hinterglasbild mit lachender und trauriger „Maske“ aus den 1920er Jahren erreichte die obere Schätzung von 12.000 Euro. Max Kaus’ expressionistischer weiter Küstenstreifen unter düsteren „Regenwolken“ übertraf die bis 22.000 Euro ausgreifenden Preisvorstellungen um 1.000 Euro. Noch deutlicher war der Abstand bei Otto Modersohns Sommertag an der „Wümme mit Kahnfahrer“ unter grünem Blätterdach von 1911 mit einem Zuschlag bei 26.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Unentdeckt blieb gleichfalls nicht Erich Heckels aquarellierter Blick über den Main mit der steil aufragenden Festung Marienberg in Würzburg von 1928, der auf 9.000 Euro stieg (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Mit Fritz Winters gestischer Abstraktion „Spiegelung“ einiger kammartiger Formen von 1950 war bei 24.000 Euro schon die Nachkriegskunst erreicht (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Man Ray griff für sein Shadow Drawing mit Versatzstücken eines Gesichts und geometrischen Doppelungen um 1970 auf eine Kohlezeichnung des Jahres 1952 zurück. Hier kamen 20.000 Euro am oberen Taxrand zusammen.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



31.12.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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